By 24. November 2014 Read More →

Rally auf dem Prüfstand

An diese Performance-Daten muss man sich als heimischer Anleger erst wieder gewöhnen: Der DAX legte in der vergangenen Woche um 5,2 Prozent zu, dies ist das größte Wochenplus seit Juli 2013. Nach fünf Gewinntagen in Folge steht der Index so hoch wie seit zwei Monaten nicht mehr. Die Gründe für den Höhenflug sind allerdings weniger berauschend.  

Es bleibt dabei: Auch 2015 werden die Notenbanken wesentlich die Entwicklung an den Aktienmärkten bestimmen. Wer daran noch Zweifel hat, braucht nur auf die vergangene Woche zu schauen. Bei der Fed steht das Thema Zinserhöhung vorerst noch nicht auf der Tagesordnung, zu unsicher erscheint den Währungshütern derzeit noch die Lage in den USA. EZB-Chef Mario Draghi wird nicht müde zu betonen, dass er bei Bedarf auch unkonventionelle Maßnahmen einleiten wird, um die schwache europäische Wirtschaft und Inflation zu stützen. Wobei die Kursreaktion am Freitag schon ein wenig verwundert, schließlich wiederholte er nur das, was bereits mehrfach in den vergangenen Wochen gesagt wurde. Egal, die kräftige Aufwärtsbewegung war wohl eher der Tatsache geschuldet, dass sich gleich mehrere Notenbanken zu Wort meldeten. Denn auch in Japan scheinen die bisherigen Maßnahmen nicht auszureichen, hier dürfte bald nachgelegt werden. Als neuer Mitspieler ist seit Freitag die chinesische Notenbank zu nennen. Mit einer überraschenden Zinssenkung versucht man auch dort, die Konjunktur anzutreiben. Andernfalls droht wohl das angepeilte Wirtschaftswachstum aus dem Blickwinkel zu verschwinden. Die Reaktion an den Aktien- und Devisenmärkten fiel eindeutig aus. Allerdings könnte es auch sein, dass sich am Wochenende so mancher Bulle Gedanken darüber gemacht hat, warum die Notenbanken überhaupt aktiv werden müssen.

Dazu passt auch, dass am Freitag ein kleiner Verfall an den Terminbörsen war. Nicht selten werden die Kurse in den Tagen und Stunden zuvor von großen Investoren in eine gewünschte Richtung gezogen, um eine möglichst günstige Abrechnung zu erzielen. Erst mit Beginn der neuen Woche wird sich zeigen, ob der stramme Anstieg der vergangenen Tage auch nachhaltig ist. Auch das Thema Bewertung sollte nicht ignoriert werden – im morgigen Webinar werde ich einige interessante Charts zeigen. Wie immer können Sie sich kostenlos anmelden – bitte hier klicken.

 

DAX: Stunden- und Tagesanalyse

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Rund 1400 Punkte oder 16,5 Prozent legte der DAX seit dem Jahrestief von Mitte Oktober zu. Nach dieser strammen Rally und den kräftigen Gewinnen in der vergangenen Woche hat sich das Chartbild natürlich wesentlich zu Gunsten der Bullen verbessert. Ähnlich wie die amerikanischen Indizes handeln wir nun wieder deutlich über dem 200-Tage-Durchschnitt, der zusammen mit einer horizontalen Zone um 9400 / 9500 eine gute Unterstützung darstellt. Ob die runde Schwelle bei 9600 ein zuverlässiger Haltepunkt sein könnte, muss sich hingegen erst noch herausstellen. Ein Test dieses Bereichs von oben könnte schon bald erfolgen, denn kurzfristig ist der DAX überhitzt.

Obwohl die 21-Tage-Linie kräftig steigt, handeln wir derzeit knapp fünf Prozent über dem Durchschnitt. Zuletzt wurden höhere Werte im Mai 2013 aufgerufen. Sie erinnern sich – anschließend korrigierte der DAX um rund 1000 Punkte. Natürlich muss sich dieses Muster nun nicht unbedingt wiederholen. Auch eine Konsolidierung über die Zeitebene (Seitwärtsbewegung) ist durchaus möglich und wäre auch nachvollziehbar. Schließlich setzen derzeit viele Anleger auf eine versöhnliche Weihnachtsrally mit der Folge, dass kaum Papiere verkauft und Rücksetzer als Chance zum Einstieg genutzt werden.

Die nächste wichtige Barriere auf der Oberseite liegt am September-Umkehrpunkt bei rund 9900 Zählern. Unterstützung bieten runde Marken wie 9600 und 9500 sowie 9400.

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Wochenanalyse:

Ampel bleibt auf Orange

Die technische Lage im mittel- bis langfristigen Wochenchart bleibt unverändert angespannt. Mit dem Mitte Oktober erfolgten Mini-Crash löste der Markt zugleich eine breite Schiebezone zwischen 9000 bis 10.000 nach unten hin auf und lieferte ein klassisches Verkaufssignal. Abgeleitet aus der Höhe dieser Formation wäre eigentlich mit weiteren Verlusten bis in den Bereich um 7750 zu rechnen. Dieses Kursziel wurde mit der jüngsten Abwärtsbewegung aber nicht erreicht. Der DAX drehte bereits knapp über den 2000 / 2007er-Hochs und eroberte zum Monatswechsel sogar die alte Seitwärtszone zurück. Wie haben somit eine klassische Patt-Situation, Verkaufs- und Kaufsignal heben sich mit dem erneuten Sprung über die 9000 per Wochenschluss auf. Negativ bleibt unverändert die seit dem Sommer bestehende intakte Serie von fallenden Bewegungshoch- und Tiefpunkten. Die grundsätzliche Tendenz am Aktienmarkt ist daher nur bestenfalls als seitwärts zu bezeichnen, mit starken Abwärtsrisiken. Diese eher pessimistische Einschätzung ändert sich erst, wenn der DAX das September-Hoch bei rund 9900 überwindet.

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Monatsanalyse:

Die Würfel sind offenbar gefallen

Im langfristigen Monatschart standen zwei Szenarien bisher im Blickpunkt: Entweder eine kurze Konsolidierung bei 10.000 mit anschließend weiter steigenden Kursen oder ein klassischer Retest der 2000 / 2007er-Hochs. Gerade die bearische Variante erschien zuletzt deutlich wahrscheinlicher, und so kam es nun auch. Der MACD leistete erneut sehr gute Dienste und warnte frühzeitig vor einer Korrektur. Ich hatte zuletzt mehrfach auf die erhöhten Risiken hingewiesen.

Für Anleger, die den Ausbruch Mitte 2013 verpassten, eröffnete sich somit auf den ersten Blick noch einmal eine gute Gelegenheit zum Einstieg. Allerdings hat sich die Lage im MACD noch längst nicht abgekühlt, wir handeln unverändert auf einem erhöhten Niveau, dass Verkaufssignal ist intakt. Bis in den Bereich um 7750 / 8000 bleibt das Szenario einer Retest-Bewegung noch möglich. Darunter wird es dann deutlich bearischer, Kursverluste bis an die gestrichelte Aufwärtstrendlinie (Hilfslinie) bei rund 6000 wären denkbar. Noch aber besteht Grund zur Hoffnung, dass wir diese Kursregionen nicht sehen werden.   

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Posted in: Deutschland, Indizes

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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