By 3. Februar 2013 Read More →

Die Rekordmarken werden fallen, aber dann…

Neue Allzeithochs in Dow, S&P500 und DAX sind so gut wie sicher. Und danach geht die Party erst richtig los. Das verspricht auch die Charttechnik, die die Gewinne aber durchaus aus einer ganz anderen Seite kommen lassen könnte. Und das nicht nur in den Aktienindizes, sondern auch bei Öl und Dollar!

Die vergangene Woche verlief an den Aktienmärkten etwas unklar: Erst beherrschten leichte Gewinnmitnahmen das Bild, in Richtung Wochenende übernahmen dann die Optimisten das Ruder. Der DAX verlor ein wenig, der Dow gewann ein wenig. Insbesondere der für die meisten Börsenbeobachter überraschende Rückgang des Bruttoinlandsprodukts ließ, so die Medien „Zweifel am Erfolg der US-Geldpolitik aufkommen“. Nun ja, das ist ja schon einmal etwas. In der letzten Woche hatte ich hier dargelegt, wie sich Arbeitsmarkt und Zinspolitik in den letzten Jahrzehnten tatsächlich entwickelt hatten – und dass es vor diesem Hintergrund geradezu ein Witz ist, wenn die FED den wahren Beweggrund ihrer monetären Druckinfusionen ins Finanzsystem mit dem Hinweis auf die beabsichtigte Stützung des Arbeitsmarktes zu kaschieren versucht.

Aber wie es so ist im Leben: Die Menschen glauben, was sie glauben wollen, erst recht, wenn andere ihnen nach Kräften dabei helfen, das glauben zu wollen, was sie glauben sollen. Was Sie nicht glauben sollten ist, dass angeblich kühl und berechnend vorgehende Kapitalanleger da eine Ausnahme bilden. Anleger sind nicht kühl, schon einmal gar nicht, wenn es ans Berechnen möglicher Gewinnszenarien geht. Klar:

Solange die Zinsen niedrig bleiben und der Ölpreis keinen Sprung nach oben macht, kann es mit den Aktienmärkten nur nach oben gehen, zumal ja keine profitable Alternative in Sicht ist und die Großanleger nur darauf warten, in den Markt einzusteigen. Logisch. Wirklich? Oder handelt es sich hier um gebetsmühlenartig nachgeplapperte, Mantra-ähnliche Meditationsformeln der Strippenzieher der Börse, die nur eines im Sinn haben: Dass Sie jetzt das kaufen, was sie selbst gerne verkaufen möchten?

Wer schon einmal auf meiner Webseite www.private-profits.de unter „5 x aus dem Leben“ nachgelesen hat, der kennt die nachfolgende Geschichte. Für alle anderen ist sie vermutlich neu. Aber sie erklärt an einem ganz und gar börsenfremden Beispiel, warum ich es mir schon lange abgewöhnt habe, Volkswirten und anderen „Experten“ Ursache-Wirkungs-Erklärungen unbesehen aus der Hand zu fressen.

Am 10. Dezember 1977 hatte ich mit meiner damaligen Lebensgefährtin und späteren Frau begonnen, den kleinen Flur unserer damaligen Wohnung zu renovieren. Erste Maßnahme: Der erst kurz zuvor neu verlegte Teppichboden wurde aufgenommen und zusammengerollt ins Schlafzimmer verbracht. Dann ging es an die Arbeit.

Irgendwann in der nachfolgenden Nacht wurde ich wach, weil es sonderbar roch. Nach kurzem Überlegen fand ich die Lösung: Es war die Gummierung des ins Schlafzimmer gelegten Teppichbodens. Kluges Köpfchen!

Ich schlief wieder ein, wurde aber bald darauf wieder wach. Der Gestank war zweifellos stärker geworden. Ich öffnete vom Bett aus das Fenster und versuchte wieder einzuschlafen. Was mir aber nicht gelang, da der beißende Geruch eher noch zunahm als schwächer wurde. Da wir uns vorgenommen hatten, am nächsten Morgen um 07:00 Uhr mit der Renovierung fortzufahren, kam mir eine Idee: Wäre es schon 06:00 Uhr oder später, würde ich wegen des dummen Teppichbodens nicht extra aufstehen; sollte es aber noch früher sein, würde es sich lohnen, ihn aus dem Schlafzimmer zu verbannen und fortan in besserer Luft zu schlafen.

