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DAX-Chartanalyse: Nach dem Höhepunkt ist vor dem Höhepunkt

Dank der EZB hat der DAX endlich die 10.000er-Marke geschafft. Wenn auch nur sehr kurz und noch nicht auf Schlusskursbasis. Heute könnte sich dies bereits ändern, am frühen Nachmittag wird es erneut spannend.  

Stunden- und Tagesanalyse:

In der gestrigen Analyse  hatte ich einen kurzen Sprung in fünfstellige Kursregionen vorhergesagt, tatsächlich hielt sich der DAX an das Drehbruch. Bis auf 10.013 Punkte führte der erste Jubelsturm, nachdem EZB-Chef Mario Draghi einige Maßnahmen ankündigte, um die Kreditvergabe der Banken an Unternehmen anzukurbeln. Zudem will die Notenbank verstärkt gegen die deflationären Tendenzen in der EU vorgehen. Schauen Sie daher in den kommenden Wochen und Monaten verstärkt auf die Inflationsdaten aus Europa, die Zahlen dürften vorab viel über weitere Schritte der Währungshüter verraten.

Schauen wir aber zunächst zurück auf die vergangenen Jahre. Am 31.12.1987 wurde der DAX von der Deutschen Börse aus der Taufe gehoben. Zum Start zeigte das Aktienbarometer 1.000 Punkte an, gestern knackte der Index endlich die historische Marke von 10.000 Zählern. Seit Auflage errechnet sich ein Wertzuwachs von 9,1 Prozent pro Jahr, eine ordentliche Rendite. Nicht vernachlässigen darf man dabei aber den positiven Effekt, dass der DAX in Gegensatz zu den meisten anderen internationalen Aktienmärkten ein Performance-Index ist. Gerade der Vergleich mit dem DAX-Kursindex zeigt die Bedeutung des Wiederanlageeffekts. Auch der Kursindex wurde Ende 1987 aufgelegt, die seitdem erzielte Rendite liegt aber nur bei 6,4 Prozent pro Jahr. Bleiben wir beim Performance-DAX und wagen einen Blick in die Kristallkugel. Unterstellt man auch künftig im Durchschnitt einen Wertzuwachs von neun Prozent pro Jahr, steht der Index in rund neun Jahren bei 20.000 Punkten. Rund elf Jahre würde der Markt benötigen, wenn der jährliche Zuwachs auf sieben Prozent sinken würde. Acht Jahre sind es hingegen bei zehn Prozent. Aber was sind schon 20.000 Punkte, wäre es nicht schön, die Marke von 100.000 noch zu erleben? Statistisch ist dies für viele Anleger durchaus noch möglich. Bei einer unterstellten jährlichen Jahresrendite von neun Prozent könnte die derzeit noch völlig unvorstellbare Schwelle 2041 fallen.

Tradesignal Online. Tradesignal® ist eine eingetragene Marke der Tradesignal GmbH. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.

Mit Blick auf den kurzfristigen Horizont sollten Anleger auch heute lieber die Füße stillhalten. Um 14.30 Uhr werden die US-Arbeitsmarktdaten veröffentlicht. Erfahrungsgemäß können die Zahlen ebenfalls kräftige Bewegungen auslösen, Fehlausbrüche nach oben und unten eingeschlossen. Unter dem Strich bleibt somit das Chance-Risiko-Verhältnis eher ungünstig, in der kommenden Woche dürften sich die Märkte wieder zuverlässiger an charttechnischen Marken orientieren.

Wer dennoch aktiv sein möchte, behält auf der Unterseite unverändert die Region um 9860 im Auge. Ab Kursen von weniger als 9850 ist mit einer zügigen Abwärtsreaktion bis an die 21-Tage-Linie um 9800 zu rechnen. Zumindest im Mai kam es mehrfach am Gleitenden Durchschnitt zu einer Stabilisierung. Im ungünstigen Fall drohen Verluste von rund 250 Punkten bis in den Bereich um 9700. Hingegen müssen sich klare Widerstände auf der Oberseite erst noch ausbilden. Aktuell beträgt der Abstand zur 21-Tage-Linie nur 1,6 Prozent, erst ab 3,8 Prozent nimmt die Gefahr zu.

