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By 18. Mai 2015 Read More →

Edelmetalle: Wenn, dann Aktien!

Warum Mario Draghi immer häufiger die Erfolge seiner Geldpolitik zu sehen glaubt, ist unbekannt. Und warum so viele das sogar gemeinsam mit ihm zu sehen glaubten, ebenfalls. Die Anzahl derer, die mittlerweile sehen, dass sie nichts sehen, ist in den letzten Wochen aber sprunghaft gewachsen. Kein Wunder.

Die Renditen deutscher Staatsanleihen sind zuletzt regelrecht explodiert und notieren nun deutlich oberhalb des Niveaus, bei dem die EZB mit ihren umstrittenen Anleihekäufen begonnen hatte. Und am Mittwoch gab das Statistische Bundesamt bekannt, dass das Bruttoinlandsprodukt, das im vierten Quartal noch um 0,7 Prozent zugelegt hatte, in den ersten drei Monaten nur noch um 0,3 Prozent gewachsen ist.

Womit ich daran erinnern darf, dass ich mich kürzlich über die nach oben korrigierten Wachstumserwartungen der Bundesregierung und der sgn. Wirtschaftsweisen belustigt gezeigt hatte. Da der Euro zudem gegenüber dem US-Dollar seit seinem Märztief um über neun Cent Boden gut gemacht hat, was den europäischen Exporten gar nicht gut bekommt, wird die Frage nach dem angeblichen Erfolg der EZB-Politik immer unabweisbarer. Die Crux:

Die Masse der Anleger, die viel zu lange nur das glaubte, was sie glauben wollte und in Mario Draghi so etwas wie den persönlichen Geldboten für ihr Depot gesehen hatten, wird nun auf einmal mit ganz anderen als den erwarteten Ergebnissen konfrontiert. Die Wirtschaft bremst, die Zinsen steigen statt zu fallen. Und der Euro ebenfalls. Das Gegenteil dessen, was „Super-Mario“ im Blick gehabt haben dürfte.

Bis jetzt wurde weder im DAX noch am deutschen Rentenmarkt richtig Porzellan zerschlagen. Der deutsche Aktienindex bewegt sich auf einem geradezu irrwitzigen Niveau. Und die Zinsen entsprechen nach wie vor dem historischen Treppenwitz, die sie von der EZB herunter geschubst wurden. Diese bisher noch recht moderate Marktreaktion könnte sich jedoch dynamisieren. Werden die Anleger erst einmal gewahr, dass die EZB mit den letztlich von den Steuerzahlern zu berappenden Dampfblasen und Strohfeuern nachgerade rein gar nichts erreicht hat, kann die bisherige Euphorie allerdings auch rasch in ihr Gegenteil umschlagen.

Griechenland: Wunder gibt es immer wieder

Während also Mario Draghi das offenkundige Problem hat, nicht Vorhandenes zu sehen, leidet die Masse der Marktbeobachter unter dem genau entgegengesetzten Phänomen: Sie sehen etwas nicht, das doch geradezu vor ihnen auf dem Präsentierteller liegt. Wie beispielsweise das griechische Zeitwunder. Vielleicht ist es ja auch Ihnen noch nicht aufgefallen: In Athen sind die Uhren stehengeblieben! Denn nun schon seit Monaten ist und bleibt es ständig fünf Minuten vor Zwölf. Das Land steht permanent am Rande des finanziellen Zusammenbruchs, kann aber wie von Geisterhand dann plötzlich doch wieder einige Milliarden aus dem Hut zaubern. Und das funktioniert ausgerechnet durch das Anzapfen der Geldgeber, die dem Land im nicht enden wollenden Verhandlungsstreit angeblich neue Kredite nur unter strengen Auflagen gewähren wollen:

Um einen fälligen Kredit in Höhe von gut 750 Millionen Euro an den IWF zurück zu zahlen, bediente sich Athen mit 650 Millionen Euro über die sgn. Sonderziehungsrechte aus den Geldtöpfen eben dieses IWF. Und gar nicht viel anders handhabt man es auch mit der EZB, wobei die Grenze des Erlaubten zwar überschritten wird, alle Beteiligten aber so tun, als ob ihnen das nicht auffiele. Mit einer Ausnahme:

Bundesbankpräsident Weidmann kritisierte die Notkredite (ELA) der EZB an Griechenland und rückte sie erneut in die Nähe einer verbotenen Staatsfinanzierung: http://www.handelsblatt.com/politik/international/ bundesbank-chef-weidmann-ermahnt-europas-politik/11778154.html. Der Witz bei der Sache: Die ELA-Notfaszilität ist kein Geld, dass von Frankfurt nach Athen fließt und von der EZB zuvor freigegeben werden muss. Das fresh money wird vielmehr von der griechischen Notenbank selbst „geschöpft“, und dieser Vorgang wird dann der EZB gemeldet. D. h.:

Während den europäischen Steuerzahlern ständig das fünf vor Zwölf-Szenario und die Entschlossenheit der Troika vorgespielt wird, lassen es diese Institutionen stillschweigend zu, dass Griechenland sie über Umwege zur Ader lässt. Auf Kosten – natürlich – der Steuerzahler.

