Der Aktienmarkt hat sich von der Realität längst abgekoppelt

Themen des Tages: Greenback vor dem Comeback? +++ DAX mit Rekord +++ Commerzbank-Zahlensalat aufgeschlüsselt+++ RWE, ThyssenKrupp

 

 

Die heimische Berichtssaison läuft zwar noch auf Hochtouren, dennoch lohnt sich gerade aktuell auch verstärkt ein Blick auf die Konjunkturdaten. Und hier kamen zuletzt doch sehr durchwachsene Zahlen, die bisher aber vor allem am Aktienmarkt noch ignoriert werden. Bestes Beispiel lieferte gestern der enttäuschende ZEW-Index. Während das Saldo der Konjunkturerwartungen nur leicht zulegte, büßte das Saldo der Lageeinschätzungen ein. Vor diesem Hintergrund ist es doch sehr fraglich, ob der wichtigste Gradmesser für die deutsche Wirtschaft, der ifo-Geschäftsklimaindex, am 24. Mai den dritten Rückgang in Folge vermeiden kann.

Betrachtet man den Stimmungsindikator über eine längere Zeitreihe wird deutlich, dass es seit der Jahrtausendwende zu fallenden Hochpunkten kommt. Die rund 350 befragten Finanzexperten sind somit skeptischer geworden. Eigentlich kein Wunder, denn in den vergangenen 13 Jahren wurden die Märkte von drei Crashs erschüttert. Und auch die seit Monaten laufende Rally bei den Dividendenwerten steht eigentlich nur auf einem sehr zweifelhaften Fundament – der üppig vorhandenen Liquidität dank der sehr expansiven Geldpolitik der Notenbanken. So lange der Treibstoff den Aktienmärkten weiterhin zur Verfügung steht, ist eine größere Korrektur eigentlich ausgeschlossen, zumal es keine lukrativen Anlagealternativen gibt.

Doch nicht nur Stimmungsbarometer wie der ZEW-Index mahnen zur Vorsicht, auch harte Daten können nicht restlos überzeugen. Kurz vor Handelsbeginn meldete das Statistische Bundesamt für das erste Quartal ein Wachstum des deutschen BIP von 0,1 Prozent – die heimische Wirtschaft tritt somit auf der Stelle. Immerhin, Deutschland bleibt eine neue Phase der Rezession erspart, denn nachhdem das BIP im Schlussquartal 2012 um 0,7 Prozent sank, kam es nun nicht zu einem Rückgang von zwei Quartalen in Folge. In den anderen Euro-Staaten (Spanien, Italien, Frankreich nach den heutigen Daten zum Q1 ebenfalls in der Rezession) sieht es hingegen deutlich schlechter aus. Um 11:00 Uhr wird das BIP für den Euro-Raum veröffentlicht – Volkswirte erwarten das sechste Quartalsminus in Folge.

Während die Aktienmärkte in Europa neue Verlaufshochs erreichen, wird an den Devisenmärkten bereits eine andere Karte gespielt.  Zwar behauptete sich die Gemeinschaftswährung bis Ende der vergangenen Woche noch recht gut über der Marke von 1,30 Dollar. Dies lag aber vor allem an der kräftig  gestiegenen Risikoneigung der Investoren. Trüben sich die Perspektiven in Europa weiter ein bei gleichzeitig ordentlichen US-Konjunkturdaten, könnte der US-Dollar vor einem kräftigen Comeback stehen. Zuletzt zeigte der Greenback bereits Stärke gegenüber wichtigen Währungen wie dem Japanischen Yen oder dem Australischen Dollar. Zudem mehren sich inzwischen die Signale einer bevorstehenden, eher restriktiveren US-Geldpolitik. Vor allem nach den zuletzt besser als erwarteten US-Arbeitsmarktzahlen für Mai (deutliche Revesion der Vormonatswerte) könnnte der Markt schon bald auf einen wenn auch langsamen, aber kommenden Ausstieg aus der sehr expansiven Geldpolitik vorbereitet werden. In Japan und auch Europa (EZB reduzierte erst Anfang des Monats die Zinsen auf ein historisches Tief von 0,5 Prozent) sind wie davon noch weit entfernt.

An den Devisenmärkten wird dieses Szenario inzwischen verstärkt gespielt. Denn der Dollar-Index steht kurz davor, über das 2012er-Hoch zu steigen und somit ein klares Kaufsignal zu liefern. Sollte der Widerstand überwunden werden, könnte der Währungskorb erstmals seit Mitte 2010 wieder die seit Jahren bestehende Abwärtstrendlinie bei aktuell knapp 87 Punkten anlaufen. Ein Ausbruch dürfte auch an den Aktien-, Rohstoff- und Rentenmärkten nicht ohne Folgen bleiben.

 

Tradesignal Online. Tradesignal® ist eine eingetragene Marke der Tradesignal GmbH. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.

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Zum heutigen Tag:

Wie erwartet erreichte der DAX bereits zu Handelsbeginn ein neues Rekordhoch (8368 Punkte) und pendelt nun um 8340 Zähler. Commerzbank-Aktien stehen erneut im Rampenlicht und büßen um gut 16 Prozent ein. Allerdings ist der Abschlag nur optischer Natur, denn die Papiere werden heute ex Bezugsrecht gehandelt. Der Bezugspreis liegt bei 4,50 Euro, gestern schloss die Aktie auf einem Rekordtief von 9,31 Euro. Der rechnerische Wert des Bezugsrechts liegt somit bei rund 2,35 Euro, der theoretische Wert der Commerzbank-Aktie bei 6,96 Euro. Aktuell werden hingegen rund acht Euro gezahlt.

Im Gewinnerfeld ist auch die Allianz-Aktie zu finden. Zwar sieht das Unternehmen für die kommenden Jahre eine große
Herausforderung für Sparer und Investoren, den Gewinn aus der Sparte konnte man aufgrund fondsgebundener Produkte und deren Verkauf aber  steigern. Operativ verdiente der Konzern 3,6 Prozent mehr und es blieben 855 Millionen Euro hängen. Deutlicher skeptischer wird hingegen das Zahlenwerk von RWE aufgenommen. Der zweitgrößte deutsche Energiekonzern meldete einen Rückgang beim operativen Ergebnis von gut vier Prozent auf 2,3 Mrd. Euro. Tiefrote Bilanzen lieferten zudem wie erwartet ThyssenKrupp und Salzgitter ab.

 


Zur Verfügung gestellt von: Forexpros dem Aktien Portal

 

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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