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By 19. März 2014 Read More →

Ein Indikator als Wegweiser – die Perspektiven sind klar

Die Hausse steht vor einer ernsten Bewährungsprobe. Erste Dämme sind bereits gebrochen, doch noch bleiben die Aktienmärkte  stabil. Hier kann es aber auch ganz schnell sehr ungemütlich werden. 

Anders als Uli Hoeneß geben die Notenbanker dieser Welt immer noch den starken Max. Aber wie muss man sich eigentlich vorkommen, wenn man zur Vermeidung eines Abrutschens der Wirtschaft in die Deflation die Leitzinsen erst auf null setzt und dann (zumindest im EU-Raum) höchst fragwürdige Käufe von Staatsanleihen vornimmt und dann zusehen muss, wie die Inflationsrate entgegen aller schönen Theorie dennoch immer weiter sinkt?

1,2 Prozent beträgt sie nach den gestern veröffentlichten Daten des Statistischen Bundesamtes nun für Deutschland. „Was macht unser Leben plötzlich so billig?“ fragte gestern Bild.de. Nun, Hauptursache des rechnerischen Preisrückgangs waren tatsächlich die abbröckelnden Ölpreise (inkl. Treibstoffen). Und „Experten“ haben uns klar gemacht, dass das am milden Winter liegt. IWF und diverse Wirtschaftsforschungsinstitute warnen allerdings, dass es bald zu einem deutlichen Anstieg der Teuerungsraten kommen wird. Argument: Die boomende Wirtschaft.

Ach ja? Sicherlich: Unser Winter war so, wie er meinetwegen immer sein könnte, da ich viel mehr dem Wasserals dem Wintersport zuneige. Aber in den USA, die in Hinsicht auf den Energieverbrauch eine weitaus größere Rolle spielen, hatten und haben wir es mit dem härtesten Winter sein 1996 zu tun. Das Winter-Argument zieht also ganz und gar nicht. Und die boomende Wirtschaft?

Hierzu hatte ich Ihnen in den letzten beiden Wochen einige Charts der sgn. BRIC-Länder (Brasilien, Russland, Indien und China) gezeigt. Abgesehen einmal von Indien (s. Chart des BSE Sensex der Vorwoche), hat es sich bei den Hoffnungsträgern der Weltwirtschaft gründlich „ausgeboomt“. Insbesondere aus China hagelt es momentan regelrecht negative Wirtschaftsmeldungen.

Die Idee, dass uns die Wirtschaftsentwicklung der BRIC-Staaten nur etwas angehe, solange sie aufwärts weist, passt zwar recht gut zur gegenwärtigen Denkweise der Haussiers, falsch bleibt sie natürlich trotzdem. Volkswagen beispielsweise, ganz vorne mit dabei unter den Big Playern der weltweiten Automobilindustrie, verkauft mittlerweile über die Hälfte seiner Fahrzeuge in China. Wehe, wehe, wenn es im Reich der Mitte wirtschaftlich weiter bergab geht – zumal die Wolfsburger ja in den USA erkennbar schwächeln.

Deflationäre Tendenzen sowohl in den USA als auch in der EU, eine eindeutig schrumpfende Wirtschaft in China und vielen Ländern Süd-/Lateinamerikas sprechen stark gegen den in den Medien kursierenden und von den Wirtschaftsforschungsinstituten herumgereichten Optimismus.

Kupfer: Frühindikator par excellence

Kann ein Industriemetall wirklich als Frühindikator für die Weltwirtschaft dienen? Die Antwort mag üerraschen: Ja. Und das sogar mit einer Präzision, die Kupfer als Konjunkturindikator im englischsprachigen zu der Bezeichnung „Dr. Copper“ verholfen hat. Denn anders als etwas Blei, Aluminium, Nickel, Zink etc. weit der Kupferpreis in der Tat eine sehr hohe Korrelation zur Entwicklung der Weltwirtschaft ab.

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Und erfreulicherweise laufen seine Trendwenden denen der Aktienmärkte in der Regel ein Stückchen weit voraus. Wie gut das funktioniert, sehen Sie im Vergleichschart von MSCI Welt und Kupfer. Und Sie erkennen auch, dass sich die Kurven der beiden seit sommer/Herbst 2011 in untypischer Weise gegenläufig entwickelt haben. Das unschöne Omen des Kupferpreises hat bis jetzt aber nicht auf die Aktienmärkte ausgewirkt. Das könnte sich nun aber ändern.

Warum, das zeigt der Blick auf den Wochenchart des Kupferpreises. Denn in der abgelaufenen Woche hat Kupfer mit einem sgn. Abwärtsgap eröffnet, um dann im Wochenverlauf weiter nachzugeben und an der LME (Londoner Metallbörse) auf Wochentief aus dem Handel zu gehen. Das Ergebnis:

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Der Kupferpreis hat eine zentrale Unterstützung durchbrochen und damit eine charttechnische Formation in Form eines „absteigenden Dreiecks“ komplettiert, die grundsätzlich sehr negativ zu bewerten ist und sogar erwarten lässt, dass Kupfer auf Sicht wieder bis zu den Tiefs der Jahreswende 2008/2009 durchsacken kann.

Die Annahme, dass das an den Aktienmärkten keine Bedeutung hat, da wir es ja mit „politischen“ Verwerfungen zu tun haben, mutet recht naiv an. Denn wie Sie weiter oben gelesen haben, befindet sich die Weltwirtschaft durchaus in einer kritischen Situation (s. BRIC-Staaten). Die Krim-Argumentation mutet da eher wie ein Ablenkungsversuch an.

