By 26. August 2014 Read More →

High Noon an der 200-Tage-Linie

Mit etwas Glück zeigt der DAX nun ein ähnliches Verhalten wie beim letzten Rücksetzer unter die 200-Tage-Linie im Sommer 2012. Eine kleine Verschnaufpause ist durchaus angebracht, allerdings sollten die Kurse nicht zu weit korrigieren.   

Nun hat es also auch der S&P 500 geschafft – erstmals in der Geschichte des US-Leitindex wurden zu Wochenbeginn mehr als 2000 Punkte aufgerufen. Vergleichbar ist die Ausgangslage an der Wall Street mit dem DAX bei 10.000. Erst jetzt wird sich zeigen, wie viel Kraft die Käufer wirklich haben. Bisher dienten die runden Schwellen nur als Orientierungsmarken auf der Oberseite, die „der Markt sehen wollte“. Interessant ist vor allem, dass alle drei Haupt-Indizes entsprechende Niveaus erreicht haben. Der S&P steht an der 2000, der Nasdaq 100 bei 4000 und der Dow Jones bei gut 17.000.

Natürlich ist die Frage berechtigt, warum die Märkte am Montag überhaupt so kräftig gestiegen sind. Im Kern war es nur ein Satz, der zunächst nicht im offiziellen Redetext von EZB-Chef Mario Draghi enthalten war und erst am Sonntag durch die Pressestelle der Notenbank nachgereicht wurde. „Der EZB-Rat wird diese Entwicklungen berücksichtigen und alle innerhalb seines Mandats verfügbaren Mittel einsetzen, um für mittelfristige Preisstabilität zu sorgen.“ Dieser Satz wurde vom Markt so interpretiert, dass die bisher noch nicht eingesetzten Maßnahmen wie Anleihe-Käufe nun auf der nächsten EZB-Sitzung am 4. September beschlossen werden könnten. Eine Garantie, ob die EZB auch wirklich handeln wird oder wie zuletzt immer nur verbal ihre Möglichkeiten erläutert, gibt es natürlich nicht. Eine gewagte Spekulation, die Käufer begeben sich auf sehr dünnes Eis.

DAX: Stunden- und Tagesanalyse

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Kommen wir zum DAX und den technischen Perspektiven. Hier wird es nun sehr spannend, denn gestern erreichte der Markt wieder seine 200-Tage-Linie. Zugleich ist der DAX auch an die obere Begrenzung des kurzfristigen Aufwärtskanals gelaufen, die heute zu Handelsbeginn einsetzenden Gewinnmitnahmen sind daher nicht überraschend. Entscheidend ist nun die Frage, wie weit der Index zurückfällt. Im Idealfall stabilisiert sich der DAX oberhalb von 9410 / 9425 und legt im weiteren Wochenverlauf mit einem moderaten Anstiegstempo zu. Selbst ein Rücksetzer bis 9250 (Trendkanal-Unterseite) wäre noch akzeptabel, spätestens hier sollte aber eine Gegenbewegung einsetzen.

Recht schnell wird sich nun zeigen, ob der Index in eine Seitwärtsbewegung um den 200-Tage-Durchschnitt wechseln wird oder der frische Aufwärtsimpuls anhält. Trotz der jüngsten Erfolge ist die Gefahr einer Bärenmarktrally noch nicht ganz gebannt. Erst wenn mehr als 9600 aufgerufen werden, ist die Korrektur als beendet anzusehen.

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Wochenanalyse:

Wiederholt sich die Geschichte?

Auch im langfristigen Wochenchart sind nun deutliche Bremsspuren zu erkennen. Ähnlich wie auf Tagesbasis gab auch hier der Aufwärtskanal die grundsätzliche Richtung vor. Erstmals seit Sommer 2012 rutsche der DAX wieder deutlich unter die 200-Tage-Linie. Allerdings eroberte der Markt vor zwei Jahren den langfristigen Gleitenden Durchschnitt rechnet schnell wieder zurück, ein ähnliches Szenario ist auch jetzt vorstellbar. Aktuell stabilisiert sich der DAX an der mittelfristig wichtigen Unterstützungsregion um 8900 / 9000. Die Börsenampel bleibt somit auf Orange.