Allein der Umstand, dass das funktioniert, zeigt, welch eklatante Fehlerstrukturen in den Euro eingebaut wurden. Und statt sie zu korrigieren, schweigt man sie zu Tode. Wohl wissend, dass der Tag des Offenbarungseids für diese Umbuchungstricks kommen wird. Aber auch wissend, dass es den Bürgern dann einiges zu erklären geben wird.

Wall Street: Aufschwung

Wer diesen Newsletter schon ein wenig länger liest, der weiß auch, dass es den tollen Aufschwung, den die USA verkündet haben und der hierzulande von fast wirklich allen Medien nachgebetet wurde, nie gegeben hat. Und ja: Ich bin schon ein wenig stolz darauf, schon so lange darauf hingewiesen zu haben, dass die FED ihre Zinsanhebung nie und nimmer werde umsetzen können. Allein auf weiter Flur.

Nun kommen auch ein paar Fakten herein. Für 2015 hatten die Wall Street-Propheten ein Wachstum der US-Wirtschaft um 3,5 Prozent signalisiert. Aktuell wurde diese Euphorie auf nur noch 0,1 Prozent eingedampft. Warum?

Zur wie immer (ich bemühe mich) einfachen Erklärung: Was die Ausweitung der Geldmenge bedeutet, ist klar: Die Notenbank pumpt mehr Geld in den Wirtschaftskreislauf. Maßgeblich für die Konjunktur ist jedoch, in welchem Tempo dieses neue Geld in Investitionen etc. einfließt. Geld, das bei den Banken landet und von dort aus nicht den Weg in die Wirtschaft findet, hübscht zwar deren Bilanzen auf, gelangt aber nicht in den Wirtschaftskreislauf.

Sieht man sich diesen Chart an, kann es einem schon etwas schwindelig werden. Die Explosion der Geldmenge und das gleichzeitige Kollabieren der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes ist nichts anderes als der Beweis der Versagens der Notenbankpolitik des „billigen Geldes“.

Gerade auch „Super-Mario“ sollte sich die Entwicklung einmal anschauen. Bis an den Rand des Möglichen geöffnete Geldschleusen, für die es mangels entsprechender politischer Weichenstellungen keine Nachfrage gibt, sind ein Selbstläufer in den Untergang. Kredite werden Unternehmen nur aufnehmen, wenn sie mit steigender Nachfrage rechnen können. Eine weltweite Politik der „Wettbewerbsfähigkeit“, d. h. niedrigerer Kaufkraft, führen zu dieser Entwicklung. Klug aus der Wäsche zu schauen hilft da nicht.

Kupfer: Mein Favorit

Ja ja, ich gebe es ja zu. Neben meinen Gedanken zum Geschehen mag ich auch Charts. Letztlich stelle ich sie sogar immer über meine eigenen Überlegungen.

Denn es hilft rein gar nichts, die Dinge so zu sehen, wie sie sind, solange die Masse anderen „Argumenten“ vertraut. Nicht die Klugen sind heute am Markt die, die den Takt vorgeben. Es sind die Computer.

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Und die werden gefüttert von Leuten, die Mathematik und Informatik studiert haben und die Banken schon in den letzten Jahrzehnten nahe ihrer Zusammenbrüche geführt haben. Kupfer haben die Damen und Herren aber nie auf dem Schirm gehabt, soweit ich weiß. Wir hier aber schon. Und deswegen aktualisieren wir den Chart hier. Für 50 Prozent Gewinn war uns der Kupfer-Short beim letzten Trade für meinen Börsendienst www.secretz-online.de gut.

Charttechnisch bleibt hier alles beim alten: Wir warten auf den Knack der Aufwärtsflagge nach unten. Wonach es dann wieder richtig zur Sache gehen dürfte.

Silber in der Warteschleife

Die Zuspitzung der Lage am Anleihemarkt mündet natürlich wie immer in die Frage nach Alternativen ein. Edelmetalle. Wie hier bereits von mir bereits mehrfach thematisiert, steht hier immer das staatliche Verbot des privaten Edelmetallbesitzes im Raum. Ich halte so etwas für realistisch. Entkommen lässt sich dem nur mit dem Besitz von Edelmetallaktien.

Silber sieht charttechnisch derzeit „neutral“ aus. Das Edelmetall ist allerdings weitaus reagibler auf Kursauschläge als Gold. Eines sollte klar sein (von mir ja wiederholt dargestellt): Aktien auf die Edelmetalle sind allemal die bessere Wahl im Vergleich zu irgendwelchen physichen Positionen. Denn der physische Besitz von Edelmetallen wäre, wenn es denn hart auf hart kommt, nicht zum ersten Mal verboten worden.

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Mehr dazu im www.secretz.online.de.

Viel Erfolg und beste Grüße!

Axel Retz

 

 

 

 

 

 

 

About the Author:

Axel Retz ist seit über 25 Jahren als Chefredakteur von Börsenmagazinen und Börsendiensten tätig und betreibt das Portal private-profits. Konservative Anleger finden dort seit Jahren bewährte, treffsichere Strategien zur Outperformance der Märkte in Hausse- und Baissephasen. Aggressivere Trader finden alle notwendigen Tools, um mit kleinem Einsatz kurzfristige Gewinne zu erzielen. „Phasen, in denen sich keine Gewinne erzielen lassen, das sind die Seitwärtsmärkte. Aber sie sind nichts anderes als Unterbrechungen im Trendverhalten. Technische oder fundamentale Analyse? Für mich macht es die Mischung!“

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