DAX-Chartanalyse: Rückschläge bieten Kaufchancen

Während die US-Indizes mit frischen Rekordhochs glänzen, hat der DAX noch ein wenig Arbeit vor sich bis zum Allzeithoch. Der Gipfelsturm dürfte aber nur eine Frage der Zeit sein. Die DAX-Chartanalyse für den 19. Juli 2013.  

 

Am gestrigen Tag zeigte sich sehr schön, was passiert, wenn die Schwankungsbreite im DAX deutlich abnimmt. Es ist dann nur eine Frage der Zeit, bis eine impulsive Bewegung einsetzt. Verstärkt wird dieser Effekt, wenn der Markt in unmittelbarer Nähe einer charttechnischen Hürde oder Unterstützung handelt. Auch die Richtung kann meistens mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit bestimmt werden, hier gilt es einfach den übergeordneten Trend im Blick zu behalten. Das Ergebnis sehen Sie im Stundenchart. Bis 14 Uhr dümpelte der DAX in einer immer engen werden Spanne seitwärts und brach dann – in Trendrichtung – über den Widerstand bei 8270/8285 Punkten zügig nach oben hin aus. Zur Schlussglocke stand der Markt ein Prozent höher bei 8337 Zählern.

Die bis zum Rekordhoch nun kontinuierlich abnehmende Markttiefe begünstigt in den kommenden Tagen eine zügige Fortsetzung der Aufwärtsbewegung, zumal der DAX keine robusten Hürden vor der Brust hat. Als Orientierungspunkte dienen lediglich die Bewegungshochpunkte der Korrekturphase vom Juni bei 8360 und um 8410 Zählern.

Vorbörslich zeichnet sich aber nach den schwachen US-Bilanzen eine tiefere Eröffnung ab, Broker sehen den DAX bei 8295 Zählern. Gewinnmitnahmen sind nach der Rally von rund 550 Punkten ohnehin einzuplanen. Nach unten ist der DAX aber gut abgesichert. Der bisherige Widerstand bei 8270/8285 Punkte vollzieht einen Rollentausch und dient gleich zu Handelsbeginn als erste Unterstützung. Eine schwache Haltezone liegt zudem bei 8130/8140 Zählern. Im derzeit eher unwahrscheinlichen Fall einer deutlicheren Korrektur stellt die Kombination aus horizontaler Unterstützung und 21-Tage-Durchschnitt um 8000 Punkte eine robuste Bastion dar.

 

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Kennzahlen:

 

DAX-Pivot-Punkte für den 19. Juli:

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Für einige Anleger sind Pivot Punkte vielleicht noch Neuland. Kurz zur Erklärung: Die Pivot Punkte dienen der Kurszielbestimmung und haben ihren Ursprung in den Futures-, Termin- und Forexmärkten. Grundannahme ist, dass die Kursbewegungen des vorherigen Handelstages Einfluss auf den neuen Börsentag haben. Berechnungsgrundlage sind daher Tageshoch, Tagestief und Schlusskurs vom Vortag. Als Ergebnis erhält man drei Widerstandsmarken (Resist R 1-3) sowie drei Unterstützungsniveaus (Support S 1-3).

 

 

 

wichtige Chartmarken:

DAXMarken

 

 

 

Perfekte Ausgangslage
 

Besser hätte es eigentlich nicht laufen können. Mit dem Anstieg über die 800er-Marke und damit dem Sprung in das obere Rechteck kletterte der DAX in der Vorwoche auch über den mittelfristigen Abwärtstrend und generierte dank der freundlichen Entwicklung ein Kaufsignal im MACD. Zudem eroberte der Leitindex die 21-, 55- und 100-Tage-Linie zurück.

Ernsthafte Widerstände auf dem Weg zum Rekordhoch lassen sich auch charttechnischer Sicht kaum noch ausmachen. Oberhalb von 8000 Punkten nimmt die Markttiefe spürbar ab und begünstigt somit eine zügige Erholung. Als Zwischenziele für die kommenden Tage dienen die fallenden Bewegungshochs der Mai/Juni-Konsolidierung bei 8285, 8350 und 8415 Punkten. Übergeordnet ist der Fokus auf das Rekordhoch gerichtet. Sollte der DAX bis in diese luftigen Regionen vorstoßen, steigt aber die Gefahr einer Korrektur. Denn an markanten Chartniveaus wie Allzeithochs neigen Investoren erfahrungsgemäß zu Gewinnmitnahmen. Zudem würde der DAX hier auch auf die obere Begrenzung des aktuellen Rechtecks treffen. Kleiner Hinweis für die Bullen: Sollte das Aktienbarometer über das Rekordhoch steigen und somit in das nächst höhere Rechteck vorstoßen, liegt die nächste Zielmarke bei 9030 Punkten. Aber das ist noch Zukunftsmusik.

