By 14. Mai 2013 Read More →

Handeln wir den Markt, nicht seine Kommentierungen!

Rekorde, Rekorde, Rekorde, wohin das Auge blickt. Und Schluss ist noch lange nicht, sagen die Medien. Und wer jetzt nicht einsteigt, ist selbst schuld. Wer jetzt kauft, übrigens auch. Denn die Charts geben Überraschendes preis.

 

Ja, man merkt es immer deutlicher, es ist Wahlkampf. Aber: Hatte denn die CSU nicht immer schon betont, dass für sie die Familienförderung ganz oben stehe? Na also.

Und die FDP, war was nicht immer schon ihr Slogan „Leistung muss sich wieder lohnen“? Eben. Deswegen macht sie sich jetzt für 4 Euro als Lohnuntergrenze stark. Um ihr „soziales Profi l zu schärfen“, wie sie sagt.

Den schlimmsten Looserzettel der Woche hat aber zweifellos SPD-Chef Sigmar Gabriel gezogen. Ein Tempolimit ist in Deutschland nichts anderes als direkte Wahlhilfe für den politischen Gegner. Denn was dem Ami seine Knarre, ist dem Deutschen seine Karre. Natürlich würde sich kaum einer von uns diesen Schuh anziehen. Aber fast alle würden bestätigen, dass es „bei anderen“ so ist. Es geht um „Beinfreiheit für den Gasfuß“ ums „Ausfahren“ und um möglichst viel „Überholprestige“. Und überhaupt: Es kann doch kein Zufall sein, dass Deutschland seit Jahren die Weltmeister in der Formel 1 stellt!

Mit Argumenten brauchen Sie da gar nicht erst anzufangen. CDU-Verkehrspolitiker Dirk Fischer hatte dennoch eines, allerdings für die Tempolimit-Gegner: Durch Tempolimits könne sich der Verkehr stärker auf Landstraßen und in die Städte verlagern und dadurch die Zahl der Unfälle erhöhen. Das klingt logisch. Jeder denkende Mensch, der auf der Autobahn nur noch 120 km/h fahren dürfte, würde die Gelegenheit beim Schopf ergreifen, um so oft wie möglich die Autobahn zu verlassen und durch in der Nähe liegende Städte zu zuckeln.

Sieht man sich all diese Aufreger an, sind sie allesamt zweifellos ärgerlich. Das erste gehört rigoros aufgedeckt, das zweite ist schlichtweg unanständig und dürfte gar nicht im deutschen Bundestag vertreten sein, und das dritte ist tiefergelegter Populismus auf Rädern. Am meisten aber regt es mich auf, für wie dumm uns die Politik eigentlich tagtäglich verkauft. Nicht dass ich davon ausginge, dass das in anderen Ländern besser wäre, aber wir wählen nicht in anderen Ländern, sondern hier. Und hier sollte C für christlich, S für sozialdemokratisch, Grün für ökologisch und F für liberal stehen. Tut es aber nur auf dem Papier.

Und völlig unklar ist, warum man dann zu allem Übel die Begrifflichkeiten in den Parteinamen und erst recht in der Politik auch noch permanent gegeneinander ausspielt anstatt sich auf einen oder auch mehrerer gemeinsame Nenner zu einigen.

Denn bis auf wenige Dumpfbacken wollen die Wähler den Konsens der Vernunft, wollen einfach eine Politik nach unserem Grundgesetz. Und keine, die immer und immer wieder erst einmal ganz bewusst „macht“ oder eben auch „nicht macht“, um sich dann vom Bundesverfassungsgericht maßregeln zu lassen. Was sind die neue „Amigo-Affaire“ der CSU, die gar garstige Hungerlohnsatire der FDP und die durch (fast) unser aller Zutun zum Scheitern verurteilte Tempolimitdiskussion gegen das, was sich in Europa gerade abspielt? So etwas wie der sprichwörtliche Fliegenschiss! Zwei Drittel der Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Spanien und Griechenland sind ohne Arbeit und ohne Aussicht darauf. Die Arbeitslosenquote der reichen Euro-Länder liegt massiv über dem von der Internationalen Arbeits-Organsation (ILO) berechneten weltweiten Durchschnitt. Und was tut Brüssel dagegen? Man reitet den Karren immer tiefer in den Dreck. Und regelt, dass von Sprungtürmen in den Schwimmbädern der EU künftig nur noch dann gesprungen werden darf, wenn sie Richtung Norden weisen. Na denn mal weiter so …

 

Kauf-Japanik

Den meisten Börsianern ist in den letzten Wochen buchstäblich Hören und Sehen vergangen. Weltweit purzelten die alten Bestmarken, da die Notenbanken der bisherigen Erfolglosigkeit ihrer Zinssenkungsorgie Tribut zollten und noch mehr virtuelles Geld in den Markt pumpten. „Freiwillig“ die FED und die EZB, unter politischem Druck die Bank of Japan.

Dem Nikkei verhalf das zu einer regelrechten Kursexplosion, den Yen schickte es in den freien Fall gegenüber dem US-Dollar. Nur der Wirtschaft half es nicht. Sehen wir uns Nikkei und Yen einmal an. Denn während die Anleger felsenfest davon überzeugt sind, dass sich beider Kurse in Einbahnstraßen befinden, lassen die Charts aufhorchen.

