DAX-Chartanalyse: Die letzte Bastion

Während Dow Jones und S&P 500 bereits vor Wochen mit frischen Rekordochs glänzten, mussten sich die DAX-Bullen bis gestern gedulden. Die knapp zehnprozentigen Rally scheint nun aber allmählich ausgereizt, zumal eine hohe Hürde wartet. Die DAX-Chartanalyse für den 8. Mai 2013.  

 

Herzlichen Glückwunsch DAX – nach sechs zeitweise dramatischen Jahren kletterte das Deutsche Aktienbarometer am Dienstag auch im Tagesverlauf auf ein Rekordhoch von 8206,01 Punkten und beendete den Handel, ebenfalls auf einem Allzeithoch, bei 8181,78 Zählern. Es scheint fast so, als ob keine Hürde die seit Ende April laufende Rally aufhalten könnte. Ohne Konsolidierung ging es bisher um knapp zehn Prozent oder rund 740 Punkte aufwärts.

Die Euphorie ist derzeit sicher groß, ein Grund mehr nun sehr vorsichtig zu werden, denn im Gebiet zwischen 8220 und 8260 Zählern verlaufen – je nach Auflagepunkt – zwei  mittelfristige Aufwärtstrendlinien, an denen es in den vergangenen Monaten wiederholt zu einer Richtungsumkehr kam. Zusammen mit den beiden markanten Bewegungshochs aus 2000 und 2007 bei ebenfalls 8150 Punkten, wird die Psyche der Käufer nun auf eine harte Probe gestellt, denn zuvor kam es auf diesem Niveau immer zu einem langfristigen Baisseimpuls.

Kurzfristig betrachtet ist der Markt aber deutlich überkauft und das Korrekturrisiko wächst mit jedem Tag. Klare Verkaufssignale lassen sich aber weder im Stunden- noch im Tageschart derzeit ausmachen. Setzen dennoch Gewinnmitnahmen ein, kristallisierte sich am Montag bei 8100 Zählern eine schwache Unterstützung aus, darunter wäre um 8050 und vor allem zwischen 7930 bis 8000 mit verstärkten Nachkäufen zu rechnen.

 

 
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Kennzahlen:

DAX-Pivot-Punkte für den 8. Mai:

 

Für einige Anleger sind Pivot Punkte vielleicht noch Neuland. Kurz zur Erklärung: Die Pivot Punkte dienen der Kurszielbestimmung und haben ihren Ursprung in den Futures-, Termin- und Forexmärkten. Grundannahme ist, dass die Kursbewegungen des vorherigen Handelstages Einfluss auf den neuen Börsentag haben. Berechnungsgrundlage sind daher Tageshoch, Tagestief und Schlusskurs vom Vortag. Als Ergebnis erhält man drei Widerstandsmarken (Resist R 1-3) sowie drei Unterstützungsniveaus (Support S 1-3).

 

wichtige Chartmarken:

 

 

 



 

Aufwärtstrendlinie als letzte Hürde

Die seit dem 23. April laufende Rally vermittelt auch im Tageschart einen gesunden Eindruck. Deutlich zu erkennen sind lange weiße Kerzen nahezu ohne eine obere oder untere Lunte. Anders formuliert: An den zurückliegenden Tagen startete der DAX bereits kurz nach Handelsbeginn meist direkt aufwärts und notierte zum am Abend meist in der Nähe des Tageshochs. Auch das Umsatzvolumen legte zuletzt spürbar zu und liegt auf einem überdurchschnittlich hohen Niveau.

Wie bereits in der Stundenanalyse erwähnt könnte weitere Aufwärtsavancen nur noch an der seit September vergangenen Jahres bestehenden oberen Trendlinie scheitern. Ob der DAX nach knapp 700 Punkten Kursgewinn noch über genügend Schwungkraft verfügt, im ersten Anlauf die Hürde zu nehmen, kann derzeit nicht gesagt werden. Die Indikatoren weisen einen leicht überhitzten Zustand auf, was allerdings noch nicht beunruhigen sollte. Ähnlich wie im Winter kann der Markt über mehrere Wochen überkauft sein und dennoch weiter steigen. Spekulieren Sie also nicht zu früh auf eine Korrektur. Erst wenn sich chart- und markttechnische Kaufsignal bestätigen, könnte die Stimmung (kurzzeitig) kippen.

 

 
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2007 doch keine Blaupause?

Nicht nur auf kurzfristiger Zeitebene wird es nun spannend, auch auf dem übergeordneten Wochenchart steht nun viel auf dem Spiel. Bisher ähnelte das Kursverhalten des DAX recht stark den Bewegungen aus 2007. Vor rund sechs Jahren lief der DAX zunächst bis an die 8000er-Marke, scheiterte aber und fiel kurzzeitig sogar unter die 7500 zurück. In den Folgemonaten pendelte das Aktienbarometer zwischen 7400 bis 8200 Zähler, ehe Anfang 2008 der Crash einsetzte.

Übertragen auf das Jahr 2013 wäre somit in den kommenden Monaten mit steigenden Kursen zu rechnen, wobei der DAX nicht nachhaltig über die 8200er-Schwelle ausbrechen würde. Im Spätsommer ist mit kurzen Gewinnmitnahmen zu rechnen, ehe eine kleine Jahresendrally zu erwarten wäre.

Nachdem vor wenigen Wochen noch die Untergrenze dieser Range einer ernsthaften Prüfung unterzogen wurde, richtet sich der Fokus nun auf die nördliche Begrenzung. Zumindest von Seiten der Indikatoren wäre eine Fortsetzung der Rally und damit ein Ausbruch auf der Oberseite leicht zu favorisieren. Der DSS Bressert drehte erst kürzlich von der überverkauften in die neutrale Zone und könnte schon bald das jüngste Hoch überwinden und damit zugleich die höheren Bewegungshochs im DAX bestätigen.

 

 
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DAX über 10.000 möglich, wenn…

Der Monatschart weckt viel Kursfantasie, denn sehr langfristig betrachtet besteht durchaus die Chance auf Auflösung eines sehr großen aufsteigenden Dreiecks. Fünfstellige DAX-Kurse sind somit auch charttechnischer Sicht durchaus in Reichweite. Zwingende Voraussetzung dafür ist aber, dass der DAX auch neue Rekordstände nachhaltig erreicht und auch auf Monatsbasis verteidigt.

Ob dies bereits während der laufenden Aufwärtsbewegung erfolgt oder erst nach einem Rücksetzer (bis maximal an die noch nicht bestätigte untere Trendlinie bei knapp 5000 Punkten), lässt sich aktuell nicht vorhersagen. Immerhin spielt die zeitliche Komponente den Bullen in die Karten. Seit dem Jahr 2000 verkürzen sich die Hausse- und Baissephasen. So dauerte die erste Abschwungphase beginnend Anfang 2000 rund drei Jahre. Der scharfe Rücksetzer ab Anfang 2008 stoppte rund 15 Monate später, in 2011 kapitulierten die Bären nach 5 Monaten. Ähnlich verhält es sich auch mit den Aufwärtsbewegungen.

Auch von Seiten der Indikatoren ist das Potenzial noch nicht ausgeschöpft. Der trendfolgende MACD notiert aktuell noch deutlich unter den Extremwerten in 1998, 2000 und 2007, ab denen jeweils die Baissephasen einsetzten.

 

 
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About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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