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DAX – Psychospiele und die letzte Hürde vor dem Befreiungsschlag

Einige viel beachtete US-Werte wie Home Depot oder Apple erzielten gestern bereits frische Rekordstände, auch der marktbreite S&P 500 könnte heute nachziehen. Der DAX ist von ähnlich positiven Meldungen noch weit entfernt. In den nächsten Stunden dürfte es dennoch zu einer Weichenstellung im kurz- bis mittelfristigen Bereich kommen. 

 

DAX: Stunden- und Tagesanalyse

Auf den ersten Blick verlief der gestrige Handelstag in Frankfurt etwas ungewöhnlich. Nach einer sehr festen Eröffnung kletterte der Markt auf neue Hochs und signalisierte einen nicht zu unterschätzenden Kaufdruck. Doch ähnlich wie bereits am Vortag passierte danach nichts mehr, bis zur Schlussglocke und sogar im nachbörslichen Handel dümpelte der DAX nur noch seitwärts in einer Spanne von rund 30 Punkten. Nach wie vor ist somit sehr viel Skepsis im Markt, gehandelt werden lediglich die guten Vorgaben von den US-Börsen, danach herrscht Flaute und niemand will sich zu weit aus dem Fenster lehnen. Eine breit unterstützte Bewegung mit kontinuierlichen Anschlusskäufen sieht anders aus. Zugleich blieb das Handelsvolumen – auch für die Sommerzeit – bei sehr niedrigen 2,1 Mrd. Euro auf Xetra.

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Aus dem technischen Blickwinkel kann die Lethargie durchaus gut begründet werden. Denn im Bereich um 9300 bis 9350 tummeln sich einige Hürden, die den Markt derzeit ausbremsen. Besonders an der 21-Tage-Linie nahmen zuletzt einige kurzfristig ausgerichtete Anleger Gewinne mit. Zudem hat der DAX hier 38 Prozent der Abwärtswelle wieder aufgeholt. Viele Anleger orientieren sich an dieser Fibonacci-Marke und verkaufen ihre Long-Positionen. Auch die fallende innere Abwärtstrendlinie sorgt für zusätzlichen Angebotsdruck und verstärkt den negativen Effekt.

Unter dem Strich ist es daher nicht überraschend, dass der DAX zumindest am Dienstag nur seitwärts lief. Erst wenn das erhöhte Angebot aufgenommen ist, sind höhere Kurse möglich. Der DAX befindet sich somit an einer wichtigen Stelle, die Kursreaktionen in den kommenden Handelsstunden werden viel über die Meinung der Marktakteure verraten. Denn auch einige mittelfristige Akteure, die vom kräftigen Rücksetzer überrascht wurden und nicht verkauften, überlegen sich jetzt, ihre Positionen zu verkaufen, um mit einem „blauen Auge“ davonzukommen. Ein hohes Angebot trifft somit auf einen unverändert unsicheren Markt. Sollte die Nachfrage trotz der verstärkten Verkäufe kurzfristig und mittelfristig ausgerichteter Anleger dennoch dominieren, wäre dies ein starkes Signal in Richtung steigende Kurse. Wer dann auf der falschen Seite positioniert ist oder seine Long-Engagements sicherheitshalber verkaufte, muss zügig wieder einsteigen, um nicht in Performancerückstand zu geraten.

Noch aber ist dieses bullische Szenario nicht eingetreten, auch vorbörslich deutet sich ein sehr ruhiger Handelsauftakt ab. Der DAX sollte nun sehr genau beobachtet werden. Klettern die Kurse über 9360, steigt die Wahrscheinlichkeit für eine weitere Aufwärtswelle in Richtung 200-Tage-Linie bei 9500 massiv an. Darüber hinaus winken sogar Kurse von 9600, hier wären 61,8 Prozent der Korrektur wieder aufgeholt, die Börsenampel würde wieder auf Grün springen.

Auf der Unterseite gilt es den Bereich um 9300 zu verteidigen. Kippt der DAX weiter zurück, liegen Haltemarken bei 9200 und 9060.

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Wochenanalyse:

Wiederholt sich die Geschichte?

