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DAX-Chartanalyse: Mehr als nur ein Strohfeuer?

Die Chancen auf eine Weihnachtsrally sind in den vergangenen Stunden wieder deutlich gestiegen. Der heutige Tag dürfte viel über die aktuelle Marktverfassung verraten. Die DAX-Chartanalyse für den 19. Dezember 2013.

 

Stundenanalyse:

Die Würfel sind gefallen. Nach der gestrigen Fed-Zinssitzung und der Entscheidung, dass Volumen der monatlichen Anleihekäufe ab Januar um zehn Mrd. Dollar auf 75 Mrd. Dollar zu drosseln, legten die Kurse im Anschluss an die freundliche Tagesentwicklung noch einmal deutlich zu. Der X-DAX als Indikation für die vor- und nachbörsliche DAX-Entwicklung sprang über den Widerstandsbereich um 9200 / 9225 (horizontale Barriere, 21-Tage-Linie und 50 Prozent Retracement). Rund eine Stunde vor Handelsbeginn wird der Deutsche Aktienindex bei 9250 erwartet, der Tagesschluss lag bei 9182.

Wer somit am Mittwoch vor der Fed-Entscheidung kein Risiko eingehen wollte, kann den Aufwärtsimpuls kaum handeln. Der DAX wird mit einer deutlichen Aufwärtslücke erwartet. Interessant wird sein, wie sich der Markt im Anschluss an den Kurssprung entwickelt. Entweder finden sich genügend Käufer, die auch auf dem erhöhten Niveau einsteigen und somit fest auf eine Weihnachtsrally setzen, oder die Gewinne der vergangenen Stunden werden zügig realisiert. Ein Unsicherheitsfaktor ist der morgige große Verfall an den Terminmärkten. Bis vor wenigen Tagen deutete das Open Interest bei den Call- und Put-Optionen auf eine Abrechnung im Bereich 9000 bis 9200.

Es könnte somit sein, dass einige institutionelle Investoren versuchen werden, den DAX zumindest bis an die obere Grenze dieser Range zu drücken. Wir bereits erwähnt, verlaufen hier einige wichtige Handelsmarken, die sich in ihrer Funktion als Unterstützung aber erst noch beweisen müssen. Fällt der DAX unter 9200 zurück, war der jüngste Aufwärtsimpuls nur ein Fehlausbruch, die kurzfristig bullischen Investoren dürften sich dann zügig wieder verabschieden.

Behauptet der DAX hingegen das 9225er-, besser noch das 9250er-Niveau und kommt es zu Anschlusskäufen, springt die kurzfristige Ampel auf Grün. Der DAX hätte dann rund 62 Prozent der Abwärtsbewegung wieder aufgeholt, erfahrungsgemäß ein Signal, dass die Korrekturbewegung beendet ist. Oberhalb dieser Marke liegen Widerstände um 9300 (Umsatzhäufung im Preis-Volumen-Gebirge) und 9320 (horizontaler Widerstand, Fibonacci-Marke).

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Tagesanalyse:

Bodenbildung möglich

Die entscheidende Frage lautet, ob die ungeduldigen Schnäppchenjäger wie in der Vergangenheit den etwas deutlicheren Rücksetzer seit Anfang Dezember als günstige Einstiegsgelegenheit bewerten oder vorerst von  neuen Engagements Abstand nehmen. Die bis in den Januar hinein saisonal günstige Phase spricht für das Lager der Bullen. Erstes Ziel auf der Oberseite bleibt das Rekordhoch, darüber lässt das Rechteck Platz bis rund 9680.

