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By 27. Januar 2014 Read More →

DAX-Chartanalyse: Panik ist nicht angebracht

Der scharfe Rücksetzer der vergangenen beiden Tage hat wohl so manchen Bullen überrascht. Aber es war eine Korrektur mit Ansage. Wer sein Pulver trocken gehalten hat, kann bald wieder günstiger einsteigen. Die DAX-Chartanalyse für den 27. Januar 2014.

Stundenanalyse:

Man sollte gehen, wenn es am schönsten ist – lautet eine bekannte Redewendung. Gleiches gilt auch an der Börse. Wenn nur noch Bullen unterwegs sind, wird es gefährlich. Ordnet man den jüngsten Rücksetzer in die Historie ein, zeigt sich deutlich, dass bereits seit Monaten etwas nicht mehr stimmte. Der DAX lieferte am Freitag mit 2,5 Prozent den stärksten Tagesverlust seit Mitte Juni, der Wochenverlust von 3,6 Prozent entsprach dem höchsten Abschlag seit Ende August. Das Handelsvolumen lag bei knapp 5 Mrd. Euro auf Xetra, ein Niveau, das sonst nur an Verfalltagen erreicht wird. Sicherlich sind Rücksetzer von mehr als 2 Prozent nicht gerade an der Tagesordnung, zumal der DAX innerhalb weniger Tage auch 400 Punkte einbüßte. Dennoch gilt es nun kühlen Kopf zu bewahren und nicht in Panik zu geraten, auch wenn in zahlreichen Berichten nun von Crash und Untergang die Rede ist. Noch sind alle mittel- und langfristigen Trends intakt, und daran wird sich auch so schnell nichts ändern. Die letzte Korrektur, die ihren Namen auch verdient, gab es im Sommer. Entsprechend hoch ist nun auch das Korrekturpotenzial. Jeder, der bereits etwas länger an der Börse aktiv ist, weiß, dass Verluste von 10 Prozent letztlich gesund sind und vielfach die Basis bilden für eine gesunde nachhaltige Aufwärtsbewegung.

Zumal auch unter der Oberfläche die Aktien heiß gelaufen sind. Mitte der vergangenen Woche notierten mit Ausnahme von Lanxess alle Blue Chips über ihrer 200-Tage-Linie, die höchste Quote seit mehr als 3 Jahren. Für gewöhnlich korrigiert der Markt, wenn 85 bis 90 Prozent der Aktien über der langfristigen Signallinie notieren.

Vorbörslich ist der DAX recht volatil und steht rund eine Stunde vor Eröffnung bei 9355. Eine spannende Ausgangslage, denn um 9365 verläuft eine erste, nicht unwichtige Unterstützung. Im positiven Fall behauptet sich der DAX über 9400, ein erster Zielbereich liegt dann um 9500. Hier wurden in der Vergangenheit recht viele Transaktionen abgewickelt, dass Volumengebirge am rechten Rand steigt markant an. Entscheidend ist aber erst der Bereich um 9550. Neben der 21-Tage-Linie verläuft hier auch eine waagerechte Barriere, die im Januar lange als Widerstand fungierte. Erst wenn der DAX dieses Niveau zurückerobert, liegt auch kurzfristig wieder eine neutrale Ausgangslage vor.

Fällt der DAX hingegen unter 9365,  bietet die 55-Tage-Linie um 9320 eine weitere Haltemarke. Bereits während der Korrektur Mitte Dezember waren an der Signallinie auffällig viele Käufer aktiv und führten zu einer erneuten Aufwärtsbewegung. Grundsätzlich zeigt der Chart aber erst wieder um 9200 / 9250 zwei Unterstützungen.

DAXST1

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Tagesanalyse:

Korrektur mit Ansage

Der Rücksetzer in der vergangenen Woche kommt nicht überraschend, denn charttechnisch schöpfte der DAX sein Potenzial auf der Oberseite aus. Erneut scheiterten die Bullen an einer seit Mai 2012 bestehenden oberen Trendlinie, die zusammen mit einer Parallellinie bei derzeit 8800 einen Trendkanal ergibt. In der Vergangenheit kam es häufig vor, dass der DAX nach einem Test der nördlichen Extremzone bis an die Unterseite lief. Widerholt sich das Muster, ist kurzfristig mit weiter fallenden Kursen bis 8800 zu rechnen.

Vorgelagert finden sich um 9200 und besonders 9000 noch zwei Stabilisierungsgelegenheiten. Vor allem die runde 9000er-Schwelle wurde im vierten Quartal 2013 mehrfach zu von oben angelaufen und bestätigt. Hier verläuft auch die 100-Tage-Linie als zusätzlicher Signalgeber. Wird auch dieser Bereich unterboten, ist der Weg frei für einen erneuten Test der unteren Kanalbegrenzung. Der mittelfristige Aufwärtstrend würde somit erst kippen, wenn der DAX unter 8800 zurückfällt. Es besteht somit derzeit noch kein Grund, an der Rally zu zweifeln.

