Perfekte Zeit für Schnäppchenjäger?

Die Nervosität an den Märkten springt wieder deutlich an, eine ruhige Sommerzeit sieht anders aus. Mit den Turbulenzen eröffnen sich zugleich neue Anlagechancen zu deutlich besseren Konditionen als noch vor wenigen Tagen. Aber das Risiko sollte nicht unterschätzt werden, wie die gestrigen Marktdaten zeigen.

Auf den ersten Blick sind die Vorgaben von der Wall Street schon etwas furchteinflößend: An der NYSE legten nur 18 Prozent der Aktien zu, 79 Prozent beendeten den Tag tiefer. Das Aufwärtsvolumen lag bei 16 Prozent, dass Abwärtsvolumen bei hohen 83 Prozent. Dennoch sahen wir keinen Ausverkauf, der erst ab einem Niveau von 90 Prozent festgestellt wird. Wichtig zu wissen: 90-Prozent-Abwärtstage haben je nachdem, an welche Stelle sie im Trend auftreten, unterschiedliche Eigenschaften. Bei einem vorangegangenen Abwärtstrend handelt es sich um einen Paniktag, jeder der verkaufen wollte, hat dies dann auch getan. Es liegt dann ein Ausverkauf vor, von dem aus eine Erholung starten kann. Beispiele sind der 10. April oder 3. Februar dieses Jahres.

Anders verhält es sich, wenn das Abwärtsvolumen von 90 Prozent nach einer längeren Aufwärtsbewegung eintritt und diese somit plötzlich beendet. Vielfach erholen sich die Bullen nicht mehr von dem überraschenden Schock, der Markt fällt häufig anschließend weiter Richtung Süden.

Mit Kursverlusten von 1,18 Prozent beendete der S&P auch eine beeindruckend lange Serie von Handelstagen mit einer Bewegung von weniger als ein Prozent (seit dem 16. April). Größere Verluste als am Donnerstag gab es zuletzt am 10. April, auch dies ein Signal, dass der Markt heiß gelaufen ist und eine Konsolidierung eigentlich überfällig erscheint. Entsprechend kräftig sprang auch die Volatilität an, der VIX legte zeitweise um 38 Prozent auf rund 15 Punkte zu. Dies war zugleich der 8.-stärkste Anstieg seit Beginn der Aufzeichnungen 1990.  Eine Liste habe ich gestern noch per Twitter weitergeleitet:

Aber nicht nur die Aktienmärkte in Deutschland und den USA sowie die Volatilität sollten im Tagesverlauf verfolgt werden. Im Blickpunkt bleibt besonders die Entwicklung in Russland. Der Rubel sowie der RTX bzw. RTS verzeichneten am Donnerstag deutliche Verluste, heute fallen die Dividendenwerte erneut um rund zwei Prozent. Nicht unerwähnt bleiben darf auch der kräftige Zinsanstieg bei den Anleihen: Link.

 

 

Stunden- und Tagesanalyse:

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Beim DAX gab es am Donnerstag erneut einen offenen Schlagabtausch zwischen Käufern und Verkäufern. Bis zum Handelsschluss setzten sich die Bären durch, der Stundenchart zeigt die hektischen Bewegungen. Auch wenn der Markt nun verstärkt unter dem Einfluss von geopolitischen Faktoren steht, scheinen technische Orientierungsmarken weiterhin Gültigkeit zu besitzen. Dies zeigt sich an der erneuten Bestätigung der fallenden 21-Tage-Linie (hellgrün), die auch gestern den Markt auf der Oberseite deckelte. Zusammen mit einer schwachen horizontalen Hürde sowie dem wichtigen 61,8 Prozent Fibonacci-Niveau um 9870 scheint die Luft auf der Oberseite derzeit ausgereizt zu sein. Erst wenn der DAX über 9900 anziehen würde, springt die Börsenampel wieder auf Grün.

Der Blick ist zunächst abwärts gerichtet, nachbörslich kamen die Kurse wegen der schwachen Wall Street weiter unter Druck. Broker taxieren den DAX vor Handelsbeginn zwischen 9700 bis 9730, Tendenz zuletzt leicht fallend. Mit etwas Glück könnte die schwache Unterstützung um 9710 halten und sich schließlich als Sprungbrett für einen neuen Aufwärtsimpuls erweisen.

Fällt der DAX hingegen unter 9710, droht recht zügig ein Abverkauf bis in die Region um 9600 / 9620, wo das Juni-Tief mit einer horizontalen Zone zusammenfällt. In dem Bereich verläuft zugleich die Unterkante eines noch nicht bestätigten, recht jungen Abwärtskanals, der im Tageschart mit zwei roten Trendlinien eingezeichnet ist. Die südliche Begrenzung der Range fällt mit einer horizontalen Zone, dem 38 Prozent-Korrekturniveau der Aufwärtsbewegung von März bis Juni sowie der Unterkante des langfristigen Aufwärtskanals zusammen. Diese zahlreichen wichtigen Unterstützungen an einem relativ kleinen Kursbereich begrenzen das Risiko auf der Südseite und locken viele Schnäppchenjäger an, die auf ein starkes Chance-Risiko-Verhältnis setzen. Eine zumindest vorübergehende Stabilisierung ist daher sehr wahrscheinlich.

