DAX-Chartanalyse: Der Kampf um die 8000 ist noch nicht entschieden

Eine wirklich überzeugende Vorstellung liefert der DAX bisher nicht ab. Sollten nicht bald Anschlusskäufe den Markt höher treiben, könnten einige Investoren wieder aussteigen. Die DAX-Chartanalyse für den 11. Juli 2013.  

 

Bereits in der Analyse vom Mittwoch bemängelte ich die fehlenden Anschlusskäufe und die schwache Dynamik nach dem Ausbruch über den 8000er-Widerstand. Daran änderte sich auch zur Wochenmitte wenig. Im Gegenteil, der DAX lieferte sogar zwei Schwächesignale ab: Im Tagesverlauf schafften es die Käufer noch nicht einmal, gegenüber der Dienstags-Sitzung ein höheres Hoch auszubilden. Zudem fiel der Markt kurzzeitig sogar wieder unter die 8000 zurück. Immerhin wurde am Tagestief die 21-Tage-Linie von oben bestätigt. Dennoch, nach dem Sprung über eine so wichtige Hürde sollte der Markt ein viel dynamischeres Verhalten zeigen.

Anleger sollten daher sehr wachsam bleiben und den DAX engmaschig verfolgen. Solange der Leitindex oberhalb des gestrigen Tiefs bei rund 7995 Zählern notiert, bleiben die Käufer im Vorteil. Mehr aber auch nicht. Auf der Oberseite gilt es die Marke von 8085 Zählern im Auge zu behalten. Hier liegt die Unterkante einer Abwärtslücke, die der DAX am 20. Juni ausbildete sowie das 50 Prozent Fibonacci-Niveau der laufenden Korrekturbewegung. Sollte das Niveau überschritten werden, stellt der mittelfristige Abwärtstrend bei derzeit rund 8120 Punkten eine nicht zu unterschätzende Barriere dar. Erst wenn der DAX auch diesen bearischen Signalgeber überwindet, dürfte der Weg nach oben nahezu frei sein.

Fallen die Kurse hingegen unter die Kombination aus 21- und 100-Tage-Linie bei 7980 Punkten zurück, trüben sich die Aussichten wieder ein. Kurzfristige Investoren dürften sich dann sehr zügig wieder von ihren Positionen verabschieden und so für zusätzlichen Verkaufsdruck sorgen. Kursziele für dieses bearische Szenario liegen bei 7800 und auf Höhe der 200-Tage-Linie bei 7730 Punkten.

Zumindest vorbörslich deutet sich eine kräftige Erholung an. Der DAX wird eine Stunde vor Handelsbeginn bei 8180 Punkten erwartet. Behauptet sich der DAX auch bis zum Handelsschluss auf diesem Niveau, dürfte die Konsolidierung wie beschrieben Geschichte sein.

 

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Kennzahlen:

 

DAX-Pivot-Punkte für den 11. Juli:

DAXPivot

 

 

 

 

Für einige Anleger sind Pivot Punkte vielleicht noch Neuland. Kurz zur Erklärung: Die Pivot Punkte dienen der Kurszielbestimmung und haben ihren Ursprung in den Futures-, Termin- und Forexmärkten. Grundannahme ist, dass die Kursbewegungen des vorherigen Handelstages Einfluss auf den neuen Börsentag haben. Berechnungsgrundlage sind daher Tageshoch, Tagestief und Schlusskurs vom Vortag. Als Ergebnis erhält man drei Widerstandsmarken (Resist R 1-3) sowie drei Unterstützungsniveaus (Support S 1-3).

 

 

 

wichtige Chartmarken:

DAXMarken

 

 

 


Wichtige Hürde überwunden
 

Mit den jüngsten Zugewinnen gestalten sich auch die Aussichten auf mittelfristiger Ebene wieder positiver. Um 8000 Punkte verläuft nicht nur der zuletzt im Fokus stehende horizontale Widerstand, sondern auch die Untergrenze des nächst höher gelegenen Rechtecks. Rückblickend überrascht der zähe Kampf der vergangenen Tage daher nicht, denn die 8000er-Marke hat aus charttechnischer Sicht eine übergeordnete Bedeutung.

Der DAX sollte nun nicht mehr per Tagesschluss unter die Schwelle zurückfallen, andernfalls wären die positiven Signale auf einen Schlag negiert. Bleiben aber die Käufer am Ruder, liegt auf Basis der Rechteck-Methode das übergeordnete Kursziel auf Höhe des Rekordniveaus bei rund 8520 Punkten. Auf dem Weg Richtung Norden muss der DAX dennoch einige Hürden nehmen. Die größte Herausforderung stellt der seit dem Allzeithoch bestehende, mittelfristige Abwärtstrend dar, der bei rund 8110 Zählern verläuft. Anziehende Kurse darüber hinaus wären sehr bullisch zu werten und dürften genügend Potenzial entfalten, um den Markt über 8300, 8400 Zähler zu hieven.

Hingegen scheint mit dem Sprung über die 8000 ein erneuter Rücksetzer bis an die 200-Tage-Linie bei derzeit 7720 Punkten vorerst abgewendet.