Der größte Belastungsfaktor ist China. Die konjunkturellen Bremsspuren dort betreffen die deutsche Wirtschaft sowohl direkt als auch indirekt. Denn vor allem wirken sie sich auf eine Vielzahl der Schwellenländer aus, die in den letzten Wochen bereits vom geplanten und ja auch schon angelaufenen Schwenk der US-Geldpolitik gebeutelt wurden.

Noch ist es zu früh, bereits die Baissefahne zu hissen und Bullen Badeverbot zu erteilen. Die Situation bewegt sich jedoch jetzt erkennbar in Richtung einer „richtigen“ Trendwende, nicht bloß einer Korrektur!

Härtetest für Optimisten

Dass dem deutschen Aktienmarkt ohne entsprechende Vorgaben der Wall Street keine wirkliche Gefahr droht, weiß jeder, der sich einmal die Mühe gemacht hat, die Charts von Dow Jones und DAX über 20 oder 30 Jahre zu vergleichen. Ausbruchsversuche (in beide Richtungen) unternimmt der DAX zwar gerne, letztlich aber bleibt es den Trends der Wall Street aber immer treu.

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Was die Stimmung der US-Anleger betrifft, herrscht nach wie vor blanker Optimismus. Die Quote der negativ gestimmten US-Börsendienste ging mit 15,10 Prozent erneut nahe ihres kürzlich markierten 26-Jahrestiefs aus dem Handel.

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Nicht minder bullish gestimmt sind auch die Anleger selbst. Denn die Nachfrage nach Krediten zum Aktienkauf erreichte in dieser Woche erneut eine neue Rekordmarke, die allerdings nur minimal über dem Allzeithoch der vergangenen Woche lag. Wie wir wissen, sind die sich in den Charts wider spiegelnden Optimismusexzesse nicht ungefährlich. Denn dreht der Markt, folgt auf unberechtigte Euphorie nur allzu oft unberechtigte Panik!

Wall Street: Weitere Abwärtsperspektive

Es zeigt sich, dass sich zuletzt auf der Umsatzseite eine eklatante Verschiebung des Volumens zu Gunsten der Bären vollzogen hat. Klar: Jedem Käufer steht immer ein Verkäufer gegenüber, der häufig zu hörende Spruch, dass es „mehr Käufer als Verkäufer“ gegeben hat (oder umgekehrt), ist daher recht dümmlich. Die Frage ist nur, ob die anziehenden Umsätze eher bei steigenden oder bei fallenden Kursen zustande kamen.

Im vorliegenden Fall ist die Sachlage klar: Die Umsätze zogen bei fallenden Kursen stark an. Das deutet aber nicht zwangsläufig auf weitere Kursverluste hin. Gerade auch an Kurstiefs kommt es ja häufig zu den sgn. Sell-offs, bei denen dann viele Anleger kapitulieren, bevor die Kurse wieder anziehen. Da sich der S&P 500 jedoch charttechnisch noch deutlich oberhalb der nächsten Unterstützung befindet, spricht aktuell vieles dafür, dass wir in der neuen Woche weiter nach unten gehen.

DAX: 8.300 möglich

Was diese Perspektive für den DAX bedeutet, zeigt der nebenstehende Wochenchart. Wie Sie wissen, pflegen sich Trendkanäle wie der des deutschen Aktienindex fortzusetzen – bis zu jenem einzigen Fall, an dem sie eben dann zu Bruch gehen.

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Charttechnisch betrachtet, darf der DAX nun bis rund 8.300 Punkte nachgeben, ohne dass es zu einem echten Trendbuch kommt. Und der zum Wochenende auf die Verkaufsseite umgesprungene Trendindikator meines „Kapitalschutz-Briefs“ (www.kapitalschutz-brief.de) deutet an, dass diese Kurszielvorgabe auch weitaus wahrscheinlicher ist als eine Wiederaufnahme des Aufwärtstrends. In meinem Börsendienst „private profits“ (www.private-profits.de) bin ich aktuell an drei aufeinander folgenden Tagen erst in einen Put auf den DAX, dann den MDAX und zuletzt den TecDAX eingestiegen. Und die Positionen wurden alle durch enge Stopps abgesichert. So geht Börse. Wie sie auch noch gehen kann, dazu jetzt.

ZUSAMMENFASSUNG

Die abgelaufene Woche hat die Perspektiven der Aktienmärkte deutlich verdunkelt, auch wenn die Trends bei Dow Jones und DAX unverändert intakt bleiben. Insbesondere das neue und starke Verkaufssignal bei Kupfer unterstreicht, dass hier nun „Größeres“ in der Pipeline sein könnte. Chinas Wirtschaft scheint einzubrechen. Und die „Krimkrise“ dürfte so gut wie sicher die von mir erwartete „Sanktionsspirale“ in Gang setzen, bei der es nur Verlierer geben wird. Wer long ist, sollte die Aufwärtstrendlinien im Auge behalten. Und wer (mit mir) short ist, die Stopps für seine Puts beachten. Aber dafür gibt es ja die tgl. Updates.

Viel Erfolg und beste Grüße!

Axel Retz

About the Author:

Axel Retz ist seit über 25 Jahren als Chefredakteur von Börsenmagazinen und Börsendiensten tätig und betreibt das Portal private-profits. Konservative Anleger finden dort seit Jahren bewährte, treffsichere Strategien zur Outperformance der Märkte in Hausse- und Baissephasen. Aggressivere Trader finden alle notwendigen Tools, um mit kleinem Einsatz kurzfristige Gewinne zu erzielen. „Phasen, in denen sich keine Gewinne erzielen lassen, das sind die Seitwärtsmärkte. Aber sie sind nichts anderes als Unterbrechungen im Trendverhalten. Technische oder fundamentale Analyse? Für mich macht es die Mischung!“

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