Ich schaute auf den Radiowecker: 01:07 Uhr. Also eine klare Sache: Ich stand auf, klemmte mir die Teppichbodenrolle unter den Arm und öffnete die Tür zum Flur. Dann kam die Erleuchtung, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: Die Wohnung stand in hellen Flammen, die angrenzende Tür des Wohnzimmers war von innen bis auf das Furnier weg gebrannt. Wir sind damals mit dem davongekommen, was wir auf dem Leib trugen. Und das war nicht viel. Seitdem schaue ich immer zweimal hin, wenn ich von irgendetwas „weiß“, warum es passiert und wie es wohl weitergeht.

Ölpreis wird nie wieder sinken

Wo wir nun schon mal beim Brennen sind, gleich zum Energiepreis. Und zu Öl. Das, darin sind sich die Fachleute ja nun einmal einig, ist sicher. Und genau deswegen boomt der Markt für erneuerbare Energien. Energie, die nichts kostet, das versichert uns die Bundesregierung – und sie lässt es uns qua EEG auch spüren – ist natürlich noch viel teuerer als die, die etwas kostet. So kann es nicht verwundern, dass in Deutschland von den Verbrauchern (nicht von der Industrie) die höchsten Strompreise in den 17 Euro-Ländern zu berappen sind. Und das waren sie auch 2011 schon, also vor der Wende der Wende der Wende in der Energiepolitik.

Wie sich der Strompreis zusammensetzt, entnehmen Sie bitte der nebenstehenden Grafik des Bundesverbandes der Ernergie- und Wasserwirtschaft (BDEW) , eines lobbystarken Interessenverbandes deutscher Unternehmen und Verbände, dessen Geschäftsführung seit 2008 in Händen der ehemaligen Staatministerin der Bundeskanzlerin, Hildegard Müller, liegt. Nur 54,4 Prozent des Strompreises, Sie sehen es, entfallen auf Stromerzeugung und Netzkosten. Wer vom „Rest“ profitiert, sehen Sie auch.

 

Der Strompreis, das versichere ich Ihnen, wird wirklich so rasch nicht sinken. Aber das liegt nun eben nicht nur an der Monopolstellung der Energie-Industrie (sehen Sie sich einmal die Aktien von RWE oder E.On an), sondern an denen, die sich angeblich (und nur angeblich) dafür stark machen, die Energiepreise in Zaum zu halten. Tatsächlich profitiert der Staat über die Besteuerung umso mehr vom Strompreis, je höher dieser klettert. Die Strom- bzw. Ökosteuer fließt jedoch gar nicht in die erneuerbaren Energien, wie man erwarten können sollte, sondern in die Rentenkassen. Und dort wird sie zur Senkung des Arbeitgeberanteils an der Sozialversicherung eingesetzt. Das, liebe Frau Merkel und lieber Herr Altmaier, sollten Sie den Wählern vielleicht einmal erklären. Aber nun zum Öl:

„ Peak Oil“, also das Maximum der weltweiten Erdölförderung, wurde ja schon seit Jahrzehnten ausgerufen. Damit hat‘s aber nicht geklappt, aber dem Ölpreis hat es gut getan. Und nach Prognosen des Internationalen Währungsfonds (IWF) wird der Ölpreis innerhalb der nächsten 20 Jahre um 800 Prozent steigen.Das Schöne am hohen Ölpreis: Er ermöglicht es den internationalen Wettbewerbern, die abgesehen von der ebenfalls nicht gerade homogenen OPEC keineswegs in tiefer Freundschaft verbunden sind, neue Technologie voranzutreiben. Ölsande, Ölschiefer und vor allem die Horizontalanbohrung möglicher Ölvorkommen sind dabei das, worauf ich hinaus will. Die offiziell so CO 2-fixiert argumentierende Bundesregierung mit ihrer Ablehnung eines (moderaten) Tempolimits und der paradoxen Einstufung von KFZ, nach der ein Porsche Cayenne umweltfreundlicher ist als ein VW Polo oder die wieder hubraumsüchtig gewordenen USA bewirken das Gegenteil dessen, was angeblich im erklärten Interesse dieser Regierungen liegt: Ölverbrauch und Umweltbelastung steigen.

