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DAX-Chartanalyse: Haben sich einige Bären im Bullenkostüm versteckt?

Unentschlossenheit prägt weiterhin den Handel. Das gilt sowohl für den DAX als auch den großen Bruder in den USA. Doch Vorsicht, ruhige Phasen an der Börse werden nicht selten von einem Sturm abgelöst. Die DAX-Chartanalyse für den 27. Februar 2014.

Stundenanalyse:

Zumindest in den Karnevalshochburgen dürften viele Anleger den DAX heute ab 11.11 Uhr vorerst aus den Augen verlieren und sich auf die fünfte Jahreszeit freuen. Warum auch nicht, denn das Tierchen scheint derzeit wohl noch im Winterschlaf, bewegt sich kaum von der Stelle und sendet auch sonst keine Signale, wie es denn genau weitergehen soll. Eine kleine Trading-Pause bis Mittwoch erscheint durchaus sinnvoll.

Wer hingegen für das närrische Treiben nicht so viel Begeisterung aufbringen kann, sollte weiterhin recht vorsichtig agieren. Denn irgendetwas stimmt nicht mehr so richtig. Am Montag und Dienstag kam der DAX nach der Eröffnung leicht unter Druck, nur dank einer festeren Eröffnung an der Wall Street hielt sich unter dem Strich der Schaden in Grenzen. Zur Wochenmitte schafften es die Bullen aber nicht mehr, den DAX wieder nach oben zu handeln. Anders formuliert: Ohne die Wall Street würden wir wahrscheinlich deutlich tiefer stehen. Allerdings ist nun auch der S&P 500 an einer Grenze angekommen, die offenbar vorerst zu hoch angesetzt ist (1850 – s. Chart). Blickt man auf die vergangenen Wochen zurück, stimmt besonders am US-Aktienmarkt eine Entwicklung recht nachdenklich. Meist eröffnen die Börsen recht freundlich, ab 20 Uhr werden die Positionen dann wieder aufgelöst. Der von Robert Rethfeld berechnete Late Day Index, der die Differenz zwischen 20 Uhr und dem Schlusskurs misst, bestätigt bereits seit Frühjahr 2013 nicht mehr die neuen Hochs des Dow Jones. Ein Markt, der nur selten auf dem Tageshoch schließt, neigt über kurz oder lang zur Schwäche.

Alles andere als positiv ist zudem die Entwicklung der Marktbreite. Nur wenn eine Aufwärtsbewegung auch von möglichst vielen Aktien getragen wird, handelt es sich um eine nachhaltige Bewegung. Im ersten Chart ist die Entwicklung des S&P 500 (schwarz) sowie der Anzahl der Aktien im Index über ihrem 200-Tage-Durchschnitt abgebildet. Während der Markt kontinuierlich neue Verlaufshochs markierte, behaupten sich immer weniger Papiere über ihrer langfristigen Signallinie. Das Fundament der Rally wird somit dünner. Immer weniger Aktien, meist nur noch die Schwergewichte, halten den Markt oben, während aus zunehmend mehr Werten bereits Kapital abgezogen wird. Das Ergebnis dürfte nicht überraschen – irgendwann bricht das Kartenhaus zusammen.

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Kommen wir abschließend zum DAX. Ob sich hier einige Bären im Bullen-Kostüm versteckt haben, kann derzeit noch nicht beantwortet werden. Am Aschermittwoch ist alles vorbei, hoffen wir mal nicht, dass dies auch für den DAX gilt. Aber eine klare Bewegung nach oben oder unten wäre schon wünschenswert. Die Leitplanken bleiben vorerst unverändert. Auf der Oberseite knabbert der Index am Widerstandsbereich oberhalb von 9700. Eine richtige Hürde kann hier eigentlich nicht ausgemacht werden. Für Abgabedruck sorgen derzeit noch Anleger, die Mitte Januar im Bereich zwischen 9700 bis 9800  Positionen eröffneten und nach dem kurzen Rücksetzer froh sind, auf Einstandsniveau wieder verkaufen zu können. Je öfter der DAX aber bis in die Zone vordringt und das Angebot vom Markt aufgenommen wird, desto schwächer wird der Widerstand. Wer hingegen derzeit noch an der Seitenlinie steht, wartet ab, wie sich die US-Märkte entscheiden. Gelingt der Ausbruch, dürfte auch der DAX zügig über 9800 steigen.

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Tagesanalyse:

Rally auf dünnem Fundament

Wie bereits im vergangenen Jahr zeigt der Markt auch in den ersten Wochen des Börsenjahres 2014 ein ähnliches Kursverhalten: Korrekturen werden sehr zügig wieder aufgeholt Chartanalysen Online Trend Indikator). Die zügigen Kurserholungen sind ein deutlicher Hinweis auf eine weiterhin große Nachfrage von Anlegern, die noch nicht oder zu gering im Markt investiert sind. Jeder Kursrücksetzer wird als Chance genutzt, auf den fahrenden Börsen-Express aufzuspringen. Vor allem auch zu Jahresbeginn gilt es, nicht schon frühzeitig in einen Performance-Rückstand zu geraten. Solange dieser kurstreibende Faktor Gültigkeit hat, sind länger andauernde Korrekturen eher unwahrscheinlich.

