By 20. Februar 2015 Read More →

Gold und Silber – sichere Häfen beim Reset des Finanzsystems?

2006, also ein Jahr vor dem ersten Aufscheinen der „Subprime“-Problematik in den USA, belief sich die Bilanzsumme der Notenbanken dieser Welt auf rund sechs Billionen US-Dollar. Zu viele zu billige Kredite an nicht schuldentragfähige Schuldner wurden damals als Ursache der Krise erkannt.

Liebe Leserinnen und Leser

Heute liegt die Bilanzsumme der Notenbanken bei ca. 16 Billionen US-Dollar, die Zinssätze der „zu billigen“ Kredite wurden auf null oder sogar darunter gesenkt. Warum? Weil die Notenbanken so dämlich sind, den Teufel mit dem Beelzebub austreiben zu wollen? Nein. Sondern, weil einem Zins- und Zinseszinssystem westlicher Gangart (im Islam sind Zinsen verboten, im Christentum waren sie es auch einmal => Ex 22,24 ELB) sozusagen einen eingebauten Selbstzerstörungsmechanismus innewohnt.

Renditen von zehn Prozent (in den USA beispielsweise 1986 für 30-jährige Staatsanleihen gewährt; 1981 waren es noch über 15 Prozent) machen aus 1.000 US-Dollar innerhalb ihrer Laufzeit 17.449,39 US-Dollar. Und die muss der Schuldner erst mal herbringen. In einem Wirtschaftsaufschwung mag das angehen. Mit dem kleinen Schönheitsfehler, dass das Zins- und Zinseszinssystem eben genau an diesen Aufschwung seine Axt legt. Denn alles Kapital, das die Schuldner zur Begleichung ihrer Schulden aufwenden müssen, kann eben nicht mehr in den „Aufschwung“ fließen. Und müssen die Schuldner neue Kredite aufnehmen, um die alten zu bedienen, wächst der ganze Schlamassel in aller Ruhe vor sich hin.

Mit der Absenkung der Zinsen können die Notenbanken die Selbstzerstörung dieses auf einem inhärenten Fehler aufgebauten Finanzsystems zwar verzögern. Aber bei Null oder knapp darunter ist halt dann auch Schluss. Die Pleite steht vor der Türe: Die Staaten haben kein Geld mehr, um die Infrastruktur intakt zu halten, zu investieren oder die Renten zu sichern. etc. etc. Schon mal gar nicht in einer demographischen Situation wie heute.

Die Explosion der Bilanzsumme der Notenbanken, von den Börsen derzeit bejubelt, sollten Sie kritisch sehen: Wenn die EZB den Banken Staatsanleihen abkaufen will, hat es einen einfachen Grund.

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Nicht den offiziellen, nach dem Mario Draghi den Banken mehr Spielraum zur Kreditvergabe an Unternehmen geben will (niemand fragt diese Kredite nach). Aber wenn die Banken die Staatsanleihen an die EZB verkaufen, dann liegen die Kreditausfallrisiken dieser Anleihen eben nicht mehr bei den Banken, sondern bei der EZB. Und wer dafür letztendlich gerade zu stehen haben wir, das können Sie feststellen, indem Sie in einen kleinen Handspiegel blicken.

Die Risikoverlagerung weg von den Banken hin zum Steuerzahler ist ein Abbild dessen, was wir gerade in Griechenland erleben/erlebt haben. Mein Rat:

Falls Sie „sichere“ Staatsanleihen haben, verkaufen Sie sie. Lieber am Montag als am Dienstag. Der (verbotene) Aufkauf von Staatsanleihen durch die EZB ist ein Warnschuss, der Ihnen in den Ohren klingen sollte. Der Währungsschnitt / die Währungsreform ist m. E. unausweichlich. Wenn Sie es anders sehen, natürlich, gerne.

Silber: Der potentielle Rettungsanker

Die Frage ist natürlich, wo es denn noch „sichere Häfen“ gibt. Die Antwort: Nirgends. Niemand, abgesehen von denen, die wirklich die Fäden ziehen, wird aus einem Kollaps des Finanzsystems ungeschoren herauskommen.

Silber, falls es über 19 US$/oz. steigen sollte, ist gleichwohl das Beste, was ich derzeit auf der Liste habe. Gold scheidet aus. So gut wie sicher wird es im „Falle des Falles“ wieder staatlichen Sanktionen unterliegen. Diejenigen, die immer und immer wieder für Gold plädieren, täten m. E. gut daran, sich einmal ein wenig mit der Geschichte zu beschäftigen.

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Beispielsweise hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Goldverbot. Für Silber gab es derartige Sanktionen noch nie. Aber bitte: Beachten Sie die Marke von 19 US$/oz. Denn charttechnisch schaltet die Ampel erst ab da auf Grün um, derzeit zeigt sie noch ein recht eindeutiges Rot!

