Kredit-Spekulationen treiben die Rally

Themen des Tages: Aktienkäufe auf Kredit erreichen Rekordwert +++ Nikkei sackt erneut ab +++ richtungsweisende Konjunkturdaten

 

An der Börse wiederholt sich aktuell mal wieder ein bekanntes Spielchen: Kurz vor dem offiziellen Arbeitsmarktbericht am kommenden Freitag steigt die Nervosität wieder deutlich an. Sollten die Zahlen besser ausfallen als von Volkswirten erwarten, dürften sich die Befürchtungen vor einer schneller als erwarteten strafferen Geldpolitik noch einmal verstärkten. Während die wichtigsten US-Indizes gestern schwächer tendierten, behauptet sich das Volatilitätsbarometer VIX-Index auf erhöhtem Niveau. Auch an der mehr als 4100 Werte umfassenden NYSE zeigte die Marktbreite abwärts. Rund 60 Prozent der Werte verzeichneten Abschläge, das Abwärtsvolumen lag mit 65 Prozent sogar noch ein wenig höher.

Fällt die Konsolidierung an den Aktienmärkten in den kommenden Wochen noch etwas deutlicher aus, steht vor allem Investoren, die ihre Positionen über Kredit finanziert haben, ein heißer Sommer bevor. Denn die Spekulation auf Pump erfreut sich gerade in den USA wieder großer Beliebtheit, wie der Chart zeigt.

 

 

Nicht nur der S&P 500 kletterte in den vergangenen Wochen auf neue Hochs, auch das Volumen der Aktienkäufe über Kredit ist aktuell auf Rekordniveau. Die hohe Korrelation ist nicht zu übersehen. Im April lag der Wert bei 384 Mrd. Dollar und somit leicht über dem bisherigen Top vom Juli 2007 bei 381 Mrd. Dollar.

Eine riskante Entwicklung, denn der Kauf von Aktien „on margin“ – also auf Kredit – kann sich schnell als Bumerang erweisen. Wer gute Nerven hat, kann in den USA Wertpapiere seiner Bank als Sicherheit zur Verfügung stellen. Im Gegenzug erhält man einen Kredit, der rund 50 Prozent des Börsenwertes der Wertpapiere ausmacht. Mit dem Kredit können neue Aktien gekauft werden. Steigen die Kurse, erhöht sich auch das Volumen, das der Bank als Sicherheit angeboten werden kann. Neue Kredit führen zu weiteren Aktienkäufen – die klassische Hebelwirkung des Leverage-Effektes. Dumm nur, wenn die Aktienkurse nicht weiter steigen sondern fallen. Denn der Hebeleffekt wirkt natürlich auch in entgegengesetzte Richtung. Nicht wenige Anleger mussten diese Erfahrung bereits mit ihrem gesamten Privatvermögen bezahlen.

 

 

Zum heutigen Handelstag:

Der DAX startet zunächst tiefer in den Handel und folgt damit den schwachen Vorgaben von den Weltbörsen. Sehr volatil verlief erneut der Handel in Tokio. Ministerpräsident Shinzo Abe hielt eine Rede zur Förderung der wirtschaftlichen Aktivitäten. Zu Beginn lag der Nikkei bei einem Plus von etwa einem
Prozent, doch im Laufe der Rede verlor der Index weiter an Boden und endete mit 3,3 Prozent noch satt im Minus.

Deutlich schwächer starten zunächst SAP, Linde und die Lufthansa, während Infineon, die Deutsche Post und ThyssenKrupp zu den wenigen Gewinnern zählen. Vor allem der Chip-Wert ist aus charttechnischer Sicht interessant. Aktuell bei 6,67 Euro gehandelt, steht die Aktie vor einem Test des Widerstandbereichs zwischen 6,70 bis 6,85 Euro.

Im Blickpunkt stehen frische US-Konjunkturdaten, die eine gute Tendenz für die Zahlen am Freitag liefern werden. Anleger sollten vor allem den ADP-Bericht um 14.15 Uhr verfolgen. Es wird mit einem Anstieg der Beschäftigten in der Privatwirtschaft von 165.000 erwartet. Fällt die Zahl besser aus als gedacht, dürften schon wieder erste Prognosen über einen zu starken Arbeitsmarktbericht für die  gesamte USA am Freitag die Runde machen. Dies könnte Aktien belasten, Gold ebenso, weil die Gefahr besteht, dass die US-Notenbank ihre Anleihenkäufe reduzieren wird. Etwas später am Nachmittag (16 Uhr) werden noch die Auftragseingänge für die Industrie und der ISM-Dienstleistungsindex bekannt gegeben.

 

 


Zur Verfügung gestellt von: Forexpros dem Aktien Portal

 

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

1 Comment on "Kredit-Spekulationen treiben die Rally"

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  1. Die Möglichkeit in den USA 50% mehr leverage durch einen Kredit zu erhalten ist sehr interessant um mit weniger Kaptial grössere Gewinne einzufahren. Es ist jedoch klar, dass das Risiko seht hoch dabei ist. Persönlich denke ich aber das es immernoch viel günstiger kommt als Derivate oder Optionen da hierbei die Banken heftige Komissionen einstreichen.

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