By 18. Juni 2014 Read More →

Was nach den Strafzinsen der EZB kommt

Es gibt wieder Neuigkeiten. Die ökonomischen Thinktanks brüten abartige Ideen aus. So ist der Vorstoß des IWF, europaweit alle „positiven Vermögen“ mit einer Zwangsabgabe von zehn Prozent zu belegen, längst noch nicht vom Tisch. Schauen wir auf die Märkte.

Liebe Leserinnen und Leser,

wenn es auf dieser Welt etwas gibt, das noch sicherer ist als unsere Rente, dann kann es sich dabei nur um den Euro handeln. Denn zur Rente gibt es ja Alternativen, zum Euro bekanntermaßen nicht. Und um das Vertrauen letzter medienresistenter Skeptiker zu gewinnen, hat sich die EZB ja nun entschlossen, einen sgn. Negativzins einzuführen. Mal so nebenbei gefragt: Wenn Sie jemandem einen bestimmten Geldbetrag anvertrauten und später weniger zurück bekämen, fänden Sie das besonders Vertrauen erweckend?

Eine Notenbank, die die von ihr selbst geschaffene Währung auf diese Weise „entwertet“, kann sicherlich nicht mehr als Währungshüter bezeichnet werden. Und der Versuch, die Geschäftsbanken auf diese Weise zu zwingen, ihr Geld als Kredite herauszureichen, schiebt den Banken die Verantwortung für geldpolitische Ziele zu, die die Notenbank nicht erreicht hat. Und er fördert Anlagen in riskanten Geschäftsbereichen – und ist damit das Gegenteil dessen, was für Stabilität sorgen könnte.

Aber gemach, gemach. Es kommt noch schlimmer. Der Vorstoß des IWF, europaweit alle „positiven Vermögen“ mit einer Zwangsabgabe von zehn Prozent zu belegen, ist längst noch nicht vom Tisch. Und um die Schulden zu „sanieren“ und die Wirtschaft auf Trab zu bringen, sind in der vergangenen Woche neue Gedankenspiele bekannt geworden, wie das Handelsblatt am Donnerstag berichtete.

Danach könnte die EZB nach dem Strafzins für Bankeinlagen evtl. sogar einen negativen Leitzins einführen, für den Computer der US-Notenbank 2009 bereits einmal eine „ideale Höhe“ von minus fünf Prozent berechnet hatten. Die Folge: Leiht sich eine Bank eine Milliarde Euro bei der EZB, bekommt sie 1.050.000.000 Euro überwiesen. Parkt die Bank diese Summe wieder bei der EZB, muss sie dafür 0,1 Prozent Negativzins bezahlen. Eine schönere Idee der Bankenfinanzierung hat es noch nie gegeben.

Natürlich könnten die Banken für das geliehene, mit einem EZB-Bonus garnierte Geld auch Staatsanleihen kaufen. Platzen können diese faulen Wechsel ja nicht mehr, denn für sie haftet die EZB ja vollumfänglich. Wobei Ihnen bewusst sein dürfte, wer diese haftende EZB letztlich wirklich wäre …

Schlimm? Ja, aber die Spirale des Wahnsinns ist hier noch lange nicht an ihrem Ende angelangt. Denn Banken kaufen keine Waschmaschinen. Und auch keine riesigen TV-Geräte, Autos oder Smartphones. Um die Wirtschaft zu stimulieren, braucht es immer noch die Verbraucher. Und Harvard-Ökonom Gregory Mankiwhat dazu einen ganz besonders abartigen Vorschlag ersonnen:

Einmal im Jahr solle in einer Art Lotterie eine Ziffer zwischen 0 und 9 gezogen werden. Und alle Geldscheine, deren Registrierungsnummer auf diese Ziffer endet, werden ab sofort wertlos. Auf diese Weise könnten, so der Herr Professor, die Menschen zum Konsum animiert werden. Ist das nicht rattenscharf? Irgendwie kann man sich nicht des Gefühls erwehren, dass der 1. April immer, immer häufiger stattfindet.

Natürlich würde eine solche Strategie die Menschen soweit wie möglich aus dem Bargeld drängen. Was ihnen aber herzlich wenig nutzen würde, wenn es auf dem Konto die vom IWF favorisierte zehnprozentige „Sonderabgabe“ gäbe.

