Sommerbörsen – Bitte an eine gute Versicherung denken

Keine Frage, die Richtung bei den wichtigsten Indizes weist eindeutig Richtung Norden. Der Dow Transport-Index liefert verlässlich frische Rekorde ab, auch der S&P zieht mit. Dennoch lohnt es sich auch auf Charts zu schauen, die weniger im Rampenlicht stehen. Und hier sieht die Welt dann doch nicht mehr ganz so rosig aus.

 

Facebook auf Rekordhoch, S&P auf Rekordhoch – prächtige Stimmung an der Wall Street? Na ja, nicht so ganz. Hier muss man derzeit eher differenzieren, welches Lager man betrachtet. Bei den US-Privatanlegern herrscht erhöhte Skepsis, wie die jüngst veröffentlichen Zahlen der AAII (Link) deutlich zeigen. Der Anteil des Bullenlagers sank auf nur noch 29,6 Prozent, der historische Durchschnitt liegt bei 39 Prozent! Schaut man in den Rückspiegel fällt auf, dass der Signalgeber mit Werten von unter 30 Prozent zuletzt recht zuverlässig untere Wendepunkte des Aktienmarktes anzeigte. Optimistisch sind hingegen die US-Börsenbriefschreiber mit einer Bullenquote von gut 56 Prozent oder die nordamerikanischen Fondsmanager NAAIM mit knapp 82 Prozent.

Jeder langjährige Anleger kennt die Situation: Kaum beginnt der erholsame Urlaub, wird es an den Aktienmärkten stürmisch. Auch wenn es Ausnahmen gibt, die Statistik ist eindeutig. Mit dem Spätsommer stehen die Märkte vor der statistisch schwächsten Jahreszeit. Im Durchschnitt büßt der DAX im August um rund 1,1 Prozent ein, für September weisen die Datenreihen einen Rücksetzer von 1,9 Prozent aus.

daxmonatsperformance

Ob Bullen oder Bären die Oberhand behalten, dürfte wie immer an der Wall Street entschieden werden. Technisch ist die Ausgangslage nicht eindeutig. Die wichtigsten Indizes weisen intakte Aufwärtstrends auf, der Nasdaq 100 erreicht fast täglich neue Verlaufshochs, der Dow Jones Transport-Index liefert Allzeithochs am Fließband. Psychologisch wird es nun aber herausfordernd, denn zahlreiche Aktienbarometer notieren vor oder an runden Schwellen. Im S&P steht die 2000er-Marke im Blick beim Dow der Bereich um 17.000 und der Nasdaq 100 prüft die 4000er-Region. Zudem zeigen die Small Caps im Russell 2000 seit Februar eine Relative Schwäche, hier wird Kapital abgezogen. Seit Ende Juni kann diese Entwicklung auch im Nebenwerteindex S&P 400 beobachtet werden. Von einer wirklich marktbreiten Aufwärtsbewegung kann nicht mehr gesprochen werden.

Aber noch eine ganz andere Entwicklung scheint derzeit kaum beachtet zu werden, könnte sich aber durchaus noch als Auslöser für eine Konsolidierung erweisen: Die Lage auf dem amerikanischen Immobilienmarkt. Inzwischen spielt der Sektor wieder eine größere Rolle in der US-Wirtschaft, entsprechend genauer sollten daher frühe Warnsignale verfolgt werden. Und hier gab es in den vergangenen beiden Wochen unerfreuliche Daten. Die Baubeginne sanken auf den niedrigsten Wert seit September 2013 (Chart), die Verkäufe neuer Häuser sackten im Juni sogar sehr deutlich ab (der Vormonatswert wurde um rekordverdächtige 12,3 Prozent nach unten korrigiert; Chart).

