Ein Blick in die Depots der heimischen Privatanleger

Themen des Tages: Aktien fallen in Ungnade  +++ Put-Papiere sind gefragt +++ Marktbreite verschlechtert sich +++

 

 

 

„Sell in May and go away“? Nach der famosen Rally von mehr als 1000 Punkten und den dicken Dividendenzahlungen verabschiedeten sich offenbar viele Privatanleger im Mai von der Börse und realisierten Buchgewinne. Der comdirect Brokerage Index zeigt deutlich, dass im Vormonat die Verkaufsbereitschaft überwog. „Offenbar haben viele Anleger Respekt vor der rasanten Bergfahrt bekommen und vorsichtshalber lieber Kasse gemacht“, sagt Stefan Wolf, Produktmanager Trading bei comdirect. Für die Berechnung des Indexes werden die Wertpapierkäufe den -verkäufen der rund 800.000 Depotkunden der comdirect bank AG gegenübergestellt und mit dem langjährigen Durchschnitt verglichen. Orders institutioneller Kunden fließen nicht in die Auswertung ein.

Besonders die Engagements in Aktien gingen im Monatsvergleich deutlich zurück, der Teilindex sackte um mehr als 30 Punkte auf 93,4 Zähler ab. Überdurchschnittlich hohe Umsätze verzeichnet nach wie vor die Commerzbank-Aktie, deren Titel die Liste der Top-Fünf-Käufe anführt. Auf großes Interesse stieß vor allem die Kapitalerhöhung. Dahinter folgen eher dividendenstarke Papiere wie E.ON, Telekom aber auch die Deutsche Bank. Bei den ausländischen Werten bewiesen viele Anleger bei Fannie Mae ein gutes Händchen. Anfang Mai noch zu 0,60 Euro gehandelt, schoss die Aktie dank guter Quartalszahlen auf bis zu vier Euro und stürzte wieder auf 1,50 Euro.

Ähnlich skeptisch zeigten sich auch die Insider in den Vorstandsetagen der börsennotierten Konzerne. Daten zufolge verkauften die Manager im Mai Papiere im Volumen von 24 Mio. Euro, während die Käufe nur sechs Mio. Euro ausmachten.

Die Anlageklasse der Zertifikate und Optionsscheine blieb hingegen gefragt, wobei Puts oder Bear-Produkte von Privaten verstärkt gekauft wurden. Im Anleihesegment erfreuten sich die Papiere von SAP, Deutscher Post, Alcatel sowie zwei Griechenland-Bonds großer Beliebtheit.

 

 

Zum heutigen Handelstag:

Machen Nachrichten Kurse oder umgekehrt? Aktuell kann man das nicht so genau sagen. Zumindest am vergangenen Freitag wurde an den Aktienmärkten der US-Arbeitsmarktbericht noch gefeiert. Die Symbiose mit der Aussicht auf weiterhin frisches Geld durch die Fed bei gleichzeitig moderatem Wirtschaftswachstum beflügelte die Kurse. Inzwischen scheint sich das Blatt erneut gewendet zu haben. Denn an den Märkten dominiert die Angst vor weiter steigenden Renditen am Anleihemarkt kombiniert mit der Befürchtung, dass die Fed bereits in der kommenden Woche eine Drosselung ihrer Anleihekäufe verkünden könnte.

An der richtungsweisenden Wall Street zogen sich  zumindest auch gestern die Investoren erneut zurück. Die zaghafte Erholung zur Handelsmitte wurde später komplett verkauft, von den 30 Dow Werten schafften lediglich drei Werte den Sprung in die Gewinnzone. Defensive Papiere wie Pfizer und Procter & Gamble hielten sich recht gut und zeigen deutlich, dass Risiko derzeit nicht gespielt wird. Auch die Marktbreite deutet klar abwärts. 721 Gewinnern standen 3184 Verlierer gegenüber, dass Abwärtsvolumen lag bei 78 Prozent. Auch die technische Verfassung leidet unter dem Kapitalabfluss. Zu Wochenbeginn notierten noch rund 52 Prozent der rund 4000 US-Werte der NYSE, NASDAQ und Amex über ihrem 20-Tage-Durchschnitt, gestern sank der Wert auf 39 Prozent.

Von der Konjunkturseite werden heute kaum wichtige Daten erwartet. In Europa stehen Zahlen zur Industrieproduktion auf der Agenda, später kommt der Ölmarktbericht aus den USA.

 


Zur Verfügung gestellt von: Forexpros dem Aktien Portal

 

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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