Nordex – vor den Zahlen verkaufen?

Mit dem bisherigen Jahresverlauf können die Aktionäre von Nordex sehr zufrieden sein. Seit Jahresbeginn kletterte der Kurs um 48 Prozent, dies reicht für Platz 5 im Performance-Ranking der TecDAX-Werte. Die morgigen Zahlen dürften eine wichtige Signalwirkung haben, denn charttechnisch wird es nun sehr spannend.

Große Orders aus Ländern wie Frankreich, Irland, Südafrika, Uruguay und Finnland sorgten in den vergangenen Wochen und Monaten für gute Laune bei den Norddeutschen und volle Auftragsbücher. Besonders mit den Schwachwindturbinen scheint der Konzern den Nerv seiner Kunden getroffen zu haben. Entsprechend positiv ist man auch für den weiteren Jahresverlauf gestimmt. Erwartet wird ein Umsatz zwischen 1,9 bis 2,1 Mrd. Euro bei einer Ebit-Marge von fünf bis sechs Prozent. Dementsprechend dürfte Nordex auch sein mittelfristiges Umsatzziel von zwei Mrd. Euro zwei Jahre früher erreichen als bisher erwartet.

Auch Analysten scheinen von der jüngsten Entwicklung beeindruckt zu sein und passten zuletzt ihre Modelle an. Nach einem Ergebnis je Aktie von 0,48 Euro für das Geschäftsjahr 2014 liegen die Schätzungen für das laufende Jahr bei 0,83 Euro. Vor einem Monat lag die Messlatte noch bei 0,80 Euro, Mitte Februar wurden sogar nur 0,76 Euro erwartet. Für 2016 wird mit einer Fortsetzung der positiven Entwicklung gerechnet, hier liegen die Schätzungen derzeit bei 1,05 Euro – Tendenz steigend.

Ein weiteres Thema bleibt die erste Dividendenausschüttung nach 29 Jahren. Warburg Research vermutet, dass das Management eine Ausschüttung für das Geschäftsjahr 2015 erwägt. Zuletzt hatte Nordex-Konkurrent Vestas die Dividendenzahlung im Februar wieder aufgenommen. Die Analysten rechnen in einer Studie von Ende März mit 0,15 Euro für 2015.

Nach Einschätzung der Deutschen Bank bietet die Nordex-Aktie noch Luft bis 25 Euro. Ende April hob Goldman Sachs die Papiere von „Neutral“ auf „Buy“ und passte das Kursziel von 19,80 Euro auf 24,50 Euro an.

Trendkanal bremst die Bullen aus

Die kräftigen Gewinne seit Jahresbeginn lassen vermuten, dass bereits viele Vorschusslorbeeren im Kurs enthalten sind. Sollte Nordex mit den Zahlen am morgigen Mittwoch nicht restlos überzeugend, dürften spürbare Gewinnmitnahmen einsetzen. Werden hingegen die Erwartungen übertroffen, besteht durchaus noch Spielraum.

Trader, die auf Basis der Relativen Stärke handeln, dürften die fundamentalen Daten egal sein, der Trend und die Dynamik sprechen eindeutig für die Aktie und somit eine Fortsetzung der gerade seit Ende April verstärkten Aufwärtsbewegung. Zur Vorsicht mahnen hingegen Chart- und Markttechnik. Mit einer Differenz von 12 Prozent zur 21-Tage-Linie hat sich der Wert wieder gefährlich weit von seiner Signallinie noch oben abgesetzt. Ähnliche Abstände wurden bereits Mitte November sowie auch im März und April 2014 gemessen, damals bildete die Aktie einen zyklischen Hochpunkt aus.

Tradesignal Online. Tradesignal® ist eine eingetragene Marke der Tradesignal GmbH. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.

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Erschwerend kommt hinzu, dass die Papiere an der Oberkante eines seit Oktober vergangenen Jahres bestehenden Aufwärtskanals angekommen sind. Zuletzt scheiterte die Aktie Anfang März an der Kante und konsolidierte seitwärts. Zusammen mit der kurzfristig überhitzten Lage ist daher ein Ausbruch aus der Range eher nicht zu erwarten. Nur überraschend starke Zahlen könnten sich als Katalysator erweisen. Für investierte Anleger erscheint es daher ratsam, zumindest einen Teil der Gewinne zu realisieren oder mit gestaffelten Stoppkursen abzusichern. Unterstützungen liegen bei 19,85 Euro und 18,50 Euro und 18,20 Euro.

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Posted in: Aktien, Deutschland

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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