By 9. Oktober 2013 Read More →

E.ON – Wichtige Phase steht bevor

Ungewohntes Bild bei den jüngsten Favoriten im DAX: Seit zwei Tagen sind die Sorgenkinder RWE und E.ON ganz oben zu finden. Charttechnisch ist die Ausgangslage für E.ON auf den ersten Blick eigentlich eindeutig. Kursziele und Anlageideen.

 

Ein positiver Analystenkommentar sowie neue Hoffnungen auf Änderungen des deutschen Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) bildeten am Montag den Mix für einen kräftigen Kurssprung bei E.ON und RWE. Benjamin Leyre, Experte bei der französischen Investmentbank, änderte seine Einstufung für die Düsseldorfer von „neutral“ auf „outperform“ und passte das Kursziel von 13 auf 16 Euro an. Die Aktie kletterte zeitweise um knapp vier Prozent und stemmte sich beeindruckend gegen die allgemeine Marktschwäche. Als Begründung verwies Leyre auf die laufende Klage gegen den Atomausstieg. Der Streitwert beläuft auf rund die Hälfte der aktuellen Marktkapitalisierung von E.ON (27 Mrd. Euro), mit einer Entscheidung ist im kommenden Jahr zu rechnen. E.ON beziffert den eigenen Schaden aus der Energiewende auf rund acht Mrd. Euro und spricht von einer unzulässigen Enteignung. Nach Einschätzung von Leyre sind die Chancen auf ein Urteil zu Gunsten des Konzerns recht gut. Dennoch, bei nüchterner Betrachtung bleibt festzuhalten, dass die aus der Klage resultierende Kursfantasie bereits seit Monaten eingepreist sein sollte. Erst wenn ein endgültiges Urteil vorliegt, haben wir Fakten.

Zudem keimte Hoffnung auf, dass es zu Anpassungen beim umstrittenen Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) kommen könnte. Nach Meinung von EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia sowie EU-Energiekommissar Günther Oettingerist ist die bisherige Förderpraxis nicht mit dem europäischen Recht vereinbar. Das EEG regelt die Einspeisevergütung für Wind- und Solarstrom, die über 20 Jahre garantiert werden. E.ON und auch RWE leiden als Anbieter von Strom aus fossilen Energieträgern wie Kohle oder Gas erheblich unter dem Gesetz. Ob und wenn ja wann die EEG-Vorgaben durch EU-Recht gelockert oder sogar ganz aufgehoben werden, ist derzeit völlig offen.

 

Der Kursverlauf der vergangenen Jahre spricht hingegen eine deutliche Sprache. Im Chart sehen Sie die Entwicklung von DAX (rot), RWE (grün) und E.ON (blau). Bis Anfang 2010 lässt sich ein Gleichlauf konstatieren, ab dem Frühjahr entwickelte sich der breite Markt deutlich besser. Der DAX steht derzeit rund acht Prozent über dem Niveau von Anfang 2008, E.ON und RWE gut 70 Prozent tiefer. Nur die Commerzbank dürfte über die betrachtete Zeitperiode deutlich schlechter abgeschnitten haben.

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E.ON vs. RWE

Schauen wir uns den Vergleich von E.ON gegen RWE an.  Abgetragen sehen Sie die relative Performance bei beiden Aktien seit Anfang 2008. Steigt die Linie an, entwickelte sich E.ON besser als RWE, unterhalb der Nulllinie trumpften die Essener auf. Wirklich starke Trendphasen mit einer Outperformance lassen sich – bei gleich schlechten Rahmenbedingungen – kaum ausmachen. Lediglich zwischen Sommer 2010 bis Ende 2011 lief es für E.ON besser, wobei klar festgehalten werden muss, dass die E.ON-Aktie nur weniger stark unter die Räder kam als RWE. Beide Aktien verzeichneten deutliche Kursverluste. Seit einigen Wochen gewinnt RWE in der Gunst der Investoren, die Linie geht dynamisch nach unten.

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Chartanalyse – langfristig

Im Kursverlauf mit Monatskerzen zeigt E.ON seit 2003 einen Tannenbaum-Chart. Ausgehend von zwölf Euro kletterte die Notierung auf bis zu 50 Euro, danach ging es erneut abwärts bis auf das Startniveau. Exakt auf Höhe des 2003er-Tiefs scheint die Aktie nun einen Boden auszubilden. Beachten Sie die ausgebildeten Kerzen in den vergangenen Monaten. Im Juni wurde der Rücksetzer bis an die 12er-Marke noch zurückgekauft, einen Monat später bildete sich sogar ein Hammer aus. Eine Bestätigung mit einer weißen Kerze blieb im August allerdings aus, auch das maue Handelsvolumen lieferte bereits einen Hinweis, dass der Kurs noch einmal tiefer fallen würde. Wichtig ist vor allem die lange weiße Kerze im September, deren Körper vollständig die schwarze August-Kerze umschließt. Ein schönes Beispiel für einen Bullish Engulfing Pattern, zumal auch die Umsatzentwicklung stimmt. In der knapp 1500 Seiten leichten „Enzyklopädie der Candle-Sticks“ hebt Analyst Bulkowski vor allem die Bedeutung einer steigenden Volumenentwicklung bei dieser Kerzenkombination hervor. Im Oktober kam es bisher zu Anschlusskäufen, wobei der Kurs noch nicht das Monatshoch aus dem September knackte. Dennoch bleibt als Zwischenfazit festzuhalten, dass der langfristige Chart belastbare Indizes enthält, die zumindest eine Bodenbildung erwarten lassen. Der übergeordnete Trend weist aber nach wie vor abwärts.

