Der US-Arbeitsmarktbericht – Sinn, Unsinn und eine erschreckende Bilanz

Themen des Tages: 1600 müssen fallen +++ sind schlechte US-Daten gut für die Aktienmärkte? +++ Charts für schlaflose Nächte

 

Der DAX sollte sich am S&P 500 ein Beispiel nehmen. Während die heimischen Anleger noch gehörigen Respekt vor der 8000er-Marke haben und das Top bei 8151 Punkten zumindest heute außer Reichweite ist, kletterte der marktbreite US-Index gestern auf ein frisches Rekordhoch. Schaut man etwas genauer auf den Chart, finden sich aber auch Parallelen. Denn ähnlich wie der DAX hadert auch der S&P mit der 1600er-Marke. Doch keine Angst, vielleicht fallen heute die Würfel, denn mit dem US-Arbeitsmarktbericht steht der wohl einflussreichste Konjunkturtermin auf der Agenda.

 

Tradesignal Online. Tradesignal® ist eine eingetragene Marke der Tradesignal GmbH. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.

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Stellt sich nur die Frage, wie der Markt auf besser oder schlechter als erwartete Daten reagieren wird. In einem wirtschaftlichen Umfeld ohne massive Eingriffe der Notenbanken könnte diese Frage leicht beantwortet werden: Eine geringere Arbeitslosenquote und mehr geschaffene Stellen als prognostiziert würden auf eine gesunde Konjunktur hinweisen und zu steigenden Kursen führen. Doch leider leben wir seit einigen Jahren nicht mehr in normalen (Börsen-) Zeiten.

Bestes Beispiel ist der gestrige Kursanstieg der US-Indizes. Am Mittwoch lagen die Zahlen des ADP-Arbeitsmarktberichts mit 119.000 Stellen deutlich unter den Erwartungen von 150.000. Zwar liefern die ADP-Daten immer nur eine grobe Tendenz für den offiziellen Bericht am ersten Freitag des Monats. Im mittelfristigen Bereich stimmt aber die Tendenz. Demnach wäre es nicht überraschend, wenn die Prognosen von 140.000 neu geschaffenen Stellen im April und einer Quote von 7,6 Prozent verfehlt werden. Ein schlechtes Zeichen für die US-Konjunktur – und ein gutes für den Aktienmarkt. Vielleicht, denn die Fed betonte bei ihrer Sitzung am Mittwoch erneut, dass die geldpolitischen Maßnahmen solage fortgeführt werden, bis die Arbeitslosenquote auf 6,5 Prozent fällt oder die Inflation deutlich anzieht. Letzteres ist derzeit kein Thema. Schlechte Zahlen bedeuten somit mehr Sicherheit, dass die Fed auch weiterhin die Märkte mit Geld fluten wird – und damit auch das Schmiermittel der Aufwärtsbewegung an den Aktienmärkten weiterhin zur Verfügung steht. Welche langfristigen Konsequenzen sich daraus ergeben, ist derzeit offenbar kein Thema.

 

 

Noch ein Hinweis zur Interpretation, falls auch Sie heute gebannt um 14.30 Uhr den Bericht studieren werden. Die Erhebung der Arbeitslosenzahlen in den USA weicht deutlich von der Vorgehensweise in Deutschland ab. So wird zur Berechnung der Arbeitslosenquote eine repräsentative Telefonumfrage unter 60.000 Haushalten durchgeführt. Eine zweifelhafte Methode in einem Land mit mehr als 105 Millionen Haushalten. Zudem werden die Arbeitslosenzahlen anhand eines Modells der Neugeborenen und der Gestorbenen ermittelt, da es keine offiziellen Meldefristen gibt.

Abschließend einige Daten, die nur selten veröffentlicht werden – vielleicht weil die Entwicklung noch deutlich negativer ist als die ohnehin wenig berauschenden aber im Mittelpunkt stehenden Zahlen zu den neu geschaffenen Stellen und der Arbeitslosenquote? Vor allem die Beschäftigungsquote sollte nicht nur der Fed schlaflose Nächte bereiten. Das Verhältnis der Beschäftigten zur Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter ist aktuell auf einem ähnlichen Niveau wie Mitte der 50er-Jahre und zeigt bisher noch nicht einmal ansatzweise Erholungstendenzen.

 

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Quelle: markt-daten.de

Quelle: markt-daten.de

 

Trotz dieser eher düsteren Grafiken wünsche ich Ihnen ein schönes und hoffentlich auch sonniges Wochenende – und viel Erfolg an den Märkten.

 

 


Zur Verfügung gestellt von: Forexpros dem Aktien Portal

 

Posted in: Marktanalysen

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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