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DAX-Chartanalyse: Kursziel erreicht – und jetzt?

Die Käufer ließen noch einmal kurzzeitig ihre Muskeln spielen, allerdings lässt die Ausdauer zu wünschen übrig. Bereits der heutige Tag könnte eine Vorentscheidung bringen. Die DAX-Chartanalyse für den 8. November 2013.

Endlich kommt wieder Schwung in den Markt, ganz so wie erwartet. Nachdem der DAX zuletzt in einer sehr engen Handelsspanne gefangen war, führte die überraschende Zinssenkung der EZB zu einem Kurs- und Volumenausbruch. In der gestrigen Analyse hatte ich bereits auf eine mögliche, sehr dynamische Reaktion hingewiesen. Aber nicht nur das. In der Spitze kletterte der DAX bis knapp 9200. Vor fast genau einem Monat (siehe Analyse) hatte ich auf Basis der nach oben aufgelösten Flagge ein Kursziel für die kommenden Wochen von 9160 ausgegeben. Diese Marke wurde gestern abgearbeitet, die Bullen haben somit ihre Pflicht erledigt. Ähnlich wie beim Fehlausbruch Ende Oktober blieb der DAX zum Tagesschluss zudem unter der oberen Aufwärtstrendlinie. Die Gerade wurde somit erneut bestätigt.

Wie geht es nun weiter? Im Tageschart bildete sich am Donnerstag eine Kerze mit einem langen oberen Schatten. Zusammen mit einem eher kleinen Kerzenkörper sehen wir eine nicht ganz lehrbuchmäßige Sternschnuppe. Diese Art von Kerzen entstehen, wenn ein deutlicher Kaufimpuls in der zweiten Handelshälfte wieder komplett abverkauft wird, der Markt somit höhere Notierungen abweist. Nach einer Rallybewegung können Sternschnuppen ein Bewegungshoch anzeigen, die Intention ist somit leicht bearisch. Verstärkt wird dieser Eindruck durch den sprunghaften Anstieg beim Handelsvolumen auf 4,8 Mrd. Euro, einer der höchsten Werte in diesem Jahr.

Sternschnuppen deuten allerdings nur dann vergleichsweise zuverlässig auf eine Trendumkehr, wenn der Markt auch am Folgetag tiefer den Handel beendet. Wir müssen somit den heutigen Tag noch abwarten und schauen, ob die Bären die Chance nutzen und den DAX tiefer drücken.

Vorbörslich sieht es gut aus, Broker taxieren den Index bei rund 9040 Punkten und somit unter dem Rekord- und Ausbruchsniveau von 9060 / 9070. Die nächste, bereits bestätigte Unterstützung liegt erst wieder bei 8950. Zuvor könnte es bei 8980 / 9000 und 9040 zu einer Stabilisierung kommen, da auf diesen Niveaus in den vergangenen Tagen verstärkt Transaktionen abgewickelt wurden. Das Volumengebirge, erkennbar an der rechten Achse, steigt an diesen Kursmarken leicht an. Kritischer wird es für den DAX, wenn auch die 8950er-Marke nicht hält. Zielbereich wäre dann 8850.

Auf der Oberseite müssten die Käufer zunächst 9060 / 9070  zurückerobern. Darüber stellen runde Kursmarken wie 9100 und 9150 mögliche Orientierungspunkte dar. Da mit dem US-Arbeitsmarktbericht am frühen Nachmittag noch einmal ein sehr wichtiger Impulsgeber auf der Agenda steht, wäre ein erneuter Kursimpuls in beide Richtungen nicht überraschend. Eine kurzfristige obere Aufwärtstrendlinie bei 9250 stellt nahezu die Grenze Richtung Norden dar.

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Kennzahlen:

 

DAX-Pivot-Punkte für den 8. November:

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Für einige Anleger sind Pivot Punkte vielleicht noch Neuland. Kurz zur Erklärung: Die Pivot Punkte dienen der Kurszielbestimmung und haben ihren Ursprung in den Futures-, Termin- und Forexmärkten. Grundannahme ist, dass die Kursbewegungen des vorherigen Handelstages Einfluss auf den neuen Börsentag haben. Berechnungsgrundlage sind daher Tageshoch, Tagestief und Schlusskurs vom Vortag. Als Ergebnis erhält man drei Widerstandsmarken (Resist R 1-3) sowie drei Unterstützungsniveaus (Support S 1-3).

 

wichtige Chartmarken:

DAXMarken

 

 

Zielbereich rückt näher

Rund 550 Punkte ist der DAX ausgehend vom letzten Bewegungstief gestiegen, ohne das es bisher zu einer ausgeprägten Konsolidierung kam. Ob die Seitwärtsbewegung der vergangenen Tage bereits ausreicht, um weiteres Aufwärtspotenzial zu generieren, muss sich erst noch zeigen. Grundsätzlich bleibt der Markt überhitzt, der weitere Anstieg dürfte nun nicht mehr ganz so dynamisch verlaufen.