Nach unten sind erprobte Unterstützungen vorerst Mangelware. Vor allem die Kerzen von Ende vergangener Woche mit einem kleinen Körper hinterlassen einen skeptischen Eindruck und sind alles andere als bestätigende Signale einer dynamischen Erholung. Ein Rücksetzer bis an die robustere Nachfragezone um 8000 / 8040 Punkten wäre aus technischer Sicht noch unbedenklich.

 

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Rally 2.0?

Auf Wochensicht eröffnete sich für Anleger kürzlich eine gute Einstiegsgelegenheit, denn der DAX testete erfolgreich die untere Begrenzung eines seit Mitte 2011 bestehenden, rund 1500 Punkte breiten Aufwärtskanal. Zuletzt wurde die südliche Zone während der Korrektur Mitte April angelaufen. Die deutliche Erholung im Anschluss könnte somit aktuell als Blaupause genutzt werden und würde für die kommenden Wochen auf eine sehr feste Kursentwicklung deuten.

Zur Vorsicht mahnt die Tatsache, dass der DAX bereits seit über einem Jahr nicht mehr die obere Begrenzung des Kurkorridors erreichte und sich zuletzt sogar der Druck auf die Unterseite erhöhte. Diese Entwicklung muss nun weiter genau beobachtet werden und könnte ein erstes Signal für ein Ende der seit Mitte 2011 laufenden Rally sein. Noch besteht aber kein Handlungszwang, zumal der DAX nach unten hin gut abgesichert ist. Die Unterkante des Aufwärtskanals verläuft auf Höhe der 200-Tage-Linie bei rund 7760 Punkten. Erst wenn der Markt diese wichtige Bastion sowie die horizontale Zone um 7450 per Wochenschluss unterschreitet, trübt sich die übergeordnete charttechnische Lage ein. Aktuell bleibt die Prognose für den mittel- bis langfristigen Horizont somit noch positiv. Platz nach oben ist ohnehin reichlich vorhanden, denn erst bei knapp 10.000 Punkten verläuft die Oberkante des erwähnten Trendkanals. Zuvor dürfte der DAX aber an runden Kursmarken zu einer Korrektur neigen.

 

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10.000 oder 5300 Punkte?

Im Monatschart hat die bisherige Korrektur ausgehend vom Rekordhoch bei 8558 Punkten noch keinen größeren Schaden angerichtet. Bleiben weitere Rücksetzer aus, sollte der DAX die seit 2000 und somit rund 13 Jahren anhaltende große Seitwärtsbewegung endlich nach oben hin auflösen und den „Deckel lüften“. Im Jahr 2007 scheiterte der Markt fast das gesamt Jahr hindurch an einem nachhaltigen Anstieg über das 2000er-Hoch, in 2011 zogen sich die Käufer bereits deutlich tiefer bei rund 7400 Punkten wieder zurück. Noch ist es aber zu früh, von einem nachhaltigen Ausbruch zu sprechen. Ein Monatsschluss unter der 8000er-Marke und damit auch unter den 2007er-Hochs würde berechtigte Zweifel aufkommen lassen.

Mittel- bis langfristig weist der Weg für den DAX aber aufwärts. Seit 2003 lässt sich eine Serie von steigenden Korrekturtiefs ausmachen. Zusammenfassend kann die Entwicklung der vergangenen 13 Jahre auch als großes aufsteigendes Dreieck gewertet werden. Der Sprung in dreistellige Kursregionen an der 10.000er-Marke wäre nur eine Zwischenstation hin zu deutlich höheren Niveaus jenseits der 15.000. Aber das ist noch Zukunftsmusik.

Auch in dieser sehr langfristigen Betrachtung weisen die Indikatoren bereits teilweise einen überhitzten Zustand auf. Allerdings können die Signalgeber durchaus über mehrere Monate, sogar Jahre, im oberen Extrembereich laufen, ehe ein Verkaufssignal aktiv wird. Beste Beispiele liefern die Jahre 2004/2005 und 2010 (DSS Bressert). Etwas entspannter ist derzeit noch die Lage im trendfolgenden MACD. Aktuell liegt die MACD-Linie noch deutlich unter den oberen Wendepunkten der vergangenen Jahre (grüner Kasten).

Dennoch kann ein erneuter Test der langjährigen Aufwärtstrendlinie nicht ausgeschlossen werden. Aktuell verläuft der kritische Bereich um 5300 Punkten.

 

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Posted in: Deutschland

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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