So hat der JPY/USD am Freitag eine charttechnisch brettharte Unterstützung angelaufen, die sich aus der Überkreuzung der 1998er Aufwärtstrendlinie und der seit 1999 etablierten Horizontalunterstützung ergibt.

Denn genau auf deren Schnittpunkt hat der Yen zum Wochenende aufgesetzt. Es wäre alles andere als eine Überraschung, wenn wir von hier aus zumindest eine ordentliche Gegenbewegung sähen, die den Nikkei-Fans natürlich ihr wichtigstes derzeitiges Argument vergällen würde.

Da passt es wie die Faust aufs Auge, dass auch der Nikkei unmittelbar vor einer wichtigen Widerstandslinie steht, die allerdings nicht so massiv ist wie bei JPY/USD. Dennoch sind Yen-Bären und Nikkei-Bullen sicherlich gut beraten, in den kommenden Handelstagen auf mögliche Erschöpfungszeichen der aktuellen Exzessbewegungen zu achten. Insbesondere natürlich in den Candlestickcharts, dem ältesten bekannten Chartverfahren der Welt. Denn die Candles kommen nicht nur aus Japan, sie werden dort auch immer noch viel beachtet. Und ich werde beim DAX gleich noch einmal auf sie zurückkommen. Zuerst aber zum S&P 500.

 

 

Wall Street: Voll im Trend

Charttechnik ist Glaubenssache. Mag sein. Aber nach meiner Erfahrung ganz bestimmt nicht nur Glückssache. Denn es lässt sich nicht wegdiskutieren, dass die Kursbewegungen an den Finanzmärkten zumeist in sgn. Trends verlaufen. Und dass es sich daher lohnt, diese Kurskorridore immer im Auge zu behalten.

Ein sehr ansehnliches Exemplar findet sich zurzeit im S&P 500, der für rund 80 Prozent der gesamten an der Wall Street versammelten Marktkapitalisierung steht. Und zum Wochenausklang hat der Index wieder an der oberen Begrenzung des vom Novembertief bei 1.343 Punkten ausgehenden Aufwärtstrendbandes angeklopft. Neben Nikkei und Yen also ein weiterer Markt, an dem es jetzt um die sprichwörtliche Wurst geht. Und geht die Wall Street in eine Besinnungspause, wird der deutsche Aktienmarkt das mit einer Wahrscheinlichkeit von 100 Prozent ebenfalls tun. Nehmen wir den DAX einmal unter die Lupe!

 

DAX: Die großen Adressen kaufen nicht

„Ansturm der Anleger“ in den Aktienmarkt, „Run“ auf Aktien, zu denen es keine Alternative gibt und „Kaufhysterie“ waren nur einige der Attribute, die in der vergangenen Woche zum deutschen Aktienmarkt kursierten.

Blödsinn. Das neue Hoch hat nur ein paar auf den Leim geführte Kleinanleger angelockt, mehr nicht. Denn die Umsätze in dieser Woche waren sehr gering.

Wenn „Volume goes with the trend“ wahr ist (und es ist es, dann ist das ein Warnsignal allerbester Güteklasse) sollten Sie es sich dreimal überlegen, ob Sie sich dagegen stemmen wollen. Die großen Adressen kaufen nicht – sie empfehlen Ihnen allenfalls, dass Sie das jetzt tun sollten.

Werfen wir einen Blick auf den Tageschart. Wobei wir wie versprochen wieder bei den Candlestick-Charts angekommen sind. Das am Freitag markierte neue Allzeithoch lieferte im DAX-Chart einen sgn. „Gravestone Doji“ ab.

Da der RSI am Freitag mit 72,50 aus dem Handel ging und schon bei einem Rückfall unter 70 ein neues Abwärtssignal liefern würde, wird der Wochenstart also auf jeden Fall interessant. So oder so werden sich nun an den besprochenen Märkten (aber auch bei den Edelmetallen und im indischen BSE SENSEX) jetzt sofort neue Chancen ergeben.

 

Viel Erfolg und beste Grüße!

 

Axel Retz

www.private-profi ts.de

 

 

 

Axel Retz ist seit über 25 Jahren als Chefredakteur von Börsenmagazinen und Börsendiensten tätig und betreibt das Portal private-profits. Konservative Anleger finden dort seit Jahren bewährte, treffsichere Strategien zur Outperformance der Märkte in Hausse- und Baissephasen. Aggressivere Trader finden alle notwendigen Tools, um mit kleinem Einsatz kurzfristige Gewinne zu erzielen. „Phasen, in denen sich keine Gewinne erzielen lassen, das sind die Seitwärtsmärkte. Aber sie sind nichts anderes als Unterbrechungen im Trendverhalten. Technische oder fundamentale Analyse? Für mich macht es die Mischung!“

About the Author:

Axel Retz ist seit über 25 Jahren als Chefredakteur von Börsenmagazinen und Börsendiensten tätig und betreibt das Portal private-profits. Konservative Anleger finden dort seit Jahren bewährte, treffsichere Strategien zur Outperformance der Märkte in Hausse- und Baissephasen. Aggressivere Trader finden alle notwendigen Tools, um mit kleinem Einsatz kurzfristige Gewinne zu erzielen. „Phasen, in denen sich keine Gewinne erzielen lassen, das sind die Seitwärtsmärkte. Aber sie sind nichts anderes als Unterbrechungen im Trendverhalten. Technische oder fundamentale Analyse? Für mich macht es die Mischung!“

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