By 18. August 2014 Read More →

Indikatoren deuten eine erneute Aufwärtsbewegung an

Einige mutige Käufer wurden zum Wochenschluss auf dem falschen Fuß erwischt und verließen fluchtartig den Markt. Gerade in der aktuellen Marktphase gilt es aber einen kühlen Kopf zu bewahren und die besonderen Umstände angemessen mit zu berücksichtigen. Welche Handelsmarken geben nun Orientierung? 

Lange Zeit sah es am vergangenen Freitag nach einem versöhnlichen Wochenschluss aus. Doch Sorgen um eine Eskalation in der Ukraine-Krise sowie das Zusammenspiel verschiedener charttechnischer Marken führten zu einem überraschend kräftigen Rücksetzer in den letzten Handelsstunden. Am Ende blieb für den DAX ein Verlust von 1,44 Prozent, auf Wochensicht behauptete der Index aber einen Aufschlag von 0,92 Prozent. In den USA beendeten die Blue Chips im S&P 500 den Tag unverändert, während die etwas spekulativeren Technologiewerte im Nasdaq 100 sogar um 0,46 Prozent vorrückten. Von den rund 3000 Werten an der NYSE verzeichneten 47 Prozent Kursgewinne, dass Aufwärtsvolumen lag hingegen nur bei 44 Prozent. Technisch hellte sich das Bild aber bei zahlreichen Papieren auf, 101 Aktien erzielten neue Hochs, lediglich 33 neue Tiefs.

DAX: Stunden- und Tagesanalyse

Bevor wir uns mit den charttechnischen Aussichten für den DAX beschäftigen, eine wichtige Einschränkung vorweg: Aufgrund der zahlreichen geopolitischen Krisen, besonders in der Ukraine, verlieren derzeit fundamentale wie auch technische Kennziffern und Handelsmarken an Bedeutung. Die Eintrittswahrscheinlichkeit für ein bestimmtes Szenario fällt geringer aus und macht Prognosen noch schwieriger. Dennoch wäre es falsch, den Markt zu ignorieren. Gerade unruhige Börsenzeiten haben sich bereits mehrfach als guter Ausgangspunkt für eine erste Positionierung erwiesen.

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Grundsätzlich hat sich an der Ausgangslage in der vergangenen Woche kaum etwas verändert: Der seit Juni bestehende, weiterhin intakte Abwärtsimpuls trifft auf die mittelfristig richtungsweisende Unterstützungszone um 8900 / 9000. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis ein Trend gebrochen wird und der Markt ein neues wichtiges Signal sendet. Wohin die Reise gehen wird, lässt sich derzeit aber noch nicht bestimmen.

Ausgangspunkt der deutlichen Korrektur am vergangenen Freitag waren natürlich beunruhigende Nachrichten aus der Ukraine. Interessant ist jedoch, dass die Meldungen zu einem Zeitpunkt auf den Markt trafen, als dieser einige charttechnisch wichtige Hürden erreichte. Am Wendepunkt um 9320 verlaufen das 50 Prozent Korrektur-Niveau der Abwärtsbewegung im Ein-Stunden-Chart wie auch die 38 Prozent-Schwelle im Tageschart. Das Zusammentreffen dieser beiden Handelsmarken erhöhte die Bedeutung der Region. Als schließlich auch von der Nachrichtenseite genügend Argumente für die Verkäufer eintrafen, war das Schicksal für die DAX-Bullen besiegelt. Ein perfektes Zusammenspiel von News und Charttechnik führte zu einem Abverkauf, der erst bei rund 9067 zum Stillstand kam.

Die langen schwarzen Kerzen haben die positiven Signale aus der zuvor abgeschlossenen bullischen Umkehrbewegung zunichtegemacht. Heute wird sich zeigen, wie stark sich die Bullen vom erneuten Rücksetzer beeindrucken lassen. Sollte der Markt erneut gekauft werden – die vorbörslichen Indikationen lassen Auftaktgewinne von 1,4 Prozent erwarten – wäre dies sehr konstruktiv. Solange der DAX aber nicht mindestens das 61,8 Prozent-Korrekturniveau im Stunden- wie auch (!) im Tageschart bei rund 9600 zurückerobert, bleibt die kurz- bis mittelfristige Tendenz negativ. Erst ab Kursen darüber hinaus kann mit einer hinreichend großen Wahrscheinlichkeit das Ende der Korrekturbewegung ausgerufen werden. Bis dahin sollten Anleger sehr vorsichtig agieren und ihr Pulver eher trocken halten. Vorgelagert liegen weitere Hürden bei 9380 (21-Tage-Linie, Abwärtstrend) sowie bei rund 9300 / 9320. Indikatoren wie der MACD und DSS Bressert deuten auf eine technische Erholungsbewegung und unterstützen derzeit ein positives Szenario.

