Sommermärchen auf dem Prüfstand

Läuft alles nach Plan, sollten Jogis Jungs auch in der neuen Woche mehr Begeisterung entfachen als der DAX. Kurzfristig läuft noch eine Konsolidierung, wichtige charttechnische Marken rücken erst allmählich in den Fokus.      

Marktüberblick

Sommerzeit, Ferien, Fußball-WM und ein DAX nahe der 10.000, viele Anleger nutzen die kommenden Wochen für eine Auszeit von der Börse. Damit einher gehen auch sinkende Umsätze, eine Entwicklung, die vor allem von denjenigen Akteuren ausgenutzt werden kann, die dennoch vor ihren Bildschirmen sitzen. Denn mit vergleichsweise wenig Einsatz können die Kurse in eine gewünschte Richtung gelenkt werden. Auch wenn dies wohl nur für die wirklich schweren Jungs zutreffen sollte, so fällt dennoch auf, dass die angeblich so ruhigen Sommermonate in Wahrheit durchaus volatil ausfallen können.

Tradesignal Online. Tradesignal® ist eine eingetragene Marke der Tradesignal GmbH. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.

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Im ersten Chart ist die Kursentwicklung des DAX auf Wochenbasis seit Beginn der laufenden Rally im Frühjahr 2009 zu sehen. Farblich markiert ist jeweils eine von uns frei gewählte Sommerferienzeit, in unserem Beispiel der Zeitraum von Anfang Juli bis Ende August. Grüne Balken stehen für eine positive Performance in den acht Wochen, rote Markierungen kennzeichnen Verluste. In den vergangenen fünf betrachteten Zeitperioden behielten in vier Fällen die Käufer die Oberhand. Dies ist natürlich nicht statistisch signifikant genug, um daraus weitere Tendenzen ableiten zu können. Die Entwicklungen in den Jahren 2009, 2012 und auch 2013 zeigen aber, dass die Gewinne in den Sommermonaten nicht unerheblich auch die Jahresperformance beeinflussten.

Anders formuliert: Anleger die im Juli und August nicht investiert waren, erzielten auch eine schwächere Jahresbilanz. Mit Ausnahme von 2009 kletterte der Markt allerdings nicht auf ein neues Jahreshoch. Hier trauten sich offenbar die wenigen Händler kaum aus der Deckung. Auch im laufenden Jahr droht dem DAX mit der 10.000er-Schwelle ein ähnliches Schicksal.

Stunden- und Tagesanalyse:

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In der vergangenen Woche meldeten sich mal wieder die Verkäufer zurück, der DAX büßte auf Wochensicht mit minus 1,7 Prozent so deutlich ein wie seit Mitte April nicht mehr. Dennoch hält sich der charttechnische Schaden bisher in Grenzen. Die Korrektur von rund 2,3 Prozent ausgehend vom Rekordhoch sollte zwar nicht ignoriert werden, spielt aber aus technischer Sicht kaum eine Rolle.

Vorbörslich werden Kurse von 9845 aufgerufen, gleich zu Beginn könnte somit der erste Widerstand bei 9830 genommen werden. Darüber sind wirklich relevante Widerstände vorerst nicht zu erkennen, lediglich die inzwischen wieder fallende 21-Tage-Linie bei 9940 könnte bei einem Test verstärkte Gewinnmitnahmen auslösen.

Auf der Unterseite bleibt der Markt unverändert gut unterstützt. Die breite horizontale Nachfragezone um 9700 / 9800 verhindert bisher einen größeren Rückschlag und lockt Nachkäufer an. Solange der DAX dieses Niveau verteidigt, bleiben die Käufer am Ball. Erst wenn der Bereich unterboten wird, ist mit einem Test der Kanalgrenze bei 9600 zu rechnen.

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Wochenanalyse:

MACD mit gefährlicher Divergenz

Mittel- bis langfristig betrachtet ist die Aufwärtsbewegung trotz der seit gut sieben Monaten laufenden Konsolidierung weiterhin als intakt zu bezeichnen. Seit Sommer 2011 läuft der Index in einem Kanal Richtung Norden, dessen Extremzonen mehrfach bestätigt wurden und somit über eine gewisse Relevanz verfügen. Während zum Jahreswechsel verstärkt die Oberseite im Fokus stand, führte die jüngste Konsolidierung zu widerholten Tests der unteren Aufwärtstrendlinie. Bisher nutzten die Käufer jeden Rücksetzer zum Einstieg, ein Kursverhalten, das wir auch im vergangenen Jahr mehrfach gesehen haben. Lediglich die Tatsache, dass der DAX bereits länger nicht mehr die obere Trendlinie angelaufen hat, kann als Schwächesignal ausgelegt werden.