DAX: Stunden- und Tagesanalyse

Rund 130 Punkte lagen am gestrigen Handelstag zwischen dem Tageshoch und -Tiefpunkt – für den DAX im „Sommerloch“ eine ordentliche Bewegung. Wobei der Begriff „Sommerlich“ zumindest in diesem Jahr wohl nicht so ganz zutreffend ist. Mit den zahlreichen geopolitischen Krisen und der laufenden Berichtssaison gibt es keinen Mangel an kursbewegenden Impulsen. Zumindest am Donnerstag standen aber verstärkt Wirtschaftsdaten im Fokus. Neuigkeiten aus der Ukraine oder dem Nahen Osten spielten kaum eine Rolle, die nicht ganz so überzeugenden Zahlen des Indexschwergewichts BASF belasteten den Handelstag hingegen wesentlich deutlicher.

Die guten Zahlen aus dem deutschen Industrie- und Dienstleistungssektor kamen genau zu richtigen Zeit, der Markt drehte wieder nach oben. Doch wie bereits am Vortag oder in der Vorwoche war erneut an der 21-Tage-Linie die kleine Party beendet. Zwischenfazit: Ganz allmählich scheint die Nervosität am deutschen Aktienmarkt zu steigen, noch aber schlägt sich dies nicht auf den VDAX New nieder. Mit gut 14 Prozent notiert das Barometer auf einem niedrigen Niveau. Schaut man auf den Chart fällt auf (s. Link), dass Werte von unter 14 Prozent nur für wenige Tage bis Wochen aufgerufen wurden. Sollten Sie also in Urlaub fahren…eine Versicherung für Ihr Depot oder für Einzelwerte mit hohen Buchgewinnen ist keine schlechte Investition und schont die Nerven in der Ferienzeit 😉

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Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich allmählich wiederhole: Solange der DAX nicht die 21-Tage-Linie überwindet, bleibt die Tendenz bestenfalls seitwärts, wahrscheinlich aber eher abwärts geneigt. Die richtungsweisende Kursmarke ist im Stundenchart zu erkennen und liegt bei rund 9800. Diese Hürde müssen die Bullen nehmen, um frische Aufwärtsfantasie zu entfachen. Erst wenn der Monatsmittelwert geknackt ist (aktuell notieren 15 DAX-Aktien über ihrer 21-Tage-Linie), können die nächsten Widerstände bei 9870 und 9900 angelaufen werden. Bis dahin sollten die Bullen ihr Pulver trocken halten.

Vorbörslich werden 9770 aufgerufen, die drohenden Verluste fallen somit eher gering aus. Um 10 Uhr wird der ifo Geschäftsklimaindex veröffentlicht, die Zahlen könnten zumindest die Tendenz bis zur Eröffnung an der Wall Street bestimmen.

Etwas kritischer wird es für den Aktienmarkt südlich von 9720. Wichtig zu wissen: Beachten Sie vor allem den Stundenschlusskurs. Auch am Donnerstag wurde der DAX zeitweise unter dieser Marke gehandelt, der wichtigere Stundenschlusskurs lag aber immer über 9720. Sollte die Schwelle dennoch fallen (was angesichts des kurzfristigen Abwärtstrends bei über 50 Prozent einzuordnen ist), rückt das Monatstief um 9600 auf die Agenda. Hier wird es dann extrem spannend, denn zahlreiche Unterstützungen stehen bis hinunter zur 200-Tage-Linie bei 9450 zur Verfügung.

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Wochenanalyse:

MACD mit gefährlicher Divergenz

Mittel- bis langfristig betrachtet ist die Rally trotz der seit gut sieben Monaten laufenden Konsolidierung weiterhin als intakt zu bezeichnen. Richtungsweisend ist ein seit Sommer 2012 bestehender Aufwärtskanal, dessen Extremzonen mehrfach bestätigt wurden und somit über eine gewisse Relevanz verfügen. Während zum Jahreswechsel verstärkt die Oberseite im Fokus stand, steht seit März die untere Begrenzung der Range im Mittelpunkt. Bisher nutzten die Käufer jeden Rücksetzer zum Einstieg, ein Verhalten, das wir auch im vergangenen Jahr mehrfach gesehen haben. Lediglich die Tatsache, dass der DAX bereits länger nicht mehr die obere Trendlinie angelaufen hat, kann als Signal für eine abflauende Nachfragekraft ausgelegt werden.

