By 21. April 2013 Read More →

Ist der Rohstoff-Superzyklus am Ende?

Umfragen unter Fonds-Managern bieten im Hinblick auf Extrempositionierungen interessante Erkenntnisse. So auch die Daten der globalen Fondsmanagerumfrage von Merrill Lynch.

 

Im März 2013 hieß es: Es herrschten die besten Liquiditätsbedingungen, die jemals vorlagen. Eine solche Aussage ist bemerkenswert, herrschten doch auf dem Höhepunkt des von 2003 bis 2007 laufenden Bullenmarktes nach dem Empfinden der Marktteilnehmer ähnlich gute Liquiditätsbedingungen. Damals war es das „Private Equity“, heute soll es die von den Zentralbanken zur Verfügung gestellte Liquidität sein.

In der aktuellen (April-)Umfrage gab es interessante Erkenntnisse:

– Die Risikoreduzierung läuft. Allerdings sind noch 49% in Aktien übergewichtet, so dass der Risikoabbau „mittendrin“ ist

– Rohstoffe werden von den Fonds-Managern „mit Füßen getreten“. Für diese Anlagenklasse liegt die niedrigste Positionierung seit Januar 2009 vor. Auch bei den Energieaktien (niedrigste historische Positionierung) und Rohstoffaktien (niedrigste Positionierung seit Januar 2009) sind aus dem Contrarian-Ansatz heraus Bodenbildungen zu erwarten.

– Der Chinaoptimismus ist stark gefallen. Er notiert auf dem Niveau vom Oktober 2012.

– 100% der regionalen Fondsmanager erwarten eine Verbesserung der Wirtschaft in Japan – wo bleibt dort weiteres positives Überraschungspotential?

– Die Übergewichtung im US-Aktienmarkt und in USD-Anlagen notiert auf dem höchsten Niveau der Geschichte dieser Umfrage. Wer soll noch US-Aktien kaufen, wenn alle bereits gekauft haben?

Die Frage nach dem Ende des Rohstoff-Superzyklus wollen wir auf unsere Art und Weise zu beantworten versuchen: Wir werfen einen Blick auf unsere Langfristcharts und Blasenverlaufsmuster.

Vergleicht man die Entwicklung des Goldpreises nach 1980 (Platzen der Blase) mit derjenigen des Dow Jones Index nach dem Crash des Jahres 1929, so sind die Parallelen unübersehbar. Für Gold wurde durch den Dow Verlauf genauso ein Abverkauf in 2008 vorhergesagt als auch der aktuelle Rückgang. Damals wurde die Panik im Dow aus dem Mai 1962 im Oktober (Kuba-Krise) nochmals zurückgetestet. Dann aber setzte eine längere Aufwärtsbewegung ein.

Die Eintrittswahrscheinlichkeit eines solchen  – positiven – Szenarios hängt in erster Linie von einer Stabilisierung des Rohstoffmarktes ab. Hier wiederum spielt China die entscheidende Rolle. Denn ohne die zusätzliche Nachfrage Chinas wäre eine Rohstoffhausse nicht oder nur in geringerem Maße erfolgt. Ein charttechnisches Setup für eine positive Bewegung des Shanghai Composite Index wäre dann vorhanden, wenn der Index die Bodenformation mit Hilfe einer Tasse-Henkel-Formation vollenden würde (siehe Pfeil folgender Chart).

Die positive Korrelation zwischen dem Shanghai Composite Index und dem Kupferpreis wird durch den folgenden Chart erkennbar.

Halten wir fest, dass eine Erholung des Shanghai Composite Index ein Indiz dafür wäre, dass ein Ende des Rohstoff-Superzyklus noch nicht in Sichtweite ist.

Noch ein Wort zu der Goldpanik Anfang vergangener Woche. Man beachte die Panik im größten Gold-ETF (SPDR) am 15. April (siehe grünen Pfeil folgender Chart).