Das wohlfeile Argument der „Wettbewerbsfähigkeit“, auf das sich am Wochenende auch die Teilnehmer der 49. Münchener Sicherheitskonferenz eingeschworen haben, wird Hand in Hand mit den „von oben“ behüteten Energiepreisen zwar weiter die Steuereinnahmen und auch das BIP nominal beflügeln, Kaufkraft und Konsum aber an die Kette legen. Von 2000 bis 2010 ist das BIP in der Bundesrepublik um rund 5 Prozent gestiegen, der Wohlstand nach am Samstag veröffentlichen Untersuchungen der Universität Heidelberg aber um 4 Prozent gesunken. Der Blick allein aufs BIP verführt daher zu einer Art Wachstumsillusion.

Die oben genannten neuen Technologien und der globale Irrweg, Wettbewerbsfähigkeit hauptsächlich über die Löhne und Einkommen herzustellen, werden einerseits die Fördermengen erhöhen und andererseits die Nachfrage senken. Ein Anstieg des Ölpreises um 800 Prozent, wie vom IWF erwartet, erscheint vor diesem Hintergrund völlig unsinnig.

Denn Ölpreis und Wirtschaftsentwicklung sind ein sich gegenseitig beeinflussender Rückkopplungskreis. Sinkt die Kaufkraft der Verbraucher, sinkt auch die Nachfrage nach Öl, auf privater wie auch auf industrieller Seite.

 

Von daher betrachtet, dürfte die nächste Schockwelle an den Finanzmärkten (und die wird nicht mehr lange auf sich warten lassen), den Ölpreis m. E. um 30 Prozent oder mehr in den Keller schicken. Dass „Öl nie mehr billiger wird“, hören wir schon seit Jahren. Aber allein seit 2000 ist der Barrelpreis sechsmal um über 30 Prozent gefallen, 2008 in nur knapp sechs Monaten sogar um über 75 Prozent. Öl hat daher beste Chancen, uns wieder einmal einen ganz hervorragenden Trade zu präsentieren. Der Zeitpunkt dafür dürfte von der Kursentwicklung an der Wall Street definiert werden. Dazu jetzt.

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Wall Street: Neues Hoch voraus

In der vergangenen Woche hatte ich das im S&P 500 entstandene „rising wedge“ im S&P 500 beschrieben, das auch als „Baissekeil“ bezeichnet wird. Diese potentielle Wendeformation findet sich interessanterweise auch im Dow Jones. Was aber macht der Nasdaq, dem im Allgemeinen so etwas wie eine Vorläuferfunktion für die Wall Street zuerkannt wird?

Sie sehen richtig: Wie es aussieht, bildet der Technologie-Index gerade die rechte Schulter einer „Schulter-Kopf-Schulter“-Trendwende-Formation aus. Und das in recht dichter Nähe zur im März 2009 gestarteten und durch mehrere Teste verifizierten Aufwärtstrendgeraden.

Das sollten Sie im Auge behalten. Baissekeile bei DJIA und S&P500 und eine SKS-Formation beim Nasdaq 100 sind ein nicht zu übersehendes Warnsignal, dass wir jetzt zwar so gut wie sicher eine neue Rekordmarke aufstellen werden, die ganze Chose aber auf sehr, sehr wackeligen Beinen steht. Hinzu kommt, Sie sehen es im Nasdaq-Chart in grün abgebildet, dass der „Demand-Index“, der die Nachfrage an der Börse misst und vom legendären John Murphy für einen der besten Indikatoren überhaupt gehalten wurde, die Hochpunkte der Schulter-Kopf-Schulter-Formation mit fallenden Hochs begleitet.

