By 28. Januar 2013 Read More →

US-Aktienmarkt – es bleiben noch sechs Tage

Bären auf der Flucht. Trotz der Belastung durch Apple legten die richtungsweisenden US-Aktienindizes in der vergangenen Woche erneut kräftig zu. Ist der Markt nun überhitzt und droht in eine heftige Korrektur zu laufen? Wir untersuchen einige exotischere Verhältniskennzahlen.

 

Der Bilderbuchstart in das neue Börsenjahr setzte auch in der vergangenen Woche an der Wall Street fort. Auf Wochensicht verbuchte der Dow ein Plus von 1,8%, der S&P von 1,1% und die Nasdaq von 0,5% Prozent. Negative Faktoren wie der heftige Einbruch der im S&P und Nasdaq hoch gewichteten Apple-Aktie wurden vom Markt gut verdaut. Ohne die Verluste des iPhone-Herstellers wäre noch deutlich mehr drin gewesen. Auch historisch betrachtet muss man lange in den Statistiken suchen, um einen ähnlich starken Jahresauftakt zu finden. Der Dow legte die beste Entwicklung seit Januar 2004 aufs Parkett. Dem steht der marktbreite S&P im nichts nach: Mit dem positiven Abschluss am Freitag schloss der Index den 8. Tag in Folge fester. Zuletzt gab es eine solche Serie im November 2004. In den vergangenen 50 Jahren lässt sich diese Bullenparty nur 35 Mal nachweisen. Nach Angaben von Jefferies liegt die längste Periode mit aufeinander folgenden positiven Sitzungen bei 14 Handelstagen. Dem S&P fehlen somit noch sechs Tage. Und noch eine interessante Statistik haben die Analysten parat: „In den 60 Handelstagen nach einer Periode von mehr als 8 Tagen im Plus, ist der durchschnittliche Marktverlauf äußerst positiv. Im Schnitt ist der Index nach zwei Monaten nochmal um fast 3% angestiegen.“

Klingt alles sehr gut, aber so ganz allmählich wäre eine gesunde Korrektur angesichts des überhitzten Zustands sehr willkommen. Dazu einige Daten:

  • Der Abstand zur 100- und 200-Tage-Linie fällt mit 4,9 bzw. 7,6 Prozent im Vergleich der
    vergangenen drei Jahre noch moderat aus. Als das Frühjahres-Top in 2012
    markiert wurde, lag der längerfristige Durchschnitt 11% unter dem Indexstand, 2011
    waren es 14 Prozent.
Tradesignal Online. Tradesignal® ist eine eingetragene Marke der Tradesignal GmbH. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.

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  • Kritischer sind hingegen die Relationen „unter der Oberfläche“: Aktuell notieren 91 Prozent der Aktien im S&P 500 über dem 50-Tage-Durchschnitt, bezogen auf die 100 und 200-Tage-Linie sind es rund 85Prozent. Der Chart für den 200-Tage-Zeitraum zeigt es deutlich: Notieren rund 90 Prozent der Aktien über dem Signalgeber, kam es noch zu weiteren Kursgewinnen. Im Anschluss setzte aber häufig eine deutliche Marktbereinigung ein, bestenfalls wie in der ersten Jahreshälfte 2011 eine Seitwärtskonsolidierung. Wer jetzt noch ordert, erkauft sich den Einstieg somit bei einem sehr schlechten Chance-Risiko-Verhältnis.

Quelle: indexindicators.com
 
 
  • Der „Risk On“-Modus zeigt sich ebenfalls am Performance-Vergleich amerikanischer Small Caps im Russell 2000 im Vergleich zu den Large Caps des Russell 1000. Seit Mitte November kommt es zu kräftigen Umschichtungen in die risikoreicheren Nebenwerte. Inzwischen ist das Verhältnis (Ratiocator) auf einem wichtigen Niveau angekommen. Genügend Luft hin zu einer neuen Übertreibungsphase wie zuletzt zwischen Dezember 2010 und Sommer 2011 ist noch vorhanden. Allerdings wären auch verstärkte Gewinnmitnahmen nun keine Überraschung – der Markt befindet sich an einem Scheideweg.
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Der Jahresfahrplan steht fest – theoretisch

 

