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By 20. Januar 2013 Read More →

„Zeitungs-Indikator“ gibt Warnsignal

Erst wenn es der Aktienmarkt, so eine alte Regel, mit bullishen Prognosen bis auf die Titelseiten der Tagespresse geschafft hat, geht eine Aufwärtsbewegung zu Ende. Noch nicht zu Ende ist das Hickhack um die US-Fiskalklippe. Aber selbst bei den Republikanern blitzt ab und zu so etwas wie politische Vernunft durch.

In der vergangenen Woche hatten wir uns u. a. mit der Aussage des Tea Party-Mitbegründers und CNBCModerators Rick Santelli befasst, die in dem Satz gipfelte, dass man gespannt sein dürfe, wie lange es dauern wird, bis die Verbrechen der US-Notenbank thematisiert würden. Harter Tobak, den wir aber nicht so einfach „in der Pfeife rauchen sollten“.

Ebenfalls im letzten Newsletter hatte ich (wieder einmal) unterstrichen, wie unsinnig es ist, wenn Ökonomen und andere „Experten“ immer wieder auf irgendwelchen fundamentalen Daten herum reiten, um daraus für den deutschen Aktienmarkt oder andere europäische Börsen dieses oder jenes herauszu lesen. Denn der DAX klebt nun einmal wie eine Klette an den Vorgaben der Wall Street, da mögen Konjunktur, Wechselkurs und alle anderen Parameter noch so extrem auseinander klaffen. Dazu später.

Erst einmal möchte ich auch heute wieder mit den USA beginnen. Und um dem Verdacht einer sgn. „linken“ Gesinnung von vornherein gegenzusteuern, erneut mit den Worten eines überzeugten Republikaners und niemandes Geringeren als des Präsidentschaftskandidaten Ron Paul. Zitieren möchte ich aus einer Rede Pauls vom 14. November. Die deutsche Übersetzung stammt vom im schönen Bern ansässigen Verlag Johannes Müller (www.verlag-jm.ch). Der auszugweisen Wiedergabe seiner treffsicheren Übersetzung stimmte Herr Müller auf meine Anfrage vom Freitag spontan zu. Los geht‘s:

„Niemand kümmerte sich um die enormen Haushaltsdefizite und die ungedeckten Verbindlichkeiten und der gesunde Menschenverstand sagt uns, dass dies nicht mehr lange so weitergehen kann. Das Schweigen darüber ist eine wichtige, parteiübergreifende Vereinbarung, damit die Ausgaben munter weiter sprudeln. […]

Die Ausgaben bleiben ungezügelt, die Wirtschaft schwächelt und die Abwärtsspirale dreht sich weiter. Das Durchwursteln unserer Regierung beschneidet unsere Freiheiten und unser Reichtum schmilzt wegen der von unserer Außenpolitik gelegten Feuersbrünste dahin, die uns immer weniger sicher macht.

Das goße Hindernis für einen echten Wandel in Washington ist die Weigerung anzuerkennen, dass unser Land bankrott ist. Dies führt dazu, dass die Ausgaben ständig steigen, da keine der Parteien die Absicht hat, zu sparen.

Die zur Verfügung stehenden Ressourcen sind aufgebracht, das Land und das Repräsentantenhaus leben heute in verschiedenen Welten. […]

Ich habe mich gefragt, warum die Menschen in einem Land wie dem unseren, einst das Land der Freien und Wohlhabenden, nichts dagegen unternehmen, dass sich ihre Lebensbedingungen immer mehr verschlechtern. […]

Die Krise zerstörte die Illusion, Reichtum und Wohlstand würden ewig dauern. Da dieses System auf Schulden, dem Selbstbetrug und dem Irrglauben beruht, Schulden könnten durch ungezügeltes Gelddrucken in einem Papiergeldsystem finanziert werden, war es von vornherein zum Scheitern verurteilt. […]

Die heutige Vorgehensweise ist dieselbe wie die in 2008 während der Finanzkrise. Das Repräsentantenhaus verabschiedete zuerst mit Unterstützung beider Parteien Rettungspakete für die Reichen. Dann greift die Federal Reserve mit ihrer endlosen quantitativen Lockerung (QE) ein. Gelingt dies nicht, versucht man es erneut: QE1, QE2 und QE3 … und wenn das nichts nützt, QE auf unbestimmte Zeit – bis es knallt.

Alles hat seinen Preis – und seien Sie sicher: Die Wechselreiterei wird ein Ende haben, der Markt wird seinen Blutzoll fordern und ein großes Wehgeschrei wird sich erheben. […]

Rettungsaktionen und Garantien für alle Arten von Fehlverhalten sind zur Gewohnheit geworden. […]

Warum ändert sich die Politik nicht, wenn eine andere Partei an die Macht kommt? Könnte es sein, dass die Ziele der beiden Parteien im Wesentlichen dieselben sind?

Warum wurden 2008 die großen Banken, die großen Konzerne, die ausländischen Banken und die ausländischen Zentralbanken gerettet und die Mittelschicht verlor ihre Arbeitsplätze und ihre Häuser?

