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Was bedeutet der WM-Sieg für den DAX?

1954, 1974, 1990, 2014 – Weltmeister-DAX. Vier spannende und nervenaufreibende Wochen zwischen Fußball-WM und Börse sind vorbei – Jogis Jungs tragen nun vier Sterne auf der Brust. Sehr schön!

Börse und Fußball haben viele Gemeinsamkeiten, denn sowohl auf dem Platz als auch auf dem Parkett treffen viele Akteure mit unterschiedlichen Strategien und Emotionen aufeinander. Euphorie, Gier, Verzweiflung – wer kennt nicht diese Gefühle. Fußballer wie Händler wollen gewinnen und versuchen, das Beste aus dem Spiel oder der Position zu holen.

Aber wie entwickelte sich der DAX eigentlich nach den WM-Titeln in der Vergangenheit? Können Anleger auf eine Euphorie-Welle setzen oder schlägt sich die gute Fußball-Stimmung nicht in den Kursen nieder? Eine Analyse von Goldman Sachs in der „Welt“ stimmt zuversichtlich: Im Durchschnitt entwickelten sich die Indizes der Siegernation um rund 3,5 Prozentpunkte besser als der MSCI World Index. Abgesehen vom WM-Sieg Brasiliens 2002 haben sämtliche Titel-Gewinne einer Mannschaft ihrem jeweiligen Leitindex zusätzlichen Schub verliehen. Dies bedeutet aber nicht zwingend, dass die Aktienmärkte auch steigen. Eine bessere Performance kann auch bedeuten, dass der „WM-Sieger-Index“ geringere Kursverluste verzeichnete als die Weltbörsen und somit eine Relative Stärke zeigte.

Rückblick: In den vier Wochen nach dem „Wunder von Bern“ kletterte der deutsche Aktienmarkt um 7,8 Prozent, 1974 waren es 7,9 Prozent. Nachdem die Beckenbauer-Truppe 1990 gegen Argentinien als Sieger vom Platz ging, fiel der DAX um knapp sieben Prozent. Tönt eher schlecht, doch verglichen mit dem MSCI World lieferte der deutsche Aktienmarkt eine um vier Prozentpunkte bessere Performance ab. Fazit: Eine Outperformance ist aufgrund der Daten aus der Vergangenheit durchaus eine realistische Option, zumal der DAX mit intakten mittel- bis langfristigen Aufwärtstrends punktet.

Stunden- und Tagesanalyse:

Tradesignal Online. Tradesignal® ist eine eingetragene Marke der Tradesignal GmbH. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.

Blicken wir auf die technischen Aussichten für den DAX. Die vergangene Woche ging eindeutig an die Verkäufer, der deutsche Aktienmarkt blieb zuletzt klar unter Druck und gab um rund 3,4 Prozent nach. Auf Wochenbasis setzte sich das Wechselspiel zwischen positiven und negativen Kerzen fort (s. Chart 3).

Setzt sich die Serie fort, sollten in den kommenden fünf Handelstagen wieder die Bullen das Zepter übernehmen. Zumindest der heutige Auftakt dürfte vielversprechend erfolgen, dank guter Vorgaben von den Weltbörsen. Auch technisch ist eine Stabilisierung durchaus möglich, dass kurzfristige Chartbild zeigt um 9580 bis 9630 einen guten Auffangbereich. Unerwähnt bleiben sollte auch nicht die Tatsache, dass mit Allianz, Fresenius Medical Care, Fresenius und Henkel nur noch vier Werte über ihrer 21-Tage-Linie notieren. In der Vergangenheit erfolgte mehrfach ab einer Quote von fünf bis 15 Prozent eine Erholungsbewegung, wobei diese  natürlich auch nur temporärer Natur sein kann.

Sollte der DAX dennoch unter die Tiefs der Vorwoche zurückfallen, stellt die Kombination aus Untergrenze des langfristigen Aufwärtskanals und 200-Tage-Linie im Bereich um 9400 bis 9500 eine weitere, sehr gute Unterstützung dar. Erst wenn auch diese Chartmarken markant unterboten werden, kippt die mittelfristige Börsenampel von aufwärts auf seitwärts. Beachten Sie immer, dass eine Trendfortsetzung grundsätzlich wahrscheinlicher ist als ein Trendbruch.

Unter dem Strich bleibt die Tendenz daher unverändert aufwärts gerichtet. Der nächste Widerstand ist im kurzfristigen Stundenchart um 9750 zu erkennen, darüber rückt bei rund 9900 die 21-Tage-Linie in den Fokus. Sollte der DAX von der WM-Euphorie erfasst werden, sind durchaus im Wochenverlauf auch wieder Kurse von 10.050 möglich. Für ein prozyklisches Kaufsignal müssten die Kurse auch diese Hürde meistern.

