Woche der Entscheidung?

Von wegen ruhige Sommerzeit an den Börsen. In den kommenden Tagen könnten die Weichen für die mittelfristige Tendenz an den Aktienmärkten gestellt werden. Nicht nur die geopolitischen Ereignisse stehen im Fokus. Zahlreiche Termine und die Berichtssaison könnten starke Kursreaktionen hervorrufen.

 

Nach drei Gewinntagen in Serie beendete der DAX am Freitag den Handel mit dem größten prozentualen Tagesverlust seit April (minus 1,53 Prozent). Auch auf Wochensicht ging es bergab, die Blue Chips fielen um 0,78 Prozent. In den USA schloss der Dow Jones erstmals seit elf Freitagen wieder mit Verlusten, während „sichere Häfen“ wie die 30jährigen US-Anleihen auf neue Jahrestiefs fielen. An der NYSE lag das Abwärtsvolumen bei 66 Prozent, Richtung Norden strömte rund 33 Prozent des Geldes. Ähnlich auch das Verhältnis der Aktien mit Kursverlusten und -Gewinnen (64 zu 33 Prozent). Noch aber zehren viele Werte von den jüngsten Aufschlägen, denn 78 Papiere erzielten neue Hochs, 39 neue Tiefpunkte.

Während es heute konjunkturseitig ruhig bleibt, wirft allmählich die Fed-Sitzung am Mittwoch ihre Schatten voraus. Generell wird eine Fortsetzung der Ende 2013 begonnenen Rückführung der Anleihekäufe um weitere 10 Mrd. auf dann monatlich 25 Mrd. Dollar erwartet. Im Oktober dürfte schließlich ein Ende des QE-Programms beschlossen werden. Zuvor könnten bereits die Q2-BIP-Daten am Mittwochnachmittag eine wichtige Orientierung liefern, wie stark sich die US-Wirtschaft nach dem unerwartet schwachen Q1 erholt hat. Sollten die Prognosen übertroffen werden, könnten Spekulationen über eine frühere Zinserhöhung in den USA erneut aufkommen. Am Freitag steht schließlich der US-Arbeitsmarktbericht in der Agenda, auch hier deuten die zuletzt gesunkenen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe auf eine gute Verfassung des Arbeitsmarktes.

DAX: Stunden- und Tagesanalyse

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Trotz der deutlichen Verluste am vergangenen Freitag besteht unverändert die Chance auf eine Bodenbildung, die Bullen können das Schlimmste noch verhindern. Gerade zum Wochenauftakt wird es nun aber sehr spannend. Der DAX wird vorbörslich etwas höher bei rund 9670 erwartet, der Markt steht somit knapp über dem kritischen Bereich um 9600.

Auch die Nervosität nimmt spürbar zu. Dazu reicht allein schon ein Blick auf die jüngsten Tageskerzen, die im Vergleich zu den Veränderungsraten vor rund vier Wochen deutlich größer ausfallen. Beobachten Sie auch den VDAX-New als Barometer für die Risikoeinschätzung der Akteure. Auch hier deuten die Signale eher auf unruhige Börsenzeiten. Zu Monatsbeginn lag der Tiefpunkt bei 12 Punkten, Mitte des Monats bildete der Index mit 13,70 Punkten einen höheren Umkehrpunkt aus, Ende vergangener Woche drehte die Kerze bei rund 14,20 Euro (Chart).

Die Ausgangslage bleibt angespannt, besonders Richtung Süden gilt es einige wichtige Marken im Hinterkopf zu behalten. Die Unterseite des langfristigen Aufwärtskanals, eine horizontale Marke, dass 38,2 Prozent Fibonacci-Niveau und die südliche Begrenzung eines kurzfristigen Abwärtskanals verlaufen im Bereich um 9500 bis 9600. Somit erscheint das Risiko auf der Südseite eher gering, Schnäppchenjäger könnten die Chance nutzen und zumindest kurzfristig eine Stabilisierung einleiten. Zielbereiche einer möglichen Erholung liegen um 9800 (21-Tage-Linie). Gewinne darüber hinaus sind derzeit nicht zu erwarten, der kurzfristige Trend ist abwärts geneigt.

Fällt der DAX hingegen unter 9500, spitzt sich die Lage zu. Eine letzte Haltemarke stellt dann die 200-Tage-Linie bei 9470 dar, hier hätte der DAX zugleich rund die Hälfte seiner vorherigen Aufwärtsbewegung wieder korrigiert. Bei noch größeren Verlusten dreht der mittelfristige Trend von aufwärts auf seitwärts.