Beachtenswert ist derzeit auch das frische Kaufsignal im MACD. Erstmals seit Ende April steht der Oszillator wieder auf „Kaufen“ und stützt somit die noch etwas verhaltenen, rein charttechnischen Signale. In den vergangenen Monaten erwies sich der trendfolgende MACD jeweils ein sehr guter Indikator.

 

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Kurskorridor auf dem Prüfstand

Auf Wochensicht eröffnete sich für Anleger kürzlich eine gute Einstiegsgelegenheit, denn der DAX testete erfolgreich die untere Begrenzung eines seit Mitte 2011 bestehenden, rund 1500 Punkte breiten Aufwärtskanal. Zuletzt wurde die südliche Zone während der Korrektur Mitte April angelaufen und ebenfalls bestätigt. Im Anschluss erholte sich der Markt, kletterte über die bisherigen Rekordhochs aus 2000 und 2007 und startete erneut in eine Konsolidierung. Gerade an viel beachteten Chartmarken wie langjährigen Rekordhochs setzen oft Gewinnmitnahmen ein und eröffnen eine zweite Einstiegschance für Anleger, die bei der ersten Aufwärtswelle  nicht dabei waren.

Zur Vorsicht mahnt die Tatsache, dass der DAX bereits seit über einem Jahr nicht mehr die obere Begrenzung des Kurkorridors erreichte und sich zuletzt sogar der Druck auf die Unterseite erhöhte. Diese Entwicklung muss nun weiter genau beobachtet werden und könnte ein erstes Signal für eine ausgedehntere Korrektur sein. Noch besteht aber kein Handlungszwang, zumal der DAX nach unten hin gut abgesichert ist. Die Unterkante des Aufwärtskanals verläuft auf Höhe der 200-Tage-Linie bei rund 7720 Punkten. Erst wenn der Markt diese wichtige Bastion sowie die horizontale Zone um 7450 per Wochenschluss unterschreitet, trübt sich die übergeordnete charttechnische Lage ein. Aktuell bleibt die Prognose für den mittel- bis langfristigen Horizont somit noch positiv. Platz nach oben ist ohnehin reichlich vorhanden, denn erst bei knapp 10.000 Punkten verläuft die Oberkante des erwähnten Trendkanals. Zuvor dürfte der DAX aber an runden Kursmarken zu einer Korrektur neigen.

Die Indikatoren mahnen aber bereits jetzt zur Vorsicht. Der DSS Bressert verläuft ausgehend vom überkauften Niveau fallend und lieferte kürzlich ein Verkaufssignal ab, das auch vom trendfolgenden MACD bestätigt wird. Die Wahrscheinlichkeit auf eine Fortsetzung der Korrektur ist unter dem Strich als erhöht einzuschätzen.

 

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10.000 oder 5300 Punkte?

Im Monatschart hat die bisherige Korrektur ausgehend vom Rekordhoch bei 8558 Punkten noch keinen größeren Schaden angerichtet. Bleiben weitere Rücksetzer aus, sollte der DAX die seit 2000 und somit rund 13 Jahren anhaltende große Seitwärtsbewegung endlich nach oben hin auflösen und den „Deckel lüften“. Im Jahr 2007 scheiterte der Markt fast das gesamt Jahr hindurch an einem nachhaltigen Anstieg über das 2000er-Hoch, in 2011 zogen sich die Käufer bereits deutlich tiefer bei rund 7400 Punkten wieder zurück. Noch ist es aber zu früh, von einem nachhaltigen Ausbruch zu sprechen. Ein Monatsschluss unter der 8000er-Marke und damit auch unter den 2007er-Hochs würde berechtigte Zweifel aufkommen lassen.

Mittel- bis langfristig weist der Weg für den DAX aber aufwärts. Seit 2003 lässt sich eine Serie von steigenden Korrekturtiefs ausmachen. Zusammenfassend kann die Entwicklung der vergangenen 13 Jahre auch als großes aufsteigendes Dreieck gewertet werden. Der Sprung in dreistellige Kursregionen an der 10.000er-Marke wäre nur eine Zwischenstation hin zu deutlich höheren Niveaus jenseits der 15.000. Aber das ist noch Zukunftsmusik.

Auch in dieser sehr langfristigen Betrachtung weisen die Indikatoren bereits teilweise einen überhitzten Zustand auf. Allerdings können die Signalgeber durchaus über mehrere Monate, sogar Jahre, im oberen Extrembereich laufen, ehe ein Verkaufssignal aktiv wird. Beste Beispiele liefern die Jahre 2004/2005 und 2010 (DSS Bressert). Etwas entspannter ist derzeit noch die Lage im trendfolgenden MACD. Aktuell liegt die MACD-Linie noch deutlich unter den oberen Wendepunkten der vergangenen Jahre (grüner Kasten).

Dennoch kann ein erneuter Test der langjährigen Aufwärtstrendlinie nicht ausgeschlossen werden. Aktuell verläuft der kritische Bereich um 5300 Punkten.

 

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Posted in: Deutschland

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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