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DAX-Chartanalyse: Je langsamer desto gefährlicher

Die 10.000er-Marke wird derzeit in fast jeder DAX-Analyse erwähnt. Ob der Index die Hürde aber überhaupt noch erreichen wird, ist keinesfalls sicher.  Die DAX-Chartanalyse für den 23. Januar 2014.

Stundenanalyse:

Als technischer Trader muss man sich derzeit schon mit sehr kleinen Bewegungen zufriedengeben, die während eines durchschnittlichen Handelstages kaum eine Erwähnung wert wären. Aber so ist die Börse. An einigen Tagen springen die Kurse um mehrere hundert Punkte nach oben oder unten, oder es passiert (fast) überhaupt nichts. Allerdings wäre es falsch, den Markt nun aus den Augen zu verlieren. Denn nicht selten waren so enge Handelsspannen wie in den vergangenen Tagen ein Vorbote für eine kräftige Bewegung. Als Faustregel gilt: Je länger und enger die Kurse in einer Spanne gefangen sind, desto impulsiver der Ausbruch, wenn die Grenzen durchstoßen werden. Zumindest gilt diese Erfahrung für normale Zeiten. Ob wie derzeit auch von „normalen“ Zeiten sprechen können, ist eher fraglich. Mit dem starken Einfluss der Notenbanken auf die Kurse müssen wir bereits seit Jahren zurechtkommen. Hier könnte höchstens die mit Spannung erwartete nächste Zinssitzung der Fed Mitte kommender Woche als Erklärung dienen. Derzeit ist vollkommen offen, ob die Notenbanker erneut die monatlichen Anleihekäufe reduzieren oder nicht. Es kann gut sein, dass wir somit bis Mittwoch eine Fortsetzung der Lethargie sehen und dann erst wieder ein neuer Trend entsteht. Einen Einfluss auf die Kurse muss man auch der runden 10.000er-Schwelle unterstellen. Hier geht es nur um die Psychologie der Anleger. Jeder Börsianer möchte natürlich dabei sein, wenn der DAX die magische Schwelle überschreitet.

Vorbörslich wird der Index bei 9700 erwartet und damit eher am unteren Ende einer Range, deren Grenzen nach der Kursentwicklung in den vergangenen Tagen nun etwas weiter gefasst werden müssen. Gestern handelte der DAX zeitweise unter 9700, ein größerer Abverkauf blieb aber aus. Stattdessen drehten die Kurse auf Höhe des Montags-Tiefs wieder nach oben, die Erholung reichte aber nur bis 9750. Gegenüber dem Vortag wurde somit ein marginal tieferen Hoch ausgebildet, ein Hinweis auf eine Korrektur? Vielleicht, vielleicht aber auch nicht. Man darf derzeit in die Kurse nicht zu viel interpretieren.

Zumindest die geringe Markttiefe würde unter 9675 eine zügigere Bewegung bis an das alte Rekordhoch bei 9620 begünstigen. Nach wie vor als zuverlässiger ist aber erst die Marke von 9550 einzuordnen. Auf der Oberseite stellt die Region um 9800 bisher eine unüberwindbare Barriere dar. Erst ein Tagesschluss darüber dürfte den Weg bis zur 10.000 frei machen.

Mit dem DAX, aber auch Gold und anderen Charts beschäftigen wir uns im heutigen Webinar – anmelden können Sie sich hier.

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Tagesanalyse:

Extremzone auf dem Prüfstand

Im Tageschart wird gleich zu Jahresbeginn spannend, denn der DAX hat die auch im Wochenkursverlauf abgebildete, obere Begrenzung des Aufwärtskanals erreicht. Bereits im vergangenen Jahr scheiterten mehrere Anläufe, die Gerade zu überwinden.  Als hilfreich erweisen sich zudem die hier bereits mehrfach vorgestellten Rechtecke – im Chart eingezeichnet als graue und weiße Fläche. Betrachtet man nur die wichtigsten Barrieren, fällt auf, dass die Abstände vielfach einer gewissen Regelmäßigkeit unterliegen. Anders formuliert: Zwischen den Unterteilungen kommt es häufig zu gleich großen Kursschüben nach oben und unten. Der Vorteil dieser Methode liegt darin, sehr frühzeitig mögliche Kursziele zu bestimmen, vor allem wenn der Kurs in neue Dimensionen vordringt und mit den klassischen Ansätzen keine Widerstände mehr definiert werden können. Bereits Mitte November (s. Analyse) konnte mit diesem Ansatz ein Ziel bei rund 9680 abgeleitet werden – das zu Jahresbeginn markierte neue Rekordhoch liegt bei 9620.

Nach den Gewinnen in den vergangenen Tagen ist der DAX in das obere, weiße Rechteck vorgedrungen. Sollte nun ein Rückfall unter das alte Rekordhoch und somit das graue Rechteck ausbleiben, liegt das Projektionsziel bei 10.240. Vorher muss der DAX aber noch aus dem Trendkanal und somit über die obere Gerade ausbrechen. Keine leichte Aufgabe. Sehr schnell wird sich nun zeigen, ob die Kaufkraft aktuell höher ausfällt als bei den letzten Tests im Mai / Juni sowie Winter 2013.