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Wochenanalyse:

Kaufsignal im MACD könnte DAX mittelfristig beflügeln

Auf Wochenbasis spielt sich Chart- und Markttechnik die Karten in die Hand: Seit der letzten richtigen Korrektur im Sommer 2011 läuft der Deutsche Aktienmarkt in einem stabilen Aufwärtskanal, dessen obere und untere Extrembereiche in den vergangenen Monaten und Jahren mehrfach bestätigt wurden. Während zum Jahreswechsel verstärkt die Oberseite im Fokus stand, führte die jüngste Konsolidierung zu widerholten Tests der unteren Aufwärtstrendlinie. Bisher nutzten die Käufer jeden Rücksetzer zum Einstieg, ein Kursverhalten, das wir auch im vergangenen Jahr mehrfach gesehen haben.

Die rund sechs Monate anhaltende Seitwärtsbewegung verlief somit noch innerhalb des intakten Aufwärtstrends. Mit den jüngst ausgebildeten frischen Rekordhochs scheint die Schiebezone in Trendrichtung nach oben hin aufgelöst zu werden. Dabei stellt die 10.000er-Schwelle nur eine unbedeutende Kursmarke dar. Mittelfristig lässt der Kanal durchaus Luft bis über 10.500.

Auf der Südseite ist der DAX gut abgesichert. Neben der erwähnten, zuletzt mehrfach bestätigten Aufwärtstrendlinie bei derzeit 9400 sorgen auch die 200-Tage-Linie bei knapp 9200 und die breite horizontale Unterstützungszone um 8950 / 9000 für Sicherheit.

Positiv zu interpretieren ist auch der MACD. Nach der Konsolidierung baute der trendfolgende Indikator seinen leicht überhitzten Zustand ab und steht unmittelbar vor einem Einstiegssignal.

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Monatsanalyse:

Zwei Szenarien für die Zukunft

Im abgebildeten Monatschart seit 1960 wird vor allem die Bedeutung des Kursbereichs um 8000 / 9000 deutlich. Nach dem Ausbruch aus einer rund 20 Jahre andauernden Seitwärtsbewegung im Jahr 1983 zeigte der DAX bis zur Jahrtausendwende eine ausgeprägte Rally-Bewegung. Mit dem Platzen der Spekulationsblase wurde diese Aufwärtsbewegung in den vergangenen 13 Jahren konsolidiert. In dieser Zeit bildete der Deutsche Aktienindex deutlich steigende Bewegungstiefpunkte aus, was auf einen allmählich steigenden Kaufdruck deutet. Der Sprung über die Hochpunkte aus dem Jahr 2000 und 2007 bei 8200 war somit nur eine Frage der Zeit. Der DAX löste ein sehr bullish aufsteigendes Dreieck nach oben hin auf, aus dem theoretisch Notierungen deutlich jenseits der 10.000er-Marke abgeleitet werden können.

Nach dem nun erfolgten Ausbruch sind zwei grundsätzliche Szenarien denkbar. Aufgrund der Bedeutung der Zone um 8200 wäre eine Rückkehrbewegung und somit ein Retest des Ausbruchsniveau nicht überraschend. Ein möglicher Wendepunkt könnte an der psychologisch wichtigen Schwelle von 10.000 liegen. Ausgehend von einem kurzen Test der fünfstelligen Kursmarke wäre mit einer Korrektur bis in den Bereich von 8200 / 8500 zu rechnen, von dem aus dann eine nachhaltige Aufwärtsbewegung erfolgen würde. Zugleich eröffnet sich Anlegern, die den Einstieg bisher verpassten, auf langfristige Sicht noch einmal eine gute Einstiegsgelegenheit.

In einem zweiten Szenario bleibt ein Test der Zone um 8200 von oben aus. Stattdessen läuft der Markt nach einer recht wahrscheinlichen Konsolidierung bei rund 10.000 weiter aufwärts. Neue Widerstände müssten sich erst noch herausbilden. Unwahrscheinlicher erscheint hingegen ein Rücksetzer unter das Ausbruchsniveau von 8200.

Auf Basis der Indikatoren wäre noch ein wenig Luft nach oben vorhanden. Beachten Sie vor allem den trendfolgenden MACD, der in den vergangenen 13 Jahren eigentlich recht zuverlässig die Wendepunkte beim DAX antizipierte. Allmählich erreicht der Signalgeber die Niveaus aus dem Jahr 2000 und 2007 (rote Linie).

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Posted in: Deutschland

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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