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Wochenanalyse:

MACD mit gefährlicher Divergenz

Mittel- bis langfristig betrachtet ist die Rally trotz der seit gut sieben Monaten laufenden Konsolidierung weiterhin als intakt zu bezeichnen. Richtungsweisend ist ein seit Sommer 2012 bestehender Aufwärtskanal, dessen Extremzonen mehrfach bestätigt wurden und somit über eine gewisse Relevanz verfügen. Während zum Jahreswechsel verstärkt die Oberseite im Fokus stand, steht seit März die untere Begrenzung der Range im Mittelpunkt. Bisher nutzten die Käufer jeden Rücksetzer zum Einstieg, ein Verhalten, das wir auch im vergangenen Jahr mehrfach gesehen haben. Lediglich die Tatsache, dass der DAX bereits länger nicht mehr die obere Trendlinie angelaufen hat, kann als Signal für eine abflauende Nachfragekraft ausgelegt werden.

Aus technischer Sicht stellt die 10.000er-Schwelle nur eine unbedeutende Kursmarke dar. Inzwischen scheint der psychologische Effekt aber den DAX zumindest zu einer Atempause zu zwingen. Potenzial auf der Oberseite wäre durchaus noch vorhanden, mittelfristig lässt der Kanal Platz bis 10.900.

Auf der Südseite ist der DAX gut abgesichert. Neben der erwähnten, zuletzt mehrfach bestätigten Aufwärtstrendlinie bei derzeit rund 9560 sorgen auch die 200-Tage-Linie bei 9470 und die breite horizontale Unterstützungszone um 8900 / 9000 für Sicherheit. Eine größere Umkehrformation und somit Schwächesignal in der mittel- bis langfristigen Zeitebene wird erst mit einem Wochenschluss unter 8900 aktiviert.

Etwas kritisch sind die Signale der Markttechnik einzuordnen. Der DSS Bressert hat seine obere Extremzone verlassen und läuft auf den unteren Bereich zu. Besonders aber der etwas trägere und langfristig ausgerichtete MACD auf Wochenbasis bereitet Sorgen. Während der DAX vor wenigen Wochen ein im Vergleich zum Jahresauftakt höheres Hoch ausbildete, wurde diese Bewegung durch den MACD nicht mehr bestätigt. Diese negative Divergenz muss genau verfolgt werden und könnte ein Hinweis auf eine größere Korrekturbewegung sein.

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Monatsanalyse:

Zwei Szenarien für die Zukunft

Im abgebildeten Monatschart seit 1960 wird vor allem die Bedeutung des Kursbereichs um 8000 / 9000 deutlich. Nach dem Ausbruch aus einer rund 20 Jahre andauernden Seitwärtsbewegung im Jahr 1983 zeigte der DAX bis zur Jahrtausendwende eine ausgeprägte Rally-Bewegung. Mit dem Platzen der Spekulationsblase wurde diese Aufwärtsbewegung in den vergangenen 13 Jahren konsolidiert. In dieser Zeit bildete der Deutsche Aktienindex deutlich steigende Bewegungstiefpunkte aus, was auf einen allmählich steigenden Kaufdruck deutet. Der Sprung über die Hochpunkte aus dem Jahr 2000 und 2007 bei 8200 war somit nur eine Frage der Zeit. Der DAX löste ein sehr bullish aufsteigendes Dreieck nach oben hin auf, aus dem theoretisch Notierungen deutlich jenseits der 10.000er-Marke abgeleitet werden können.

Nach dem nun erfolgten Ausbruch sind zwei grundsätzliche Szenarien denkbar. Aufgrund der Bedeutung der Zone um 8200 wäre eine Rückkehrbewegung und somit ein Retest des Ausbruchsniveau nicht überraschend. Ein möglicher Wendepunkt könnte an der psychologisch wichtigen Schwelle von 10.000 liegen. Ausgehend von einem kurzen Test der fünfstelligen Kursmarke wäre mit einer Korrektur bis in den Bereich von 8200 / 8500 zu rechnen, von dem aus dann eine nachhaltige Aufwärtsbewegung erfolgen würde. Zugleich eröffnet sich Anlegern, die den Einstieg bisher verpassten, auf langfristige Sicht noch einmal eine gute Einstiegsgelegenheit.

In einem zweiten Szenario bleibt ein Test der Zone um 8200 von oben aus. Stattdessen läuft der Markt nach einer recht wahrscheinlichen Konsolidierung bei rund 10.000 weiter aufwärts. Neue Widerstände müssten sich erst noch herausbilden. Unwahrscheinlicher erscheint hingegen ein Rücksetzer unter das Ausbruchsniveau von 8200. Eine ähnliche Situation liegt auch im amerikanischen Leitindex S&P 500 vor.

Auf Basis der Indikatoren wäre noch ein wenig Luft nach oben vorhanden. Beachten Sie aber auch hier den MACD, der in den vergangenen 13 Jahren eigentlich recht zuverlässig die Wendepunkte beim DAX antizipierte. Allmählich erreicht der Signalgeber wieder die Niveaus aus den Jahren 2000 und 2007 (rote Linie).

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Posted in: Deutschland

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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