DAX-Chartanalyse: Offener Schlagabtausch

Knapp über der 8000er-Marke nimmt die Volatilität deutlich zu. Der Angriff der Verkäufer scheint wirkungslos zu verpuffen. Die neuen Handelsmarken in der DAX-Chartanalyse für den 14. Juni 2013. 

 

 

Kurz vor einem hoffentlich sonnigen Wochenende will es der DAX noch einmal wissen. In den vergangenen Tagen nahm die Schwankungsbreite des Leitindex deutlich zu, ein klares Zeichen für eine erhöhte Nervosität an den Märkten. Trader freuen sich über die dynamischen Kursreaktionen. Wenn Sie aber noch nicht so viel Erfahrung mit Hebelpapieren haben, ist gerade in diesen Börsenphasen ein striktes Money Management mit Stoppkurse Pflicht. Ansonsten kann ein schlechter Trade zum Totalverlust führen und nicht nur die Monats- sondern auch Halbjahresperformance schwer belasten.

Zurück zum DAX: Zeitweise sah es gestern recht düster aus, aber nur auf den ersten Blick. Der erste Chart zeigt deutlich, dass der Markt an der 8000 jeweils zum Stundenschlusskurs wieder nach oben gekauft wurde und der DAX nur immer sehr kurz die runde Schwelle nach unten durchbrach. Ein weiterer Beleg, dass im sehr kurzen Zeitfenster immer Stundenschlusskurse zur Bestätigung abgewartet werden sollten. Gültigkeit hat weiterhin auch der eingezeichnete Abwärtstrendkanal, der gestern auf der Unterseite angelaufen wurde. Zugleich bestätigte der DAX auch die Relevanz des aktuellen Rechtecks, dessen Unterseite bei rund 7990 Zählern verläuft (s. graue Zone im Tageschart). Bis zum Handelsschluss schrumpfte die am Morgen gerissene Kurslücke (Abwärts-Gap) auf rund zehn Punkte.

Nachbörslich ging es weiter aufwärts, der DAX wird eine Stunde vor Handelsbeginn bei 8160 Punkten erwartet. Weitere Kursgewinne sind durchaus einzuplanen, denn der erwähnte Abwärtskanal lässt aktuell nach oben hin Luft bis 8225 Punkte. Auf diesem Niveau wird es für die Bullen aber deutlich schwerer, denn mit dem Widerstandsband zwischen 8220 bis 8250 Zähler sowie dem Hoch vom Mittwoch bei rund 8245 Punkten steht einer weiteren Erholung ein massives Bollwerk entgegen. Erst oberhalb von 8250 Punkten hellt sich die Lage im kurzfristigen Bereich wieder auf und der DAX könnte zu Beginn der kommenden Woche das nächste Ziel bei 8350 Zählern attackieren. Voraussetzung für dieses Szenario: Der DAX behauptet sich über der 8000er-Marke und bleibt somit im erwähnten Rechteck.

Dreht der Markt hingegen bereits deutlich unterhalb der oberen Begrenzung der Abwärtsrange wieder nach unten, wäre dies als Schwächezeichen zu sehen. Haltepunkte liegen bei 8100 Zählern, an der 55-Tage-Linie bei 8050 sowie bei 7925/7950 Punkten.

 

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Kennzahlen:

DAX-Pivot-Punkte für den 14. Juni:

DAXPivot

 

Für einige Anleger sind Pivot Punkte vielleicht noch Neuland. Kurz zur Erklärung: Die Pivot Punkte dienen der Kurszielbestimmung und haben ihren Ursprung in den Futures-, Termin- und Forexmärkten. Grundannahme ist, dass die Kursbewegungen des vorherigen Handelstages Einfluss auf den neuen Börsentag haben. Berechnungsgrundlage sind daher Tageshoch, Tagestief und Schlusskurs vom Vortag. Als Ergebnis erhält man drei Widerstandsmarken (Resist R 1-3) sowie drei Unterstützungsniveaus (Support S 1-3).

 

wichtige Chartmarken:

DAXMarken

 

 

 



 

Der Kampf ist noch nicht entschieden

Auf der mittelfristigen Ebene liefert die Markttechnik aktuell leider keine klaren Signale. Der etwas trägere aber in Trendphasen zu favorisierende MACD steht seit dem zweiten Anlauf an das Rekordhoch Mitte Mai auf Verkaufen. In den vergangenen Monaten lieferte der Oszillator jeweils gute Hinweise und sollte auch weiterhin genau verfolgt werden. Hoffnungsvoller gestaltet sich derzeit wieder der Blick auf den sensibleren DSS Bressert. Aktuell im deutlich überverkauften Bereich liegend, wäre eine Erholung eigentlich überfällig.