Auf der Unterseite liegt eine schwache Unterstützung um 9050. Wird das Niveau unterboten, droht ein erneuter Test der breiten Unterstützungsregion um 8900 / 9000. Hier eröffnet sich für Schnäppchenjäger noch einmal die Chance, mit einem attraktives Chance-Risiko-Verhältnis einzusteigen. Enge Stoppkurse sind aber Pflicht. Hält die Zone nicht, droht eine Fortsetzung der Korrektur bis 8770.

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Wochenanalyse:

Wiederholt sich die Geschichte?

Auch im langfristigen Wochenchart sind nun deutliche Bremsspuren zu erkennen. Ähnlich wie auf Tagesbasis gab auch hier der Aufwärtskanal die grundsätzliche Richtung vor. Erstmals seit Sommer 2012 rutsche der DAX wieder deutlich unter die 200-Tage-Linie. Allerdings eroberte der Markt vor zwei Jahren den langfristigen Gleitenden Durchschnitt rechnet schnell wieder zurück, ein ähnliches Szenario ist auch jetzt vorstellbar. Aktuell stabilisiert sich der DAX an der mittelfristig wichtigen Unterstützungsregion um 8900 / 9000. Die Börsenampel bleibt somit auf Orange.

Bereits seit mehreren Wochen warne ich an dieser Stelle vor der negativen Divergenz im MACD. Während der DAX in den vergangenen Monaten höhere Hochs ausbildete, wurden diese nicht mehr durch den trendfolgenden Indikator bestätigt (rote Linie beim MACD). Die kurzfristig überverkaufte Lage im DSS Bressert ist ein erster Hoffnungsschimmer, allerdings kann der Signalgeber durchaus über mehrere Wochen im unteren Extrembereich verlaufen (s. Sommer 2012).

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Monatsanalyse:

Zwei Szenarien für die Zukunft

Im abgebildeten Monatschart seit 1960 wird vor allem die Bedeutung des Kursbereichs um 8000 / 9000 deutlich. Nach dem Ausbruch aus einer rund 20 Jahre andauernden Seitwärtsbewegung im Jahr 1983 zeigte der DAX bis zur Jahrtausendwende eine ausgeprägte Rally-Bewegung. Mit dem Platzen der Spekulationsblase wurde diese Aufwärtsbewegung in den vergangenen 13 Jahren konsolidiert. In dieser Zeit bildete der Deutsche Aktienindex deutlich steigende Bewegungstiefpunkte aus, was auf einen allmählich steigenden Kaufdruck deutet. Der Sprung über die Hochpunkte aus dem Jahr 2000 und 2007 bei 8200 war somit nur eine Frage der Zeit. Der DAX löste ein sehr bullish aufsteigendes Dreieck nach oben hin auf, aus dem theoretisch Notierungen deutlich jenseits der 10.000er-Marke abgeleitet werden können.

Nach dem nun erfolgten Ausbruch sind zwei grundsätzliche Szenarien denkbar. Aufgrund der Bedeutung der Zone um 8200 wäre eine Rückkehrbewegung und somit ein Retest des Ausbruchsniveau nicht überraschend. Ein möglicher Wendepunkt könnte an der psychologisch wichtigen Schwelle von 10.000 liegen. Ausgehend von einem kurzen Test der fünfstelligen Kursmarke wäre mit einer Korrektur bis in den Bereich von 8200 / 8500 zu rechnen, von dem aus dann eine nachhaltige Aufwärtsbewegung erfolgen würde. Zugleich eröffnet sich Anlegern, die den Einstieg bisher verpassten, auf langfristige Sicht noch einmal eine gute Einstiegsgelegenheit.

In einem zweiten Szenario bleibt ein Test der Zone um 8200 von oben aus. Stattdessen läuft der Markt nach einer recht wahrscheinlichen Konsolidierung bei rund 10.000 weiter aufwärts. Neue Widerstände müssten sich erst noch herausbilden. Unwahrscheinlicher erscheint hingegen ein Rücksetzer unter das Ausbruchsniveau von 8200. Eine ähnliche Situation liegt auch im amerikanischen Leitindex S&P 500 vor.

Das Hauptaugenmerk gilt aber dem MACD. Der trendfolgende Indikator hat sich in den vergangenen 20 Jahren bereits mehrfach als guter Taktgeber für den langfristigen Verlauf erwiesen. Besonders an den Bewegungshochpunkten in 2000 und 2007 warnte der Signalgeber jeweils frühzeitig vor einer neuen Baisse. Die aktuelle Ausgangslage weist dabei viele Parallelen mit der Situation von vor 14 und sieben Jahren auf. Der MACD steht auf einem ähnlichen Niveau (knapp unter der roten Linie), zudem lieferte der Indikator erstmals seit August 2011 wieder ein Verkaufssignal.  

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About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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