Warum glauben so viele Regierungsmitglieder und Bundesbeamte, dass die Geldschöpfung aus dem Nichts Wohlstand schafft? […]

Warum lassen wir die Regierung und die Federal Reserve Falschinformationen im Wirtschaftsbereich und in der Außenpolitik verbreiten? […]

Viele Amerikaner fordern, dass man ihnen reinen Wein einschenkt und aufhört, alles schönzureden. Ohne diesen ersten Schritt sind Lösungen unmöglich. […]

Seit dem 11. September ist die freie Meinungsäußerung ein Problem, denn jede Internetverbindung kann ohne Gerichtsbeschluss überwacht werden. […]

Viele erkennen heute, dass eine Finanzkrise droht, aber nur wenige verstehen, dass es sich in Wirklichkeit um eine moralische Krise handelt […]

Alle Bereiche unserer heutigen Regierung werden durch Menschen kontrolliert, die ihre Macht nutzen, um die Freiheit zu untergraben und den Wohlfahrts-/Kriegsstaat weiter auszubauen und dabei Reichtum und Macht anzuhäufen.“

Ende Zitat aus Ron Pauls Abschiedsrede vor dem US-Repräsentantenhaus. Und Dank an Herrn Johannes Müller für seine Übersetzung, die mir eine Menge Zeit erspart hat.

Ron Paul gilt als überzeugter „Konstitutionalist“, also als Anhänger dessen, was die Gründerväter der US-Verfassung 1787 in dieses Dokument geschrieben haben. Die schleichende Erosion seiner Beachtung ist bemerkenswert – was aber nicht nur für die USA gilt.

Sonderbares

Hierzulande haben wir es, ob man es nun so nennen will oder nicht, mit so etwas wie einem Überwachungsstaat zu tun. Alle E-Mail-Provider mit mehr als 10.000 Kunden müssen eine von den Behörden entwickelte Technologie ankaufen, die es staatlichen Stellen erlaubt, alle versandten E-Mails zu kontrollieren. Alle. Hinzu kommt eine Filtertechnik des BND, die Mails auf bestimmte Inhalte hin kontrolliert. 2011 gingen den Behörden so rund 32 Millionen „verdächtige“ E-Mails ins Netz, wenn man es so nennen will. Schreiben Sie also lieber nichts von Ammoniumnitrat (einen auch zum Bombenbau einsetzbaren Kunststoffdünger), googeln Sie nicht nach Heckler & Koch oder machen Sie in Facebook keine unüberlegten Gags über eine angebliche Yacht im Mittelmeer. George Orwells 1984 ist, im wahrsten Sinne des Wortes, schon lange, lange überholt.

Umso bemerkenswerter ist es aber doch, dass dieser Staat mit all seiner Technologie und seinem hyperperversen Generalverdacht gegen seine Bürger angeblich nicht in der Lage sein will, seine millionen- oder milliardenschweren Steuerhinterzieher dingfest zu machen. Ihr Spaßvögel!

Ausgeblutet wird derweil der „normale“ Steuerzahler, der nach „oben“ durch die als „Rettungspakete“ bezeichneten Milliarden für Fehlspekulationen von Banken und die dahinter stehenden Kapitalanleger zahlen muss und nach „unten“ für diejenigen, die ihren Lebensunterhalt selbst entweder nicht bestreiten wollen oder einfach nicht mehr können, obwohl sich die Bundesregierung gerade im höchsten jemals gemessenen Beschäftigungsgrad der Bevölkerung sonnt, aber unerwähnt lässt, dass die Mehrzahl der neu geschaffenen Arbeitsplätze für die Betroffenen den geraden Weg in die Altersarmut bedeutet – und für die Steuerzahler erneute Belastungen.

Und ewig grüßt das Murmeltier

Was für eine Ironie des Schicksals, wenn man es so nennen will: Erst am 5. November hatte ich in meiner Kolumne für BÖRSE ONLINE einmal die unsinnige Fokussierung der Anleger auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) gebrandmarkt. Ich zitiere daraus – nebst des abgebildeten Charts:

„Rein rechnerisch hätte der Deutsche Aktienindex also, nur um den Durchschnittswert des KGV wieder zu erreichen, jetzt Luft bis rund 10.630 Punkte. Soweit die Theorie, nun die Praxis: Wie Sie im Vergleichschart von DAX und KGV sehen, lag eine ähnliche „Unterbewertung“ auch im Mai 2008 vor, als der DAX bei über 7.100 Punkten, das KGV aber bei 11,33 lag. Bis zum März 2009 stürzte das „unterbewertete“ deutsche Aktienbarometer dann aber bis auf 3.666 Punkte ab, während das KGV auf 16,74 in die Höhe schoss und dem Markt nun nach einem Kursverlust von fast 50 Prozent auf einmal eine „Überbewertung“ attestierte.

Das heißt: Hätten Sie sich konsequent nach dem KGV gerichtet, hätten Sie im Mai 2008, also unmittelbar vor der Halbierung der Kurse, Aktien gekauft und diese dann im März 2009 angesichts ihrer vermeintlichen Überbewertung wieder verkauft. Sie hätten also erst ihr Depot halbiert und danach die bis heute erzielte Kursverdopplung verpasst – oder gar noch Geld in Puts versenkt.“ Zitat Ende.