Derzeit haben aber eher die Verkäufer das Heft in der Hand, auch wenn wichtige charttechnische Unterstützungen bisher noch nicht verletzt wurden. Auf dem aktuellen Niveau um rund 9000 sind die Chancen für eine Stabilisierung aber recht gut, denn auf diesem Niveau verlaufen einige viel beachtete Haltemarken. Neben der eher unzuverlässigen 55-Tage-Linie ruhen die Hoffnungen der Käufer vor allem auf der horizontalen Unterstützung um 8940 / 8960 sowie dem 23,6 Prozent Fibonacci-Niveau der übergeordneten Aufwärtsbewegung. Dieser Prozentsatz stellt häufig ein Mindestkorrekturniveau dar, von dem aus wieder der ursprüngliche Trend aufgenommen wird. Wegen der Häufung der verschiedenen Signale knapp unterhalb von 9000 Punkten dürften spätestens auf diesem Niveau wieder verstärkt Neueinsteiger, die bisher die Rally verpasst haben, einsteigen und für eine (temporäre) Gegenbewegung sorgen. Sollte der DAX hingegen auch hier keinen Halt finden, wäre dies ein um so bearischeres Zeichen und würde auf einen kurz- bis mittelfristigen Trendwechsel deuten. Das nächste Zielgebiet wäre die Region um das September-Hoch / 38,2 Prozent Fibonacci-Niveau um 8710.

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Wochenanalyse:

In luftiger Höhe

Nach einer Gewinnserie in den vergangenen beiden Monaten gönnten sich die Käufer Anfang Dezember eine Verschnaufpause auf hohem Niveau. Ob die überfällige Konsolidierung nur der Auftakt ist zu einer mehrwöchigen Korrektur mit möglicher Trendumkehr oder der nach wie vor intakte Aufwärtstrend zügig erneut aufgenommen wird, muss sich erst noch zeigen. Charttechnisch relevante Widerstände sind nicht mehr vorhanden.

Orientierung bietet ein seit 2011 bestehender Aufwärtskanal, wobei derzeit vor allem dessen Mittellinie bei rund 9750 ein mögliches Zielgebiet auf der Nordseite darstellt. Zuletzt wurde die Linie vom Markt im Mai vergeblich attackiert. Allerdings bleibt auch festzustellen, dass sich der Index inzwischen recht weit von der unteren Kanalgrenze sowie der 200-Tage-Linie entfernt hat. Entsprechend groß ist auch das Korrekturpotential. Die genannten Unterstützungen verlaufen im Bereich um 8390 bis 8570.

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 Monatsanalyse:

Fünfstellige Regionen durchaus möglich

Der Monatschart zeigt deutlich die Bedeutung des Kursbereichs um 8000 / 9000. Ähnlich wie im amerikanischen Leitindex S&P 500 ist bei anhaltender Kaufbereitschaft mit einer längerfristigen und sehr nachhaltigen Aufwärtsbewegung zu rechnen, die den DAX deutlich in dreistellige Kursregionen oberhalb von 10.000 Punkten führen sollte. Eine solche Entwicklung werden die Bären aber nicht ohne Gegenwehr geschehen lassen. Ein Pullback ausgehend von 9000 / 9500 an die 8000er-Region ist auf jeden Fall einzuplanen und eröffnet noch einmal eine gute Nachkaufchance.

Die Wahrscheinlichkeit für einen nachhaltigen Ausbruch auf der Oberseite ist zumindest auf längerfristige Sicht klar zu favorisieren. Zwar kann es in einem möglichen Extremszenario noch einmal zu einen erneuten Test der unteren Aufwärtstrendlinie bei derzeit rund 5510 Punkten kommen. Die steigenden Bewegungshochpunkte seit 2003 stimmen aber positiv. Kursrückschläge wurden immer früher zum Einstieg genutzt und verstärken den Druck auf der Oberseite eines möglichen aufsteigenden Dreiecks.

Die Indikatoren weisen in der sehr langfristigen Betrachtung bereits teilweise einen überhitzten Zustand auf. Allerdings können die Signalgeber durchaus über mehrere Monate, sogar Jahre, im oberen Extrembereich laufen, ehe ein Verkaufssignal aktiv wird. Beste Beispiele liefern die Jahre 2004/2005 und 2010 (DSS Bressert). Etwas entspannter ist derzeit noch die Lage im trendfolgenden MACD. Aktuell liegt die MACD-Linie noch deutlich unter den oberen Wendepunkten der vergangenen Jahre (grüner Kasten).

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Posted in: Deutschland

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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