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DAX-Chartanalyse: Kurssprung in neue Dimensionen

Ben Bernanke kam, sprach und sorgte für eine große Überraschung. Dow Jones und S&P 500 feierten die Fortsetzung der ultralockeren Geldpolitik mit neuen Rekorden. Auch in Frankfurt wird die Partylaune anhalten. Die DAX-Chartanalyse für den 19. September 2013.

 

Keine Frage, auch wenn der heimische Index auf Basis der wichtigsten Indikatoren kurzfristig überkauft ist und eine Konsolidierung überfällig erscheint – es wäre ein großer Fehler, sich zu früh gegen den Markt zu stellen. Auch im gestrigen Handel blieb der DAX erwartungsgemäß in einer engen Handelsspanne von rund 40 Punkten gefangen, beendete den Tag aber dennoch mit einem Aufschlag von 0,45% auf 8636. Richtig rund ging es erst im nachbörslichen Handel, zur heutigen Eröffnung wird der Index bei 8740 erwartet.

Damit bleibt der DAX zugleich seinem Muster seit Anfang September treu. Auf eine kurze Seitwärtsphase folgt eine deutliche Aufwärtslücke. Während die erste Lücke rund 50 Punkte umfasste, schoss der Index Mitte des Monats um rund 100 Punkte nach oben. Einen ähnlichen Freudensprung dürfen wir auch zur heutigen Eröffnung erwarten. Das Übernachtrisiko ist derzeit nicht zu unterschätzen und kann im ungünstigen Fall zu deutlichen Verlusten führen. Viele Investoren wurden auf dem falschen Fuß erwischt und sind gezwungen, in den Markt einzusteigen, um bei der Performance nicht zurückzufallen bzw. ihre Short-Positionen einzudecken. Die Hausse nährt die Hausse – aktuell sehen wir ein sehr schönes Beispiel.

Charttechnisch wird die Sache leider nicht einfacher. Relevante Widerstände lassen sich aus dem Kursbild in unmittelbarer Nähe nicht mehr ausmachen. Erst bei 9080 verläuft die obere Begrenzung des aktuellen Rechtecks, in dem sich der DAX seit dem Sprung über das alte Rekordhoch vor wenigen Tagen aufhält. Theoretisch wäre sogar noch  Platz bis an eine obere Aufwärtstrendlinie (s. Tageschart), die zuletzt Mitte Mai angelaufen wurde und bei rund 9170 verläuft. Diese Kursziele wird der DAX aber mit ziemlicher Sicherheit ohne eine vorherige Korrektur nicht erreichen. Wobei ich mit Blick auf die gewagten Spiele der Notenbanken nichts ausschließen möchte…

Zu Handelsbeginn dürften die Bullen zunächst einmal Luft holen. Je größer das Eröffnungsgap ist, desto wahrscheinlicher erscheint eine Seitwärtskonsolidierung im Bereich 8720 bis 8750. Danach wird es dann spannend: Entweder setzen verstärkt Gewinnmitnahmen ein und der DAX fällt deutlich in die Aufwärtslücke bis maximal 8650 zurück, oder wir sehen ähnlich wie am 10. September massive Anschlusskäufe, die den Index in Richtung 8800 treiben.

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Kennzahlen:

 

DAX-Pivot-Punkte für den 19. September:

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Für einige Anleger sind Pivot Punkte vielleicht noch Neuland. Kurz zur Erklärung: Die Pivot Punkte dienen der Kurszielbestimmung und haben ihren Ursprung in den Futures-, Termin- und Forexmärkten. Grundannahme ist, dass die Kursbewegungen des vorherigen Handelstages Einfluss auf den neuen Börsentag haben. Berechnungsgrundlage sind daher Tageshoch, Tagestief und Schlusskurs vom Vortag. Als Ergebnis erhält man drei Widerstandsmarken (Resist R 1-3) sowie drei Unterstützungsniveaus (Support S 1-3).

 

wichtige Chartmarken:

DAXMarken

 

 

DAX stößt in neue Regionen vor

Durchweg positiv präsentiert sich derzeit der Tageschart. Alle kurz- bis mittelfristigen gleitenden Durchschnitte, Trendlinien und der übergeordnete Wochenchart sowie die Indikatoren – der MACD drehte erst vor wenigen Tagen von „Verkaufen“ auf „Kaufen“ –  weisen derzeit Richtung Norden und stützen den jüngsten Ausbruch auf das Rekordniveau. Auch das erhöhte Handelsvolumen der vergangenen Tage spricht für eine nachhaltige Bewegung.