Rohöl: Noch keine Wende

Bei Öl hatte ich Sie in den vergangenen Wochen wiederholt auf eine sich abzeichnende „Bodenbildung“ aufmerksam gemacht. Die erste, die es seit Beginn des Preisverfalls gab.

Heute möchte ich Ihnen zeigen, warum das kein „Zufall“ war: Denn der Barrelpreis der Sorte Brent hat mit seinem jüngsten Tief auf den Punkt genau die 1999 gestartete Aufwärtstrendlinie getestet.

Daraus zu schließen, dass sich nun ein Aufschwung wie seit Anfang 2009 gesehen anschließt, halte ich für voreilig. Damals standen die Märkte am Tief der Nachwehen der US-Immobilienkrise, heute stehen Sie vor dem Beginn der nächsten großen „Korrektur“.

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Spekulativ kommen Puts ins Spiel. Wer es defensiver angehen lassen will, mag zuwarten, bis Brent unter das letzte Tief und damit unter seine langjährige Aufwärtsgerade fällt. Kommen wird das, denke ich. Und damit auch ein Kursziel von 35 US$/Barrel oder noch weniger.

Börsenkredite „hängen“

Mit der Veröffentlichung der Dezemberzahlen zu den Börsenkrediten (Margin Debt) hat sich die NYSE reichlich Zeit genommen. Aber nun haben wir die Zahlen ja.

Gegenüber dem Vormonat hat sich die Nachfrage nach Börsenkrediten minimal abgeschwächt. So oder so passt das nicht ganz zum erreichten neuen Wochen-Schlussrekord des S&P 500. Als Warnhinweis bleibt uns das erst einmal erhalten:

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Die Börsen tanzen inmitten des nahenden Frühlings auf sehr, sehr dünnem Eis. Und fühlen sich dabei auch noch unverwundbarer denn je. An sich ist das genau das Szenario, aus dem ein neuer „Crash“ gezimmert wird. Das muss nicht sofort sein. Aber mit der Ukraine und Griechenland liegen da zwei potentielle Katalysatoren in der Pipeline, die den Dreh nach unten ganz, ganz schnell auslösen können.

Facebook: Ein heißer Kandidat

Die digitale Generation und die digitale Degeneration unterscheiden sich durch zwei Buchstaben. Der dadurch suggerierte Abstand muss aber erst mal bewiesen werden. Facebook ist da vielleicht ein gutes Beispiel. Die Schreckensmeldungen für User, die noch das Wort Datenschutz buchstabieren können, häufen sich von Woche zu Woche. Aber die Zahl der auf ihre Handys fixierten Zeitgenossen steht dem (noch) in nichts nach.

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Allein wegen des Charts habe ich Facebook ja schon ein wenig länger auf dem Schirm, wie Sie wissen. Auffallend ist, dass die angebliche „Hype“-Aktie den Wegen des Nasdaq 100 auf ein Mehrjahreshoch nicht mehr mitgehen konnte. Das sieht schwächlich aus.

Charttechnisch bleibt es bei meinem Vorhaben: Schließt Facebook an der Nasdaq unter 72 Euro, ist die Aktie ein klarer Put-Kandidat. Wie immer, gilt auch hier: Bitte warten Sie dieses Signal ab und versuchen Sie nicht, dem vorzugreifen.

Sie erfahren alles Nötige hier!

ZUSAMMENFASSUNG:

Griechenland macht Tempo. Und Druck. Die gesamte Euro-“Rettungs“-Politik zugunsten der Banken steht auf dem Spiel. Und Berlin wird einlenken (müssen). Staatsanleihen sollten Sie nunmehr verkaufen. Und in Silber gehen, sobald der Preis über 19 US$/oz anzieht.

Facebook bleibt Thema. Wir müssen nur halt ein wenig warten.

Viel Erfolg und beste Grüße!

Axel Retz

 

 

About the Author:

Axel Retz ist seit über 25 Jahren als Chefredakteur von Börsenmagazinen und Börsendiensten tätig und betreibt das Portal private-profits. Konservative Anleger finden dort seit Jahren bewährte, treffsichere Strategien zur Outperformance der Märkte in Hausse- und Baissephasen. Aggressivere Trader finden alle notwendigen Tools, um mit kleinem Einsatz kurzfristige Gewinne zu erzielen. „Phasen, in denen sich keine Gewinne erzielen lassen, das sind die Seitwärtsmärkte. Aber sie sind nichts anderes als Unterbrechungen im Trendverhalten. Technische oder fundamentale Analyse? Für mich macht es die Mischung!“

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