By 27. Mai 2013 Read More →

Viel Lärm um Nichts

Mit einem Kurssturz um über 1.000 Punkte hatte Tokio in der abgelaufenen Woche ein kleines Beben ausgelöst. Und die Bären wittern inmitten des winterlichen Frühlings wieder Morgenluft. Sehen wir uns an, ob sie eine Chance haben – und welche Chancen es sonst noch gibt!

 

Die unsinnige und gefährliche Verknüpfung des Euro-Fortbestandes mit dem Zusammenhalt Europas droht sich von allein aufzulösen: Italien und Frankreich haben definitiv den Abschied von der Sparpolitik erklärt, in Zypern kündigte die Regierung am Donnerstag „überraschend dramatischere“ Wirtschaftsdaten an und die Rezession Griechenlands und Spaniens hat sich noch einmal verschärft.

Während Brüssel nach der Ausrichtung von Sprungtürmen in Freibädern nun Ölkännchen in Restaurants zur Chefsache erklärt hatte, droht der Euro von innen zu zerbrechen. EZB und Bundesbank liegen im Dauerclinch.

In zwei Wochen, am 11. und 12. Juni findet vor dem Bundesverfassungsgericht die „Mündliche Verhandlung im Hauptsacheverfahren ESM/EZB“ statt. Mit einem Urteil ist vermutlich erst im September zu rechnen.

Das Dramatische: Die Mehrheit der Bevölkerung ahnt nicht einmal, wohin die Reise gehen wird, falls Karlsruhe es wie am 12. September letzten Jahres erneut bei einem „Ja, aber“ bewenden lässt: Der ESM, der sich in § 35 seines Gründungsvertrags vom 23. Januar 2012 juristisch „selbst-immunisiert“ und für seine Entscheidungen nicht zur Rechenschaft gezogen werden kann, hebelt schlichtweg die Budgethoheit der Euro-Mitgliedsländer aus. D. h.:

Während es heute zumindest noch die eigenen Abgeordneten sind, die über die Köpfe der Bevölkerung hinweg zur „Rettung“ des Euro immer abstrusere Mengen an Steuergeldern versenken, ist es dann eine Beamteria, die von Brüssel aus zentralistisch auf die einzelnen Staatshaushalte zugreifen kann. Warum sie was tut, auch darüber muss sie keine Auskunft geben (§ 34 des Gründungsvertrages). Wenn das zum Selbstzweck verkommene Euro-Rettungssystem perverse und unangreifbare Systeme wie den ESM schafft, der den Haushalt jedes Mitgliedslandes nach Gutdünken ausplündern kann, ohne sein Tun offenlegen geschweige denn für irgendetwas gerade stehen zu müssen, dann ist das gefährlich nahe an einer Diktatur. Deutscher Richterbund, Bund der Steuerzahler und natürlich die AfD laufen Sturm dagegen. Und man darf gespannt sein, wie das BVG entscheidet.

Zu Herzen nehmen sollten Sie sich den Ratschlag des britischen EU-Parlamentariers Nigel Farage, der seinen Landsleuten riet, ihr Geld von spanischen Banken abzuziehen, „solange Sie es noch können“. Und das gilt nicht nur für spanische Banken. Wer heute noch ein Konto über 100.000 Euro bei einer großen Bank hält, der ist selbst schuld.

 

Nikkei süßsauer

Am Dienstag schrieb ich in meiner Kolumne für Börse online: „Ich hege nicht den Hauch eines Zweifels daran, dass das tollwutinfizierte Kreditsystem uns bald ein neues Lehrstück auftischen wird, das sich durchaus mit dem Kurssturz von 2007/2008 messen lassen kann. Und je mehr teils aberwitzige Kommentare ich lese, warum das auf gar keinen Fall passieren kann und warum die Hausse diesmal noch lange anhalten wird, umso sicherer werde ich mir.“

Zwei Tage später rasselte der Nikkei um über 1.000 Punkte in den Keller. Ausgerechnet Japan, wo die Geldpolitik den Irrsinn am krassesten auf die Spitze treibt. Geradezu lächerlich sind die Begründungen, die dann zur Begründung des Kursrutschs grassierten:

Schlechte Konjunkturdaten aus China. Ja, der Einkaufsmanager-Index ist in der vorläufigen Berechnung für den Monat Mai von 50,4 auf 49,6 Punkte gefallen. Ja und? In Frankreich liegt er bei 45,5, in Deutschland bei 49,0 (für das verarbeitende Gewerbe) und in den USA ebenfalls bei 49.0. Und: Was hat Ben Bernanke denn Neues verkündet? Nichts. Er unterstrich, dass er die extrem lockere Geldpolitik beibehalten werde und erst dann an einen vorsichtigen Rückzug aus dem umstrittenen Anleihekaufprogramm denken werden, wenn die (offizielle) Arbeitslosenquote auf 6,5 Prozent gefallen sei. So what? Das alles wussten wir auch vorher schon.

