By 22. Oktober 2015 Read More →

Gold und Silber direkt oder besser Edelmetall-Aktien?

Gefühlt waren die vergangenen Tage an den Aktienmärkten so positiv, dass das Wort „Jahresendrallye“ wieder viel häufiger durch die Berichterstattung geisterte als zuvor. Zu den Fakten passt das gute Gefühl der Anleger allerdings nicht.

Rund sieben Billionen US$ haben die Notenbanken seit der Lehman-Pleite aus dem Hut gezaubert. Mit durchaus spürbarem Erfolg. Allerdings nicht bei der Stabilisierung der Konjunktur, wohl aber bei der Befeuerung der Aktien- und Rentenmärkte.

Dass diese neuen Schulden niemals mehr zurückgezahlt werden können, ist sicher. Und weil das sicher ist, wird es über kurz oder lang zu einem Währungsschnitt, einer wie auch immer gearteten Zwangsabgabe der Steuerzahler auf ihre Geldvermögen und/oder die Einführung eines Negativzinsen kommen (müssen). Dieser Einschätzung folgend, schwirren seit Jahren zahllose Kaufempfehlungen für die Edelmetalle durchs Netz.

Wer dieser Art der vermeintlich ultimativen Vermögenssicherung folgen will, sollte nicht vergessen, dass sich die Verantwortlichen für den „Tag X“ natürlich darauf vorbereiten werden, dass ihnen niemand durch die Lappen geht. Bis jetzt gab es staatliche Verbote privaten Edelmetallbesitzes immer nur für Gold, die völlig neue Größenordnung der Schuldenpyramide lässt es allerdings auch vorstellbar erscheinen, dass der Silberbesitz ebenfalls von Sanktionen betroffen sein könnte.

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Wie der Einzelne im Falle des Falles auf von drakonischen Strafen bedrohten Edelmetallbesitz reagiert, muss jeder selbst entscheiden. Wer sich alle Türen offenhalten möchte, sollte Gold und Silber nur unregistriert kaufen, also in großen Edelmetall-Shops, wie es sie in jeder größeren Stadt gibt. Noch eines sollten Sie aber bedenken:

Sind die Metalle erst einmal verboten, werden Sie beim evtl. Einsatz von Gold und Silber zu irgendwelchen Käufen von Ihrem Gegenüber so gut wie sicher einen deutlich niedrigeren Erlös erhalten als erwartet. Edelmetall-Aktien sind daher die m. E. bessere Wahl.

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In der kommenden Woche werde ich einmal einige dieser Titel unter die Lupe nehmen. Aus charttechnischer Perspektive haben weder Gold noch Silber bis jetzt ein Kaufsignal abgeliefert. Über beiden Edelmetallen hängen recht massiv wirkende, horizontale Widerstände, die die jüngste Erholung in ihre Schranken weisen könnten. Es bleibt also noch Zeit, sich die Perlen unter den Minenaktien herauszusuchen.

Rohöl: Einfach warten

Ähnlich konjunktursensitiv wie Kupfer ist auch Rohöl. Nach Aufhebung der Sanktionen gegen den Iran dürfte sich das Angebot bald noch weiter erhöhen. Trifft dieser Angebotsüberhang mit neuen, schwachen Wirtschaftsdaten aus den USA und/oder China zusammen, wird es für den Ölpreis nun eine einzige Richtung geben können: abwärts!

Charttechnisch betrachtet, hat der Fasspreis der Sorte Brent zum Wochenschluss die zuvor zurückeroberte, seit Ende 1998 etablierte Aufwärtsgerade wieder nach unten durchbrochen und dabei auch die psychologisch wichtige „big figure“ von 50 US$ verletzt.

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Damit scheint ein neuer Einstieg auf der Putseite immer näher zu rücken. Wird das letzte Zwischentief unterschritten, ist aus technischem Blickwinkel der Weg frei bis ca. 30 US$/Barrel!

Besondere Aufmerksamkeit verdient auch Kupfer. Denn nach dem eindeutigen Bruch der 2001 gestarteten Aufwärtstrendlinie hat sich in diesem Industriemetall knapp oberhalb der 5000 US$-Marke ein kleines Zickzack-Konsolidierungsmuster gebildet, aus dem heraus die Bären jederzeit wieder zum Angriff blasen könnten. Auf der sicheren Seite – soweit es das an der Börse überhaupt gibt – sind Sie mit einem Put-Einstieg, sobald der Tonnenpreis an der LME unter 5.000 US$ gefallen ist.

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DAX: Bullish ist anders

Der entgegen alles demonstrativ zur Schau getragenen Aufschwunggetöses nicht abreißen wollende Strang negativer US-Konjunkturdaten musste zuletzt wieder einmal als Argument für den bekannten liquiditätsinduzierten Optimismus herhalten.

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Der Kurs hängt weiterhin an der oberen Parallelen der seit Frühjahr 2009 bestehenden Aufwärtstrendlinie fest. Optionsverfalltermine wie am vergangenen Freitag markieren überdurchschnittlich oft das Ende von Auf- oder Abwärtsbewegungen. Und angesichts des im Chart abgebildeten Momentum-Indikators bestehen gute Chancen, dass es nun wieder nach unten geht!

EUR/AUD: Nächster Schub wird kommen!

EUR/AUD bleibt mein Favorit. Die „Logik“ der Marktteilnehmer ist hier zwar etwas einfach gestrickt, aber eine andere haben wir nicht. Sie lautet: Steigen die Aktienkurse, muss es der Wirtschaft gut gehen, also wird die Nachfrage nach Rohstoffen steigen, was dann den Währungen rohstoffreicher Länder zugutekommt.

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Dieser Idee folgend, kam der austral. Dollar gegenüber dem Euro zuletzt etwas voran, EUR/AUD fiel also ein wenig zurück. Die technische Verfassung dieser Währungspaarung sieht aber unverändert sehr konstruktiv aus, zumal sich der Rücksetzer innerhalb einer potentiell bullishen „Flagge“ manifestiert hat. Wird das letzte Zwischenhoch überschritten, werden die Bullen zum Angriff blasen. Und je trüber die Meldungen aus der Weltwirtschaft werden, umso mehr Dynamik ist zu erwarten!

Viel Erfolg und beste Grüße

Axel Retz

About the Author:

Axel Retz ist seit über 25 Jahren als Chefredakteur von Börsenmagazinen und Börsendiensten tätig und betreibt das Portal private-profits. Konservative Anleger finden dort seit Jahren bewährte, treffsichere Strategien zur Outperformance der Märkte in Hausse- und Baissephasen. Aggressivere Trader finden alle notwendigen Tools, um mit kleinem Einsatz kurzfristige Gewinne zu erzielen. „Phasen, in denen sich keine Gewinne erzielen lassen, das sind die Seitwärtsmärkte. Aber sie sind nichts anderes als Unterbrechungen im Trendverhalten. Technische oder fundamentale Analyse? Für mich macht es die Mischung!“

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