Auch im langfristigen Wochenchart sind nun deutliche Bremsspuren zu erkennen. Ähnlich wie auf Tagesbasis gab auch hier der Aufwärtskanal die grundsätzliche Richtung vor. Erstmals seit Sommer 2012 rutsche der DAX wieder deutlich unter die 200-Tage-Linie. Allerdings eroberte der Markt vor zwei Jahren den langfristigen Gleitenden Durchschnitt rechnet schnell wieder zurück, ein ähnliches Szenario ist auch jetzt vorstellbar. Aktuell stabilisiert sich der DAX an der mittelfristig wichtigen Unterstützungsregion um 8900 / 9000. Die Börsenampel bleibt somit auf Orange.

Bereits seit mehreren Wochen warne ich an dieser Stelle vor der negativen Divergenz im MACD. Während der DAX in den vergangenen Monaten höhere Hochs ausbildete, wurden diese nicht mehr durch den trendfolgenden Indikator bestätigt (rote Linie beim MACD). Die kurzfristig überverkaufte Lage im DSS Bressert ist ein erster Hoffnungsschimmer, allerdings kann der Signalgeber durchaus über mehrere Wochen im unteren Extrembereich verlaufen (s. Sommer 2012).

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Monatsanalyse:

Zwei Szenarien für die Zukunft

Im abgebildeten Monatschart seit 1960 wird vor allem die Bedeutung des Kursbereichs um 8000 / 9000 deutlich. Nach dem Ausbruch aus einer rund 20 Jahre andauernden Seitwärtsbewegung im Jahr 1983 zeigte der DAX bis zur Jahrtausendwende eine ausgeprägte Rally-Bewegung. Mit dem Platzen der Spekulationsblase wurde diese Aufwärtsbewegung in den vergangenen 13 Jahren konsolidiert. In dieser Zeit bildete der Deutsche Aktienindex deutlich steigende Bewegungstiefpunkte aus, was auf einen allmählich steigenden Kaufdruck deutet. Der Sprung über die Hochpunkte aus dem Jahr 2000 und 2007 bei 8200 war somit nur eine Frage der Zeit. Der DAX löste ein sehr bullish aufsteigendes Dreieck nach oben hin auf, aus dem theoretisch Notierungen deutlich jenseits der 10.000er-Marke abgeleitet werden können.

Nach dem nun erfolgten Ausbruch sind zwei grundsätzliche Szenarien denkbar. Aufgrund der Bedeutung der Zone um 8200 wäre eine Rückkehrbewegung und somit ein Retest des Ausbruchsniveau nicht überraschend. Ein möglicher Wendepunkt könnte an der psychologisch wichtigen Schwelle von 10.000 liegen. Ausgehend von einem kurzen Test der fünfstelligen Kursmarke wäre mit einer Korrektur bis in den Bereich von 8200 / 8500 zu rechnen, von dem aus dann eine nachhaltige Aufwärtsbewegung erfolgen würde. Zugleich eröffnet sich Anlegern, die den Einstieg bisher verpassten, auf langfristige Sicht noch einmal eine gute Einstiegsgelegenheit.

In einem zweiten Szenario bleibt ein Test der Zone um 8200 von oben aus. Stattdessen läuft der Markt nach einer recht wahrscheinlichen Konsolidierung bei rund 10.000 weiter aufwärts. Neue Widerstände müssten sich erst noch herausbilden. Unwahrscheinlicher erscheint hingegen ein Rücksetzer unter das Ausbruchsniveau von 8200. Eine ähnliche Situation liegt auch im amerikanischen Leitindex S&P 500 vor.

Das Hauptaugenmerk gilt aber dem MACD. Der trendfolgende Indikator hat sich in den vergangenen 20 Jahren bereits mehrfach als guter Taktgeber für den langfristigen Verlauf erwiesen. Besonders an den Bewegungshochpunkten in 2000 und 2007 warnte der Signalgeber jeweils frühzeitig vor einer neuen Baisse. Die aktuelle Ausgangslage weist dabei viele Parallelen mit der Situation von vor 14 und sieben Jahren auf. Der MACD steht auf einem ähnlichen Niveau (knapp unter der roten Linie), zudem lieferte der Indikator erstmals seit August 2011 wieder ein Verkaufssignal.  

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Posted in: Deutschland, Indizes

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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