Genau umgekehrt war es zum Jahreswechsel 2008/2009, dem Startpunkt des noch laufenden Aufwärtstrends. Anfang April 2009 stellte der Nasdaq zwar noch einmal ein neues Baissetief auf, das Tief des Demand-Index lag jedoch bereits deutlich höher. Erinnern möchte ich in diesem Zusammenhang noch einmal an den in der letzten Woche abgebildeten Chart der Kapitalzuflüsse in die „Long-only“-Aktienfonds, die Mitte Januar aus dem Stand heraus auf den höchsten Stand seit Frühjahr 2000 explodiert sind.

Eine Hausse startet in der Angst. Und sie endet in der Euphorie. Neue Hochs in Dow Jones und S&P 500 (und dann natürlich auch im DAX) sind zu 99,9 Prozent sicher. Aber was wir hier in den Charts sehen, lässt erwarten, dass es danach lohnend sein könnte, die Börsen auch auf das leiseste Hüsteln hin abzuhorchen. Und dann neben der Suche nach geeigneten, hebelstarken Derivaten auch den Ölpreis im Auge zu behalten!

US-Dollar: Mehr als nur eine Delle?

Schulter-Kopf-Schulter-Formationen, wie wir sie im Nasdaq 100 jetzt vor uns haben, sind ebenso bekannt wie selten. Umso erstaunlicher ist es, dass wir eine derartige Formation jetzt auch beim Dollar-Index sehen.

Tradesignal Online. Tradesignal® ist eine eingetragene Marke der Tradesignal GmbH. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.

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Eingeleitet wurde sie Anfang 2012 mit der Ausbildung der linken Schulter. Und gibt der Greenback noch ein wenig weiter nach, kommt es zu einem großen Verkaufssignal, von dem auch der Euro trefflich profitieren sollte. Mein Fazit:

Dass sich dermaßen viele Schlüsselmärkte gemeinsam in derart prominenten Chartsituationen befinden, kommt in der Regel nur in Jahren vor, in denen Weihnachten und Ostern auf einen Tag fallen. Daraus sollte sich etwas machen lassen. Und zwar vom Start weg. Wenn Sie sich bis jetzt noch nicht mit dem Umgang mit gehebelten Derivaten vertraut gemacht haben, sollten Sie das m. E. so rasch wie möglich nachholen. Denn 2013 verspricht außergewöhnliche Chancen, wenn auch vermutlich gerade nicht dort, wo die Masse der Anleger sie erwartet.

Viel Erfolg und beste Grüße!

Axel Retz

www.private-profits.de

Axel Retz ist seit über 25 Jahren als Chefredakteur von Börsenmagazinen und Börsendiensten tätig und betreibt das Portal private-profits. Konservative Anleger finden dort seit Jahren bewährte, treffsichere Strategien zur Outperformance der Märkte in Hausse- und Baissephasen. Aggressivere Trader finden alle notwendigen Tools, um mit kleinem Einsatz kurzfristige Gewinne zu erzielen. „Phasen, in denen sich keine Gewinne erzielen lassen, das sind die Seitwärtsmärkte. Aber sie sind nichts anderes als Unterbrechungen im Trendverhalten. Technische oder fundamentale Analyse? Für mich macht es die Mischung!“

Posted in: Gastbeiträge

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Axel Retz ist seit über 25 Jahren als Chefredakteur von Börsenmagazinen und Börsendiensten tätig und betreibt das Portal private-profits. Konservative Anleger finden dort seit Jahren bewährte, treffsichere Strategien zur Outperformance der Märkte in Hausse- und Baissephasen. Aggressivere Trader finden alle notwendigen Tools, um mit kleinem Einsatz kurzfristige Gewinne zu erzielen. „Phasen, in denen sich keine Gewinne erzielen lassen, das sind die Seitwärtsmärkte. Aber sie sind nichts anderes als Unterbrechungen im Trendverhalten. Technische oder fundamentale Analyse? Für mich macht es die Mischung!“

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