Bereits vom Markt bestätigte Widerstände sind nicht mehr vorhanden. Erfahrungsgemäß erweisen sich runde Kursmarken wie 8700 und 8800 an mögliche Korrekturziele. Grundsätzlich eröffnet sich dem DAX auf Basis der Rechteck-Methode aber weiteres Potenzial bis 9080 Zähler. Dieses Niveau dürfte der DAX aber nicht ohne eine vorherige Konsolidierung erreichen. Rückenwind kommt derzeit von den Indikatoren. Während auf rein charttechnischer Basis keine relevanten Widerstände bestimmt werden können, verlieren Indikatoren wie der abgebildete MACD, DSS Bressert oder auch der prozentuale Abstand zur 21-Tage-Linie nicht an Aussagekraft. Allerdings lassen sich mit den Signalen keine exakten Wendepunkte bestimmen, sie dienen lediglich als Warnung vor überhitzten Marktphasen. Aktuell hat der DAX eher wenig Luft nach oben. Der DSS Bressert notiert bereits in der nördlichen Zone, ein Verkaufssignal liegt aber noch nicht vor. Auch der Abstand des DAX zur 21-Tage-Linie (untere rote Linie) von aktuell 3,4 Prozent stellt keine unmittelbare Gefahr dar. In diesem Jahr kam es ab einem Niveau von 3,8 Prozent zu einer Korrektur, die entweder über eine Seitwärtskonsolidierung oder fallende Kurse abgebaut werden kann.

Auf der Unterseite ist der DAX gut abgesichert. Neben dem alten Rekordniveau um 8550 vermittelt vor allem der Bereich zwischen der steigenden 200-Tage-Linie bei derzeit 7980 bis zur erwähnten Aufwärtstrendlinie bei aktuell 8100 einen sehr zuverlässigen Eindruck und begrenzt das Risiko für mittelfristig ausgerichtete Long-Engagements. Erst wenn der deutsche Aktienindex tiefer zurückfallen sollte, kippt der Trend. Anzeichen dafür sind aktuell aber nicht vorhanden.

 

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Neues Bewegungshoch in Sicht

Auch der dritte Anlauf in diesem Jahr an die seit Herbst 2011 bestehende Aufwärtstrendlinie verlief für die Verkäufer ohne Erfolg. Ein Durchbruch auf der Unterseite wäre sehr negativ gewesen und hätte weiteren Korrekturpotenzial bis mindestens an die wichtige horizontale Unterstützung bei 7400 (April-Tief) geführt.

Stattdessen ist der Blick nun klar noch oben gerichtet, wobei der DAX nun zwingend und auch nachhaltig ein neues Bewegungshoch erreichen sollte, um die Aufwärtsbewegung zu bestätigen. Unmittelbare Widerstände lassen sich im Wochenchart nicht mehr ausmachen. Die Mittellinie (entspricht der oberen Aufwärtstrendlinie im Tageschart) des seit Herbst 2011 bestehenden Trendkanals kann als Orientierungsziel verwendet werden und verläuft nach dem letzten Test im Mai aktuell bei rund 9150 Punkten.

 

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Richtungsweisende Entwicklung

Seit rund 13 Jahren scheitert der DAX an der 8000er-Marke. Während der derzeit noch laufenden dritten Aufwärtswelle markierte der Deutsche Leitindex zwar neue Bewegungshochs mit Kursen von bis zu 8557 Punkten. Im sehr langfristigen Kursverlauf kann aber noch nicht von einem nachhaltigen Ausbruch auf der Oberseite gesprochen werden, da der Index inzwischen nur noch knapp über der runden Schwelle notiert.

Aus rein charttechnischer Sicht ist dies nicht überraschend, denn an der 8000er-Marke steht viel auf dem Spiel. Ähnlich wie im amerikanischen Leitindex S&P 500 ist bei anhaltender Kaufbereitschaft mit einer längerfristigen und sehr nachhaltigen Aufwärtsbewegung zu rechnen, die den DAX deutlich in dreistellige Kursregionen oberhalb von 10.000 Punkten führen sollte. Eine solche Entwicklung werden die Bären aber nicht ohne Gegenwehr geschehen lassen.

Dennoch  ist die Wahrscheinlichkeit für einen Ausbruch auf der Oberseite als leicht erhöht einzuschätzen. Zwar kann es durchaus noch einmal zu einen erneuten Test der unteren Aufwärtstrendlinie bei derzeit rund 5360 Punkten kommen. Die steigenden Bewegungshochpunkte seit 2003 stimmen aber positiv. Kursrückschläge wurden immer früher zum Einstieg genutzt und verstärken den Druck auf der Oberseite eines möglichen aufsteigenden Dreiecks.

Die Indikatoren weisen in der sehr langfristigen Betrachtung bereits teilweise einen überhitzten Zustand auf. Allerdings können die Signalgeber durchaus über mehrere Monate, sogar Jahre, im oberen Extrembereich laufen, ehe ein Verkaufssignal aktiv wird. Beste Beispiele liefern die Jahre 2004/2005 und 2010 (DSS Bressert). Etwas entspannter ist derzeit noch die Lage im trendfolgenden MACD. Aktuell liegt die MACD-Linie noch deutlich unter den oberen Wendepunkten der vergangenen Jahre (grüner Kasten).

 

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Posted in: Deutschland

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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