Für eine Korrektur sprechen auch die abgebildeten Indikatoren. Der MACD steht nach den Verlusten vom vergangenen Freitag auf Verkaufen. Auch der DSS Bresser bestätigte nicht mehr das jüngste Hoch beim DAX und bildete eine negative Divergenz. Eine zügige Gegenbewegung über 9800 und somit ein Ausbruch aus dem Trendkanal auf der Oberseite ist vorerst recht unwahrscheinlich.

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Wochenanalyse:

An der Grenze angekommen

Seit dem letzten ernst zu nehmenden Crash im Sommer 2011 läuft der DAX in einer von nur kurzen Konsolidierungen gekennzeichneten Aufwärtsbewegung. Maßgeblich auf der Unterseite ist eine seit Herbst 2011 bestehende Aufwärtstrendlinie, die im Jahr 2013 mehrfach angelaufen und bestätigt wurde. Verstärkt wird die aktuell bei knapp 8820 verlaufende Gerade von der viel beachteten 200-Tage-Linie, die klar steigend im Bereich um 8600 notiert. Für den Deutschen Aktienmarkt bleiben die Aussichten auf der mittel- bis langfristigen Zeitebene  bullisch, solange der Markt über dem 200-Tage-Durchschnitt notiert. Ausgehend vom aktuellen Niveau könnte der DAX somit deutlich korrigieren, ohne das eine Neueinschätzung erforderlich wäre.

Während auf der Unterseite somit recht viel Luft vorhanden ist, erscheint das Potential Richtung Norden eher begrenzt. Als Spielverderber für die Bullen erweist sich eine seit Frühjahr 2012 bestehende Trendlinie, an der es zuletzt mehrfach zu Gewinnmitnahmen kam. Erst wenn die Gerade überwunden ist, eröffnet sich für den DAX weiterer Spielraum. Die Aussichten sind aber eher schlecht, denn zuletzt bestätigte Indikatoren wie der abgebildete DSS Bressert nicht mehr die neuen Hochs im Leitindex. Auch der MACD zeigt eine deutlich nachlassende Schwungkraft, ein Verkaufssignal könnte bereits bald folgen.

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Monatsanalyse:

Zwei Szenarien für die nächsten Jahre

Im abgebildeten Monatschart seit 1960 wird vor allem die Bedeutung des Kursbereichs um 8000 / 9000 deutlich. Nach dem Ausbruch aus einer rund 20 Jahre andauernden Seitwärtsbewegung im Jahr 1983 zeigte der DAX bis zur Jahrtausendwende eine ausgeprägte Rally-Bewegung. Mit dem Platzen der Spekulationsblase wurde diese Aufwärtsbewegung in den vergangenen 13 Jahren konsolidiert. In dieser Zeit bildete der Deutsche Aktienindex deutlich steigende Bewegungstiefpunkte aus, was auf einen allmählich steigenden Kaufdruck deutet. Der Sprung über die Hochpunkte aus dem Jahr 2000 und 2007 bei 8200 war somit nur eine Frage der Zeit.

Nach dem nun erfolgten Ausbruch sind zwei grundsätzliche Szenarien denkbar. Aufgrund der Bedeutung der Zone um 8200 wäre eine Rückkehrbewegung und somit ein Retest nicht überraschend. Ein möglicher Wendepunkt könnte an der psychologisch wichtigen Schwelle von 10.000 liegen. Ausgehend von einem kurzen Test der fünfstelligen Kursmarke wäre mit einer Korrektur bis in den Bereich von 8200 / 8500 zu rechnen, von dem aus dann eine nachhaltige Aufwärtsbewegung erfolgen würde. Zugleich eröffnet sich Anlegern, die den Einstieg bisher verpassten, auf langfristige Sicht noch einmal eine gute Einstiegsgelegenheit.

In einem zweiten Szenario bleibt ein Test der Zone um 8200 von oben aus. Stattdessen läuft der Markt nach einer recht wahrscheinlichen Konsolidierung bei rund 10.000 weiter aufwärts. Neue Widerstände müssten sich erst noch herausbilden. Unwahrscheinlicher erscheint hingegen ein Rücksetzer unter das Ausbruchsniveau von 8200.

Auf Basis der Indikatoren wäre noch ein wenig Luft nach oben vorhanden. Beachten Sie vor allem den trendfolgenden MACD, der in den vergangenen 13 Jahren eigentlich recht zuverlässig die Wendepunkte beim DAX antizipierte. Noch hat der Signalgeber nicht die Niveaus aus dem Jahr 2000 und 2007 erreicht (rote Linie).

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Posted in: Deutschland

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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