By 18. Dezember 2013 Read More →

Der Countdown läuft

Abgesehen einmal vom Nikkei fiel die viel beschworene „Santa Claus-Rallye“ in der abgelaufenen Woche mangels Schnee ins Wasser. Nun naht die letzte FED-Sitzung des Jahres. Und die kann beides sein, die Büchse der Pandora oder auch einfach nur das (bullishe) Ende der Unsicherheit!

 

In der abgelaufenen Woche jährte sich ein wirklich ganz heißes Erlebnis, das mich in mancherlei Hinsicht geprägt und mich in einigen Dingen etwas vorsichtiger werden lassen hat. Vor allem dann, wenn ich mir einer Sache völlig sicher bin, weil mein Kopf sie so wunderschön sortieren kann. Konkret:

Am 10. Dezember 1977 hatte ich mit meiner damaligen Lebensgefährtin und späteren Frau begonnen, den kleinen Flur unserer damaligen Mietwohnung zu renovieren. Erste Maßnahme: Der erst kurz zuvor neu verlegte Teppichboden wurde aufgenommen und zusammengerollt ins Schlafzimmer verbracht. Dann ging es an die Arbeit, die wir gegen 22:00 Uhr abbrachen, um zu Bett zu gehen.

Irgendwann in der nachfolgenden Nacht wurde ich wach, weil es sonderbar roch. Nach kurzem Überlegen fand ich die Lösung: Es war die Gummierung des ins Schlafzimmer gelegten neuen Teppichbodens. Kluges Köpfchen! Ich schlief wieder ein, wurde aber bald darauf wieder wach. Der Gestank war zweifellos stärker geworden. Ich öffnete vom Bett aus das Fenster und versuchte, wieder einzuschlafen. Was mir aber nicht gelingen wollte, da der beißende Geruch eher noch zunahm als schwächer wurde.

Da wir uns vorgenommen hatten, am nächsten Morgen um 07:00 Uhr aufzustehen, um mit der Renovierung fortzufahren, kam mir eine Idee: Wäre es schon 06:00 Uhr oder später, würde ich wegen des dummen Teppichbodens nicht extra aus dem warmen Bett aufstehen; sollte es aber noch früher sein, würde es sich lohnen, ihn aus dem Schlafzimmer zu verbannen und ohne diesen beißenden Geruch weiterzuschlafen.

Ich schaute auf den Radiowecker: 01:07 Uhr. Also eine klare Sache: Ich stand auf, klemmte mir die Teppichbodenrolle unter den Arm und öffnete die Tür zum Flur. Dann kam die Erleuchtung, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: Die Wohnung stand in hellen Flammen, die angrenzende Tür des Wohnzimmers war von innen bis auf das Furnier weg gebrannt.

Wir sind damals mit dem davongekommen, was wir auf dem Leib trugen. Und das war nicht viel. Seitdem schaue ich immer zweimal hin, wenn ich von irgendetwas „weiß“, warum es passiert. Denn Ursache und Wirkung oder Grund und Folge mögen so logisch wirken wie sie wollen, sie müssen deswegen noch lange nicht zusammen passen.

Der Durchschnittsbörsianer oder – treffender – der heutige Medienkonsument befindet sich keineswegs in einer angenehmeren Lage. Denn nicht nur sein eigenes Gehirn gaukelt ihm bisweilen Zerrbilder der Geschehnisse vor, vielmehr arbeiten rund um den Globus Hunderttausende daran, in den Nachrichten die Wirklichkeit zu „optimieren“. Und die meisten von uns bemerken das selbst dann nicht, wenn ihnen das gleiche Argument heute als positiv und morgen als negativ verkauft wird. Ein Beispiel:

Es ist gerade erst ein paar Wochen her, da erklärten uns die „Experten“, dass es für die Wall Street höchst ungemütlich werden könnte, falls sich Demokraten und Republikaner im US-Kongress nicht auf einen Haushaltsentwurf verständigen würden. Nun, sie verständigten sich nicht – und die Kurse stiegen. In der vergangenen Woche nun servierten uns die gleichen Herrschaften die These, dass die Kurse in New York gefallen seien, weil sich Demokraten und Republikaner nun doch auf einen Budgetkompromiss geeinigt hätten.

Und wenn dieser Informationsmüll von einem Flachbildfernseher mit über 180 cm Bildschirmdiagonale aufs Kleinhirn trifft, wird er nur allzu oft auch geglaubt.

Gleich geht‘s zum Markt. Einige bedenkenswerte „Splitter“ möchte ich aber noch loswerden:

1. EZB-Chef Mario Draghi erwartet eine „anhaltende Phase niedriger Inflation“. Ich auch, wie Sie wissen. Aber ich würde es als Deflation bezeichnen, die die Notenbank nicht mehr aufhalten kann.

