By 28. November 2014 Read More →

Nach der Übertreibung kommt der Bär

Um mehr als 16 Prozent kletterte der DAX auf Schlusskursbasis seit Mitte Oktober, eine historisch betrachtet stramme Leistung. Doch es wird nur eine Frage der Zeit sein, bis der Markt dem hohen Tempo Tribut zollen wird.   

Man kann sich nur verwundert die Augen reiben. Noch bis Mitte Oktober zählte der DAX zu den schwächsten Indizes im internationalen Vergleich. Seitdem hat sich das Blatt komplett gewendet, für den Monat November steht bisher ein Zuwachs von 6,9 Prozent in den Büchern. Nur der TecDAX sowie der Shanghai Composite zeigten unter den größeren Indizes eine noch kräftigere Erholung.

 

DAX: Stunden- und Tagesanalyse

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Die Volatilität im letzten Jahresviertel bleibt dabei ungebrochen hoch. Der DAX zeigte eine rasante Achterbahnfahrt, in der aktuell die Käufer eindeutig die Oberhand haben. Auf den ersten Blick ist dies sicherlich erfreulich, allerdings war die Dynamik des jüngsten Anstiegs eher ungesund. Inzwischen notiert der DAX um 5,7 Prozent über seiner 21-Tage-Linie. Ähnlich  hohe Niveaus wurden zuletzt im Mai 2013 gemessen. Auch damals stiegen die Kurse zu schnell, es folgte eine Korrektur von rund 900 Punkten. Allerdings liegt derzeit kein intakter Aufwärtstrend mehr vor, auch die 200-Tage-Linie verläuft nur noch seitwärts. Die mittelfristigen Rahmenbedingungen haben sich somit markant verändert.

Kurzfristig ist der DAX nun ähnlich wie die US-Märkte eindeutig überhitzt, eine Konsolidierung ist sehr wahrscheinlich. Offen ist nur die Frage, ob die überkaufte Lage mit einer Seitwärtsbewegung – Konsolidierung über die Zeitebene – oder durch Kursverluste – Konsolidierung über eine Korrektur – abgebaut wird. Bisher sind Gewinnmitnahmen noch nicht zu beobachten, allerdings dürfte die Feuerprobe erst noch bevorstehen. Die aktuelle Börsenphase (Thanksgiving-Rally; Monatswechsel) ist statistisch sehr positiv, ab Anfang Dezember neigen die Märkte hingegen vielfach zur Schwäche (nächste Woche stehen viele Termine in der Konjunkturagenda, zudem EZB-Entscheidung).

Kurzzeitig könnte der DAX ein frisches Rekordhoch erreichen, allerdings ist dies nicht entscheidend. Ein aussagekräftiger nachhaltiger Anstieg wäre hingegen überraschend. Die Bullen können anführen, dass sich aus der Mitte November abgeschlossenen Flagge ein Kursziel von rund 10.200 ableiten lässt. Dennoch bleiben kurzfristig verstärkte Gewinnmitnahmen vorerst die wahrscheinlichere Variante.

Anleger sollten daher die nächsten Unterstützungen im Blick behalten. Wirklich zuverlässige Haltemarken wurden zuletzt allerdings nicht ausgebildet, dies erhöht tendenziell das Risiko auf der Unterseite. Schwächere Bestätigungen liegen um 9875, 9845 und etwas stärker um 9785.

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Wochenanalyse:

Ampel bleibt auf Orange

Auch die technischen Aussichten auf der mittelfristigen Ebene und somit im Wochenchart haben sich mit der jüngsten Erholung wesentlich verbessert. Mitte Oktober lieferte der Markt mit dem Bruch unter die zuvor ausgebildete Schiebezone zwischen 9000 bis 10.000 noch ein klassisches Verkaufssignal. Rückblickend betrachtet war dies aber nur eine Bärenfalle, die vorherige Korrektur wurde ebenso dynamisch wieder zurückgekauft. Zuletzt eroberte der DAX auch das Mitte September erreichte Zwischenhoch zurück und steht in Reichweite des Rekordhochs. Damit wurde die seit Sommer bestehende Serie von fallenden Bewegungshochpunkten gebrochen, ein wichtiges Signal. Lediglich die unverändert negative Bewegung des trendfolgenden MACD stimmt noch zur Vorsicht. Für ein klares Einstiegssignal müsste der DAX per Wochenschluss mindestens über 10.500 steigen. Wobei auch hier die neuen Long-Positionen eng abgesichert werden sollten, denn die Gefahr von einem Fehlausbruch auf der Oberseite ist als erhöht einzuschätzen.

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Monatsanalyse:

Die Würfel sind offenbar gefallen

Im langfristigen Monatschart standen zwei Szenarien bisher im Blickpunkt: Entweder eine kurze Konsolidierung bei 10.000 mit anschließend weiter steigenden Kursen oder ein klassischer Retest der 2000 / 2007er-Hochs. Gerade die bearische Variante erschien zuletzt deutlich wahrscheinlicher, und so kam es nun auch. Der MACD leistete erneut sehr gute Dienste und warnte frühzeitig vor einer Korrektur. Ich hatte zuletzt mehrfach auf die erhöhten Risiken hingewiesen.

Für Anleger, die den Ausbruch Mitte 2013 verpassten, eröffnete sich somit auf den ersten Blick noch einmal eine gute Gelegenheit zum Einstieg. Allerdings hat sich die Lage im MACD noch längst nicht abgekühlt, wir handeln unverändert auf einem erhöhten Niveau, dass Verkaufssignal ist intakt. Bis in den Bereich um 7750 / 8000 bleibt das Szenario einer Retest-Bewegung noch möglich. Darunter wird es dann deutlich bearischer, Kursverluste bis an die gestrichelte Aufwärtstrendlinie (Hilfslinie) bei rund 6000 wären denkbar. Noch aber besteht Grund zur Hoffnung, dass wir diese Kursregionen nicht sehen werden.   

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Posted in: Deutschland, Indizes

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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