By 30. Januar 2013 Read More →

E.ON – Chart des Grauens mit Chancen

Konzernchef Johannes Teyssen muss heute Farbe bekennen und Investoren die kurz- bis
mittelfristigen Aussichten präsentieren. Wer gute Nerven hat, kann den tiefen
Kurs für einen antizyklischen Einstieg nutzen, oder auf eine Alternative setzen.

 

Tag der Wahrheit für E.ON? Konkrete Aussagen für die weitere Entwicklung bis 2015 werden aus Düsseldorf heute um 15 Uhr wohl kaum zu hören sein. Analysten rechnen wegen der nach wie vor hohen Unsicherheit in der Versorgerbranche mit  schwachen und unkonkreten Aussagen. Zuletzt sprach Unternehmenslenker Teyssen wegen des Verdrängungseffekts durch den verstärkten Einsatz von erneuerbaren Energien sogar von einer „dramatischen Lage“ bei den Gaskraftwerken in Deutschland und legte auf der Handelsblatt-Jahrestagung „Energiewirtschaft 2013“ in Berlin auch gleich nach: „Die Politik muss klar sehen, dass sich hier ein Risiko bei der Versorgungssicherheit zusammenbraut“. Markige Worte, und auch das Thema CO2-Verschmutzungsrechte wurde natürlich nicht ausgespart.

 

 

RWE gegen E.ON

Kein Wunder, denn mit dem Preisverfall im EU-Handel bestehen hierzulande kaum noch Anreize für mehr Klimaschutz. Klimaschädliche Kohlekraftwerke wie die vom Konkurrenten RWE sind somit wieder deutlich attraktiver geworden, während Gaskraftwerke mit Blick auf die Rentabilität leiden. „Wenn eine umfassende Reparatur des Emissionshandels jetzt nicht gelingt, halte ich einen CO2-Mindestpreis im Rahmen des Emissionshandels oder eine CO2-Steuer für erwägenswert“, sagte Teyssen. RWE lehnt eine Reform ab.

Neben dem mittelfristigen Ausblick werden auch Eckdaten für 2012 erwartet. Analysten rechnen im Durchschnitt mit einem Zuwachs beim operativen Gewinn 16,5 Prozent auf 10,83 Mrd. Euro. Der für die Dividende entscheidende nachhaltige Nettogewinn könnte sogar um 72 Prozent auf 4,3 Milliarden Euro steigen, wenn die Auguren Recht behalten. Die Dividende je Aktie wird bei rund 1,06 Euro erwartet. In den kommenden Jahren müssen sich Aktionäre aber wohl mit deutlich weniger zufriedengeben. Für 2013 liegen die Konsensschätzungen aktuell bei 0,86 Euro, im Jahr 2014 könnten 0,89 Euro überwiesen werden.

 

=> Update: Inzwischen liegen die vorläufigen Daten auf dem Tisch, Überraschungen blieben aber aus. Dies zeigt sich auch im Kursverlauf. Kurzzeitig stürmte die E.ON-Aktie mit Zuwächsen von 4% an die DAX-Spitze, inzwischen notiert der Wert aber wieder mit leichten Abschlägen. Das Ebitda klettert demanch um 16% auf 10,8 Mrd. Euro, der für die Dividende entscheidende nachhaltige Nettogewinn legte von 2,5 Mrd. auf 4,3 Mrd. Euro zu. Mit Blick auf die Dividende können Anleger für 2012 mit 1,10 Euro pro Aktie rechnen. Im laufenden Jahr peilt Teyssen einen Ebitda-Rückgang auf 9,2 – 9,8 Mrd. Euro an, der nachhaltige Nettogewinn soll bei 2,2 – 2,6 Mrd. Euro liegen.  

 

Die Analysteneinschätzungen der vergangenen zehn Tage fallen durchwachsen aus. Zwei Kaufempfehlungen mit Kursziel 21 / 21,50 Euro durch Ahorro und AlphaValue stehen negativen Einschätzungen durch die Commerzbank, RBS und JPMorgan gegenüber. Die bearischen Kursziele liegen bei elf bis 13 Euro. Unter dem Strich errechnet sich ein durchschnittlicher fairer Wert aus den Studien von rund 14,30 Euro.

 

Kursverlauf des Grauens

Kommen wir zum charttechnischen Teil . Die E.ON-Aktie, lange als Basisinvestment tituliert,  bereitet seit mehreren Jahren keine Freude. Im Chart habe ich die Kursentwicklung des „Energiewertes“ dem DAX gegenübergestellt und die relative Performance gemessen. Im Jahr 2004 zeigte E.ON eine deutliche Outperformance und auch während der Spätphase der langen Rally von 2003 bis 2007 entwickelte sich der Dividendenwert besser. Während der DAX auch Ende 2007 kein neues Top mehr erreichte, kletterte E.ON zum Jahreswechsel auf ein Rekordhoch. Seitdem geht es aber deutlich abwärts, was sowohl die reine Kursentwicklung betrifft als auch die relative Performance gegenüber dem DAX. In den vergangenen drei Jahren verschärfte sich diese Tendenz. Traurig aber wahr: Die Kursverläufe erscheinen fast wie ein Spiegelbild: Während der DAX die Rekordstände anläuft, droht E.ON auf neue Tiefs zu fallen.

Tradesignal Online. Tradesignal® ist eine eingetragene Marke der Tradesignal GmbH. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.

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Seit Jahresbeginn ging es bereits um sieben Prozent abwärts. Vor wenigen Tagen rutschte die Aktie unter das Jahrestief aus 2012 und lieferte ein Verkaufssignal, das zu weiteren Abgaben bis auf 13 Euro führte.

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Die Lage wird nun sehr kritisch – bietet aber auch Chancen, wie der Langfristkursverlauf auf Wochenbasis zeigt. Denn im Bereich um 13,40 Euro bis 14 Euro liegt eine wichtige horizontale Unterstützungszone, die bis 1998 zurückverfolg werden kann. Leider lässt sich die Unterseite nach dem Fehlausbruch im Jahr 2011 nur unscharf definieren. Trotz des deutlich überverkauften Niveaus ist ein antizyklischer Einstieg somit recht risikoreich. Ein möglicher Stoppkurs bietet sich per Tagesschluss bei rund 12,40 Euro, was einem Risiko pro Aktie von rund einem Euro oder sieben Prozent entspricht. Mögliche Kursziele liegen bei 14 Euro (deutlicher Volumenanstieg) sowie 14,50 Euro. Hier hätte die Aktie auch wieder 23,6 Prozent der laufenden Abwärtsbewegung nach oben kompensiert. Gelingt auch der Sprung über 14,50 Euro, könnte es wegen des dünnen Handelsvolumens bis 16,50 Euro zu einer lukrativen Rally kommen.

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Eine mögliche Alternative stellen Discount-Calls dar. So offeriert die BNP ein Papier (WKN: BP6 JSV) mit einem Cap bei 12 Euro. Sollte die Aktie Mitte Juni 2013 auf oder über dieser Marke notieren, erzielen Anleger eine Seitwärtsrendite von 37 Prozent oder 92 Prozent p.a. Der Abstand bis zum Cap beträgt derzeit 1,26 Euro oder 9,5 Prozent.

Posted in: Aktien

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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