2. Die NSA-Spähaffäre hat Bundesinnenminister Friedrich erst für erledigt erklärt. Als bekannt wurde, dass auch das Handy der Kanzlerin abgehört wurde, schaltete Friedrich auf verbale Muskulatur um. Am kommenden Mittwoch will Edward Snowden per Video-Botschaft Fragen des Europaparlaments beantworten. Das will die größte Partei des Parlaments, die „Europäische Volkspartei“, verhindern. Und wer gehört zur EVP? Die CDU/CSU.

3. In Griechenland setzt sich die „Akropolypse“ fort. Nachdem der landesweit größte Telefon- und Internetanbieter OTE 390 neue Stellen ausgeschrieben hatte, gingen über 18.000 Bewerbungen ein – für Arbeitsverhältnisse, die zum überwiegenden Teil mit dem gesetzlichen Mindestlohn von 586,08 Euro brutto vergütet werden.

4. Das mittlerweile ritualisierte Spiel zwischen der „Troika“ und Athen setzt sich derweil fort. EU, EZB und IWF mahnen stringentere „Reformen“ an, ohne die eine weitere Zahlung ausgeschlossen sei. Den Bürgern der Geberländer wird derweil suggeriert, dass die mittlerweile rund 30.000 Euro pro Kopf an Hilfsgeldern tatsächlich der griechischen Bevölkerung zugute käme. Die aber ist für das Desaster weder verantwortlich noch profitiert sie von dem Geld, das die Steuerzahler der Geberländer aufbringen müssen. Athen ist nur eine Art Verschiebebahnhof, von dem aus dem die EU-Gelder direkt auf die Konten großer Banken und großer Anleger gehen. Deren Vermögen werden „gerettet“, nicht Griechenland.

5. Die Art und Weise, wie diese Zusammenhänge gegenüber der Öffentlichkeit teilweise dargestellt werden, erfüllt vermutlich den in § 130 StGB angedachten Tatbestand der Volksverhetzung. „Die Griechen“ liegen nicht mit Sonnenöl eingeschmiert, fettwanstig und Ouzo-schlürfend unter Palmen, um sich an den Geldern sich dumm und dämlich arbeitender Deutscher, Österreicher oder Niederländer zu berauschen, sie durchleben die schlimmste Depression, die es seit der „Großen Wirtschaftskrise“ der dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts gab. „Über ihre Verhältnisse gelebt“, was immer das sein mag, haben über 99 Prozent der Bevölkerung ganz gewiss nicht. Aber andere haben sich verzockt. Und das sind und waren keine Armen, sondern jene, denen die Prädikate „too big to fail“ und stillschweigend auch „too big for jail“ verliehen wurden.

Wall Street ohne Santa Claus

Nein, ich will Ihnen heute nicht wieder den Monatschart des Dow Jones mit seinem großen charttechnischen „Megaphon“ präsentieren geschweige denn will ich das erfreuliche Eintreffen meiner Prognose in irgendeiner Form ausschlachten. Vergessen Sie nie: Die Märkte machen, was sie und nicht das, was Sie wollen. Und jede schöne charttechnische Punktlandung kann immer auch ein glücklicher Zufall sein. Man kann den Börsen ihnen nur den Finger an den Puls legen. Und das mache ich mit großer Freude.

Bis Ende November, an dem der Dow die genannte Punktlandung auf der oberen Begrenzung des besagten „Megaphons“ vollzog, waren sich die Analysten nahezu einmütig sicher, dass die statistisch belegt saisonal günstigen Börsenmonate Dezember und Januar die Wall Street noch einmal in den Turbo-Modus brächten. Die sgn. Santa Claus-Rallye blieb bis jetzt jedoch einfach aus. Und das, obwohl der Optimismus im Wochenvergleich sogar noch einmal gestiegen ist: Die Quote negativ gestimmter Börsendienste ist noch einmal um einen Tick gefallen, die Nachfrage nach Börsenkrediten noch einmal minimal gestiegen. Sehen wir uns einmal die technische Verfassung im kürzeren Zeitfenster an.

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Am Tag des bisherigen Allzeithochs Ende November zeigte sich im Kerzenchart ein kleiner „Shooting Star“, der nichts Gutes verhieß. Seitdem sind die Kurse um 2,12 Prozent gefallen – mehr nicht. Es ist also absurd, wenn in den Medien jetzt davon gesprochen wird, dass die Wall Street vor einer „Bodenbildung“ stehe. Wir befinden uns nach wie vor in der Phase einer (möglichen und nicht bewiesenen) Gipfelbildung!