Bereits seit mehreren Wochen warne ich an dieser Stelle vor der negativen Divergenz im MACD. Während der DAX in den vergangenen Monaten höhere Hochs ausbildete, wurden diese nicht mehr durch den trendfolgenden Indikator bestätigt (rote Linie beim MACD). Die kurzfristig überverkaufte Lage im DSS Bressert ist ein erster Hoffnungsschimmer, allerdings kann der Signalgeber durchaus über mehrere Wochen im unteren Extrembereich verlaufen (s. Sommer 2012).

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Monatsanalyse:

Zwei Szenarien für die Zukunft

Im abgebildeten Monatschart seit 1960 wird vor allem die Bedeutung des Kursbereichs um 8000 / 9000 deutlich. Nach dem Ausbruch aus einer rund 20 Jahre andauernden Seitwärtsbewegung im Jahr 1983 zeigte der DAX bis zur Jahrtausendwende eine ausgeprägte Rally-Bewegung. Mit dem Platzen der Spekulationsblase wurde diese Aufwärtsbewegung in den vergangenen 13 Jahren konsolidiert. In dieser Zeit bildete der Deutsche Aktienindex deutlich steigende Bewegungstiefpunkte aus, was auf einen allmählich steigenden Kaufdruck deutet. Der Sprung über die Hochpunkte aus dem Jahr 2000 und 2007 bei 8200 war somit nur eine Frage der Zeit. Der DAX löste ein sehr bullish aufsteigendes Dreieck nach oben hin auf, aus dem theoretisch Notierungen deutlich jenseits der 10.000er-Marke abgeleitet werden können.

Nach dem nun erfolgten Ausbruch sind zwei grundsätzliche Szenarien denkbar. Aufgrund der Bedeutung der Zone um 8200 wäre eine Rückkehrbewegung und somit ein Retest des Ausbruchsniveau nicht überraschend. Ein möglicher Wendepunkt könnte an der psychologisch wichtigen Schwelle von 10.000 liegen. Ausgehend von einem kurzen Test der fünfstelligen Kursmarke wäre mit einer Korrektur bis in den Bereich von 8200 / 8500 zu rechnen, von dem aus dann eine nachhaltige Aufwärtsbewegung erfolgen würde. Zugleich eröffnet sich Anlegern, die den Einstieg bisher verpassten, auf langfristige Sicht noch einmal eine gute Einstiegsgelegenheit.

In einem zweiten Szenario bleibt ein Test der Zone um 8200 von oben aus. Stattdessen läuft der Markt nach einer recht wahrscheinlichen Konsolidierung bei rund 10.000 weiter aufwärts. Neue Widerstände müssten sich erst noch herausbilden. Unwahrscheinlicher erscheint hingegen ein Rücksetzer unter das Ausbruchsniveau von 8200. Eine ähnliche Situation liegt auch im amerikanischen Leitindex S&P 500 vor.

Das Hauptaugenmerk gilt aber dem MACD. Der trendfolgende Indikator hat sich in den vergangenen 20 Jahren bereits mehrfach als guter Taktgeber für den langfristigen Verlauf erwiesen. Besonders an den Bewegungshochpunkten in 2000 und 2007 warnte der Signalgeber jeweils frühzeitig vor einer neuen Baisse. Die aktuelle Ausgangslage weist dabei viele Parallelen mit der Situation von vor 14 und sieben Jahren auf. Der MACD steht auf einem ähnlichen Niveau (knapp unter der roten Linie), zudem lieferte der Indikator erstmals seit August 2011 wieder ein Verkaufssignal.  

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About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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