Die Geldpolitik der EZB ist bereits heute nichts Anderes als eine Enteignung der Sparer und eine schleichende Aushöhlung der Altersvorsorge vieler Menschen. Den dafür Verantwortlichen scheint das aber nicht zu reichen, denn das Kuriositätenkabinett der Berufs-Europäer in Brüssel wartet mit immer neuen, immer krasseren Kuriositäten auf. Woraus zu folgern ist, dass die Herrschaften mit ihrem Latein so ziemlich am Ende sind. Alt-Bundespräsident Roman Herzog forderte heute in einem Brief an die Bundeskanzlerin und die Bundestagsabgeordneten „Abwehrrechte“ der nationalen Parlamente gegenüber dem „Kompetenzexpansionismus der EU-Institutionen. Und er sieht die Europäische Union in einer „tiefen Krise“. Wo der Mann Recht hat, da hat er Recht. Dumm nur, dass die meisten etablierten Parteien das Votum der Europawahl mittlerweile zu ihren Gunsten uminterpretiert und die Zeichen der Zeit nicht verstanden haben.

Ja, konsumiert doch endlich!

Die Menschen zu enteignen, nur weil sie nicht genug konsumieren, ist zweifellos eine ganz besonders perverse ökonomische Idee. Stattdessen könnten sich die Spitzen-Ökonomen einmal mit der Frage auseinandersetzen, warum die Verbraucher denn nicht so fleißig mit dem Geld um sich werfen, wie Politik und Wirtschaft es gerne hätten.

Fündig würden sie beispielsweise in den USA, genauer gesagt wie die Eigentumsverhältnisse am Grund und Boden der USA aufgeteilt wären, wenn sie so verteilt wären wie die Vermögen. 90 Prozent der Amerikaner besitzen zusammen nicht einmal ein Viertel des gesamten Volksvermögens und damit weniger als das eine Prozent der Superreichen. Und diese 90 Prozent der Bevölkerung können irgendwo zwischen kaum bis nicht zur Belebung der Wirtschaft beitragen.

Und das wird sich nicht verbessern, wenn man ihnen mit dem Totschlagargument der internationalen Wettbewerbsfähigkeit den Gürtel noch enger schnürt, ihnen die Zinserträge raubt oder sie gar mit einer Zwangsenteignung malträtiert.

Wie ich schon 2003 in meinem „Kapitalschutz-Report“ ausführte: Das hier ist keine Krise innerhalb des Finanzsystems – das ist die Krise des Finanzsystems selbst. Aber die Mehrheit der Anleger hat das noch nicht verstanden. „Falsch gemacht“ hat sie damit bis jetzt noch nichts. Denn die goldenen Kälber der Aktienindizes profitieren ja vom Wahnwitz der Notenbanken. Die Frage ist nur, wie lange noch.

Der in der letzten Woche abgebildete Chart der Umlaufgeschwindigkeit der Geldmenge M2 in den USA spricht für eine bestehende Depression. Enteignet man nun die Konsumenten durch Lohn- und Zinsdumping oder durch oben zitierte „spezielle Maßnahmen“ zur Ankurbelung der Wirtschaft, wird man zwangsläufig das Gegenteil des Gewünschten ernten. Und aus einer Depression eine deflaltionäre Depression machen.

Die mich in diesem Zusammenhang am meisten umtreibende Frage ist, ob die „Strippenzieher“ das alles wirklich nicht verstehen oder ob die düstere Perspektive bis hin letztlich zu einem Dritten Weltkrieg nicht gewollt wird. So zynisch es klingen mag: Ein Krieg und seine Zerstörungen bereiten immer den Boden für nachfolgendes „Wirtschaftswachstum“.

Glauben Sie bitte nicht, wo etwas könne heute nicht mehr passieren. Sehen Sie sich die tendenziöse Berichterstattung der Medien etwa zum Ukraine-Konflikt an. Mit der Wahrheit verpflichtetem Rundfunk hat das wahrlich nichts mehr zu tun.

Die „Massen“ sind leicht verführbar. Und im Zeitalter allgegenwärtiger medialer Indoktrination und der desozialisierenden „social media“ mehr denn je, vor allem, wenn sich potentielle „Querdenker“ durch permanente Kontrolle oder die Furcht davor zur Selbstdisziplinierung treiben lassen oder durch Diskriminierung Andersdenkender (z. B. AfD) in die Nähe extremistischer Bewegungen gerückt werden. Zum Markt:

Shanghai: Einfach mal Schlange sein!

2013 war nach dem chinesischen Horoskop das Jahr der Schlange. 2014 ist das für meine Katze auch, da sie bis jetzt schon drei Blindschleichen heimgebracht hat, die allerdings de facto gar keine Schlangen, sondern Echsen aus der Familie der Schleichen sind.