Der 10 Tage-GD ist zwar gestern knapp unter den 20 Tage-GD gefallen, und auch das Momentum hat ein klares Verkaufssignal gegeben, der +DI/-DI (Directional Movement-Indikator) hat dieses Signal bis jetzt aber noch nicht bestätigt.

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Dass vor diesem Hintergrund auch auf Wochenbasis bis jetzt noch keine schlüssigen Verkaufssignale vorliegen können, liegt auf der Hand. Und Sie sehen es im nebenstehenden Chart an meinem KSB-Trendindikator. Lassen Sie sich also nicht verrückt machen: Noch ist es zu früh für die Bären!

Devisen: Drei Eisen im Feuer

In den vergangenen Wochen hatte ich mich wieder etwas näher mit den Währungen beschäftigt. Einfach, weil hier einiges entscheidungsreif geworden war. Die Aussagen waren: 1. Der US-Dollar sollte gegen den Yen weiter steigen, 2. der US-Dollar sollte auch gegenüber dem kanadischen Dollar anziehen, und 3. der Euro den dritten Aufwärtsausbruch des Jahres gegenüber dem australischen Dollar starten. Sehen wir uns einmal an, was daraus geworden ist:

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Der US-Dollar kletterte gegen den Yen in der abgelaufenen Woche auf ein neues Fünfjahreshoch. Und während die Federal Reserve am Mittwoch eine vorsichtige Abbremsung ihres Liquiditätsexzesses ankündigen könnte, dürfte die Bank of Japan den Geldhahn eher noch weiter aufdrehen. Der Aufwärtstrend bei USD/JPY sollte sich vor diesem Hintergrund fortsetzen, der nächste Widerstand liegt bei gut 110.

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Bei USD/CAD verlief der Kursanstieg zwar nicht ganz so spektakulär, aber auch hier wurde vor wenigen Handelstagen ein neues Zweijahreshoch markiert. Wer hier noch nicht engagiert ist, kann in aller Ruhe den Anstieg über 1,075 abwarten und sich dann auf der Callseite positionieren. Gelingt dieser Ausbruch, stellt sich das nächste Kursziel auf 1,17.

EUR/AUD: Noch mächtig Luft!

Das aus charttechnischem Blickwinkel viel versprechendste Währungspaarung bleibt aber unverändert EUR/AUD, wo ich in meinem „Kapitalschutz- Brief“ nun den dritten erfolgreichen Call- Trades dieses Jahres laufen habe.

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Die Aufwärtswende erfolgte hier über eine idealtypisch gebaute „umgekehrte Schulter-Kopf-Schulter-Formation“, der jetzige Ausbruch über die auch psychologisch wichtige 1,50er Marke dürfte bei 1,60 auf ersten Widerstand stoßen, hat danach aber Spielraum bis 1,68. So schön es bei allen drei Währungs-Trades aussieht: Arbeiten Sie bitte niemals ohne Stopps!

Gold: Letzte Chance

Da der Goldpreis auf Dollarbasis nach wie vor in gefährlicher Nähe zu seinem bisherigen Jahrestief liegt und dieses Tief auf Euro-Basis bereits unterschritten hat, müssen die Bullen jetzt Gas geben. Denn fallen die Jahrestiefs bei Gold und Silber auch auf Dollarbasis, werden die Baissiers wieder mit aller Macht ans Ruder drängen.

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Bei der Quote bullish gestimmter Gold-Analysten steht es unverändert Spitz auf Knopf. Auch das unterstreicht, dass wir uns hier vermutlich unmittelbar vor der Entscheidung befinden.

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Geht es nach dem XAU (Gold- und Silberminenindex der Börse von Philadelphia), der den Edelmetallen in der Regel etwas vorausläuft, müssen sich die Bullen allerdings offensichtlich etwas mehr Mühe geben. Wir steigen ein, sobald die charttechnische Entscheidung gefallen ist.

Viel Erfolg und beste Grüße!

Axel Retz

About the Author:

Axel Retz ist seit über 25 Jahren als Chefredakteur von Börsenmagazinen und Börsendiensten tätig und betreibt das Portal private-profits. Konservative Anleger finden dort seit Jahren bewährte, treffsichere Strategien zur Outperformance der Märkte in Hausse- und Baissephasen. Aggressivere Trader finden alle notwendigen Tools, um mit kleinem Einsatz kurzfristige Gewinne zu erzielen. „Phasen, in denen sich keine Gewinne erzielen lassen, das sind die Seitwärtsmärkte. Aber sie sind nichts anderes als Unterbrechungen im Trendverhalten. Technische oder fundamentale Analyse? Für mich macht es die Mischung!“

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