By 24. Oktober 2014 Read More →

ThyssenKrupp, K+S, Commerzbank – Bullenfalle?

Nun also doch: Der DAX kletterte am Donnerstag über den hartnäckigen Widerstand im Bereich um 8900 / 9000. Ein auf den ersten Blick gutes Signal, nicht nur für den Leitindex, sondern auch für viele Einzelwerte. Besonders zyklische Werte waren gefragt. Zu Recht?      

Rund 700 Punkte kletterte der deutsche Aktienmarkt seit dem Ende der vergangenen Woche markierten Jahrestief. Die Erholung mag so manchen Spekulanten auf der Short-Seite in seiner Dynamik überrascht haben, die Positionen müssen nun unter Verlusten eingedeckt werden, was den Aufwärtsimpuls zusätzlich beschleunigt. Viele Bären dürften besonders auf den Widerstand um 8900 / 9000 gesetzt haben, und das die Barriere hält. Gestern wurde der Bereich nun dynamisch überwunden. Nachdem der Markt wesentlich schwächer in den Handel startete, kam plötzlich richtig Schwung auf. Ausgehend von 8820 ging es recht zügig bis auf 9017, der Tagesschluss lag bei 9047. ThyssenKrupp, SAP, Commerzbank, K+S und Infineon waren ganz oben zu finden, also Werte, mit denen auf eine gesunde konjunkturelle Entwicklung gesetzt wird.

Allerdings stimmt der Grund für diesen Impuls doch sehr nachdenklich. Veröffentlicht wurde der Einkaufsmanagerindex für Deutschland und anschließend auch für den Euro-Raum. Der Index für das verarbeitende Gewerbe lag mit 51,8 Punkten über den Erwartungen (49,6), der Teilindex für den Dienstleistungsbereich enttäuschte hingegen mit 54,8 (Prognose: 55). In Frankreich sieht es unverändert schlecht aus, dass Land bleibt am Rand zur Rezession. Auch der Gesamtindex für die Eurozone lag nur leicht über den Erwartungen. Dennoch wurden die Daten so interpretiert, dass eine  Abkühlung der europäischen Konjunktur wohl kein Thema mehr ist. Eine sehr vage These. Zugleich wären damit auch expansivere Maßnahmen der EZB vom Tisch – und damit ein wesentlicher Faktor der jüngsten Aufwärtsbewegung.

 

DAX: Stunden- und Tagesanalyse

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Von der technischen Seite haben sich die Karten für die Käufer natürlich verbessert. Für den DAX wäre nun Platz bis knapp 9200. Vorgelagert rückt heute noch die kräftig fallende 21-Tage-Linie in den Blickpunkt, die zusammen mit dem 50 Prozent-Retracement bei 9090 die Bullen auf der Oberseite ausbremsen könnte. Einzeln betrachtet können beide Faktoren den Impuls kaum aufhalten, erst die Kombination macht den Bereich um 9090 wesentlich interessanter.

Größere Korrekturen sind aber eher nicht zu erwarten. Bereits bei 8960 / 8970 zeigt der Stundenchart einen ersten Haltebereich, darunter wäre Platz bis 8860. Erst wenn auch hier die Nachfrage schwach ausfallen sollte, ist mit einer weiteren Bewegung bis 8700 zu rechnen.

Wer zudem noch die Indikatoren berücksichtigt, dürfte ohnehin eher auf weiter steigende Kurse setzen. Der MACD lieferte ein frisches Einstiegssignal, auch der DSS Bressert bestätigt mit dem Anstieg aus der überverkauften Zone die grundsätzlich positive Tendenz.

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Wochenanalyse:

Top-Formation wurde aufgelöst

Mit den jüngsten Verlusten hat der DAX die breite Schiebezone zwischen 9000 bis 10.000 nach unten hin verlassen und ein klassisches Verkaufssignal geliefert. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Bewegung seit Herbst 2013 als Rechteck, Dreifach-Top, SKS oder was auch immer klassifiziert wird, denn die Kurszielbestimmung ist bei allen Varianten gleich. Um das Abwärtspotenzial zu bestimmen, wird die Höhe der Formation an den Ausbruchspunkt gespiegelt, hier zeigt der Chart weitere Risiken bis rund 7750 (rote Balken). Es könnte also durchaus sein, dass die 2000 / 2007er-Hochs unterboten werden und auch die letzten Optimisten aufgeben, bevor eine Erholung einsetzt. Diese Kursziel bleibt vorerst bestehen, solange der DAX nicht per Wochenschluss die 9000 deutlich zurückerobert.

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Monatsanalyse:

Die Würfel sind offenbar gefallen

Im langfristigen Monatschart standen zwei Szenarien bisher im Blickpunkt: Entweder eine kurze Konsolidierung bei 10.000 mit anschließend weiter steigenden Kursen oder ein klassischer Retest der 2000 / 2007er-Hochs. Gerade die bearische Variante erschien zuletzt deutlich wahrscheinlicher, und so kam es nun auch. Der MACD leistete erneut sehr gute Dienste und warnte frühzeitig vor einer Korrektur. Ich hatte zuletzt mehrfach auf die erhöhten Risiken hingewiesen.

Für Anleger, die den Ausbruch Mitte 2013 verpassten, eröffnet sich somit auf den ersten Blick noch einmal eine gute Gelegenheit zum Einstieg. Allerdings hat sich die Lage im MACD noch längst nicht abgekühlt, wir handeln unverändert auf einem erhöhten Niveau, dass Verkaufssignal ist intakt. Bis in den Bereich um 7750 / 8000 bleibt das Szenario einer Retest-Bewegung noch möglich. Darunter wird es dann deutlich bearischer, Kursverluste bis an die gestrichelte Aufwärtstrendlinie (Hilfslinie) bei rund 6000 wären denkbar, wenn auch das Kursziel aus der Wochenanalyse unterboten werden sollte. Noch aber besteht Grund zur Hoffnung, dass wir diese Kursregionen nicht sehen werden.   

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Posted in: Deutschland, Indizes

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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