By 11. Januar 2016 Read More →

DAX, Öl und Apple – endlich werden Fakten geschaffen

Die Märkte befinden sich an einem Punkt, von dem ich offen gestanden nicht weiß, ob ich von fünf Minuten vor Zwölf oder kurz nach Zwölf sprechen sollte. Aber da die Uhr ja nicht aufzuhalten ist, kennen Sie das Ergebnis.

Die Strategie, die Realität für das geneigte Publikum durch eine hauseigene Version der Wirklichkeit zu ersetzen, war früher einmal unverkennbares Markenzeichen totalitärer, diktatorischer Systeme – und die Ausnahme. Heute ist es andersherum. Das, was ich in meinem „Kapitalschutz-Report“ schon im Mai 2003 als „präsidiale Konstruktion der Wirklichkeit“ bezeichnet habe, ist mittlerweile zum Standardprogramm (auch) aller sgn. westlichen Demokratien geworden. Und einer der Hauptgründe dafür, dass immer mehr Menschen der Politik immer weniger vertrauen.

Natürlich weiß jeder, der sich für die Fakten auch nur ansatzweise interessiert, dass rund 15 Prozent Lebensmittelmarken beziehende US-Bürger (die alle Arbeit suchend gemeldet sein müssen) und eine offizielle Arbeitslosenquote von 5,0 Prozent einfach nicht zusammenpassen können. Bis vor kurzem taten aber zumindest die Anleger noch so, als ob sie das nicht wüssten. Und die Federal Reserve auch.

Mit tatsächlichen 22,9 Prozent verharrte die US-Arbeitslosenquote im Dezember auf Vormonatsiveau. Der vom Bureau of Labor Statistics gemeldete Jobzuwachs entfiel größtenteils auf schlecht bezahlte Nebenjobs von Rentnern und Menschen, die vor dem Ruhestand stehen und die durch die Zinspolitik der FED entstandenen Renditelücken ihrer Altersvorsorge ausgleichen wollen.

Durch den (anhaltenden) Export von produktiven Arbeitsplätzen haben sich die USA schon recht deutlich in Richtung der Arbeitsmarktsituation eines Dritte Welt-Landes bewegt. Militärisch stellen die Vereinigten Staaten sicherlich eine „Großmacht“ dar. Und beim Export von Regimewechseln, dem Wegputschen demokratisch gewählter Staatslenker, dem Verkauf von Waffen und der Destabilisierung Europas zweifellos auch. Wirtschaftlich gesehen, ist das bankrotte Land bestenfalls noch in der zweiten Reihe anzusiedeln.

Die US-Notenbank hat die Zinsen (ich hatte es nicht erwartet) tatsächlich angehoben. Entweder sie wird diesen Schritt innerhalb der kommenden sechs Monate zurücknehmen oder aber sie wird ein „Quantitative Easing IV“ lancieren. Nutzen wird all das nichts. Denn wie es aussieht, haben die Börsen bereits in den Bärenmodus umgeschaltet – was ich Ihnen in der vorletzten Ausgabe 2015 genau so avisiert hatte!

Wall Street: Am seidenen Faden

Als Freund des Puristischen habe ich den Chart des marktbreitesten US-Index NYSE Composite nebenstehend einmal ohne jeden „Schnickschnack“ abgebildet:

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Wie Sie sehen, hat der Index zum Wochenausklang auf Höhe der letzten beiden Verlaufstiefs des vergangenen Jahres geschlossen – rund 15 Prozent unter seines Allzeithochs.

Noch eine einzige negative Nachricht, egal aus welchem Umfeld, und diese Unterstützung wird durchbrochen werden. Mit einem dann rasch zu erwartenden Kursziel von 8.500 Punkten.

DAX: Erhöhtes Risiko

„Köln“, sollte es sich wiederholen – und es wird – gefährdet den Nimbus des international anerkannten „sicheren“ Wirtschaftsstandorts Deutschland. Dass der BND zeitgleich von einer noch nie da gewesenen terroristischen Bedrohung spricht, garniert das Ganze noch ein wenig.

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Verglichen mit der Wall Street hat der DAX bis zum Test oder auch Bruch seiner seit 2009 bestehenden Aufwärtstrendlinie noch massiv Luft nach unten.

Dieses Risiko ist kein kleines. Was ich aber eher als Chance deute. DAX-Puts sind und bleiben aussichtsreicher als Puts auf die Wall Street. In Secretz (www.secretz-online.de) hatte ich meinen Lesern rechtzeitig einen DAX-Put ans Herz gelegt. Mein eigener (den ich wegen möglicher jur. Klagen wegen Frontrunnings oder Insidergeschäften) immer anders wähle, wurde zwar ausgestoppt – in Secretz sind meine Leser aber weiter mit von der Partie!

Rohöl: Abgeschmiert

Weihrauch habe ich als langjähriger „Messdiener“ (ich war einmal katholisch) genügend inhaliert. Und außerdem sollte man seine Fehleinschätzungen zu den Märkten, an denen ich keinen Mangel habe, auch nicht vergessen.

Bei Rohöl aber liege ich nun einmal seit langem und entgegen aller Prognosen der sgn. Profis und Insider richtig. An Anrufen, die mich zur Bekehrung meiner Ansicht aufriefen, bestand kein Mangel. Aber warum sollte ich?

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Meine Ihnen ja schon so lange bekannte Zielmarke von 30 US$/barrel (Sorte Brent) rückt nun immer näher. Wird sie halten? Ich denke, nein. Weswegen ich in dieser Woche bei Secretz (siehe erste Zeile dieser Seite) erneut in einen Put eingestiegen bin. Fundamentaler Grund: Saudi-Arabien und der Iran (die beiden Big Player im Nahen Osten) werden versuchen, sich gegenseitig auf der Öl-Ebene zu ruinieren. Im Interesse der USA liegt es, die auf Öl/Gas bestehende Einnahmequelle Russlands zu unterminieren. Und Chinas offenkundig schwerer als verlautbart angeschlagene Wirtschaft dürfte auch nicht gerade ein Argument für Rohöl sein.

Apple: Beißen Sie zu!

Die Apple-Aktie hatte ich Ihnen ja schon sehr lange als möglichen Kandidaten für eine Abwärtswende vorgestellt. Und dabei auf die wirklich perfekte, so selten anzutreffende „Schulter-Kopf-Schulter“-Formation hingewiesen und Ihnen zugeraten, beim Bruch der (waagerechten) „Nackenlinie“ dieser Formation auf der Putseite zuzufassen.

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Einkalkulieren müssen Sie hier einen Rücklauf nach oben bis an diese Nackenlinie, die kommen kann oder auch nicht. Aber: Charttechnisch ist die Aktie so oder so nach unten offen bis zu ihrer nächsten Unterstützung bei rund 85 USD. Dass sie hält, steht in Frage.

Viel Erfolg uns beste Grüße!

About the Author:

Axel Retz ist seit über 25 Jahren als Chefredakteur von Börsenmagazinen und Börsendiensten tätig und betreibt das Portal private-profits. Konservative Anleger finden dort seit Jahren bewährte, treffsichere Strategien zur Outperformance der Märkte in Hausse- und Baissephasen. Aggressivere Trader finden alle notwendigen Tools, um mit kleinem Einsatz kurzfristige Gewinne zu erzielen. „Phasen, in denen sich keine Gewinne erzielen lassen, das sind die Seitwärtsmärkte. Aber sie sind nichts anderes als Unterbrechungen im Trendverhalten. Technische oder fundamentale Analyse? Für mich macht es die Mischung!“

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