Aus technischer Sicht stellt die 10.000er-Schwelle nur eine unbedeutende Kursmarke dar. Inzwischen scheint der psychologische Effekt aber den DAX zumindest zu einer Atempause zu zwingen. Potenzial auf der Oberseite wäre durchaus noch vorhanden, mittelfristig lässt der Kanal Platz bis 10.800.

Auf der Südseite ist der DAX gut abgesichert. Neben der erwähnten, zuletzt mehrfach bestätigten Aufwärtstrendlinie bei derzeit rund 9600 sorgen auch die 200-Tage-Linie bei 9350 und die breite horizontale Unterstützungszone um 8900 / 9000 für Sicherheit. Eine größere Umkehrformation und somit Schwächesignal in der mittel- bis langfristigen Zeitebene wird erst mit Kursen von unter 8900 aktiviert.

Warnsignal kommen von der Markttechnik. Der DSS Bressert ist in seine obere Extremzone vorgestoßen und kippt allmählich in den neutralen Bereich. Der MACD bildete sogar gegenüber seinem Hochpunkt zum Jahreswechsel eine tiefere Umkehr aus, obwohl der DAX neue Hochs erreichte. Diese negative Divergenz muss genau verfolgt werden und könnte ein Hinweis auf eine größere Korrekturbewegung sein.

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Monatsanalyse:

Zwei Szenarien für die Zukunft

Im abgebildeten Monatschart seit 1960 wird vor allem die Bedeutung des Kursbereichs um 8000 / 9000 deutlich. Nach dem Ausbruch aus einer rund 20 Jahre andauernden Seitwärtsbewegung im Jahr 1983 zeigte der DAX bis zur Jahrtausendwende eine ausgeprägte Rally-Bewegung. Mit dem Platzen der Spekulationsblase wurde diese Aufwärtsbewegung in den vergangenen 13 Jahren konsolidiert. In dieser Zeit bildete der Deutsche Aktienindex deutlich steigende Bewegungstiefpunkte aus, was auf einen allmählich steigenden Kaufdruck deutet. Der Sprung über die Hochpunkte aus dem Jahr 2000 und 2007 bei 8200 war somit nur eine Frage der Zeit. Der DAX löste ein sehr bullish aufsteigendes Dreieck nach oben hin auf, aus dem theoretisch Notierungen deutlich jenseits der 10.000er-Marke abgeleitet werden können.

Nach dem nun erfolgten Ausbruch sind zwei grundsätzliche Szenarien denkbar. Aufgrund der Bedeutung der Zone um 8200 wäre eine Rückkehrbewegung und somit ein Retest des Ausbruchsniveau nicht überraschend. Ein möglicher Wendepunkt könnte an der psychologisch wichtigen Schwelle von 10.000 liegen. Ausgehend von einem kurzen Test der fünfstelligen Kursmarke wäre mit einer Korrektur bis in den Bereich von 8200 / 8500 zu rechnen, von dem aus dann eine nachhaltige Aufwärtsbewegung erfolgen würde. Zugleich eröffnet sich Anlegern, die den Einstieg bisher verpassten, auf langfristige Sicht noch einmal eine gute Einstiegsgelegenheit.

In einem zweiten Szenario bleibt ein Test der Zone um 8200 von oben aus. Stattdessen läuft der Markt nach einer recht wahrscheinlichen Konsolidierung bei rund 10.000 weiter aufwärts. Neue Widerstände müssten sich erst noch herausbilden. Unwahrscheinlicher erscheint hingegen ein Rücksetzer unter das Ausbruchsniveau von 8200.

Auf Basis der Indikatoren wäre noch ein wenig Luft nach oben vorhanden. Beachten Sie vor allem den trendfolgenden MACD, der in den vergangenen 13 Jahren eigentlich recht zuverlässig die Wendepunkte beim DAX antizipierte. Allmählich erreicht der Signalgeber die Niveaus aus dem Jahr 2000 und 2007 (rote Linie).

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Posted in: Deutschland

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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