Sollte der Trend erneut kippen und der Ausbruch scheitern, könnte der DAX kurz- bis mittelfristig wieder bis an die untere Gerade bei rund 8800 laufen. Vorgelagert gilt es aber noch die runde Schwelle von 9000 zu beachten, an der nicht nur die untere Rechteckbegrenzung verläuft, sondern auch eine wichtige, in den vergangenen zwei Monaten ausgebildete horizontale Unterstützung. Erst wenn dieser Bereich unterboten wird, erscheint ein Test der unteren Aufwärtstrendlinie sehr wahrscheinlich.

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Wochenanalyse:

Kanal gibt die Richtung vor

Seit dem letzten ernst zu nehmenden Crash im Sommer 2011 läuft der DAX in einer von nur kurzen Konsolidierungen gekennzeichneten Aufwärtsbewegung. Maßgeblich auf der Unterseite ist eine seit Herbst 2011 bestehende Aufwärtstrendlinie, die im Jahr 2013 mehrfach angelaufen und bestätigt wurde. Verstärkt wird die aktuell bei knapp 8820 verlaufende Gerade von der viel beachteten 200-Tage-Linie, die klar steigend im Bereich um 8600 notiert. Für den Deutschen Aktienmarkt bleiben die Aussichten auf der mittel- bis langfristigen Zeitebene  bullisch, solange der Markt über dem 200-Tage-Durchschnitt notiert. Ausgehend vom aktuellen Niveau könnte der DAX somit deutlich korrigieren, ohne das eine Neueinschätzung erforderlich wäre.

Während auf der Unterseite somit recht viel Luft vorhanden ist, erscheint das Potential Richtung Norden eher begrenzt. Als Spielverderber für die Bullen erweist sich eine seit Frühjahr 2012 bestehende Trendlinie, an der es zuletzt mehrfach zu Gewinnmitnahmen kam. Erst wenn die Gerade überwunden ist, eröffnet sich für den DAX weiterer Spielraum. Die Aussichten sind aber eher schlecht, denn zuletzt bestätigte Indikatoren wie der abgebildete DSS Bressert nicht mehr die neuen Hochs im Leitindex. Auch der MACD zeigt eine deutlich nachlassende Schwungkraft, ein Verkaufssignal könnte bereits bald folgen.

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Monatsanalyse:

Zwei Szenarien für die nächsten Jahre

Im abgebildeten Monatschart seit 1960 wird vor allem die Bedeutung des Kursbereichs um 8000 / 9000 deutlich. Nach dem Ausbruch aus einer rund 20 Jahre andauernden Seitwärtsbewegung im Jahr 1983 zeigte der DAX bis zur Jahrtausendwende eine ausgeprägte Rally-Bewegung. Mit dem Platzen der Spekulationsblase wurde diese Aufwärtsbewegung in den vergangenen 13 Jahren konsolidiert. In dieser Zeit bildete der Deutsche Aktienindex deutlich steigende Bewegungstiefpunkte aus, was auf einen allmählich steigenden Kaufdruck deutet. Der Sprung über die Hochpunkte aus dem Jahr 2000 und 2007 bei 8200 war somit nur eine Frage der Zeit.

Nach dem nun erfolgten Ausbruch sind zwei grundsätzliche Szenarien denkbar. Aufgrund der Bedeutung der Zone um 8200 wäre eine Rückkehrbewegung und somit ein Retest nicht überraschend. Ein möglicher Wendepunkt könnte an der psychologisch wichtigen Schwelle von 10.000 liegen. Ausgehend von einem kurzen Test der fünfstelligen Kursmarke wäre mit einer Korrektur bis in den Bereich von 8200 / 8500 zu rechnen, von dem aus dann eine nachhaltige Aufwärtsbewegung erfolgen würde. Zugleich eröffnet sich Anlegern, die den Einstieg bisher verpassten, auf langfristige Sicht noch einmal eine gute Einstiegsgelegenheit.

In einem zweiten Szenario bleibt ein Test der Zone um 8200 von oben aus. Stattdessen läuft der Markt nach einer recht wahrscheinlichen Konsolidierung bei rund 10.000 weiter aufwärts. Neue Widerstände müssten sich erst noch herausbilden. Unwahrscheinlicher erscheint hingegen ein Rücksetzer unter das Ausbruchsniveau von 8200.

Auf Basis der Indikatoren wäre noch ein wenig Luft nach oben vorhanden. Beachten Sie vor allem den trendfolgenden MACD, der in den vergangenen 13 Jahren eigentlich recht zuverlässig die Wendepunkte beim DAX antizipierte. Noch hat der Signalgeber nicht die Niveaus aus dem Jahr 2000 und 2007 erreicht (rote Linie).

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Posted in: Deutschland

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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