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DAX-Chartanalyse: Nur kein blinder Aktionismus

Weder Käufer noch Verkäufer können aktuell klare Punktsiege erzielen. Allerdings ist die zähe Seitwärtsbewegung auf dem aktuellen Kursniveau nicht überraschend. Die DAX-Chartanalyse für den 13. November 2013.

Der DAX weigert sich weiterhin, klare Signale für die künftige Entwicklung zu senden. Fast schon exemplarisch steht der gestrige Tag für eine zunehmende Lethargie am Aktienmarkt. Bereits in den ersten beiden Handelsstunden wurde die gesamte spätere Handelsrange abgesteckt, für knapp sieben Stunden dümpelte der DAX nur noch in einer engen Spanne zwischen 9075 und 9100 seitwärts. Im Tageschart bildete sich nach der kleinen positiven Kerze vom Montag ein entsprechendes negatives Pendant. Die Aussagekraft ist gleich Null, zumal auch das Handelsvolumen mit 2,8 Mrd. Euro auf Xetra entsprechend schwach ausfiel.

Wie bereits mehrfach an dieser Stelle erwähnt sollte uns das aktuelle Kursverhalten aber nicht überraschen, denn der DAX steht exakt auf der Grenze von zwei Rechtecken. Diese Kursregionen sind für gewöhnlich hart umkämpft, denn nicht selten erwiesen sich die Schwellen in der Vergangenheit als Ausgangsbasis für eine nachhaltigere Bewegung, die durchaus auch mehrere Wochen anhalten kann (s. Tageschart). Wer gerne den DAX handelt muss sich mit dieser Tatsache abfinden und warten, bis der Markt die Richtung vorgibt. Blinder Aktionismus i.S.v. „ich muss handeln“, wäre ein großer Fehler und dürfte sich nicht nur auf das Konto negativ auswirken. Denn die Gefahr, unglücklich ausgestoppt zu werden oder in einen Fehlausbruch zu traden ist derzeit recht groß.

Zum heutigen Handelsauftakt sehen die Broker den DAX rund 0,2 Prozent tiefer bei 9056. Sollte die Indikation zutreffen, würde der DAX wieder unter das ehemalige Rekordhoch und somit die schwache Unterstützung um 9060 / 9070 zurückfallen. Wie bereits gestern beschrieben, halte ich die Zone zwischen 8940 / 8960 bis 9060 / 9070 im kurzfristigen Zeithorizont für ein neutrales Gebiet. Bis zur Untergrenze dieser Range lassen sich aus dem Stundenchart nur einige schwache Haltemarken ausmachen. Erhöhte Handelsaktivitäten lagen in den vergangenen Tagen um 9010 (hier verläuft auch die innere Aufwärtstrendlinie) sowie um 9035. Kritischer wird es für den DAX hingegen erst, wenn auch die waagerechte Zone um 8940 / 8960 fallen sollte. Für heute erscheint ein solcher Rücksetzer aber unwahrscheinlich, denn die tägliche durchschnittliche Handelsspanne der vergangenen fünf Tage liegt bei rund 85 Punkten.

  
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Kennzahlen:

 

DAX-Pivot-Punkte für den 13. November:

DAXPivot

 

Für einige Anleger sind Pivot Punkte vielleicht noch Neuland. Kurz zur Erklärung: Die Pivot Punkte dienen der Kurszielbestimmung und haben ihren Ursprung in den Futures-, Termin- und Forexmärkten. Grundannahme ist, dass die Kursbewegungen des vorherigen Handelstages Einfluss auf den neuen Börsentag haben. Berechnungsgrundlage sind daher Tageshoch, Tagestief und Schlusskurs vom Vortag. Als Ergebnis erhält man drei Widerstandsmarken (Resist R 1-3) sowie drei Unterstützungsniveaus (Support S 1-3).

 

wichtige Chartmarken:

DAXMarken

 

 

Rechteck auf dem Prüfstand

Rund 550 Punkte ist der DAX ausgehend vom letzten Bewegungstief gestiegen, ohne das es bisher zu einer ausgeprägten Konsolidierung kam. Ob die Seitwärtsbewegung der vergangenen Tage bereits ausreicht, um weiteres Aufwärtspotenzial zu generieren, muss sich erst noch zeigen. Grundsätzlich bleibt der Markt überhitzt, der weitere Anstieg dürfte nun nicht mehr ganz so dynamisch verlaufen.