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Chartanalyse – kurzfristig

Im Zeithorizont auf Tagesbasis wird der Bodenbildungsversuch über die Sommermonate deutlich, sowie der starke Kursanstieg im September. Die anschließende Korrektur bestätigte den wichtigen Kumulationspunkt bei 13 Euro. Auf diesem Niveau verlaufen die 200-Tage-Linie, eine horizontale Unterstützung sowie das 38,2 Prozent Fibonacci-Niveau der Aufwärtsbewegung.

Der noch sehr kurzfristige Kaufimpuls bleibt intakt, solange die Aktie über 13 Euro gehandelt wird. Neue Kursfantasie aus technischer Sicht eröffnet sich aber erst, wenn auch das September-Hoch um 13,90 Euro aus dem Markt genommen wird und die Aktie auf den höchsten Stand seit Mai steigen sollte. Im positiven Fall wäre mit Anschlussgewinnen bis an das Jahreshoch bei knapp 15 Euro zu rechnen. Kurzfristig liegt das Potenzial somit bei rund acht Prozent. Wirklich spannend wird es aber erst oberhalb von 15 Euro, denn die Markttiefe fällt deutlich ab und eröffnet die Möglichkeit einer dynamischen Erholung. Im Blickpunkt steht eine Abwärtslücke bei 15,50 bis 16,50 Euro, die im Herbst mit dem seit 2010 bestehenden Abwärtstrend zusammenfällt. Eine durchaus explosive Mischung, die bei einer bullischen Entwicklung für 2014 viel Kursfantasie bis 20 Euro aufkommen lässt.

Scheitert hingegen der Ausbruch  über 14 Euro, dürfte das Kaufinteresse recht schnell nachlassen. Die Folge wäre eine Seitwärtsbewegung, wobei ein Rücksetzer unter 12,50 Euro vermieden werden sollte. Andernfalls wäre auch das bullische Setup aus der Monatsentwicklung negiert. Unterhalb von zwölf Euro dominieren natürlich die Bären, nächstes Kursziel wäre das 2003er-Tief bei 11,36 Euro.

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Anlagealternativen

Langfristig bietet die Aktie aktuell eine interessante Einstiegsgelegenheit, denn die Position kann recht eng bei rund 11,20 Euro abgesichert werden. Kurzfristig sollte für ein Direktinvestment (oder einen gehebelten Einstieg über Knock Outs / Call-Optionsscheine) mindestens ein Tagesschluss über 15 Euro abgewartet werden.

Alternativ bieten sich Papiere an, mit denen auf eine Seitwärtsbewegung bzw. moderaten Kursanstieg Geld verdient werden kann. Hier offerieren  vor allem Capped-Optionsscheine oder für Anleger, die weniger Risiko eingehen möchten, Discount-Zertifikate, gute Optionen. Bei den Capped-Papieren bietet die WKN BP2GGQ eine Maximalrendite von 19 Prozent oder 27 Prozent p.a., wenn die E.ON-Aktie zum Bewertungstag am 20. Juni 2014 auf oder über zwölf Euro notiert. Der Break-Even, also die Gewinnschwelle, liegt aktuell bei 11,68 Euro und somit knapp über den bisherigen Jahrestiefs. Dennoch darf das Risiko nicht ganz vergessen werden. Sollte E.ON im Sommer nächsten Jahres unter zehn Euro notieren, verfällt das Papier wertlos. Mit der Aktie erzielen Anleger eine bessere Performance, wenn der Kurs über 16,70 Euro steigen sollte – Dividende unberücksichtigt.

Wesentlich defensiver ist ein Discount-Papier mit einem Cap bei zwölf Euro und Laufzeit bis Mitte August 2014 (WKN: GT5N4H). Anleger steigen mit einem Abschlag von 19 Prozent ein, die E.ON-Aktie könnte sogar zur Fälligkeit knapp unter das 2003er-Tief fallen, ohne dass ein Verlust entsteht. Im Gegenzug ist die Maximalrendite auf 5,6 Prozent bzw. 6,6 Prozent p.a. begrenzt.

 

Bildquelle: E.ON AG

 

Posted in: Aktien, Deutschland

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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