By 4. September 2014 Read More →

EZB – DAX unter verschärften Bedingungen

Während der S&P 500 an der 2000er-Marke eine Verschnaufpause einlegt und gestern sogar die Technologiewerte unter Druck kamen (Apple mit deutlichen Verlusten), präsentiert sich der DAX in einer zunehmend besseren Verfassung. Doch erst zum Wochenschluss dürfte klar sein, wohin die Reise im statistisch eher schwachen Börsenmonat September gehen wird.

Nach wie vor sind viele Marktteilnehmer sehr skeptisch, was die jüngsten Kursgewinne an den Aktienmärkten betrifft. Die zahlreichen geopolitischen Risiken, Ungewissheit über den Kurs der Notenbanken und der für viele doch recht überraschend deutliche Rücksetzer von Anfang August haben nachdenklich gestimmt. Gerade die europäischen Indizes weisen nach wie vor eine schwache Erholung im Vergleich zu den US-Märkten auf. Dennoch erobert der DAX wenn auch langsam verlorenes Terrain zurück – Aufwärts an der Mauer der Angst. Und je weiter der Markt nach oben driftet, desto mehr Akteure geraten in Performancerückstand und müssen ebenfalls einsteigen, auch wenn ein schlechtes Gefühl damit verbunden ist. Natürlich bleibt die Unsicherheit, ob es sich bei der Erholung seit dem 8. August um eine nachhaltige Bewegung handelt oder nur um eine Bärenmarktrally, die schon bald wieder in sich zusammenfällt. Zumindest aus charttechnischer Sicht liegen nach dem gestrigen Tag endgültig Fakten vor.

DAX: Stunden- und Tagesanalyse

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Neue Äußerungen zur Lage in der Ukraine katapultierten den deutschen Aktienmarkt zur Wochenmitte über die bisher hartnäckige Barriere um 9580 / 9620. Damit verbunden ist zugleich die Eroberung der 61,8 Prozent Fibonacci-Marke. Diese Schwelle ist definitionsgemäß die Grenze, bis zu der noch von einer Bärenmarktrally gesprochen werden kann. Mit dem Sprung über die Zone gelang den Käufern ein wichtiger Befreiungsschlag.

Dennoch sollten Anleger nicht zu euphorisch werden. Mit der heutigen EZB-Sitzung und den US-Arbeitsmarktdaten am Freitag stehen zwei richtungsweisende Termine in der Agenda, die durchaus die Tendenz im kurz- bis mittelfristigen Bereich bestimmen können. Die gestrige Bewegung kann sich immer noch als Fehlausbruch herausstellen, bereits in wenigen Stunden könnte der DAX unter die 9580 / 9620 zurückfallen und die nächste Unterstützung bei 9420 in Anspruch nehmen.

Im Idealfall behauptet der Markt hingegen das erhöhte Kursniveau und setzt seine von kurzen Konsolidierungen geprägte Aufwärtsbewegung der vergangenen Tage fort. Die nächsten Zielgebiete liegen bei 9700, 9800 und 9860.

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Wochenanalyse:

Wiederholt sich die Geschichte?

Auch im langfristigen Wochenchart sind nun deutliche Bremsspuren zu erkennen. Ähnlich wie auf Tagesbasis gab auch hier der Aufwärtskanal die grundsätzliche Richtung vor. Erstmals seit Sommer 2012 rutsche der DAX wieder deutlich unter die 200-Tage-Linie. Allerdings eroberte der Markt vor zwei Jahren den langfristigen Gleitenden Durchschnitt rechnet schnell wieder zurück, ein ähnliches Szenario ist auch jetzt vorstellbar. Aktuell stabilisiert sich der DAX an der mittelfristig wichtigen Unterstützungsregion um 8900 / 9000. Die Börsenampel bleibt somit auf Orange.

Bereits seit mehreren Wochen warne ich an dieser Stelle vor der negativen Divergenz im MACD. Während der DAX in den vergangenen Monaten höhere Hochs ausbildete, wurden diese nicht mehr durch den trendfolgenden Indikator bestätigt (rote Linie beim MACD). Die kurzfristig überverkaufte Lage im DSS Bressert ist ein erster Hoffnungsschimmer, allerdings kann der Signalgeber durchaus über mehrere Wochen im unteren Extrembereich verlaufen (s. Sommer 2012).

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Monatsanalyse:

Zwei Szenarien für die Zukunft

Im abgebildeten Monatschart seit 1960 wird vor allem die Bedeutung des Kursbereichs um 8000 / 9000 deutlich. Nach dem Ausbruch aus einer rund 20 Jahre andauernden Seitwärtsbewegung im Jahr 1983 zeigte der DAX bis zur Jahrtausendwende eine ausgeprägte Rally-Bewegung. Mit dem Platzen der Spekulationsblase wurde diese Aufwärtsbewegung in den vergangenen 13 Jahren konsolidiert. In dieser Zeit bildete der Deutsche Aktienindex deutlich steigende Bewegungstiefpunkte aus, was auf einen allmählich steigenden Kaufdruck deutet. Der Sprung über die Hochpunkte aus dem Jahr 2000 und 2007 bei 8200 war somit nur eine Frage der Zeit. Der DAX löste ein sehr bullish aufsteigendes Dreieck nach oben hin auf, aus dem theoretisch Notierungen deutlich jenseits der 10.000er-Marke abgeleitet werden können.

Nach dem nun erfolgten Ausbruch sind zwei grundsätzliche Szenarien denkbar. Aufgrund der Bedeutung der Zone um 8200 wäre eine Rückkehrbewegung und somit ein Retest des Ausbruchsniveau nicht überraschend. Ein möglicher Wendepunkt könnte an der psychologisch wichtigen Schwelle von 10.000 liegen. Ausgehend von einem kurzen Test der fünfstelligen Kursmarke wäre mit einer Korrektur bis in den Bereich von 8200 / 8500 zu rechnen, von dem aus dann eine nachhaltige Aufwärtsbewegung erfolgen würde. Zugleich eröffnet sich Anlegern, die den Einstieg bisher verpassten, auf langfristige Sicht noch einmal eine gute Einstiegsgelegenheit.

In einem zweiten Szenario bleibt ein Test der Zone um 8200 von oben aus. Stattdessen läuft der Markt nach einer recht wahrscheinlichen Konsolidierung bei rund 10.000 weiter aufwärts. Neue Widerstände müssten sich erst noch herausbilden. Unwahrscheinlicher erscheint hingegen ein Rücksetzer unter das Ausbruchsniveau von 8200. Eine ähnliche Situation liegt auch im amerikanischen Leitindex S&P 500 vor.

Das Hauptaugenmerk gilt aber dem MACD. Der trendfolgende Indikator hat sich in den vergangenen 20 Jahren bereits mehrfach als guter Taktgeber für den langfristigen Verlauf erwiesen. Besonders an den Bewegungshochpunkten in 2000 und 2007 warnte der Signalgeber jeweils frühzeitig vor einer neuen Baisse. Die aktuelle Ausgangslage weist dabei viele Parallelen mit der Situation von vor 14 und sieben Jahren auf. Der MACD steht auf einem ähnlichen Niveau (knapp unter der roten Linie), zudem lieferte der Indikator erstmals seit August 2011 wieder ein Verkaufssignal.  

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Posted in: Deutschland, Indizes

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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