Auf Basis der Anfang Oktober nach oben aufgelösten Flagge ließ sich in den vergangenen Wochen ein theoretisches Kursziel von rund 9160 ableiten, das der DAX mit dem Intraday-Ausbruch am 7. November abgearbeitet hat. Die Käufer haben nun ihre Pflicht erfüllt, eine Konsolidierung erscheint überfällig, zumal der DAX auch an eine obere Aufwärtstrendlinie gelaufen ist, die aus den Hochpunkten von März 2012 und Mai 2013 abgeleitet werden kann und zuletzt bei 9200 exakt bestätigt wurde.

Zusätzliche Würze erfährt das aktuelle Kursniveau durch die Tatsache, dass der DAX an der Schwelle zum nächst höheren Rechteck notiert. Für gewöhnlich sind diese Zone recht umkämpft, schließlich steht viel auf dem Spiel. Sollte der Markt weiter anziehen, würde sich nämlich weiteres Aufwärtspotenzial bis 9680 eröffnen – der oberen Begrenzung des Rechtecks. Aber auch  ein Rücksetzer bis mindestens an die  Mitte des aktuell noch gültigen „weißen“ Rechtecks bei 8800 ist als etwas gleich wahrscheinlich einzuschätzen und entspricht einem Retest des September-Hochs.

 

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Gut abgesichert aufwärts

Auf Wochenbasis zeigt der DAX bereits seit Monaten eine Rally mit einer Serie von steigenden Tiefpunkten und Bewegungshochpunkten. Als sehr zuverlässige Unterstützung gilt die Kombination aus 200-Tage-Linie und einer unteren Aufwärtstrendlinie, die in diesem Jahr bereits dreimal vergeblich von den Bären attackiert wurde und rückblickend ein sehr gutes Einstiegsniveau darstellte.

Rein charttechnisch ist der Blick klar noch oben gerichtet. Zuletzt bestätigte der Deutsche Aktienmarkt auch auf Wochenbasis das jüngst erzielte neue Verlaufshoch. Unmittelbare Widerstände lassen sich im Wochenchart nicht mehr ausmachen. Die Mittellinie (entspricht der oberen Aufwärtstrendlinie im Tageschart) des seit Herbst 2011 bestehenden Trendkanals kann als Orientierungsziel verwendet werden und verläuft nach dem letzten Test im Mai aktuell bei rund 9600. Ob der DAX die Mittellinie noch erreichen wird, ist aber sehr fraglich.

 

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Ausbruch erfolgt?

Der Monatschart zeigt deutlich die Bedeutung des Kursbereichs um 8000 / 9000. Ähnlich wie im amerikanischen Leitindex S&P 500 ist bei anhaltender Kaufbereitschaft mit einer längerfristigen und sehr nachhaltigen Aufwärtsbewegung zu rechnen, die den DAX deutlich in dreistellige Kursregionen oberhalb von 10.000 Punkten führen sollte. Eine solche Entwicklung werden die Bären aber nicht ohne Gegenwehr geschehen lassen. Ein Pullback ausgehend von 9000 / 9500 an die 8000er-Region ist auf jeden Fall einzuplanen und eröffnet noch einmal eine gute Nachkaufchance.

Die Wahrscheinlichkeit für einen Ausbruch auf der Oberseite ist zumindest auf längerfristige Sicht klar zu favorisieren. Zwar kann es durchaus noch einmal zu einen erneuten Test der unteren Aufwärtstrendlinie bei derzeit rund 5360 Punkten kommen. Die steigenden Bewegungshochpunkte seit 2003 stimmen aber positiv. Kursrückschläge wurden immer früher zum Einstieg genutzt und verstärken den Druck auf der Oberseite eines möglichen aufsteigenden Dreiecks.

Die Indikatoren weisen in der sehr langfristigen Betrachtung bereits teilweise einen überhitzten Zustand auf. Allerdings können die Signalgeber durchaus über mehrere Monate, sogar Jahre, im oberen Extrembereich laufen, ehe ein Verkaufssignal aktiv wird. Beste Beispiele liefern die Jahre 2004/2005 und 2010 (DSS Bressert). Etwas entspannter ist derzeit noch die Lage im trendfolgenden MACD. Aktuell liegt die MACD-Linie noch deutlich unter den oberen Wendepunkten der vergangenen Jahre (grüner Kasten).

 

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Posted in: Deutschland

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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