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Wochenanalyse:

MACD mit gefährlicher Divergenz

Mittel- bis langfristig betrachtet ist die Rally trotz der seit gut sieben Monaten laufenden Konsolidierung weiterhin als intakt zu bezeichnen. Richtungsweisend ist ein seit Sommer 2012 bestehender Aufwärtskanal, dessen Extremzonen mehrfach bestätigt wurden und somit über eine gewisse Relevanz verfügen. Während zum Jahreswechsel verstärkt die Oberseite im Fokus stand, steht seit März die untere Begrenzung der Range im Mittelpunkt. Bisher nutzten die Käufer jeden Rücksetzer zum Einstieg, ein Verhalten, das wir auch im vergangenen Jahr mehrfach gesehen haben. Lediglich die Tatsache, dass der DAX bereits länger nicht mehr die obere Trendlinie angelaufen hat, kann als Signal für eine abflauende Nachfragekraft ausgelegt werden.

Aus technischer Sicht stellt die 10.000er-Schwelle nur eine unbedeutende Kursmarke dar. Inzwischen scheint der psychologische Effekt aber den DAX zumindest zu einer Atempause zu zwingen. Potenzial auf der Oberseite wäre durchaus noch vorhanden, mittelfristig lässt der Kanal Platz bis 10.900.

Auf der Südseite ist der DAX gut abgesichert. Neben der erwähnten, zuletzt mehrfach bestätigten Aufwärtstrendlinie bei derzeit rund 9530 sorgen auch die 200-Tage-Linie bei 9430 und die breite horizontale Unterstützungszone um 8900 / 9000 für Sicherheit. Eine größere Umkehrformation und somit Schwächesignal in der mittel- bis langfristigen Zeitebene wird erst mit einem Wochenschluss unter 8900 aktiviert.

Etwas kritisch sind die Signale der Markttechnik einzuordnen. Der DSS Bressert hat seine obere Extremzone verlassen und läuft auf den unteren Bereich zu. Besonders aber der etwas trägere und langfristig ausgerichtete MACD auf Wochenbasis bereitet Sorgen. Während der DAX vor wenigen Wochen ein im Vergleich zum Jahresauftakt höheres Hoch ausbildete, wurde diese Bewegung durch den MACD nicht mehr bestätigt. Diese negative Divergenz muss genau verfolgt werden und könnte ein Hinweis auf eine größere Korrekturbewegung sein.

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Monatsanalyse:

Zwei Szenarien für die Zukunft

Im abgebildeten Monatschart seit 1960 wird vor allem die Bedeutung des Kursbereichs um 8000 / 9000 deutlich. Nach dem Ausbruch aus einer rund 20 Jahre andauernden Seitwärtsbewegung im Jahr 1983 zeigte der DAX bis zur Jahrtausendwende eine ausgeprägte Rally-Bewegung. Mit dem Platzen der Spekulationsblase wurde diese Aufwärtsbewegung in den vergangenen 13 Jahren konsolidiert. In dieser Zeit bildete der Deutsche Aktienindex deutlich steigende Bewegungstiefpunkte aus, was auf einen allmählich steigenden Kaufdruck deutet. Der Sprung über die Hochpunkte aus dem Jahr 2000 und 2007 bei 8200 war somit nur eine Frage der Zeit. Der DAX löste ein sehr bullish aufsteigendes Dreieck nach oben hin auf, aus dem theoretisch Notierungen deutlich jenseits der 10.000er-Marke abgeleitet werden können.

Nach dem nun erfolgten Ausbruch sind zwei grundsätzliche Szenarien denkbar. Aufgrund der Bedeutung der Zone um 8200 wäre eine Rückkehrbewegung und somit ein Retest des Ausbruchsniveau nicht überraschend. Ein möglicher Wendepunkt könnte an der psychologisch wichtigen Schwelle von 10.000 liegen. Ausgehend von einem kurzen Test der fünfstelligen Kursmarke wäre mit einer Korrektur bis in den Bereich von 8200 / 8500 zu rechnen, von dem aus dann eine nachhaltige Aufwärtsbewegung erfolgen würde. Zugleich eröffnet sich Anlegern, die den Einstieg bisher verpassten, auf langfristige Sicht noch einmal eine gute Einstiegsgelegenheit.

In einem zweiten Szenario bleibt ein Test der Zone um 8200 von oben aus. Stattdessen läuft der Markt nach einer recht wahrscheinlichen Konsolidierung bei rund 10.000 weiter aufwärts. Neue Widerstände müssten sich erst noch herausbilden. Unwahrscheinlicher erscheint hingegen ein Rücksetzer unter das Ausbruchsniveau von 8200. Eine ähnliche Situation liegt auch im amerikanischen Leitindex S&P 500 vor.

Auf Basis der Indikatoren wäre noch ein wenig Luft nach oben vorhanden. Beachten Sie aber auch hier den MACD, der in den vergangenen 13 Jahren eigentlich recht zuverlässig die Wendepunkte beim DAX antizipierte. Allmählich erreicht der Signalgeber wieder die Niveaus aus den Jahren 2000 und 2007 (rote Linie).

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Posted in: Deutschland

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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