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DAX-Chartanalyse: Psychospiele unter dem Rekordhoch

Nach wie vor warten die Anleger auf einen Impuls, mit dem ein neuer Trend ausgelöst wird. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die enge Range verlassen wird. Aber auf welcher Seite erfolgt der Ausbruch? Die DAX-Chartanalyse für den 19. Februar 2014.

Stundenanalyse:

Der Markt zeigte sich auch gestern wieder sehr unentschlossen. Wie ich hier bereits am Dienstag vermutet habe, ist die abwartende Haltung der Investoren eigentlich nicht überraschend. Denn wir befinden uns wieder auf dem gleichen Niveau wie vor vier Wochen, am fundamentalen Umfeld  hat sich aber nichts geändert. Was bleibt ist die Hoffnung auf eine Fortsetzung der von den Notenbanken initiierten liquiditätsgetriebenen Rally. Wie weit dieses zweifelhafte Kaufargument die Kurse noch treiben kann, ist vollkommen offen. Entscheidend ist nur, dass es nach  wie vor genügend Käufer gibt, die eine Fortsetzung der Aufwärtsbewegung erwarten und neu einsteigen. Wegen der doch sehr zügigen und dynamischen Erholung im Februar dürften viele Anleger immer noch an der Seitenlinie auf günstigere Kurse warten. Genügend Potential ist somit wahrscheinlich vorhanden. Die noch nicht oder zu wenig investierten Akteure werden aber wohl erst dann einsteigen, wenn auch neue Rekordhochs aufgerufen werden. Allerdings dürfte der Einstieg nicht aus Überzeugung erfolgen, sondern nur aus dem Grund, nicht schon sehr früh im Jahr in einen Performancerückstand zu geraten. Noch ist es aber nicht soweit, der DAX wie auch der richtungsweisende S&P 500 (c. Chart) handeln knapp unter ihrem Gipfel.

In diesem Umfeld ist es daher auch nicht überraschend, dass nicht nur die Kurse auf der Stelle treten, sondern auch das Handelsvolumen sehr dürftig ausfällt. Gestern gingen auf Xetra Papiere im Volumen von 2,4 Mrd. Euro über den Tresen, der 3-Monatsdurchschnitt liegt bei 3 Mrd. Euro. Umsatzspitzenreiter waren die Papiere der Deutschen Bank mit 175 Mio. Euro vor VW und Daimler. Weshalb der Finanzwert gerade in vielen Depots von Kleinanlegern zu finden ist, kann ich zumindest aus charttechnischer Sicht nicht nachvollziehen. Kursfantasie entfaltet die Aktie erst über 40 Euro.

Zurück zum DAX, der gestern um beeindruckende 3 Punkte oder 0,03 Prozent auf 9659 kletterte. 17 Verlierern standen 13 Gewinner gegenüber, eigentlich ein negatives Zeichen. Mit BASF, Bayer und SAP waren aber einige Indexschwergewichte weit oben zu finden und hievten den DAX daher etwas höher. Dennoch bleibt die technische Lage der Indexwerte weiterhin wenig überzeugend. Vor allem SAP und Siemens bestätigen immer noch nicht den Aufwärtstrend des Gesamtmarktes. Längerfristig betrachtet fällt aber eine bemerkenswerte Ausgangslage auf: Alle 30 DAX-Aktien notieren derzeit über ihrem 200-Tage-Durchschnitt, was äußerst selten vorkommt.

Im hochaufgelösten Stundenchart ist die Ausgangslage für heute unverändert geblieben. Gestern prüfte der DAX die Unterkante der sehr engen Range bei 9620, zugleich scheint den Käufern aber bereits an der nächsten Hürde um 9680 der Mut zu verlassen. Je länger der Markt in einer so engen Schiebzone handelt, desto stärker könnte der anschließende Impuls erfolgen. Die Energie des Marktes staut sich, bis irgendwann eine Seite dem Druck nicht mehr standhält und sehr schnell Positionen in Richtung des Ausbruchs eingegangen werden – die natürlich trendverstärkend wirken. Behalten Sie daher die Schwellen bei 9620 und 9680 im Auge. Grundsätzlich ist die Oberseite leicht zu favorisieren, da sich der DAX zuletzt eher an der nördlichen Begrenzung aufhielt und der übergeordnete Trend aufwärts gerichtet ist. Fehlausbrüche müssen dennoch einkalkuliert werden. Ein nachhaltiger Durchbruch auf der Nordseite sollte den DAX aber recht zügig bis 9725 und später 9800 führen. Fällt der Markt hingegen unter 9620 / 9600, drohen weitere Verluste bis 9480 / 9500.

DAXST1

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Tagesanalyse:

Ein „V“ zum Auftakt

Die erste kleinere Korrektur des Börsenjahres 2014 führte im kurz- bis mittelfristigen Chart noch nicht zu einem Bruch wichtiger Unterstützungen. Bereits oberhalb der als relevant einzuordnenden horizontalen Zone um 8950 / 9000 erfolgte in der Vorwoche eine technische Erholung (siehe dazu auch der Chartanalysen Online Trend Indikator).