Aus technischer Sicht stellt die 10.000er-Schwelle nur eine unbedeutende Kursmarke dar. Inzwischen scheint der psychologische Effekt aber den DAX zumindest zu einer Atempause zu zwingen. Potenzial auf der Oberseite wäre durchaus noch vorhanden, mittelfristig lässt der Kanal Platz bis 10.900.

Auf der Südseite ist der DAX gut abgesichert. Neben der erwähnten, zuletzt mehrfach bestätigten Aufwärtstrendlinie bei derzeit rund 9530 sorgen auch die 200-Tage-Linie bei 9440 und die breite horizontale Unterstützungszone um 8900 / 9000 für Sicherheit. Eine größere Umkehrformation und somit Schwächesignal in der mittel- bis langfristigen Zeitebene wird erst mit einem Wochenschluss unter 8900 aktiviert.

Etwas kritisch sind die Signale der Markttechnik einzuordnen. Der DSS Bressert hat seine obere Extremzone verlassen und läuft auf den unteren Bereich zu. Besonders aber der etwas trägere und langfristig ausgerichtete MACD auf Wochenbasis bereitet Sorgen. Während der DAX vor wenigen Wochen ein im Vergleich zum Jahresauftakt höheres Hoch ausbildete, wurde diese Bewegung durch den MACD nicht mehr bestätigt. Diese negative Divergenz muss genau verfolgt werden und könnte ein Hinweis auf eine größere Korrekturbewegung sein.

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Monatsanalyse:

Zwei Szenarien für die Zukunft

Im abgebildeten Monatschart seit 1960 wird vor allem die Bedeutung des Kursbereichs um 8000 / 9000 deutlich. Nach dem Ausbruch aus einer rund 20 Jahre andauernden Seitwärtsbewegung im Jahr 1983 zeigte der DAX bis zur Jahrtausendwende eine ausgeprägte Rally-Bewegung. Mit dem Platzen der Spekulationsblase wurde diese Aufwärtsbewegung in den vergangenen 13 Jahren konsolidiert. In dieser Zeit bildete der Deutsche Aktienindex deutlich steigende Bewegungstiefpunkte aus, was auf einen allmählich steigenden Kaufdruck deutet. Der Sprung über die Hochpunkte aus dem Jahr 2000 und 2007 bei 8200 war somit nur eine Frage der Zeit. Der DAX löste ein sehr bullish aufsteigendes Dreieck nach oben hin auf, aus dem theoretisch Notierungen deutlich jenseits der 10.000er-Marke abgeleitet werden können.

Nach dem nun erfolgten Ausbruch sind zwei grundsätzliche Szenarien denkbar. Aufgrund der Bedeutung der Zone um 8200 wäre eine Rückkehrbewegung und somit ein Retest des Ausbruchsniveau nicht überraschend. Ein möglicher Wendepunkt könnte an der psychologisch wichtigen Schwelle von 10.000 liegen. Ausgehend von einem kurzen Test der fünfstelligen Kursmarke wäre mit einer Korrektur bis in den Bereich von 8200 / 8500 zu rechnen, von dem aus dann eine nachhaltige Aufwärtsbewegung erfolgen würde. Zugleich eröffnet sich Anlegern, die den Einstieg bisher verpassten, auf langfristige Sicht noch einmal eine gute Einstiegsgelegenheit.

In einem zweiten Szenario bleibt ein Test der Zone um 8200 von oben aus. Stattdessen läuft der Markt nach einer recht wahrscheinlichen Konsolidierung bei rund 10.000 weiter aufwärts. Neue Widerstände müssten sich erst noch herausbilden. Unwahrscheinlicher erscheint hingegen ein Rücksetzer unter das Ausbruchsniveau von 8200. Eine ähnliche Situation liegt auch im amerikanischen Leitindex S&P 500 vor.

Auf Basis der Indikatoren wäre noch ein wenig Luft nach oben vorhanden. Beachten Sie aber auch hier den MACD, der in den vergangenen 13 Jahren eigentlich recht zuverlässig die Wendepunkte beim DAX antizipierte. Allmählich erreicht der Signalgeber wieder die Niveaus aus den Jahren 2000 und 2007 (rote Linie).

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About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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