By 4. September 2013 Read More →

Jetzt fallen viele Würfel

Wer sich vom Tagesgeschehen der einen oder anderen Art nicht den Blick auf das Wesentliche verstellen lassen will, der hat nun allen Grund, seine Strategie kurzfristig einmal zu überdenken und doch täglich einmal auf den DAX zu schauen. Aber auch der Kursverlauf von Gold sowie die Zinsen stehen vor wichtigen Signalen.

 

Beginn wir gleich mit dem DAX. Abgebildet sehen Sie den Monats-Chart, der immer nur die Schlusskurse eines Monats abbildet und daher erst am Freitag wieder aktualisiert werden konnte:

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Der KAMA-Indikator in seiner Standardeinstellung verläuft aktuell bei 7.983 Punkten und damit nur noch knapp 1,5 Prozent unterhalb des gestrigen Schlusskurses. D. h.: Wir sind nur noch einen Tick weit von einem neuen, dann auch mittelfristig relevanten Verkaufssignal entfernt. Und daran ist nicht Syrien schuld.

Ein Indikator liest und hört keine Nachrichten, wer wertet „nur“ die technische Verfassung eines Marktes aus. Der wahrscheinlichste Grund für die erhöhte Risikokonstellation beim DAX liegt ganz wo anders. Und das sehen wir uns jetzt einmal an.

Zinsen: Die Wende hat begonnen
Während an den Märkten immer noch leidenschaftlich darüber diskutiert wird, wann die FED denn nun mit dem Ausstieg aus ihrem Anleihekaufprogramm beginnt, hat die Zinswende in aller Stille bereits begonnen. So ist die sgn. Umlaufrendite seit Anfang Mai von 0,98 auf jetzt 1,52 Prozent gestiegen, in den USA sprang der Zinssatz für zehnjährige Anleihen im gleichen Zeitraum von 1,6 auf 2,86 Prozent. Einen derartig deutlichen Anstieg in so kurzer Zeit hat es in diesem Jahrhundert noch nicht gegeben. Die Folge:

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Der für einen meiner Briefe entwickelte Trendindikator wechselte vor zwei Wochen beim Bund-Future auf die Verkaufsseite. Natürlich ist es wahrscheinlich, dass eine evtl. Eskalation der Geschehnisse im Nahen Osten den üblichen Fluchtreflex heraus aus Aktien und hinein in „sichere“ Renten auslösen würde, am
großen Bild ändert sich damit aber nichts.

1987 war es unter anderem der Zinsanstieg, der den Oktobercrash am Aktienmarkt auslöste. Anders als damals haben wir es heute aber mit einem durch und durch „manipulierten“ Rentenmarkt zu tun, der spätestens seit der Jahreswende 2008/2009 der Steuerungsfunktion für die Volkswirtschaft beraubt wurde. Die Risiken einer „Überreaktion“ der Börsen auf das Ende der monetären Füllhornpolitik dürften daher heute ungleich größer sein als damals, zumal sich die Weltwirtschaft (s. Baltic Dry-Index und HARPEX) jetzt in weitaus prekärerer Verfassung befinden als in offiziellen Statements unterstellt.

Gold: Spitz auf Knopf
Beeindruckender als die vor zwei Monaten begonene Aufholjagd des Goldpreises war nur der vorherige Absturz. Wie bei den Edelmetallen gewohnt,
ranken sich um die Gründe des dramatischen Einbruchs die wildesten Gerüchte. Und soll das egal sein und wir sollten uns darauf konzentrieren, die
großen Trends frühzeitig zu erwischen.

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Charttechnisch betrachtet, lässt sich die Gegenbewegung nach oben bis jetzt als perfekte „Flagge“ interpretieren. Die Aussage ist einfach: Fällt der Kurs
aus dieser Formation nach unten heraus, ist mit einer Wiederauflage des vorherigen Kurssturzes zu rechnen. Und bis jetzt steht mein KSB-Trendindikator,
der uns frühzeitig den Ausstieg angezeigt hatte, unverändert auf der Shortseite. Das könnte sich allerdings bald ändern.