Unter dem Strich sahen wir in den ersten 7 Wochen des Jahres eine V-förmige Bewegung. Der Abverkauf Ende Januar wurde von einer ähnlich dynamischen Erholungsbewegung im Februar gekontert. In der Vorwoche gelang zugleich die Rückeroberung über den Schwellenwert bei 9550 – hier verläuft die Grenze zum nächst höheren Rechteck. Sollte der DAX dieses Niveau verteidigen, ist kurz- bis mittelfristig ein neues Rekordhoch nur eine Frage der Zeit. Der übergeordnete Trend ist klar aufwärts gerichtet, diese positive Marktstimmung entfaltet seine Kraft nun auch auf den Tageschart.

Hingegen kann der Bereich zwischen 8950 / 9100 bis 9550 als eine neutrale Zone eingeordnet werden. Kritisch wird es für den DAX erst, wenn das bisherige Jahrestief unterboten wird und es zu einem Ausbruch unter den eingezeichneten unteren Aufwärtstrend bei derzeit knapp 9000 kommt. Dieses Szenario ist derzeit aber unwahrscheinlich. Positive Signale kommen auch von den Indikatoren. Der MACD schwenkte erst kürzlich auf „Kaufen“, der DSS Bressert sendet ebenfalls Einstiegssignale.

DAXT

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Wochenanalyse:

Potential scheint vorgegeben

Seit dem letzten ernst zu nehmenden Crash im Sommer 2011 läuft der DAX in einer von nur kurzen Konsolidierungen gekennzeichneten Aufwärtsbewegung. Maßgeblich auf der Unterseite ist eine seit Herbst 2011 bestehende Aufwärtstrendlinie, die im Jahr 2013 mehrfach angelaufen und bestätigt wurde. Verstärkt wird die aktuell bei knapp 9000 verlaufende Gerade von der viel beachteten 200-Tage-Linie, die klar steigend im Bereich um 8750 notiert. Für den Deutschen Aktienmarkt bleiben die Aussichten auf der mittel- bis langfristigen Zeitebene  bullisch, solange sich der Markt über dem langfristigen Durchschnitt behaupten kann. Ausgehend vom aktuellen Niveau könnte der Deutsche Aktienmarkt somit deutlich korrigieren, ohne das eine Neueinschätzung der übergeordneten langfristigen Perspektiven erforderlich wäre.

Aber auch Richtung Norden scheinen die Grenzen für die kommenden Wochen abgesteckt. Als Spielverderber für die Bullen erwies sich zuletzt eine seit Frühjahr 2012 bestehende Trendlinie, an der es seitdem mehrfach zu Gewinnmitnahmen kam. Erst wenn die bei knapp 10.000 verlaufende Gerade überwunden ist, eröffnet sich für den DAX weiterer Spielraum.

Keine eindeutigen Signale kommen hingegen von den Indikatoren. Vor allem das Verkaufssignal im MACD spricht eigentlich gegen einen positiven Verlauf in den kommenden Monaten. Der Indikator steht zudem derzeit auf einem ähnlich erhöhten Niveau wie im Jahr 2000 und 2007, als der Markt ebenfalls ein Top ausbildete. Hingegen kühlte sich mit der jüngsten Korrektur die überhitzte Lage im DSS Bressert ab, ein neuer Aufwärtsimpuls sollte folgen.

DAXW

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Monatsanalyse:

Zwei Szenarien für die Zukunft

Im abgebildeten Monatschart seit 1960 wird vor allem die Bedeutung des Kursbereichs um 8000 / 9000 deutlich. Nach dem Ausbruch aus einer rund 20 Jahre andauernden Seitwärtsbewegung im Jahr 1983 zeigte der DAX bis zur Jahrtausendwende eine ausgeprägte Rally-Bewegung. Mit dem Platzen der Spekulationsblase wurde diese Aufwärtsbewegung in den vergangenen 13 Jahren konsolidiert. In dieser Zeit bildete der Deutsche Aktienindex deutlich steigende Bewegungstiefpunkte aus, was auf einen allmählich steigenden Kaufdruck deutet. Der Sprung über die Hochpunkte aus dem Jahr 2000 und 2007 bei 8200 war somit nur eine Frage der Zeit.

Nach dem nun erfolgten Ausbruch sind zwei grundsätzliche Szenarien denkbar. Aufgrund der Bedeutung der Zone um 8200 wäre eine Rückkehrbewegung und somit ein Retest nicht überraschend. Ein möglicher Wendepunkt könnte an der psychologisch wichtigen Schwelle von 10.000 liegen. Ausgehend von einem kurzen Test der fünfstelligen Kursmarke wäre mit einer Korrektur bis in den Bereich von 8200 / 8500 zu rechnen, von dem aus dann eine nachhaltige Aufwärtsbewegung erfolgen würde. Zugleich eröffnet sich Anlegern, die den Einstieg bisher verpassten, auf langfristige Sicht noch einmal eine gute Einstiegsgelegenheit.

In einem zweiten Szenario bleibt ein Test der Zone um 8200 von oben aus. Stattdessen läuft der Markt nach einer recht wahrscheinlichen Konsolidierung bei rund 10.000 weiter aufwärts. Neue Widerstände müssten sich erst noch herausbilden. Unwahrscheinlicher erscheint hingegen ein Rücksetzer unter das Ausbruchsniveau von 8200.

Auf Basis der Indikatoren wäre noch ein wenig Luft nach oben vorhanden. Beachten Sie vor allem den trendfolgenden MACD, der in den vergangenen 13 Jahren eigentlich recht zuverlässig die Wendepunkte beim DAX antizipierte. Noch hat der Signalgeber nicht die Niveaus aus dem Jahr 2000 und 2007 erreicht (rote Linie).

DAXM

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Posted in: Deutschland

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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