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Wochenanalyse:

MACD mit gefährlicher Divergenz

Mittel- bis langfristig betrachtet ist die Rally trotz der seit gut sieben Monaten laufenden Konsolidierung weiterhin als intakt zu bezeichnen. Richtungsweisend ist ein seit Sommer 2012 bestehender Aufwärtskanal, dessen Extremzonen mehrfach bestätigt wurden und somit über eine gewisse Relevanz verfügen. Während zum Jahreswechsel verstärkt die Oberseite im Fokus stand, führte die jüngste Konsolidierung zu widerholten Tests der unteren Aufwärtstrendlinie. Bisher nutzten die Käufer jeden Rücksetzer zum Einstieg, ein Kursverhalten, das wir auch im vergangenen Jahr mehrfach gesehen haben. Lediglich die Tatsache, dass der DAX bereits länger nicht mehr die obere Trendlinie angelaufen hat, kann als Schwächesignal ausgelegt werden.

Aus technischer Sicht stellt die 10.000er-Schwelle nur eine unbedeutende Kursmarke dar. Inzwischen scheint der psychologische Effekt aber den DAX zumindest zu einer Atempause zu zwingen. Potenzial auf der Oberseite wäre durchaus noch vorhanden, mittelfristig lässt der Kanal Platz bis 10.850.

Auf der Südseite ist der DAX gut abgesichert. Neben der erwähnten, zuletzt mehrfach bestätigten Aufwärtstrendlinie bei derzeit rund 9510 sorgen auch die 200-Tage-Linie bei 9400 und die breite horizontale Unterstützungszone um 8900 / 9000 für Sicherheit. Eine größere Umkehrformation und somit Schwächesignal in der mittel- bis langfristigen Zeitebene wird erst mit Kursen von unter 8900 aktiviert.

Warnsignal kommen von der Markttechnik. Der DSS Bressert ist in seine obere Extremzone vorgestoßen und kippt allmählich in den neutralen Bereich. Der MACD bildete sogar gegenüber seinem Hochpunkt zum Jahreswechsel eine tiefere Umkehr aus, obwohl der DAX neue Hochs erreichte. Diese negative Divergenz muss genau verfolgt werden und könnte ein Hinweis auf eine größere Korrekturbewegung sein.

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Monatsanalyse:

Zwei Szenarien für die Zukunft

Im abgebildeten Monatschart seit 1960 wird vor allem die Bedeutung des Kursbereichs um 8000 / 9000 deutlich. Nach dem Ausbruch aus einer rund 20 Jahre andauernden Seitwärtsbewegung im Jahr 1983 zeigte der DAX bis zur Jahrtausendwende eine ausgeprägte Rally-Bewegung. Mit dem Platzen der Spekulationsblase wurde diese Aufwärtsbewegung in den vergangenen 13 Jahren konsolidiert. In dieser Zeit bildete der Deutsche Aktienindex deutlich steigende Bewegungstiefpunkte aus, was auf einen allmählich steigenden Kaufdruck deutet. Der Sprung über die Hochpunkte aus dem Jahr 2000 und 2007 bei 8200 war somit nur eine Frage der Zeit. Der DAX löste ein sehr bullish aufsteigendes Dreieck nach oben hin auf, aus dem theoretisch Notierungen deutlich jenseits der 10.000er-Marke abgeleitet werden können.

Nach dem nun erfolgten Ausbruch sind zwei grundsätzliche Szenarien denkbar. Aufgrund der Bedeutung der Zone um 8200 wäre eine Rückkehrbewegung und somit ein Retest des Ausbruchsniveau nicht überraschend. Ein möglicher Wendepunkt könnte an der psychologisch wichtigen Schwelle von 10.000 liegen. Ausgehend von einem kurzen Test der fünfstelligen Kursmarke wäre mit einer Korrektur bis in den Bereich von 8200 / 8500 zu rechnen, von dem aus dann eine nachhaltige Aufwärtsbewegung erfolgen würde. Zugleich eröffnet sich Anlegern, die den Einstieg bisher verpassten, auf langfristige Sicht noch einmal eine gute Einstiegsgelegenheit.

In einem zweiten Szenario bleibt ein Test der Zone um 8200 von oben aus. Stattdessen läuft der Markt nach einer recht wahrscheinlichen Konsolidierung bei rund 10.000 weiter aufwärts. Neue Widerstände müssten sich erst noch herausbilden. Unwahrscheinlicher erscheint hingegen ein Rücksetzer unter das Ausbruchsniveau von 8200.

Auf Basis der Indikatoren wäre noch ein wenig Luft nach oben vorhanden. Beachten Sie vor allem den trendfolgenden MACD, der in den vergangenen 13 Jahren eigentlich recht zuverlässig die Wendepunkte beim DAX antizipierte. Allmählich erreicht der Signalgeber die Niveaus aus dem Jahr 2000 und 2007 (rote Linie).

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Posted in: Deutschland

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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