By 22. September 2014 Read More →

DAX – Reicht die Kraft noch für neue Rekorde?

Per Handelsschluss trat der DAX am vergangenen Freitag nur auf der Stelle, trotz anfänglicher Schottland-Euphorie. Immerhin, auf Wochensicht legte das Aktienbarometer um gut 1,5 Prozent zu. Doch es gibt es zwei Warnsignale…

Zunächst die gute Nachricht vorweg: Der DAX hat die ereignisreiche vergangene Handelswoche gut überstanden und legte unter dem Strich sogar zu. Zahlreiche Unsicherheitsfaktoren wie die Zinssitzung der amerikanischen Notenbank, das erste Refinanzierungsgeschäft der EZB, die Abstimmung in Schottland sowie der Große Verfall an den Terminmärkten sind nun Vergangenheit und in den Kursen eingepreist. In diesem Umfeld beendete der Markt die bisherige Konsolidierungsphase und kletterte im Anschluss auf ein neues Bewegungshoch. Die Bullen haben somit gute Gründe, optimistisch in die neue Handelswoche zu starten und die Rekordniveaus in Angriff zu nehmen. Denn relevante Widerstände sind auf dem Weg bis zum Allzeithoch kaum mehr vorhanden.

DAX: Stunden- und Tagesanalyse

Einziger Schönheitsfleck ist die Kursentwicklung am vergangenen Freitag. Zwischenzeitlich sah es so aus, als ob die 9900er-Marke genommen wird, bis zum Handelsschluss wurden die Gewinne aber wieder verkauft und der DAX testet nun von oben die ehemalige Hürde um 9800. Ähnlich auch die Entwicklung in den USA. Kurz nach dem Auftakt kletterte der S&P 500 auf neue Rekordstände, dann verpuffte aber die Euphorie, der S&P schloss sogar tiefer. Die damit ausgebildeten negativen Kerzen (s. Chart-Übersicht) trüben ein wenig die kurzfristigen Perspektiven, sollten aber mit Blick auf den Großen Verfall am vergangenen Freitag noch nicht überbewertet werden. Allerdings war in der Vergangenheit bereits mehrfach eine Richtungsumkehr nach einem Hexensabbat zu beobachten. Die neue Woche verspricht daher wieder spannend zu werden.

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Im kurzfristigen Chartbild auf Stundenbasis gibt weiterhin der Aufwärtskanal die grundsätzliche Richtung vor. Auch die von mir am vergangenen Freitag vorgestellte abc-Formation ist nach wie vor im Spiel und deutet auf Kursregionen bis 10.050. Wegen dem recht steilen Anstiegswinkel bleibt den Käufern aber kaum Zeit, um Luft zu holen. Zwischen 9780 bis 9810 verläuft die erwähnte Unterstützungszone, bei rund 9720 die Unterkante des Aufwärtskanals. Im Idealfall behauptet sich der DAX bereits über der horizontalen Zone und bildet nun kontinuierlich neue Bewegungshochpunkte aus.

Lediglich die alte Unterseite des ehemaligen Aufwärtskanals im Tageschart könnte die Akteure zu größeren Gewinnmitnahmen veranlassen. Bereits am Freitag bremste die Region den DAX aus, ab 9900 scheint somit derzeit die Luft etwas dünner zu werden. Anfang kommenden Monats schneidet die Gerade die 10.000er-Marke, weitere moderate Kursgewinne sind somit möglich, ohne dass der DAX den alten Kanal zurückerobert. Die vorbörslichen Indikationen deuten auf eine nahezu unveränderte Eröffnung, der Index wird bei rund 9780 erwartet.