Das Handelsvolumen erreichte ein höheres Niveau als bei der Ausbildung des Hochpunktes Ende August 2011 (roter Pfeil obiger Chart).

 

Paniken werden üblicherweise zurückgetestet. Dies kann Wochen, manchmal auch Monate dauern. Man denke an die Panik im Dow Jones Index im August 2011.

Der August-Abverkauf erfolgte mit hohem Volumen. Der Rücktest Anfang Oktober brachte höhere Angstwerte, aber ein geringeres Volumen. Wir erwarten, dass der Goldpreis sein Tief ebenfalls nochmals testet. Wir gehen von einem erfolgreichen Test innerhalb der kommenden Wochen – möglicherweise auch Monate – aus.

Die nachwachsenden Rohstoffe dürften aufgrund ihrer Muster zu den Anführern einer Rohstoffpreis-Erholung zählen. Man achte jetzt auf Kaffee.

Dort vollzieht sich möglicherweise die Endphase der Bodenbildung in Form der Ausprägung einer W-Formation. In einem schwachen Rohstoffumfeld sind solche Ansätze in jüngerer Vergangenheit häufig gescheitert. Aber man sollte diesen Versuch der Bodenbildung in Kaffee durchaus beachten.

Fazit: Die Entwicklung des Rohstoff-Zyklus ist eng mit der wirtschaftlichen Entwicklung Chinas bzw. der Bewegung des Shanghai Composite Index verbunden. Der Shanghai Composite Index befindet sich bereits seit dem Jahr 2007 in einer Baisse. Ein erster Comebackversuch endete im Jahr 2009 – mit einem jetzt noch gültigen Verlaufshoch – kläglich. Sollte sich jetzt eine Tasse-Henkel-Formation ausbilden können, so sollte der Rohstoffsektor die seit zwei Jahren laufende sekundäre Baisse beenden. Auch die Fondsmanager-Umfrage spricht für ein Ende der Rohstoff-Abwärtsbewegung in den kommenden Wochen. Der Goldpreis sollte nochmals zurückgetestet werden. Wir gehen von einem erfolgreichen Test aus. Anschließend sollte der Goldpreis seinen Anstieg bis zum Jahr 2016 fortsetzen.

 

Robert Rethfeld
Wellenreiter-Invest
P.S. Ein kostenloses 14tägiges Schnupperabonnement erhalten Sie unter www.wellenreiter-invest.de

 

 

Robert Rethfeld betreibt die Internetseite  Wellenreiter-Invest. Kernprodukt ist ein handelstäglich erscheinender Börsenbrief. Auch ein kostenloses 14-tägiges Schnupperabonnement ist möglich. Die Aufmerksamkeit gilt Langfristentwicklungen, Zyklen und saisonalen Mustern sowie der Verschiebungen des smarten Geldes. Zusätzlich werden die Positionierungen der kommerziellen Händler und Großspekulanten analysiert („CoT-Daten“). Rethfeld ist TV-Interviewpartner und Mitglied der Vereinigung technischer Analysten (VTAD). Er lebt  im Vordertaunus, wo er sich als Vorsitzender einer Freien Wählergemeinschaft kommunalpolitisch engagiert.

About the Author:

Robert Rethfeld betreibt die Internetseite Wellenreiter-Invest. Kernprodukt ist ein handelstäglich erscheinender Börsenbrief. Auch ein kostenloses 14-tägiges Schnupperabonnement ist möglich. Die Aufmerksamkeit gilt Langfristentwicklungen, Zyklen und saisonalen Mustern sowie der Verschiebungen des smarten Geldes. Zusätzlich werden die Positionierungen der kommerziellen Händler und Großspekulanten analysiert („CoT-Daten“). Rethfeld ist TV-Interviewpartner und Mitglied der Vereinigung technischer Analysten (VTAD). Er lebt im Vordertaunus, wo er sich als Vorsitzender einer Freien Wählergemeinschaft kommunalpolitisch engagiert.

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