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Denn was Sie im rechts abgebildeten Chart sehen, ist der aktualisierte Chart der positiven Berater für Gold. Auch von dort hatten wir seinerzeit ein wunderbar klares Verkaufssignal bekommen, als die Ende 1987 begonnene, langfristige Aufwärtstrendlinie nach unten durchbrochen wurde.

Wie Sie erkennen, ist dieser Stimmungsindikator am Freitag wieder punktgenau bis an diese Trendlinie nach oben hoch gelaufen. Kann der Kurs jetzt wieder über diese Gerade anziehen, ist das ein gutes Argument für die Erwartung weiterer Kursgewinne. Warten wir ab, welcher Chart zuerst ein Signal gibt. So oder so dürfte es bei Gold jetzt um eine neue Chance gehen. Über die Richtung entscheidet entweder der Absturz aus der charttechnischen Flagge oder ein weiterer Anstieg der bullish gestimmten Gold-Analysten.

Wall Street: Ehrenrunde
Wie es nun weitergeht, hängt natürlich kurzfristig vom Syrien-Problem ab. Was die Börsenkredite betrifft, hatte ich sehr fest mit einem deutlichen Abwärtssignal gerechnet. Aber die veröffentlichten Zahlen haben mich eines Besseren belehrt. Denn während zur Wochenmitte (die Zahlen werden mir seit Jahren immer zum Wochenschluss übermittelt) in den Charts einiger Kollegen eine vermeintliche Abwärtswende abgebildet wurde, stiegen die Zahlen stattdessen ein wenig an.

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Trotz des oben beschriebenen Zinsanstiegs gehen also nach wie vor viele Anleger davon aus, dass sie ihre Kreditkosten über Kursgewinne und Dividenden
wieder überkompensieren können.

Für die Wall Street bedeutet das einen Aufschub. Und für den Dow Jones erhöht es aus heutiger Sicht die Chance, dass sich hier eine „Schulter-Kopf-
Schulter“ entwickelt. Danach sollten die Kurse also jetzt erst noch einmal anziehen, bevor die nächste Abwärtsbewegung dann die Bären ans Ruder bringt.

Eine klare Marke zum „großen“ Richtungswechsel gibt es auch, egal ob die Schulter-Kopf-Schulter-Formation nun tatsächlich komplettiert wird oder nicht:
14.500. Schließt der Dow unter dieser Marke, erscheinen Gewinne auf der Putseite vorprogrammiert.

FAZIT: Dass so prominente Galionsfiguren der Börsen wie DAX, Dow Jones, Gold und Rentenmärkte zur gleichen Zeit wichtige Trendwechselmarken anlaufen, ist ausgesprochen selten. Aber es macht Freude. Denn es verspricht neue, profitable Trends. Und die angegebenen Marken im Auge zu behalten, ist ja in wenigen Minuten täglich erledigt.

Viel Erfolg und beste Grüße!

Axel Retz

 

 

Axel Retz ist seit über 25 Jahren als Chefredakteur von Börsenmagazinen und Börsendiensten tätig und betreibt das Portal private-profits. Konservative Anleger finden dort seit Jahren bewährte, treffsichere Strategien zur Outperformance der Märkte in Hausse- und Baissephasen. Aggressivere Trader finden alle notwendigen Tools, um mit kleinem Einsatz kurzfristige Gewinne zu erzielen. „Phasen, in denen sich keine Gewinne erzielen lassen, das sind die Seitwärtsmärkte. Aber sie sind nichts anderes als Unterbrechungen im Trendverhalten. Technische oder fundamentale Analyse? Für mich macht es die Mischung!“

About the Author:

Axel Retz ist seit über 25 Jahren als Chefredakteur von Börsenmagazinen und Börsendiensten tätig und betreibt das Portal private-profits. Konservative Anleger finden dort seit Jahren bewährte, treffsichere Strategien zur Outperformance der Märkte in Hausse- und Baissephasen. Aggressivere Trader finden alle notwendigen Tools, um mit kleinem Einsatz kurzfristige Gewinne zu erzielen. „Phasen, in denen sich keine Gewinne erzielen lassen, das sind die Seitwärtsmärkte. Aber sie sind nichts anderes als Unterbrechungen im Trendverhalten. Technische oder fundamentale Analyse? Für mich macht es die Mischung!“

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