By 1. Oktober 2013 Read More →

Neuer Trend in Sicht

Nachwahl-Chaos in Deutschland. Haushalts-Chaos in den USA. In der Politik sollten andere Leute sitzen. Die Vertreter von Werten und Überzeugungen. Und hier und da ein solides Rückgrat. Aber es ist, wie es ist. Machen wir einfach das Beste daraus.

 

 

Ob es nun 21 oder 23 Stunden waren, ist umstritten. Zugehört hat ohnehin wohl kaum noch jemand, als der US-Kongressabgeordnete Ted Cruz, der bereits als künftiger Präsidentschaftskandidat der Republikaner gehandelt wird, in seiner Mammutrede vor dem Senat gegen die Gesundheitsreform Barack Obamas wetterte.

Die Unsitte, durch extensives Galabere die zur Verfügung stehende Zeit zum Schlagabtausch im Parlament aufzuzehren, ist in den USA nicht neu. Diesmal aber geht es ungewöhnlich erbittert zu. Denn die Republikaner hatten ihre Zustimmung zum Haushaltsentwurf des Capitols von der Rücknahme bzw. drastischen Kürzung der „Obama-Care“ genannten Reform des Gesundheitswesens abhängig gemacht. Und das ist für die Demokraten ausgeschlossen.

Der Blick auf die Einnahmen- und Ausgabenseite des amerikanischen Staatshaushaltes lässt durchaus eine Verbesserung erkennen. Aber natürlich gibt es auch hier ein „Aber“:

Denn gemessen am BIP, und dazu muss die Verschuldung nun einmal in Bezug gesetzt werden, ist die öffentliche Hand so arg in den Miesen wir niemals zuvor seit dem Zweiten Weltkrieg.

Quelle: markt-daten.de

Quelle: markt-daten.de

Die politische Blockadehaltung der Republikaner mutet vor diesem Hintergrund erst einmal „vernünftig“ an. Dabei wird aber einfach außen vorgelassen, dass ein bis über die Grenzen der Dehnbarkeit hinaus aufgeblähtes Schuldensystem eben nicht mehr einfach reduziert werden kann, ohne dass es zu massiven finanziellen Problemen kommt. Und diese Probleme lassen sich ganz konkret benennen.

Die Verabschiedung des US-Haushalts ist gescheitert. Erzielen die Politiker auch bei der ebenfalls im Oktober anstehende Anhebung der derzeitigen Schuldenobergrenze von 16,7 Billionen US-Dollar keine Einigung, bedeutet das erhebliche Einschnitte im finanziellen Spielraum der öffentlichen Hand.

Betroffen sind davon einmal Löhne und Gehälter der Bediensteten/Angestellten. D. h. zahlreiche Beamte würden in Zwangsurlaub geschickt werden, Ämter und Museen und andere öffentliche Einrichtungen geschlossen: Und natürlich träfe es auch die Ärmsten der Armen: die Sozialhilfeempfänger. Um das einmal in Zahlen zu fassen:

Im Haushaltsjahr 2001 bezogen 17,3 Millionen US-Bürger aus dem „Supplemental Nutrition Assistance“- Programm (SNA statt NSA) so genannte „Food Stamps“, also vereinfacht ausgedrückt, Lebensmittelmarken. Im März 2012 lag die Zahl dieser Bedürftigen mit 46,4 Millionen auf einem neuen Allzeithoch, das mittlerweile aber noch erheblich getoppt sein dürfte. D. h.:

Rund 15 Prozent der US-Bürger bekämen die Zahlungsunfähigkeit der Regierung sehr konkret am eigenen Leib zu spüren. Und das ist ein Szenario, für das sich (hoffentlich) selbst Dauerredner wie Ted Cruz nicht in die Verantwortung nehmen lassen wollen. Denn es birgt auch jede Menge sozialen Sprengstoff. Und: Auswirkungen hätte ein Scheitern des Haushaltes oder eine Blockade der Anhebung der Schuldenobergrenze aber mit Sicherheit auch für die Finanzmärkte. Zum einen, weil das Heer der bei der US-Regierung in Lohn

und Brot stehenden Amerikaner eben auch Konsumenten stellt, Immobilienkäufer und was weiß ich. Und können diese Leute ihre Kredite nicht mehr bedienen, kann ganz schnell etwas auf die USA zurollen, das wir erst vor gar nicht so langer Zeit erlebt haben. Hinzu kommt:

Wollen Standard&Poor‘s, Moody‘s und Fitch nicht ihr Gesicht verlieren, müssten sie die Macht der drei Buchstaben auch auf die USA anwenden – was dann das Zinsgefüge der USA noch stärker als bereits geschehen in Bewegung setzen würde. Und natürlich auch den US-Dollar. Und über ihn die Rohstoffe, die ja im internationalen Handel nahezu ausschließlich in der US-Währung abgerechnet werden. Und da wird die Sache langsam runder:

Rohstoffe vor großem Ausbruch

HARPEX und Baltic Dry-Index, also die Indizes, die uns Auskunft über das Volumen des Welthandels auf den Weltmeeren geben, sprechen nach wie vor sehr eindeutig gegen die in den Medien zunehmende Aufschwungrhetorik.

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Und auch der Rogers Commodity-Index sieht beileibe nicht so aus, ab ob sich die Weltwirtschaft auf dem Wege einer soliden Gesundung befände. Vielmehr scheint sich hier jetzt eine wirklich große Entscheidung anzubahnen. Denn charttechnisch hat sich der Preisindex der Rohstoffe nun bis in die Spitze einer gewaltigen Dreiecksformation vorgearbeitet. Und von dort aus muss und wir nun ein neuer Trend gestartet werden. Diese Entscheidungssituation wird im abgebildeten Wochenchart auch vom Trendfolge-Indikator MACD bestätigt, der sich nahe seiner Nulllinie in Lauerstellung befindet. Da dürften sich einige sehr interessante Tradingchancen anbahnen. So oder so!

USD/CAD: Pole Position

Egal, ob es nun eine Zahlungsunfähigkeit der USA, das Wiederaufflammen der Euro-Problematik (auf das Sie sich verlassen können) oder ein ganz anderer Auslöser ist:

Wenn die Weltwirtschaft die allerorten diagnostizierten Silberstreife nicht in mehr verwandeln kann, werden die Rohstoffe mächtig unter Druck geraten.

Wer (übrigens ganz ohne Grund) Rohstoff-Trades fürchtet, kann dann auf dem Umweg über Devisen mitgehen. EUR/AUD, wo wir ja zuletzt zwei sehr schöne Call-Trades mitgenommen hatten, vollzieht derzeit unter unserer neuen Einstiegsmarke von 1,50 eine Konsolidierung. Aber Der US-Dollar scheint sich in Position gebracht zu haben gegenüber seinem kanadischen Pendant.retz0110_3

Charttechnisch gesehen, sollten wir hier auf den Ausbruch über 1,06 warten. Und dann kann die Post abgehen. Rudert die Weltwirtschaft zurück, kommt Druck auf die Rohstoffpreise. Und da Kanada davon erheblich mehr im Boden hat als die USA, könnte es zu einer ähnlichen „Rakete“ kommen wie ab Ende September 2008. Ich behalte das im Auge.

Viel Erfolg und beste Grüße!

Axel Retz

 

 

Axel Retz ist seit über 25 Jahren als Chefredakteur von Börsenmagazinen und Börsendiensten tätig und betreibt das Portal private-profits. Konservative Anleger finden dort seit Jahren bewährte, treffsichere Strategien zur Outperformance der Märkte in Hausse- und Baissephasen. Aggressivere Trader finden alle notwendigen Tools, um mit kleinem Einsatz kurzfristige Gewinne zu erzielen. „Phasen, in denen sich keine Gewinne erzielen lassen, das sind die Seitwärtsmärkte. Aber sie sind nichts anderes als Unterbrechungen im Trendverhalten. Technische oder fundamentale Analyse? Für mich macht es die Mischung!“

About the Author:

Axel Retz ist seit über 25 Jahren als Chefredakteur von Börsenmagazinen und Börsendiensten tätig und betreibt das Portal private-profits. Konservative Anleger finden dort seit Jahren bewährte, treffsichere Strategien zur Outperformance der Märkte in Hausse- und Baissephasen. Aggressivere Trader finden alle notwendigen Tools, um mit kleinem Einsatz kurzfristige Gewinne zu erzielen. „Phasen, in denen sich keine Gewinne erzielen lassen, das sind die Seitwärtsmärkte. Aber sie sind nichts anderes als Unterbrechungen im Trendverhalten. Technische oder fundamentale Analyse? Für mich macht es die Mischung!“

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