„Wie das Kaninchen vor der Schlange“ gehört in unserem Sprachgebrauch zu den leider aussterbenden Begrifflichkeiten. Aber beim Shanghai Composite sollten Sie zur Schlange werden. Sehen Sie sich den Chart an:

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Erneut ist es dem Index gelungen, den Abwärtsbreak durch die entscheidende Unterstützung bei 2.000 Punkten abzuwenden. Dass er sich aber überhaupt in dieser eher prekären Situation befindet, ist äußerst ungut. Denn China gilt nun einmal als die neue Lokomotive der Weltwirtschaft.

Bricht der Index unter 2.000, dürfte/wird das ein Fanal auch für andere Börsen sein. Zum allgemeinen Optimismus, den aktuell nur die etwas abgesenkte Prognose der Weltbank nicht ganz passen will, passt dieser Chart so ganz und gar nicht.

EUR/USD: Auf Messers Schneide

Der Euro macht es jetzt ebenfalls wieder sehr spannend: Beim Ausbruch über die vom Allzeithoch 2008 ausgehende Abwärtstrendlinie hatte ich Ihnen ja geraten, diesem an sich ja sehr bullishen Signal nicht zu folgen.

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Zu recht, wie der nebenstehende Wochenchart zeigt. Denn der Kurs schwächte sich nach wenigen Wochen wieder in den Abwärtstrend hinein ab, um jetzt genau auf der seit 2012 etablierten Aufwärtstrendlinie angelangt zu sein.

Bricht diese Hausse-Gerade, dürfen wir auf Sicht mit einem Kurs nahe 1,20 rechnen. Das fundamental begründen zu wollen, ist eine eher müßige Angelegenheit. Das potentielle Eingreifen der USA im Irak gegen die islamistische ISIS-Bewegung, zu der die Vereinigten Staaten wenig taktvoll ausgerechnet den Flugzeugträger USS George H.W. Bush bemüht haben. Militärisches Muskelspiel tut dem Dollar in der Regel gut, der Einsatz von Bodentruppen, den Präsident Obama ausgeschlossen hat, hingegen nicht. Was weitere militärische Optionen betrifft, sollte der Friedensnobelpreisträger darauf bedacht sein, nicht als Drohnenbaron in die Geschichtsbücher einzuziehen.

Der Euro dürfte aber auch am sich verschärfenden Streit um den künftigen Präsidenten der EU-Kommission zu leiden haben, der ja nur der Gipfel des Eisbergs des wachsenden Unbehagens der Bürger gegenüber der EU ist. Bürger – um das kurz einzupflegen – sind sprachgeschichtlich tatsächlich die, die bürgen.

Im Wochenchart von EUR/USD erkennen Sie sehr gut, dass es hier jetzt zu einer Entscheidung kommen muss und auch wird. Noch ist der Aufwärtstrend intakt, der Momentum-Indikator ist auf Wochenbasis allerdings bereits in den negativen Bereich eingedrungen, während der Trendfolger MACD noch hauchdünn im positiven Bereich liegt.

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Wie gesagt: Wenn es hier zum Trendbruch kommt, steht die Perspektive bis rund 1,20 offen! Neben dem Shanghai Composite also noch eine aktuell äußerst interessante Geschichte!

ZUSAMMENFASSUNG:

Zinsbeschluss der EZB und die (offiziell) positiven US-Arbeitsmarktdaten verpufften. ISIS und die Ukraine sollen Schuld sein. „Schuld“ ist nur die etwas schwächere Wall Street, an der die deutschen Aktienmärkte nun einmal kleben.

Shanghai und EUR/USD könnten in der kommenden Woche neue Signale geben. Achten Sie darauf! Den der Märkte finden Sie in meinen Briefen, die Sie stets 30 Tage lang kostenlos testen können.

Viel Erfolg und beste Grüße

Axel Retz

About the Author:

Axel Retz ist seit über 25 Jahren als Chefredakteur von Börsenmagazinen und Börsendiensten tätig und betreibt das Portal private-profits. Konservative Anleger finden dort seit Jahren bewährte, treffsichere Strategien zur Outperformance der Märkte in Hausse- und Baissephasen. Aggressivere Trader finden alle notwendigen Tools, um mit kleinem Einsatz kurzfristige Gewinne zu erzielen. „Phasen, in denen sich keine Gewinne erzielen lassen, das sind die Seitwärtsmärkte. Aber sie sind nichts anderes als Unterbrechungen im Trendverhalten. Technische oder fundamentale Analyse? Für mich macht es die Mischung!“

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