Auf Basis der Anfang Oktober nach oben aufgelösten Flagge lässt sich ein theoretisches Kursziel von rund 9160 ableiten. Flaggen zählen zu den Fortsetzungsformationen, die für gewöhnlich in der Mitte einer dynamischen Trendbewegung auftreten. Ähnlich wie bei einem Wimpel können mit Hilfe dieser Kursmuster sehr gut Kursziele bestimmt werden. Dazu misst man zunächst den Abstand der vorangegangenen Bewegung bis zur Unterkante der Flagge. Diese vertikale Differenz wird schließlich an den Ausbruchspunkt der Flagge gesetzt und in Trendrichtung projiziert.  Statistiken zufolge liegt die Fehlerquote von Flaggen in einem übergeordneten Aufwärtstrend bei nur 13 Prozent, ein sehr niedriger Wert. Allerdings enttäuscht die Zielerreichungsquote von 63 Prozent.

Ernsthafte Widerstände, zumindest auf horizontaler Ebene, gibt es noch nicht. Lediglich eine Aufwärtstrendlinie, die im Bereich 9100 verläuft sowie die obere Begrenzung des aktuellen Rechtecks bei rund 9080, könnten den DAX ausbremsen. Überwindet der Aktienmarkt diese Marken und zeigt somit wie bereits im Mai eine Trendbeschleunigung, dürfte zügig das Kursziel von 9160 erreicht werden.

Nach unten ist der Aktienmarkt nach wie vor gut abgesichert. Die untere Begrenzung des aktuellen Rechtecks, in dem sich der DAX befindet, wurde beim Retest Anfang Oktober exakt bestätigt. Erst wenn der Index unter 8440 zurückfallen sollte, müsste das mittelfristig bullische Szenario revidiert werden. Weitere gute Unterstützungen vor allem um 8100 / 8150 (Aufwärtstrendlinie und 200-Tage-Durchschnitt) begrenzen das Risiko.

 

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Gut abgesichert aufwärts

Auf Wochenbasis zeigt der DAX bereits seit Monaten eine Rally mit einer Serie von steigenden Tiefpunkten und Bewegungshochpunkten. Als sehr zuverlässige Unterstützung gilt die Kombination aus 200-Tage-Linie und einer unteren Aufwärtstrendlinie, die in diesem Jahr bereits dreimal vergeblich von den Bären attackiert wurde und rückblickend ein sehr gutes Einstiegsniveau darstellte.

Rein charttechnisch ist der Blick klar noch oben gerichtet. Zuletzt bestätigte der Deutsche Aktienmarkt auch auf Wochenbasis das jüngst erzielte neue Verlaufshoch. Unmittelbare Widerstände lassen sich im Wochenchart nicht mehr ausmachen. Die Mittellinie (entspricht der oberen Aufwärtstrendlinie im Tageschart) des seit Herbst 2011 bestehenden Trendkanals kann als Orientierungsziel verwendet werden und verläuft nach dem letzten Test im Mai aktuell bei rund 9600. Ob der DAX die Mittellinie noch erreichen wird, ist aber sehr fraglich.

 

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Ausbruch erfolgt?

Der Monatschart zeigt deutlich die Bedeutung des Kursbereichs um 8000 / 9000. Ähnlich wie im amerikanischen Leitindex S&P 500 ist bei anhaltender Kaufbereitschaft mit einer längerfristigen und sehr nachhaltigen Aufwärtsbewegung zu rechnen, die den DAX deutlich in dreistellige Kursregionen oberhalb von 10.000 Punkten führen sollte. Eine solche Entwicklung werden die Bären aber nicht ohne Gegenwehr geschehen lassen. Ein Pullback ausgehend von 9000 / 9500 an die 8000er-Region ist auf jeden Fall einzuplanen und eröffnet noch einmal eine gute Nachkaufchance.

Die Wahrscheinlichkeit für einen Ausbruch auf der Oberseite ist zumindest auf längerfristige Sicht klar zu favorisieren. Zwar kann es durchaus noch einmal zu einen erneuten Test der unteren Aufwärtstrendlinie bei derzeit rund 5360 Punkten kommen. Die steigenden Bewegungshochpunkte seit 2003 stimmen aber positiv. Kursrückschläge wurden immer früher zum Einstieg genutzt und verstärken den Druck auf der Oberseite eines möglichen aufsteigenden Dreiecks.

Die Indikatoren weisen in der sehr langfristigen Betrachtung bereits teilweise einen überhitzten Zustand auf. Allerdings können die Signalgeber durchaus über mehrere Monate, sogar Jahre, im oberen Extrembereich laufen, ehe ein Verkaufssignal aktiv wird. Beste Beispiele liefern die Jahre 2004/2005 und 2010 (DSS Bressert). Etwas entspannter ist derzeit noch die Lage im trendfolgenden MACD. Aktuell liegt die MACD-Linie noch deutlich unter den oberen Wendepunkten der vergangenen Jahre (grüner Kasten).

 

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Posted in: Deutschland

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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