Richtig ist etwas anderes: Während die Notenbank auf erste Erfolge ihrer Geldschwemme und der Yen- Schwäche verweist, ist Japans Haushaltsdefizit auf 220 Prozent des BIP gestiegen. Daran gemessen, herrschen selbst in Griechenland schwäbische Tugenden. Und:

Bis jetzt hat all das viele neue Geld Japan nicht aus der nun schon 15 Jahre andauernden deflationären Abwärtsspirale führen können. Sicherlich begünstigt der künstlich gedrückte Yen die Exporte, aber im gleichen Umfang verteuert er die Importe. Der Effekt: Im April stieg das Handelsbilanzdefizit auf 879,9 Milliarden Yen, was dem höchsten Wert für einen April seit 1979 entsprach. Kein Wunder, dass nur noch 15 Prozent der japanischen Unternehmen die Geldpolitik der BoJ befürworten. Da von einem Erfolg zu sprechen, ist schon mehr als mutig. Was aber hat der Mini-Crash am Kabuto Cho für die Weltbörsen zu bedeuten? Brennt die Lunte wirklich?

 

Schock, welcher Schock?

Beginnen wir mit dem Blick auf den Wochenchart des Dow Jones. Wo ist denn nun der Schock über die angeblich angekündigte Trendwende in der Geldpolitik? Im Wochenvergleich büßte der DJIA 0,3 Prozent ein – das war‘s. Die Royal Bank of Scotland ebenso wie andere Banken attestierten dem US-Markt in ihrem Wochenrückblick zwar „kräftige Verluste“, aber die gab es einfach nicht. Vielleicht sind die Haussiers aber auch schon dermaßen verwöhnt, dass sie jeden noch so kleinen Rücksetzer schon als Kurssturz empfinden. Wenn aber die Wall Street die Bernanke-Rede korrekterweise als Nichtereignis bewertet, dann müssen sich die Anleger am deutschen Aktienmarkt diesbezüglich erst recht keine Sorgen machen. denn wie hier ja wiederholt belegt, wird der DAX nie einen Trend entwickeln, der in eine andere Richtung weist als die Wall Street-Indizes.

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Was nicht bedeutet, dass sich am Börsenhimmel keine Wolken zeigen. Im Gegenteil. Dass uns die rein liquiditätsinduzierte Hausse einmal mit Pauken und Trompeten um die Ohren fliegen wird, steht völlig außer Frage. Während das ständige Hinausschieben des drohenden Ungemachs durch immer noch mehr virtuelles Geld die Katastrophe in der europäischen Konjunktur letztlich nur vergrößert, laufen Realwirtschaft und Aktienkurse immer weiter auseinander.

Die Anleger, vor allem die institutionellen, dürften sich dieses Risikos sehr wohl bewusst sein. Aber im Kampf um Performance haben sie gar keine andere Wahl, als das böse Spiel mitzuspielen. Aber wehe, wenn der erste „Big Player“ kalte Füße bekommt.

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Charttechnisch hat das Wochenminus von 0,99 Prozent auch beim DAX keinerlei Schaden angerichtet. Im Kerzenchart haben die beiden letzten Wochen zwar ein „Dark Cloud Cover“-Muster hinterlassen, aber solange sich der deutsche Aktienindex oberhalb seiner alten Bestmarke halten kann, ist hier rein gar nichts angebrannt. Es bleibt also bei meiner Aussage der vergangenen Woche: Genießen Sie die Hausse, aber vergessen Sie die Rückfahrkarte nicht. Will heißen, setzen Sie Stopps und ziehen Sie sie bei weiteren Kursgewinnen nach. Für den Puteinstieg fehlen bis jetzt alle Argumente!

 

 

EUR/AUD: Ausbruch vom Feinsten

Vor einigen Wochen präsentierte ich Ihnen den Chart des Euro gegen den australischen Dollar, den ich als „wunderschön“ bezeichnete. Und ich riet Ihnen, auf den bevorstehenden Ausbruch nach oben zu achten.

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Nehmen wir uns den Chart noch einmal vor: Wie Sie erkennen, ist der erwartete Ausbruch tatsächlich geglückt. Und in Anbetracht der Stärke des bei 1,30/1,31 verlaufenden horizontalen Widerstandes ist das auf jeden Fall so etwas wie eine klare Ansage.