Allerdings reichte die noch laufende zweite Erholung bisher nicht aus, den DAX auch über das erste Hoch von Mitte Januar zu hieven. Im Chart bleibt ein tieferer Hochpunkt, der ein kleines bearishes Signal darstellt. Auch das Umsatzvolumen fällt seit zwei Wochen eher unterdurchschnittlich aus. Es drängt sich ein wenig der Verdacht auf, dass die jüngste Erholung überwiegend von spekulativen Anlegern getragen wurde, die sich auch schnell wieder aus dem Markt verabschieden, wenn die erhofften Kursgewinne nicht eintreten.

Für ein klares Einstiegssignal müsste der DAX mindestens über das bisherige Rekordhoch bei knapp 9800 steigen. Bis an die Kombination aus 21- und 55-Tage-Linie um 9400 ist das Bild eher bullish zu interpretieren, darunter haben die Bären leichte Vorteile. Kritisch wird es aber erst, wenn Kurse unter 9000 aufgerufen werden. Hier verläuft eine wichtige horizontale Unterstützung sowie die Untergrenze des maßgeblichen Aufwärtskanals.

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Wochenanalyse:

Kanalgrenzen geben Potential vor

Seit dem letzten ernst zu nehmenden Crash im Sommer 2011 läuft der DAX in einer von nur kurzen Konsolidierungen gekennzeichneten Aufwärtsbewegung. Maßgeblich auf der Unterseite ist eine seit Herbst 2011 bestehende Aufwärtstrendlinie, die im Jahr 2013 mehrfach angelaufen und bestätigt wurde (hellgrüne untere Linie). Verstärkt wird die aktuell bei 9050 verlaufende Gerade von der viel beachteten 200-Tage-Linie, die klar steigend im Bereich um 8785 notiert. Für den Deutschen Aktienmarkt bleiben die Aussichten auf der mittel- bis langfristigen Zeitebene  bullisch, solange sich der Markt über dem langfristigen Durchschnitt behaupten kann. Ausgehend vom aktuellen Niveau könnte der Deutsche Aktienmarkt somit deutlich korrigieren, ohne das eine Neueinschätzung der übergeordneten langfristigen Perspektiven erforderlich wäre.

Aber auch Richtung Norden scheinen die Grenzen für die kommenden Wochen abgesteckt. Als Spielverderber für die Bullen erwies sich zuletzt eine seit Frühjahr 2012 bestehende Trendlinie (dunkelgrüne Linie), an der es seitdem mehrfach zu Gewinnmitnahmen kam. Erst wenn die bei gut 10.000 verlaufende Gerade überwunden ist, eröffnet sich für den DAX weiterer Spielraum.

Eher Gegenwind kommt derzeit von den Indikatoren. Vor allem das Verkaufssignal im MACD spricht eigentlich gegen einen positiven Verlauf in den kommenden Monaten. Der Indikator steht zudem derzeit auf einem ähnlich erhöhten Niveau wie im Jahr 2000 und 2007, als der Markt ebenfalls ein Top ausbildete.

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Monatsanalyse:

Zwei Szenarien für die Zukunft

Im abgebildeten Monatschart seit 1960 wird vor allem die Bedeutung des Kursbereichs um 8000 / 9000 deutlich. Nach dem Ausbruch aus einer rund 20 Jahre andauernden Seitwärtsbewegung im Jahr 1983 zeigte der DAX bis zur Jahrtausendwende eine ausgeprägte Rally-Bewegung. Mit dem Platzen der Spekulationsblase wurde diese Aufwärtsbewegung in den vergangenen 13 Jahren konsolidiert. In dieser Zeit bildete der Deutsche Aktienindex deutlich steigende Bewegungstiefpunkte aus, was auf einen allmählich steigenden Kaufdruck deutet. Der Sprung über die Hochpunkte aus dem Jahr 2000 und 2007 bei 8200 war somit nur eine Frage der Zeit.

Nach dem nun erfolgten Ausbruch sind zwei grundsätzliche Szenarien denkbar. Aufgrund der Bedeutung der Zone um 8200 wäre eine Rückkehrbewegung und somit ein Retest nicht überraschend. Ein möglicher Wendepunkt könnte an der psychologisch wichtigen Schwelle von 10.000 liegen. Ausgehend von einem kurzen Test der fünfstelligen Kursmarke wäre mit einer Korrektur bis in den Bereich von 8200 / 8500 zu rechnen, von dem aus dann eine nachhaltige Aufwärtsbewegung erfolgen würde. Zugleich eröffnet sich Anlegern, die den Einstieg bisher verpassten, auf langfristige Sicht noch einmal eine gute Einstiegsgelegenheit.

In einem zweiten Szenario bleibt ein Test der Zone um 8200 von oben aus. Stattdessen läuft der Markt nach einer recht wahrscheinlichen Konsolidierung bei rund 10.000 weiter aufwärts. Neue Widerstände müssten sich erst noch herausbilden. Unwahrscheinlicher erscheint hingegen ein Rücksetzer unter das Ausbruchsniveau von 8200.

Auf Basis der Indikatoren wäre noch ein wenig Luft nach oben vorhanden. Beachten Sie vor allem den trendfolgenden MACD, der in den vergangenen 13 Jahren eigentlich recht zuverlässig die Wendepunkte beim DAX antizipierte. Noch hat der Signalgeber nicht die Niveaus aus dem Jahr 2000 und 2007 erreicht (rote Linie).

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Posted in: Deutschland

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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