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DAX-Chartanalyse: Zu schnell gestiegen

In den vergangenen zwei Wochen legte der DAX ohne Korrektur um rund 650 Punkte zu. Eine Pause wird nun sehr wahrscheinlich, denn die Überhitzungssignale mehren sich. Die DAX-Chartanalyse für den 20. September 2013.

 

DAX 9000 zum Jahresende? Für viele Experten ausgemachte Sache. Doch nach der jüngsten Rally träumen bereits einige DAX-Bullen, dass die runde Schwelle vielleicht schon im September oder Oktober erreicht wird. Denn der Deutsche Leitindex legte zuletzt ein beeindruckendes Tempo aufs Parkett, zeigte mit drei großen Aufwärtslücken eine starke Trenddynamik und übersprang wichtige Widerstände ohne Probleme. Und was folgt dann? Der Angriff auf die magische 10.000?

Irgendwann werden wir sicherlich fünfstellige Kurse auf der Anzeigetafel bewundern können, aber sicherlich nicht im kurz- bis mittelfristigen Zeitraum. Auch von der 9000er-Marke trennen uns zwar nur noch rund 300 Punkte oder 3,4 Prozent. Dennoch kann ich mir derzeit nicht vorstellen, dass wir die nächste Tausenderschwelle in den kommenden Tagen / Wochen sehen werden. Wie bereits mehrfach geschrieben gibt es zwar auf der Oberseite bis 9080 keine ernst zu nehmen Widerstände mehr, die den DAX ausbremsen könnten. Kurzfristig ist der Markt aber deutlich überkauft, eine gesunde Korrektur nur noch eine Frage der Zeit. Dies gilt auch für den richtungsweisenden US-Markt, wo der S&P 500 wieder fast die Oberkante des seit 2009 bestehenden Aufwärtskanals erreicht hat.

Der DAX startete gestern mit einer 100 Punkte-Aufwärtslücke in den Handel und drehte ab dem Mittag in das Gap (Erschöpfungslücke) zurück. Ein erstes Schwächesignal, denn während es im Anschluss an die erste Lücke (Ausbruchslücke) Anfang September noch zu massiven Anschlusskäufen kam, folgte auf das zweite Gap (Fortsetzungslücke) eine Seitwärtsbewegung. Die Dynamik nahm somit nach jeder Kurslücke ab. Im gestrigen Tageshoch prallte der DAX zugleich an einer eher schwachen inneren Aufwärtstrendlinie ab, was ebenfalls negativ zu werten ist. Auch das auffällig hohe Handelsvolumen von 4,5 Mrd. Euro auf Xetra verbunden mit den Kursverlusten verstärkt die Hinweise auf ein temporäres Bewegungshoch. Zusammen mit den bereits im oberen Extrembereich verlaufenden Indikatoren (DSS Bressert, Abstand zur 21-Tage-Linie mit 3,9% im kritischen Bereich) wird eine Korrektur nur sehr wahrscheinlich.

Die Bären stehen also parat, nun bleibt abzuwarten, ob wir eine deutliche Korrektur sehen, wobei der übergeordnete Aufwärtstrend wahrscheinlich nicht gefährdet ist. Vorbörslich steht der DAX bei 8680. Fallen die Notierungen Richtung Süden, steht zunächst das Gapclose mit Ziel 8645 auf der Agenda. Hier bietet sich dem Index bis hinunter auf 8600 /  8585 die Chance auf eine Stabilisierung bzw. Erholung, die aber wohl nicht über 8770 hinausgehend wird. Fallen die Kurse bis in die zweite Aufwärtslücke, liegen schwache Unterstützungen bei 8557 (altes Rekordhoch) und 8535 (Aufwärtstrendlinie). Als wesentlich robuster gilt aber erst der Bereich 8440 / 8460 – ein mögliches Korrekturziel für die kommende Woche.

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Kennzahlen:

 

DAX-Pivot-Punkte für den 20. September:

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Für einige Anleger sind Pivot Punkte vielleicht noch Neuland. Kurz zur Erklärung: Die Pivot Punkte dienen der Kurszielbestimmung und haben ihren Ursprung in den Futures-, Termin- und Forexmärkten. Grundannahme ist, dass die Kursbewegungen des vorherigen Handelstages Einfluss auf den neuen Börsentag haben. Berechnungsgrundlage sind daher Tageshoch, Tagestief und Schlusskurs vom Vortag. Als Ergebnis erhält man drei Widerstandsmarken (Resist R 1-3) sowie drei Unterstützungsniveaus (Support S 1-3).

 

wichtige Chartmarken:

DAXMarken

 

 

DAX stößt in neue Regionen vor

Durchweg positiv präsentiert sich derzeit der Tageschart. Alle kurz- bis mittelfristigen gleitenden Durchschnitte, Trendlinien und der übergeordnete Wochenchart sowie die Indikatoren – der MACD drehte erst vor wenigen Tagen von „Verkaufen“ auf „Kaufen“ –  weisen derzeit Richtung Norden und stützen den jüngsten Ausbruch auf das Rekordniveau. Auch das erhöhte Handelsvolumen der vergangenen Tage spricht für eine nachhaltige Bewegung.