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Wochenanalyse:

Sommer 2012 als Blaupause

Auch im langfristigen Wochenchart sind nun deutliche Bremsspuren der jüngsten Korrektur zu erkennen. Ähnlich wie auf Tagesbasis gab auch hier der Aufwärtskanal die grundsätzliche Richtung vor. Erstmals seit Sommer 2012 rutsche der DAX wieder deutlich unter die 200-Tage-Linie. Allerdings eroberte der Markt vor zwei Jahren den langfristigen Gleitenden Durchschnitt rechnet schnell wieder zurück – aktuell sehen wir eine ähnliche Reaktion. Bleibt das Muster bestehen, sollte der DAX zumindest noch das Rekordniveau um 10.000 erreichen.

Bereits seit mehreren Wochen warnte ich an dieser Stelle vor der negativen Divergenz im MACD. Während der DAX in den vergangenen Monaten höhere Hochs ausbildete, wurden diese nicht mehr durch den trendfolgenden Indikator bestätigt (rote Linie beim MACD). Mit dem Kursrutsch wurden die bearischen Signale bestätigt, noch liefert der MACD aber kein Kaufsignal.

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Monatsanalyse:

Zwei Szenarien für die Zukunft

Im abgebildeten Monatschart seit 1960 wird vor allem die Bedeutung des Kursbereichs um 8000 / 9000 deutlich. Nach dem Ausbruch aus einer rund 20 Jahre andauernden Seitwärtsbewegung im Jahr 1983 zeigte der DAX bis zur Jahrtausendwende eine ausgeprägte Rally-Bewegung. Mit dem Platzen der Spekulationsblase wurde diese Aufwärtsbewegung in den vergangenen 13 Jahren konsolidiert. In dieser Zeit bildete der Deutsche Aktienindex deutlich steigende Bewegungstiefpunkte aus, was auf einen allmählich steigenden Kaufdruck deutet. Der Sprung über die Hochpunkte aus dem Jahr 2000 und 2007 bei 8200 war somit nur eine Frage der Zeit. Der DAX löste ein sehr bullish aufsteigendes Dreieck nach oben hin auf, aus dem theoretisch Notierungen deutlich jenseits der 10.000er-Marke abgeleitet werden können.

Nach dem nun erfolgten Ausbruch sind zwei grundsätzliche Szenarien denkbar. Aufgrund der Bedeutung der Zone um 8200 wäre eine Rückkehrbewegung und somit ein Retest des Ausbruchsniveau nicht überraschend. Ein möglicher Wendepunkt könnte an der psychologisch wichtigen Schwelle von 10.000 liegen. Ausgehend von einem kurzen Test der fünfstelligen Kursmarke wäre mit einer Korrektur bis in den Bereich von 8200 / 8500 zu rechnen, von dem aus dann eine nachhaltige Aufwärtsbewegung erfolgen würde. Zugleich eröffnet sich Anlegern, die den Einstieg bisher verpassten, auf langfristige Sicht noch einmal eine gute Einstiegsgelegenheit.

In einem zweiten Szenario bleibt ein Test der Zone um 8200 von oben aus. Stattdessen läuft der Markt nach einer recht wahrscheinlichen Konsolidierung bei rund 10.000 weiter aufwärts. Neue Widerstände müssten sich erst noch herausbilden. Unwahrscheinlicher erscheint hingegen ein Rücksetzer unter das Ausbruchsniveau von 8200. Eine ähnliche Situation liegt auch im amerikanischen Leitindex S&P 500 vor.

Das Hauptaugenmerk gilt aber dem MACD. Der trendfolgende Indikator hat sich in den vergangenen 20 Jahren bereits mehrfach als guter Taktgeber für den langfristigen Verlauf erwiesen. Besonders an den Bewegungshochpunkten in 2000 und 2007 warnte der Signalgeber jeweils frühzeitig vor einer neuen Baisse. Die aktuelle Ausgangslage weist dabei viele Parallelen mit der Situation von vor 14 und sieben Jahren auf. Der MACD steht auf einem ähnlichen Niveau (knapp unter der roten Linie), zudem lieferte der Indikator erstmals seit August 2011 wieder ein Verkaufssignal.  

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About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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