Charttechnisch geht es hier als nächstes um den bei 1,40 liegenden Widerstand. Kann auch diese Hürde gemeistert werden, stellt sich das nächste Kursziel auf satte 1,60. Hintergrund der Schwäche des Australischen Dollars ist zweifellos der enorme Rohstoffreichtum. Wenn man so will, ließe sich von einer „Rohstoffdeckung“ des Aussi-Dollars sprechen. Trüben sich die Aussichten der Weltwirtschaft und damit auch die Perspektiven für die Rohstoffnachfrage ein, geht die Währung in die Knie. Beim 1987er Crash stieg EUR/AUD in nur drei Wochen von 1,50 auf 1,73 und von Juli 2008 bis Oktober 2008, also auf den offiziellen Zenit der Finanzkrise, ging es von 1,62 auf 2,08 nach oben, womit auch der höchste Stand des mir vorliegenden 25-jährigen Datenbestandes erreicht wurde. Eine Wette auf einen steigenden Euro gegen den australischen Dollar erscheint daher zum gegenwärtigen Zeitpunkt wieder ausgesprochen reizvoll – weswegen ich Ihnen den Chart ja schon vor einigen Wochen präsentiert hatte.

 

Gold: Kursziel weiter 1.000 USD/oz.

Ebenfalls wieder aufgreifen möchte ich Gold. Hier war es vor allem der Trendbruch des seit Ende  1997 Bullishen Sentiments gewesen, der uns frühzeitig auf den kommenden Einbruch des Goldpreises hingewiesen hatte.

Im Sentiment gab es nun eine Gegenbewegung nach oben, die u.E. aber schon wieder an ihrem Ende angelangt ist. Weltweit sinken die Inflationsraten. Zusammen mit der wirtschaftlichen Kontraktion bleibt nimmt daher das Risiko einer deflationären Abwärtsspirale immer weiter zu. Und umso stärker die Sparbemühungen und der unter der Flagge der Wettbewerbsfähigkeit segelnde Druck auf Löhne, Renten und staatliche Transferleistungen werden, um so weiter wird die Kaufkraft zurückgehen.

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Deutschland bildet da derzeit zweifellos eine Ausnahme. Aber über die negativen Effekte der Niedrigstzinspolitik schrumpfen auch hier die Vermögen und Sparguthaben. Dass sich die Konsumenten, wie an den letztwöchigen Zahlen der GfK abzulesen, da lieber in Anschaffungen stürzen, ist nachvollziehbar. Aber Geld kann nur einmal ausgegeben werden.

Alles in allem kein günstiges Umfeld für die Edelmetalle. Und charttechnisch hat der Goldpreis nach dem Abwärtsbreak der zweiten Aufwärtstrendgeraden nun bis zur „Megamarke“ 1.000 USD/oz. Einfach keine nennenswerte Unterstützung mehr aufzuweisen.

Der „Japan-Schock“ hat für die Börsen gar nicht stattgefunden. Geschweige denn zeichnet sich eine Änderung der US-Geldpolitik ab. Das Umfeld für unsere Tradings bleibt also (noch) stabil. Und wenn der Tag X kommt, wird Börse noch viel lukrativer als sie es heute ist. Vorausgesetzt Sie glauben nicht alles, was über die Bildschirme flimmert oder auf Papier gedruckt wird.

 

Viel Erfolg und beste Grüße!

 

Axel Retz

 

 

 

Axel Retz ist seit über 25 Jahren als Chefredakteur von Börsenmagazinen und Börsendiensten tätig und betreibt das Portal private-profits. Konservative Anleger finden dort seit Jahren bewährte, treffsichere Strategien zur Outperformance der Märkte in Hausse- und Baissephasen. Aggressivere Trader finden alle notwendigen Tools, um mit kleinem Einsatz kurzfristige Gewinne zu erzielen. „Phasen, in denen sich keine Gewinne erzielen lassen, das sind die Seitwärtsmärkte. Aber sie sind nichts anderes als Unterbrechungen im Trendverhalten. Technische oder fundamentale Analyse? Für mich macht es die Mischung!“

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Axel Retz ist seit über 25 Jahren als Chefredakteur von Börsenmagazinen und Börsendiensten tätig und betreibt das Portal private-profits. Konservative Anleger finden dort seit Jahren bewährte, treffsichere Strategien zur Outperformance der Märkte in Hausse- und Baissephasen. Aggressivere Trader finden alle notwendigen Tools, um mit kleinem Einsatz kurzfristige Gewinne zu erzielen. „Phasen, in denen sich keine Gewinne erzielen lassen, das sind die Seitwärtsmärkte. Aber sie sind nichts anderes als Unterbrechungen im Trendverhalten. Technische oder fundamentale Analyse? Für mich macht es die Mischung!“

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