Bereits vom Markt bestätigte Widerstände sind nicht mehr vorhanden. Erfahrungsgemäß erweisen sich runde Kursmarken wie 8700 und 8800 an mögliche Korrekturziele. Grundsätzlich eröffnet sich dem DAX auf Basis der Rechteck-Methode aber weiteres Potenzial bis 9080 Zähler. Dieses Niveau dürfte der DAX aber nicht ohne eine vorherige Konsolidierung erreichen. Rückenwind kommt derzeit von den Indikatoren. Während auf rein charttechnischer Basis keine relevanten Widerstände bestimmt werden können, verlieren Indikatoren wie der abgebildete MACD, DSS Bressert oder auch der prozentuale Abstand zur 21-Tage-Linie nicht an Aussagekraft. Allerdings lassen sich mit den Signalen keine exakten Wendepunkte bestimmen, sie dienen lediglich als Warnung vor überhitzten Marktphasen. Aktuell hat der DAX eher wenig Luft nach oben. Der DSS Bressert notiert bereits in der nördlichen Zone, ein Verkaufssignal liegt aber noch nicht vor. Auch der Abstand des DAX zur 21-Tage-Linie (untere rote Linie) von aktuell 3,4 Prozent stellt keine unmittelbare Gefahr dar. In diesem Jahr kam es ab einem Niveau von 3,8 Prozent zu einer Korrektur, die entweder über eine Seitwärtskonsolidierung oder fallende Kurse abgebaut werden kann.

Auf der Unterseite ist der DAX gut abgesichert. Neben dem alten Rekordniveau um 8550 vermittelt vor allem der Bereich zwischen der steigenden 200-Tage-Linie bei derzeit 7980 bis zur erwähnten Aufwärtstrendlinie bei aktuell 8100 einen sehr zuverlässigen Eindruck und begrenzt das Risiko für mittelfristig ausgerichtete Long-Engagements. Erst wenn der deutsche Aktienindex tiefer zurückfallen sollte, kippt der Trend. Anzeichen dafür sind aktuell aber nicht vorhanden.

 

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Neues Bewegungshoch in Sicht

Auch der dritte Anlauf in diesem Jahr an die seit Herbst 2011 bestehende Aufwärtstrendlinie verlief für die Verkäufer ohne Erfolg. Ein Durchbruch auf der Unterseite wäre sehr negativ gewesen und hätte weiteren Korrekturpotenzial bis mindestens an die wichtige horizontale Unterstützung bei 7400 (April-Tief) geführt.

Stattdessen ist der Blick nun klar noch oben gerichtet, wobei der DAX nun zwingend und auch nachhaltig ein neues Bewegungshoch erreichen sollte, um die Aufwärtsbewegung zu bestätigen. Unmittelbare Widerstände lassen sich im Wochenchart nicht mehr ausmachen. Die Mittellinie (entspricht der oberen Aufwärtstrendlinie im Tageschart) des seit Herbst 2011 bestehenden Trendkanals kann als Orientierungsziel verwendet werden und verläuft nach dem letzten Test im Mai aktuell bei rund 9150 Punkten.

 

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Richtungsweisende Entwicklung

Seit rund 13 Jahren scheitert der DAX an der 8000er-Marke. Während der derzeit noch laufenden dritten Aufwärtswelle markierte der Deutsche Leitindex zwar neue Bewegungshochs mit Kursen von bis zu 8557 Punkten. Im sehr langfristigen Kursverlauf kann aber noch nicht von einem nachhaltigen Ausbruch auf der Oberseite gesprochen werden, da der Index inzwischen nur noch knapp über der runden Schwelle notiert.

Aus rein charttechnischer Sicht ist dies nicht überraschend, denn an der 8000er-Marke steht viel auf dem Spiel. Ähnlich wie im amerikanischen Leitindex S&P 500 ist bei anhaltender Kaufbereitschaft mit einer längerfristigen und sehr nachhaltigen Aufwärtsbewegung zu rechnen, die den DAX deutlich in dreistellige Kursregionen oberhalb von 10.000 Punkten führen sollte. Eine solche Entwicklung werden die Bären aber nicht ohne Gegenwehr geschehen lassen.

Dennoch  ist die Wahrscheinlichkeit für einen Ausbruch auf der Oberseite als leicht erhöht einzuschätzen. Zwar kann es durchaus noch einmal zu einen erneuten Test der unteren Aufwärtstrendlinie bei derzeit rund 5360 Punkten kommen. Die steigenden Bewegungshochpunkte seit 2003 stimmen aber positiv. Kursrückschläge wurden immer früher zum Einstieg genutzt und verstärken den Druck auf der Oberseite eines möglichen aufsteigenden Dreiecks.

Die Indikatoren weisen in der sehr langfristigen Betrachtung bereits teilweise einen überhitzten Zustand auf. Allerdings können die Signalgeber durchaus über mehrere Monate, sogar Jahre, im oberen Extrembereich laufen, ehe ein Verkaufssignal aktiv wird. Beste Beispiele liefern die Jahre 2004/2005 und 2010 (DSS Bressert). Etwas entspannter ist derzeit noch die Lage im trendfolgenden MACD. Aktuell liegt die MACD-Linie noch deutlich unter den oberen Wendepunkten der vergangenen Jahre (grüner Kasten).

 

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Posted in: Deutschland

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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