Diese von wirklich jedermann überprüfbaren Daten hinderten das Handelsblatt aber nicht daran, am Freitag drei komplette Seiten auf das bereits die Titelseite füllende Thema „DAX 10000“ zu verschwenden, in dem „eine analytische Berechnung“ dargeboten wird, der dann noch eine vollseitige professorale Einlassung und sechs Seiten mit KGV-Studien zu verschiedenen Aktien folgen.

Warum tut man so etwas? Natürlich ist es möglich, dass der DAX auf 10.000 Punkte klettert. Ebenso wie es möglich ist, dass er auf 5.000 Punkte fällt. Und wer sich einen Chart der vergangenen zehn Jahre ansieht weiß, dass auf beiden Seiten auch noch erheblich weiter entfernt liegende Kursziele angelaufen werden können. Aber nach dem KGV wird sich der DAX dabei ganz sicher nicht richten, wohl aber nach den Vorgaben der US-Börsen! Und nach nichts anderem!

Aktien – aber richtig!

Wenn sich das Einkommensniveau in den USA abschwächt (s. meine Kolumne der vergangenen Woche) und hierzulande die Zahl derjenigen explodiert, die entgegen aller Lippenbekenntnisse der Politik sehenden Auges in die Altersarmut gedrängt werden, wenn es so ist, dass der Steuerzahler sowohl nach „oben“ als auch nach „unten“ für politische Versäumnisse oder offenkundiges Fehlverhalten gerade stehen muss, dann drängt sich geradezu die Frage auf, wie der Einzelne einen sinnvollen Vermögensaufbau bewerkstelligen kann. Die Antwort scheint mir klar zu sein: An den Finanzmärkten.

Aber nicht durch blindes Kaufen ausgerechnet dann, wenn die größte deutsche Wirtschaftstageszeitung „DAX 10.000“ auf die Titelseite schreibt!

Denn der „Zeitungs-Indikator“ kann als Kontraindikator auf eine lange und erfolgreiche Geschichte zurück blicken. Sehen Sie sich lieber die Tabelle auf der Vorseite an, die ich der am vergangenen Dienstag erschienenen Ausgabe meines Börsendienstes „private profits“ entnommen und um ein neues Signal ergänzt habe. Gelistet sind dort Woche für Woche die 30 DAX-Werte mit Datum und Richtung der letzten entstandenen Kauf- bzw. Verkaufssignale. Grün hinterlegt sind die Kurse bei den Werten, bei denen das laufende Signal ein Plus erzielen konnte, rot markiert diejenigen Aktien, bei denen das Signal zu einem Minus geführt hat.

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Die Trefferquote kann sich sehen lassen, denke ich. Altmeister André Kostolanys Aussage, dass nur 51 von 100 seiner Positionen positiv ausgingen, 49 Prozent hingegen negativ, er aber von diesem kleinen Unterschied sehr gut leben könne, lässt sich mit den heute zur Verfügung stehenden technischen Mitteln ganz erheblich zu unseren Gunsten verbessern.

Falls Sie diesen Brief einmal unverbindlich und kostenlos für 30 Tage testen wollen, können Sie sich auf meiner Webseite für einen Test von „private profits“ vormerken lassen. Die nächste Ausgabe wird am Dienstag erscheinen. Und Sie finden dort auch die von mir in BÖRSE ONLINE dreimal erfolgreich getestete „Doppelstrategie“ wieder.

Viel Erfolg und beste Grüße!

Axel Retz

www.private-profits.de

Axel Retz ist seit über 25 Jahren als Chefredakteur von Börsenmagazinen und Börsendiensten tätig und betreibt das Portal private-profits. Konservative Anleger finden dort seit Jahren bewährte, treffsichere Strategien zur Outperformance der Märkte in Hausse- und Baissephasen. Aggressivere Trader finden alle notwendigen Tools, um mit kleinem Einsatz kurzfristige Gewinne zu erzielen. „Phasen, in denen sich keine Gewinne erzielen lassen, das sind die Seitwärtsmärkte. Aber sie sind nichts anderes als Unterbrechungen im Trendverhalten. Technische oder fundamentale Analyse? Für mich macht es die Mischung!“

Posted in: Gastbeiträge

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Axel Retz ist seit über 25 Jahren als Chefredakteur von Börsenmagazinen und Börsendiensten tätig und betreibt das Portal private-profits. Konservative Anleger finden dort seit Jahren bewährte, treffsichere Strategien zur Outperformance der Märkte in Hausse- und Baissephasen. Aggressivere Trader finden alle notwendigen Tools, um mit kleinem Einsatz kurzfristige Gewinne zu erzielen. „Phasen, in denen sich keine Gewinne erzielen lassen, das sind die Seitwärtsmärkte. Aber sie sind nichts anderes als Unterbrechungen im Trendverhalten. Technische oder fundamentale Analyse? Für mich macht es die Mischung!“

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