Charttechnisch lässt sich bis an das Rekordhoch und somit den hartnäckigen horizontalen Widerstandbereich zwischen 1545 bis 1575 Zählern aus der Vergangenheit keine nennenswerte Hürde ableiten. Für eine Fortsetzung der positiven Bewegung spricht auch, dass auf Wochenbasis noch kein überhitzter Marktzustand vorliegt. Im Gegenteil, der DSS Bressert befindet sich noch in der steigenden Tendenz und erreicht in dieser Woche die obere Extremzone. Vom trendfolgenden MACD kommen hingegen zweideutige Signale. Nach den jüngsten Kursgewinnen generierte der Indikator ein Kaufsignal. Zugleich werden seit knapp einem Jahr aber auch die steigenden Hochpunkte im Index nicht mehr bestätigt (negative Divergenz). Dies ist allerdings nur als Warnhinweis und nicht als Verkaufssignal zu werten, da vor allem das Timing bei Divergenzen große Probleme bereitet. Dennoch sollte die Entwicklung im MACD genau verfolgt werden.

 

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Die Vorgaben des Präsidentschaftszyklus passen ebenfalls gut in das Szenario. Abgebildet ist der durchschnittliche Kursverlauf der Nachwahljahre von 1897 bis 2005 für den Dow Jones. Gemäß des Ablaufmusters wäre bis Anfang Februar mit Kurszuwächsen zu rechnen, ehe eine Korrektur einsetzt. Anfang März sowie Anfang April eröffnen sich gute Einstiegsgelegenheiten für Swing-Trader, da die Kurse bis in den August hinein im Durchschnitt zulegen.

 

Quelle: Wellenreiter

Quelle: Wellenreiter

 

Übertragen auf die aktuelle Situation könnte uns somit eine volatilere Phase bevorstehen, in der es beim S&P 500 zu einer Fluktuation um die 1500er-Marke kommt. Mit einem Angriff auf das Rekordhoch bei 1576 Zähler ist dann im Sommer zu rechnen, was auch die Projektion des übergeordneten Monatscharts (s.u.) bestätigen würde. Allerdings könnte es hier nur zu einem Fehlausbruch auf der Oberseite kommen, da die zweite Jahreshälfte im Präsidentschaftszyklus von Kursschwäche bei Aktien geprägt ist.

 

 

Signale aus der Vergangenheit

Auch der Blick auf den Monatschart offenbart einige interessante Details. Seit Ende der 1990er-Jahre ist der amerikanische Leitindex in einer großen Seitwärtsrange gefangen, die große Ähnlichkeiten mit der Entwicklung in den späten 1960er- und 1970er-Jahren aufweist. Auch damals kam es im Anschluss an die Rally ab 1932 zu einer langen Verschnaufpause bei den Dividendenwerten. Auf der Südseite dieser Range kam es 1966, 1970 und 1974 zu einer Serie fallender Tiefpunkte, während die anschließenden Rücksetzer immer deutlich über dem ersten Low ausgebildet wurden. An der nördlichen Begrenzung markierte der S&P 1968 ein erstes Top, welches fünf Jahre später um gut zwölf Prozent übertroffen wurde. Ende 1976 / Anfang 1977 und somit rund  vier Jahre später stellte sich das erste Hoch erneut als zu große Barriere heraus, die nach einem Rücksetzer erst 1980 nachhaltig überwunden wurde.

 

In der aktuellen Seitwärtsentwicklung finden sich einige Parallelen. Das erste Hoch aus dem Jahr 2000 wurde sieben Jahre später kurzzeitig übertroffen, während auf der Unterseite mit drei fallenden Tiefpunkten seit 1998 ebenfalls das bereits bekannte Muster vorhanden ist.

 

Setzt sich die Symmetrie fort, sieht es mittelfristig für die aktuell laufende Aufwärtsbewegung eher schlecht aus. Die Luft würde demnach noch bis 1500 oder auch 1600 Punkte reichen, ehe mit einer Korrektur von 17 % bis 20 % und damit einem Rückschlag bis in Kursregionen von 1250 / 1330 Zähler in den kommenden ein bis zwei Jahren gerechnet werden müsste. Auf dem dann ermäßigten Niveau würde sich noch einmal eine sehr gute Einstiegsgelegenheit für die nächsten Jahreszehnte ergeben. Ähnlich wie Mitte der 80er-Jahre erscheint nach einem Ausbruch auf der Oberseite auch ein bestätigender Retest um 1500 Punkte sehr wahrscheinlich.

 

Tradesignal Online. Tradesignal® ist eine eingetragene Marke der Tradesignal GmbH. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.

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About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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