Das grau hinterlegte Rechteck scheint weiterhin eine große Relevanz zu haben. Nachdem der Ausbruch auf der Oberseite auf Höhe des Rekordhochs bei 8550 Punkten scheiterte, testete der Markt die untere Extremzone der Range bei 8000 Punkten. Bleibt ein Rücksetzer per Tagesschluss unter 8000 Punkte aus, liegt der nächste Zielbereich an der Oberkante des Rechtecks. Erst wenn der DAX diesen Widerstand nimmt, springt die Börsenampel eindeutig wieder auf Grün. Bis dahin ist vorerst nur mit einer Fortsetzung der Konsolidierung über die Zeitachse zu rechnen. Nach unten hin gilt es für die Bullen die auch psychologisch wichtige Marke von 8000 Zählern zu verteidigen.

 

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9750 oder 7600? 

In den vergangenen Wochen arbeitete der DAX einige wichtige Marken ab, die sich in der Zwischenzeit bereits als gute Unterstützung erwiesen. Nachdem Ende 2012 der Sprung über die Region um 7400 erfolgte, kam es im April zum Retest und damit Bestätigung von oben. Die jüngste dynamische Rally führte den DAX schließlich über die letzte Hürde im Bereich der Rekordhochs aus 2000 und 2007 um 8110 / 8150 Punkten. Auch dieses Level prüfte der DAX inzwischen von oben. Im übergeordneten Wochenchart sind somit keine Schwächesignal zu erkennen. Charttechnisch relevante Widerstände sind ebenfalls Mangelware. Seit der zweiten Jahreshälfte 2011 befindet sich der Deutsche Aktienmarkt in einem breiten Aufwärtskanal, der aktuell Luft auf der Oberseite bis rund 9750 Punkte lässt. Zuletzt wurde die nördliche Begrenzung im März 2012 angelaufen, die Relevanz ist nach bisher aber nur zwei Testes noch recht gering.

Nach unten hin hat der DAX ebenfalls viel Platz, denn mit 8400 Zählern handeln wir aktuell ungefähr in der Mitte der Range. Im optimalen Szenario fällt der Markt nicht mehr unter 8000 Punkte per Wochenschluss. Sollte es dennoch zu weiteren Kursverlusten kommen, liegen zwischen 7400 bis 7600 zahlreiche robuste Unterstützungen wie zum Beispiel die Unterkante des erwähnten Trendkanals.

 

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DAX – 10.000 Punkte wären nur eine Zwischenstation

Der Monatschart vermittelt eigentlich am deutlichsten, wie wichtig die Kursentwicklung derzeit aber auch in den kommenden Wochen ist. Aktuell sieht es so aus, als ob der DAX die seit 2000 und somit seit rund 13 Jahren anhaltende große Seitwärtsbewegung endlich nach oben hin auflösen kann und somit den „Deckel lüftet“. Im Jahr 2007 scheiterte der Markt fast das gesamt Jahr hindurch an einem nachhaltigen Anstieg über das 2000er-Hoch, in 2011 zogen sich die Käufer bereits deutlich tiefer bei rund 7400 Punkten wieder zurück.

Vollkommen überraschend kommt die jüngste Entwicklung aber nicht, denn seit 2003 lässt sich eine Serie von steigenden Korrekturtiefs ausmachen. Zusammenfassend kann die Entwicklung seit der Jahrtausendwende somit auch als großes aufsteigendes Dreieck gewertet werden. Der Sprung in dreistellige Kursregionen an der 10.000er-Marke wäre nur eine Zwischenstation hin zu deutlich höheren Niveaus jenseits der 15.000. Aber das ist noch Zukunftsmusik.

Auch in dieser sehr langfristigen Betrachtung weisen die Indikatoren bereits teilweise einen überhitzten Zustand auf. Allerdings können die Signalgeber durchaus über mehrere Monate, sogar Jahre, im oberen Extrembereich laufen, ehe ein Verkaufssignal aktiv wird. Beste Beispiele liefern die Jahre 2004/2005 und 2010 (DSS Bressert). Etwas entspannter ist derzeit noch die Lage im trendfolgenden MACD. Aktuell liegt die MACD-Linie noch deutlich unter den oberen Wendepunkten der vergangenen Jahre (grüner Kasten).

Fast man alles zusammen, könnte ein mögliches Szenario wie folgt aussehen. Der DAX schafft den nachhaltigen Ausbruch und läuft – unter Korrekturen – bis an die 10.000. Hier kommt es zu einer Pullbackbewegung, die sich oft beobachten lässt, wenn der Markt lange an charttechnisch wichtigen Marken scheiterte und diese schließlich überwindet. Übertragen auf den DAX wäre mit einer Rückkehrbewegung bis 8200 / 8500 zu rechen. Hier würde sich für Nachzügler noch einmal eine günstige Gelegenheit ergeben, eher der Börsenexpress nachhaltig in fünfstellige Regionen aufbricht.

 

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Posted in: Chart-Show, Indizes

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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