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Silber – die fundamentale und charttechnische Analyse – Teil I

Anders als der große Bruder Gold dient Silber nicht nur als klassische Krisenwährung, sondern stellt auch eine Wette auf die Konjunktur. Wo liegen die Chancen und Risiken des weißen Edelmetalls?

 

Vor nahezu exakt zwei Jahren war die Welt für die Silber-Anhänger noch in Ordnung. Anfang 2009 bei rund 10 US-Dollar legte das Edelmetall  eine Rally aufs Parkett, mit dem wohl auch der größte Optimist nicht  gerechnet hätte. Ende April 2011 verfehlte der Kurs nur hauchdünn die Marke von 50 Dollar. Kursziele von 75 oder sogar 100 Dollar wurden veröffentlicht. Doch wie so oft kommt es anders – als alle denken und positioniert sind. Seitdem ließen mehrere Crashs die Silber-Bullen verstummen. Auch wer zuletzt auf eine antizyklische Strategie setzte und  glaubte, dass Silber „nicht noch tiefer fallen kann“, wurde eines Besseren belehrt. Mitte Mai rauschte der Kurs auf den tiefsten Stand seit Herbst 2010. Mit einem Kursrückgang um 25 Prozent hat Silber gegenüber Ende 2012 wesentlich kräftiger nachgegeben als Gold, denn der kleine Bruder ist viel volatiler. Doch nun gibt es Hoffnung für Silber auf dem Rückweg nach oben.

 

Konkurrenz setzt Silber zu

Anders als der große Bruder Gold dient Silber nicht nur als klassische Krisenwährung, sondern stellt auch eine Wette auf die Konjunktur dar. Zumindest in den vergangenen Jahren führten die zahlreichen Turbulenzen und Untergangszenarien an den Finanzmärkten zu einem verstärkten Sicherheitsbedürfnis bei den Investoren. Davon profitieren nicht nur Fluchtwährungen wie der Schweizer Franken, sondern auch Edelmetalle wie Silber und Gold. Inzwischen wird am Aktienmarkt aber eine ganz eigene Party gefeiert. Obwohl wichtige Rohstoffe eher abwärts laufen und auf eine schwächelnde Weltwirtschaft deuten, stoßen die Aktienmärkte dank des billigen Notenbankgeldes in neue Dimensionen vor.

Tradesignal Online. Tradesignal® ist eine eingetragene Marke der Tradesignal GmbH. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.

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Und hier liegt derzeit eines der zahlreichen Argumente, die gegen Silber sprechen. Denn die stark performenden Aktienmärkte bieten deutlich bessere Anlagemöglichkeiten als Gold und Silber. Anders formuliert: Investoren tauschen zumindest einen Teil ihrer Edelmetallinvestments in risikoreichere und rentablere Anlageformen. Nachdem sich die Dynamik der Mittelabflüsse bei den Gold-Fonds zuletzt etwas verlangsamte, sind die Bestände der ETCs im Mai um 2,4 Prozent gesunken. Das war das größte Minus seit zwei Jahren. Hingegen sind die Münzverkäufe der US-Prägeanstalt in den ersten fünf Monaten um 50 Prozent auf 21,77 Mio. Tonnen gestiegen. Kurse machen bekanntlich Nachrichten und führen zu einer Abwärtsdynamik, die auch schnell in einer Übertreibung münden kann.

 

Warten auf die Inflation

Eine entscheidende Rolle bei der Beurteilung der Perspektiven für Silber spielt natürlich auch die expansive Geldpolitik der wichtigsten Notenbanken. Zur Erinnerung: Allein die Fed  pumpt jeden Monat bis zu 85 Mrd. Dollar in den Markt, um die US-Konjunktur anzukurbeln. Auch wenn der Erfolg bisher recht bescheiden ausfällt und der Arbeitsmarkt als wichtige Messgröße der Fed noch längst nicht auf der Erfolgsspur angekommen ist, waren zuletzt doch verstärkt Stimmen gegen eine Fortsetzung der Politik des billigen Geldes zu hören. Das Problem für die Silber- und Gold-Anhänger: Inflation und damit ein zentrales Kaufargument für die Edelmetalle ist an den Märkten kein Thema – eher im Gegenteil.  Europa steckt in einer Rezession, die Arbeitslosigkeit ist gerade in den Peripherieländern sehr hoch, was wiederum zu sinken Löhnen und damit auch schwächerer Konsumneigung führt. Inflation kann es in diesem Umfeld gar nicht geben. Und auch in den USA ist der Trend eindeutig: Sowohl die Verbraucherpreise als auch die Kernrate oder die Berechnung ohne die Energiekomponente fallen seit 2011. Kommt Ihnen das bekannt vor? Richtig, auch Gold und Silber befinden sich seitdem im Rückwärtsgang. Die Korrelation zwischen den Edelmetallen und der Inflationsrate ist kaum zu übersehen. Inzwischen liegt die US-Inflationsrate nur noch knapp über der kritischen Marke von einem Prozent. Sollten die Rohstoffpreise auf breiter Front weiter fallen, verstärkten sich die deflatorischen Kräfte. Schlecht für Silber.

Lesen Sie im zweiten Teil am Montag, warum Silber dennoch Chancen auf eine Erholung hat, was die Charttechnik sagt und welche Investmentideen aktuell zu empfehlen sind.

 

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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